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Federers Widersprüche

Vor Wimbledon sieht sich der Baselbieter mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Auf dem Papier sieht es gut aus: Sieg in Stuttgart, Finalteilnahme in Halle. Doch auf dem Platz zeigte sich Federer in letzter Zeit oft fahrig, ungeduldig und unzufrieden mit sich selbst.

26.06.18, 05:17 26.06.18, 16:40

Simon Häring / Nordwestschweiz



Dass er zum zweiten Mal in diesem Jahr nach nur einer Woche die Führung in der Weltrangliste wieder an den Spanier Rafael Nadal abgeben musste, war für Roger Federer verkraftbar. Dass er seinen Titel in Halle nicht verteidigen konnte, schmerzte dann doch, zumal sie unliebsame Folgen hat. Es gibt ja nicht vieles, das der Baselbieter in seiner 20-jährigen Profi-Karriere noch nicht erlebt hat, doch ausgerechnet vor seinem Lieblingsturnier in Wimbledon, wo er den neunten Titel anstrebt, sieht er sich mit Unbekannten konfrontiert. «Ich habe ja im Vorfeld noch nie zwei Finals gespielt», sagte der 36-Jährige, der in Stuttgart und Halle in zwölf Tagen neun Spiele bestritt.

Rafael Nadal kehrt wegen Federers Finalniederlage wieder auf den Tennisthron zurück. Bild: AP/AP

Zwar gewann Federer ein Turnier und erreichte einen Final und sagte auch: «Doch, ich bin ganz zufrieden.» Doch auf dem Platz zeigte er sich oft von einer ungewohnten Seite: mit sich hadernd, fahrig, ungeduldig, unzufrieden mit sich selbst. Einmal beförderte er einen Ball nach einem Fehler unters Hallendach. Der angestaute Frust – er musste raus. Alleine der Ausbruch war ungewöhnlich, und noch ungewöhnlicher war die Folge: Federer wurde vom Schiedsrichter verwarnt. Klar, das ist nur eine kleine Episode, nicht weiter schlimm. Aber sie ist für Federers Woche in Ostwestfalen und den aktuellen Gemütszustand bezeichnend: Vieles ist ungewiss, vieles nicht so, wie es sein sollte.

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Das Reizthema Ausrüster

Angefangen mit der seit Monaten ungeklärten Frage, ob die seit zwei Jahrzehnten erfolgreiche Zusammenarbeit mit Ausrüster Nike doch noch weitergeht. Ob Federers Manager Tony Godsick die vermeintliche Millionen-Offerte des japanischen Herstellers Uniqlo nur als Druckmittel verwendet. Selbst der sonst so souveräne Federer reagiert inzwischen gereizt auf Fragen nach dem Stand der Verhandlungen. «Ich beabsichtige nicht, mit Ihnen darüber zu sprechen. Nicht, dass es ein Problem gäbe. Aber es ist eine Situation, die schon vor langer Zeit hätte geklärt werden müssen.» Zwar sagte der Schweizer in Stuttgart, die Situation sei für ihn nicht belastend, ein Störfaktor ist sie dennoch.

Eher ungern gibt Roger Federer Auskunft zum Reizthema «neuer Ausrüster». Bild: dpa

Roger Federer gilt als akribischer Planer, der die Fäden gerne in den eigenen Händen hält. Zwischen Stuttgart und Halle fuhr er für eine Nacht in die Schweiz, das Training blieb auf der Strecke, wie er selber immer wieder betonte. Entsprechend unwohl fühlte er sich von der Grundlinie. Zwar vertraut er darauf, dass er den Rhythmus in Wimbledon finden werde, wie er mit der Situation umzugehen hat, löst aber auch bei ihm Unsicherheiten aus.

Zuweilen verstrickte er sich auch in Widersprüche. In Halle beklagte er zunächst, das Training sei zu kurz gekommen. Nach dem Final sagte er hingegen: «Ich glaube nicht, dass ich extrem viel Training brauche. Totale Erholung ist das absolut Wichtigste.»

