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epa05118015 A screen shows the Hawk-eye result during the third round match between Marin Cilic of Croatia and Roberto Bautista Agut of Spain at the Australian Open tennis tournament in Melbourne, Australia, 22 January 2016.  EPA/LYNN BO BO

Der Ball ist klar auf der Linie: Hawk-Eye beim Australian Open. Bild: EPA

So oft liegen Federer, Nadal und Co. beim Hawk-Eye richtig

Es ist eines dieser Vorurteile, die einfach nicht verschwinden: Roger Federer liegt beim Hawk-Eye viel öfter daneben als seine grossen Rivalen. Aber stimmt das wirklich? watson zeigt die Fakten.



Was ist das Hawk-Eye?

Seit mittlerweile zwölf Jahren entscheiden bei grossen Tennispartien nicht nur Schieds- und Linienrichter darüber, ob ein Ball im Aus war. 2006 wurde das Hawk-Eye-System eingeführt, das die Position des Balles dank vielen Kameras aus allen Winkeln des Stadions bestimmt. Das System ist längst nicht mehr wegzudenken und bei den meisten Tennisfans beliebt, weil sie im Stadion und am TV in einer Animation mitverfolgen können, wo der Ball gelandet ist.

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Ausführliche Erklärung: So funktioniert das Hawk-Eye. Video: YouTube/CompactPhysics

Roger Federer äusserte sich von Beginn weg kritisch gegenüber dem Hawk-Eye. Der Maestro sorgte sich unter anderem um die Chancengleichheit, weil das System oft nur auf dem Centre Court installiert wurde. «Wer auf den kleinen Plätzen spielt, kann nicht auf Hawk-Eye zurückgreifen», störte sich Federer damals.

Wie erfolgreich ist Roger Federer?

Manch ein Beobachter kritisierte daraufhin Federer. Er ziehe bloss deshalb über das computerisierte «Falken-Auge» her, weil er eine so schlechte Erfolgsquote habe. Tatsächlich lag er bei den ersten drei Turnieren mit Hawk-Eye acht Mal daneben und nur vier Mal richtig. Und so galt es rasch als ausgemacht: Roger Federer hat beim Hawk-Eye eine schlechte Erfolgsquote, eine schlechtere jedenfalls als seine grossen Rivalen. Aber stimmt das auch? Auf Anfrage von watson liefert die ATP genaue Zahlen.

Aber vor den Fakten ist deine Einschätzung gefragt:

Umfrage

Wie gut ist die Erfolgsquote von Roger Federer, wenn er einen Ball vom Hawk-Eye überprüfen lässt?

  • Abstimmen

6,140

  • Höher als 70 %23%
  • Zwischen 60 und 70 %33%
  • Zwischen 50 und 60 %22%
  • Zwischen 40 und 50 %12%
  • Zwischen 30 und 40 %8%
  • Tiefer als 30 %2%

epa05118202 A screen shows the hawk-eye review  during the third round match between Nick Kyrgios of Australia and Tomas Berdych of Czech Republic at the Australian Open tennis tournament in Melbourne, Australia, 22 January 2016.  EPA/FILIP SINGER

Dieses Bild ist nur da, damit du nicht unter der Umfrage schon die Auflösung siehst. Bild: EPA

Seit dem Jahr 2009 führt die ATP Statistik über das Hawk-Eye. Von Roger Federer sind in diesem Zeitraum 956 Challenges erfasst worden. Die Statistik belegt: Tatsächlich ist seine Erfolgsquote geringer als jene von Novak Djokovic und Rafael Nadal. Aber sie ist besser als die Quote der anderen Spieler der «Big Five», Andy Murray und Stan Wawrinka:

Bild

quelle: ATP

Bei den Top-Shots ist also bloss jede dritte Challenge von Erfolg gekrönt. Das lässt sich wohl damit begründen, dass sie häufig bei entscheidenden oder vorentscheidenden Punkten verlangt werden, selbst wenn die Erfolgsaussichten gering sind. Weshalb auch eine Möglichkeit aufsparen, wenn man noch genügend Challenges zur Verfügung hat?