Federers Erfolgsrezept – die wissenschaftliche Erklärung

Video: srf

Schwächen beim Return

Nach zwei Tagen Pause steigt Federer am Mittwoch wieder ins Training ein. «Spezifisch, hart, intensiv und qualitativ gut», soll es sein. «Ich habe jetzt viel Tennis in den Beinen, zuletzt genug pausiert und genug trainiert. Ich wollte endlich wieder Turniere bestreiten», sagt Federer, der noch Schwächen beim Return ausgemacht hat. Die Frage, wie viel und hart er im Vorfeld trainieren will, umtreibt ihn mehr als anderswo. Er müsse sich genau überlegen, was Sinn mache. Dazu passt auch, dass er immer wieder betont, wie elementar für ihn ist, dass er ohne Verletzung durch die Vorbereitung gekommen ist. Es zeigt, auch wenn er das so nie sagen würde: Stuttgart und Halle waren nur das Vorspiel.

Nicht wie gewünscht: Besonders der Return bereitet Federer momentan etwas Sorgen. Bild: dpa

Der Hauptakt folgt in Wimbledon, wo er seinen neunten Titel anstrebt. Und obwohl er die Führung in der Weltrangliste an Rafael Nadal hat abtreten müssen, führt er dort die Setzliste an. Seit 2002 wird in Wimbledon bei der Ermittlung der Setzliste ein spezieller Schlüssel angewendet, der neben der Weltrangliste die in den letzten zwei Jahren erzielten Resultate auf Rasen stärker gewichtet. Federer macht so die 50 Punkte Hypothek auf Nadal wett und wird am Mittwoch als Führender der Setzliste bestätigt. Sicher ist auch, dass er als Titelverteidiger am Montag um 14 Uhr Schweizer Zeit ins Turnier startet. In Zeiten der kleinen Unsicherheiten kann das nur hilfreich sein. Auch für Federer. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • alex DL 26.06.2018 18:06
    Highlight Hey Watson, bitte folgenden Button einführen: „ich will nichts, rein gar nichts von RF sehen, selbst dann nicht, wenn er neue Turnschuhe bekommt oder eine Waschmaschinensonderedition seinen Namen trägt“ Merci
    20 21 Melden
    • zwan33 27.06.2018 08:34
      Highlight Watson würde nur noch aus Buttons bestehen, wenn es für jedes Thema einen solchen bräuchte, denn Reizthemen gibt es viele (obwohl es mir rätselhaft ist, wie das blosse Anzeigen von News über Roger einen ärgern kann).
      7 7 Melden
  • Typu 26.06.2018 12:54
    Highlight Er ist definitiv unzufrieden. Woran es liegt, keine ahnung. Ist auch egal. Die chance wimbledon zu gewinnen sind gering. Möglich, aber ich setze nicht darauf. Trifft er auf einen jungen mit einem sau guten tag könnte er über powered werden. Kann er sein spiel sauber aufziehen ohne konstanten gegendruck, kommt er durch. Federer unter druck macht mir im moment ein paar fehler zu viel.
    7 3 Melden
  • rundumeli 26.06.2018 12:08
    Highlight "Einmal beförderte er einen Ball nach einem Fehler unters Hallendach. Der angestaute Frust – er musste raus. Alleine der Ausbruch war ungewöhnlich" ... und wohltuend !
    8 4 Melden
  • DerSimu 26.06.2018 11:15
    Highlight Federer hat alles erreicht, was man irgendwie kann. Lasst ihn und uns doch einfach den Rest seiner Karriere geniessen. Der Maestro wird als der grösste Tennisspieler aller Zeiten eingehen umd niemand kann ihm seinen Erfolg mehr nehmen. Wieso also überhaupt noch auf weitere Siege pochen? Lasst ihn doch einfach in Ruhe.
    13 6 Melden
  • Erarehumanumest 26.06.2018 09:23
    Highlight Ich bin kein Mike Shiva, denke aber, dass wir keinen RF 2019 auf der ATP-Tour sehen werden...Meine Prädiktion
    13 26 Melden
    • MacB 26.06.2018 11:54
      Highlight warum? Ich denke eher, er wird langsam noch weniger Turniere spielen, auf Masters verzichten und sich noch auf die GS und deren Vorbereitungsturniere konzentrieren. 2020 oder 2021 ist dann nach Wimbledon Schluss.
      7 3 Melden
  • durrrr 26.06.2018 08:51
    Highlight Uiii neeei! Federer hat einen kleinen Wutausbruch und verliert mal ein Finale! Man konstantiere; der Mann ist halt auch nur ein Mensch und keine Tennismaschine.
    114 5 Melden
  • Gubbe 26.06.2018 08:26
    Highlight Es gibt schnelle und langsame Muskeln. Es ist selten, dass ein Mensch ab ~35 Jahren noch so schnell ist, wie ein 28-jahriger. Der Mensch wird zum Ausdauersportler. Auch Herr Federer kann dem nicht ausweichen. Aber natürlich nervt es ihn, weil er im Ungewissen scheint, ob seinem Ausrüster. Er wird eine Lösung finden, seines Alters wegen vielleicht eine nicht so gut dotierte.
    10 10 Melden
  • Gawayn 26.06.2018 07:09
    Highlight Federer hat ja echt alles erreicht was im Tennis zu erreichen ist.
    Auch mehr.

    Der Mann müßte seit ewig seine Schäflein im Trockenen haben.

    Wenn er trotzdem weiterspielen will, soll er es tun.
    Aber so rum nervöseln, das sollte er echt nicht mehr nötig haben.

    Wenn ihm das Spiel frustet.
    Wieso spielt er dann?

    Bin der Meinung, ein Spiel soll man so lange spielen wie es Spass macht.
    26 73 Melden
    • Raembe 26.06.2018 08:13
      Highlight Da hat wohl Jmd noch nie Wettkampfsport betrieben. Ich spiele seit Jahren Handball und habe Freude daran, trotzdem gibt es spiele an denen ich frustriert über meine Leistung bin.
      41 6 Melden
    • chnobli1896 26.06.2018 08:17
      Highlight Etwas Frust und trotzdem Apass haben schliesst sich ja nicht aus.

      Bin der Meinung, dass man den Sportlern den Zeitpunkt für den Rücktritt überlassen sollte. Wir kennen jeweils nur einen kleinen Teil der Fakten
      30 5 Melden
    • Gawayn 26.06.2018 16:41
      Highlight Keine Ahnung warum Wutbürger die Kommentare nicht richtig lesen oder verstehen können/wollen.

      Er kann soll selber entscheiden.
      Es ist doch nicht mehr nötig, wenn alles erreicht worden ist noch so zu flippen.

      Was Wettkampferfahrung angeht...
      In meiner Sportart, sind es Jahrzehnte. Nicht Jahre auf die ich zurück blicke
      2 7 Melden
    • Raembe 26.06.2018 17:27
      Highlight 1. Bin kein Wutbürger (Danke für die Beleidigung)
      2. Ich schreibe Jahre sind aber auch schon fast zwei Jahrzehnte.
      3. Es ist schön das Federer sich noch so aufregt, zeigt seine Freude am Spiel. Wenn er das nicht mehr tun würde, würde er zurücktreten.
      Solche Situationen zeigen doch wie sehr im das Tennis und seine Leistung wichtig sind.
      6 4 Melden
  • wasps 26.06.2018 06:37
    Highlight Er wird voll da sein und fokussiert wie immer in Wimbledon. Und den 9. Titel holen.
    103 32 Melden

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