In der aktuellen Saison, die bald zu Ende geht, ist Roger Federers Erfolgsquote bei den Challenges tiefer als in seinem langjährigen Schnitt. Auffällig ist, dass Rafael Nadal 2018 wesentlich erfolgreicher ist als die vier anderen Spieler:

Bild

quelle: atp

So furchtbar schlecht, wie manch einer glaubt, ist Federers Erfolgsquote also nicht. Vor allem stimmt es nicht, dass der 20-fache Grand-Slam-Sieger deutlich schlechter ist als seine schärfsten Rivalen Novak Djokovic und Rafael Nadal.

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Aus Schweizer Sicht die wahrscheinlich schönste Challenge der Tennisgeschichte: Federers Matchball im Finale der Australian Open 2017 ist in – und der Schweizer gewinnt damit nach langem Warten seinen 18. Grand-Slam-Titel. Video: YouTube/Australian Open TV

Welcher Spieler ist am erfolgreichsten?

Es gibt primär zwei Umstände, unter denen ein Spieler eine Challenge verlangt. Einerseits dann, wenn es sich um eine sehr enge Entscheidung des Linienrichters gehandelt hat und er wirklich davon überzeugt ist, dass dieser falsch liegt. Zum anderen kommt das Hawk-Eye aber auch oft dann zum Einsatz, wenn ein Spieler es schlicht als Mittel der letzten Hoffnung einsetzt. So dürfte die markant tiefere Quote von Andy Murray zu erklären sein: Er ruft den Falken auch dann noch, wenn er gesehen hat, dass der Ball einen halben Meter im Aus gelandet ist.

Seit die Daten 2009 erhoben werden, gibt es nur sieben Spieler mit zehn oder mehr Challenges, die eine Erfolgsquote von 50 Prozent und höher haben:

Bild

quelle: atp

Vor den letzten Turnieren der Saison – am Montag beginnt das ATP-500-Turnier in Basel – sind 2018 diese Spieler am erfolgreichsten gewesen, wenn sie das Hawk-Eye einsetzen liessen:

Bild

quelle: atp

Wie genau ist das Hawk-Eye eigentlich?

Die Fehlermarge liegt im Durchschnitt bei zwischen 2,6 und 3,6 Millimetern. Das klingt nach viel – schliesslich wird bei Hawk-Eye-Animationen bisweilen so weit ins Feld gezoomt, dass manchmal ein Zehntel-Millimeter darüber entscheidet, ob der Ball in oder out war. Andererseits wird die Fehlermarge des menschlichen Auges mit 40 Millimetern angegeben, wenn ein Ball mit um die 200 km/h auf dem Court landet. Das Hawk-Eye liegt vielleicht nicht in jedem Fall richtig. Unter dem Strich gibt es mit dem System aber weniger Fehlentscheide als ohne.

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Zehn ultraknappe Hawk-Eye-Entscheide – ab 4:18 Minuten wird's richtig absurd. Video: YouTube/Anthony Frailey

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Zehn Challenges, die recht unnötig verschwendet wurden. Video: YouTube/Michaela Mizerakova

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Wie vor Urzeiten am C64: Die Grafik der Umgebung lädt, der Ball jedoch nicht. Video: YouTube/Tennis TV

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Video: watson/Angelina Graf

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    Alle Leser-Kommentare
  • erkolino 20.10.2018 08:41
    Highlight Highlight Bei den Challenges geht es zudem einerseits bei Müdigkeit um eine Erholungspause und andererseits darum, den Gegner aus dem Flow zu bringen. Nicht nur um Entscheidungen zu korrigieren.
  • andrin89 20.10.2018 00:30
    Highlight Highlight Kommt es denn tatsächlich auf die Quote an, oder auf absolute Werte? Wenn's nämlich darum geht, wer die meisten Fehlentscheidungen dank einer Challenge korrigieren konnte, dann liegt Roger vorne...
  • Raddadui 19.10.2018 16:02
    Highlight Highlight Ehm, der letzte Ball beim Video ist für mich nicht wirklich schlüssig. Kann das jemand erklären? :-D
  • Joe Smith 19.10.2018 15:46
    Highlight Highlight Ich lese aus dieser Statistik vor allem eines: Die Schiedsrichter sehen es besser als die Spieler – auch wenn die Spieler und Zuschauer «natürlich» anderer Meinung sind.
    • andrew1 19.10.2018 17:23
      Highlight Highlight Nicht zwingend. Man hat nur eine gewisse anzahl von videoanalysen zur verfügung pro match. Geht es um wichtige punkte gegen spielende wie matchbälle, satzbälle oder gamebälle probiert man es jeweils mal aus da man ja nichts zu verlieren hat....
    • Lukakus 19.10.2018 17:52
      Highlight Highlight Natürlich sehen sie es besser. Das soll ja auch so sein. Die Spieler konzentrieren sich nicht auf die Linien. Zusätzlich sollte man nicht die „auf gut Glück“- und Frustchallenges vergessen.
    • cada momento 20.10.2018 07:37
      Highlight Highlight Und ich sehe hier vor allem einen ziemlich gemütlichen abend. chelas und ein gelbes risotto geniessen, eins kiefen mann und noch ein schnäpsle zum verdauen.
      Benutzer Bild
  • lilie 19.10.2018 15:36
    Highlight Highlight Da bin ich jetzt aber echt verwundert.

    Mein subjektiver Eindruck - auch von den SRF-Tennis-Zwillingen regelmässig so kolportiert - war, dass Federer in seinen guten Zeiten beim Hawk-Eye fast immer richtig lag. Nur in der ersten Zeit lag er regelmässig daneben, wie hier bestätigt, was aber nicht an Federer lag, sondern weil Hawk-Eye noch nicht richtig eingestellt war. Als die Kinderkrankheiten ausgemärzt waren, glichen sich die Ergebnisse an.

    Aber das ist mir auch aufgefallen, dass Federer dieses Jahr sehr schlecht schätzte. Liegts am Alter? 🤔
  • DonSaiya 19.10.2018 15:33
    Highlight Highlight Seit der Einführung der Shot-Clock wird jetzt auch dann mal Hawk-Eye gerufen um einfach Mal mehr Zeit fürs Durchschnaufen zu haben und sich auf einen wichtigen Punkt vorzubereiten. Daher wird wohl diese Statisik noch viel schlechter werden.
    Was ich mich aber fragen, wird es mal soweit kommen dass es keine menschlichen Linienrichter mehr gibt sondern nur noch die Kameras alles überwachen und es damit zu keinen Fehlentscheidungen mehr kommt?

Die Familie hat ihren Papa und Ehemann wieder – wie Federer sich von Wimbledon erholt

Erstmals in seiner Karriere verliert Roger Federer einen Grand-Slam-Final, in dem er einen Matchball nicht nutzen kann. Er unterliegt Titelverteidiger Novak Djokovic mit 6:7, 6:1, 6:7, 6:4, 12:13. Geknickt ist nicht nur er, sondern seine ganze Familie.

Fast fünf Stunden hatte sich Roger Federer mit Novak Djokovic duelliert, am Ende deutlich mehr Punkte gewonnen, zwei Matchbälle gehabt – doch zum dritten Mal nach 2014 und 2015 verlor er gegen den Serben einen Wimbledon-Final. Es ist auch der erste seiner 31 Grand-Slam-Finals, den Federer nach Matchball verliert.

In der Geschichte des Tennis gab es das erst zehn Mal – letztmals 2004 in Roland Garros, als der Argentinier Guillermo Coria seinem Landsmann Gaston Gaudio unterlag. In Wimbledon gab …

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