Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa06948394 Alize Cornet of France in action against Jelena Ostapenko of Latvia in their first round match of the Western & Southern Open tennis tournament at the Linder Family Tennis Center in Mason, Ohio, USA, 13 August 2018.  EPA/TANNEN MAURY

Alizé Cornet: Die Französin wurde gestern wegen unsportlichen Verhaltens verwarnt.  Bild: EPA/EPA

Wie Alizé Cornet an den US Open ihr Shirt drehte – und was danach passierte

T-Shirt gedreht, verwarnt, Diskussion ausgelöst: Der Fall Alizé Cornet beschäftigt die Tennis-Welt.



38 Grad heiss war es gestern auf den Courts an den US Open. Auch für Profis eine grosse körperliche Herausforderung. Deswegen wird den Spielern die Möglichkeit gegeben, nach zwei Sätzen eine zehnminütige Hitzepause einzuziehen. 

Johanna Larsson und Alizé Cornet nutzten diese Möglichkeit dankbar aus und verschwanden vor dem entscheidenden dritten Satz für zehn Minuten in der Kabine. Durchatmen, abkühlen, Outfit wechseln. 

Doch bei Letzterem unterlief Cornet ein kleines Missgeschick. Sie verwechselte bei ihrem T-Shirt hinten und vorne. Zurück auf dem Platz fiel der Französin die Unstimmigkeit auf, worauf sie sich schnell in den Schatten zurückzog und das Oberteil diskret umdrehte. Das ganze dauerte nicht mehr als zehn Sekunden. 

Alles wieder okay?

Denkste!

Der dänische Schiedsrichter Christian Rask bemerkte die 180-Grad-Drehung des Shirts – und sprach prompt eine Verwarnung («Verstoss gegen den Kodex») für «unsportliches Verhalten» aus. 

Dem Schiedsrichter könnte allenfalls mangelndes Fingerspitzengefühl vorgeworfen werden, doch das Regelbuch der «United States Tennis Association» (USTA) sprach für ihn. Dort stand geschrieben: «Eine Spielerin kann sich nur am Ende eines Satzes oder während einer medizinischen Auszeit ausserhalb des Spielfeldes umziehen.»

Dies löste zahlreiche Proteste von ehemaligen Spielern und Beobachtern auf Twitter aus. Bethanie Mattek-Sands, die mehrfache Grand Slam-Doppelmeisterin, nannte die Entscheidung «schwach», während die ehemalige australische Spielerin Casey Dellacqua die Verwarnung als «lächerlich» bezeichnete.

Stein des Anstosses: Während Männer minutenlang oben ohne auf dem Stuhl sitzen dürfen, kann eine Frau nicht einmal kurz ihr Shirt umdrehen. 

Judy Murray, die Mutter von Andy Murray beschrieb den Vorfall auf Twitter, worauf viele User den US Open «Doppelmoral» und «Sexismus» vorwarfen.

Am Mittwoch teilte die USTA mit, dass sie den Entscheid «bereue». Man habe die Regeln angepasst, heisst es in einem Statement. Man sei froh, dass sie nur eine Verwarnung und keine weitere Strafe erhalten habe.

Auch die «Women's Tennis Association» (WTA) nahm Alize Cornet in Schutz. Es gebe keine WTA-Regel, die besage, dass man sich nicht auf dem Platz umziehen dürfe. Alize hat nichts falsch gemacht. 

Jetzt alles wieder okay?

Nein.

Denn die Verwarnung Cornets erfolgte nur ein paar Tage nachdem die Frauentennis-Tour bereits schon einmal über Sexismus diskutierte. Dabei ging es darum, dass der Präsident des französischen Tennisverbandes Bernard Guidicelli den Catsuit von Serena Williams für die nächsten French Open verbot. «Das Kleid wird nicht mehr akzeptiert. Man muss das Spiel und den Ort respektieren», so die Begründung des Organisators. 

Serena Williams ihrerseits begründete ihre Kleiderwahl mit der Blutzirkulation. «Ich hatte viele Probleme mit meinen Blutgerinnseln, Gott, ich weiss nicht, wie viele ich in den letzten 12 Monaten hatte», so die 23-fache Grandslamsiegerin. «Ich habe Hosen getragen, damit ich den Blutkreislauf am Laufen halten kann.»

Für die frühere Weltnummer 1 Victoria Azarenka war die Verwarnung Cornets deswegen symptomatisch. Sie sei zwar froh, dass USTA sich entschuldigt habe, glaube aber, dass es noch viel darüber zu diskutieren gebe, wie Frauen und Männer auf der Tour behandelt würden. 

Victoria Azarenka, of Belarus, returns the ball to Daria Gavrilova, of Australia, during the second round of the U.S. Open tennis tournament, Wednesday, Aug. 29, 2018, in New York. (AP Photo/Frank Franklin II)

«Diese Dinge müssen aufhören»: Für Victoria Azarenka ist der Fall Cornet symptomatisch. Bild: AP/AP

«Das war einfach lächerlich, das war doch überhaupt nicht respeklos», sagte die Weissrussin nach dem Einzug in die dritte Runde. «Es ist genug. Die Dinge mit dem Catsuit, ich persönlich verstehe das nicht. Keine Ahnung, was es bedeutet, ‹das Spiel im Catsuit nicht zu respektieren›?».

Azarenka fordert, dass diese Dinge nun sofort aufhören müssen. Gleichzeitig stellt sie aber ernüchtert fest: «Es wird aber wahrscheinlich immer eine Doppelmoral für Männer und Frauen geben.»

Alize Cornet schied übrigens nach einem 6:4, 3:6, 2:6 aus dem Turnier aus. (cma)

Weil geil: Kuriose Tennis-Outfits

Junge will wissen, von wo Roger den Spitznamen «The GOAT» hat

Video: watson

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

30 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Chihirovocale
29.08.2018 23:01registriert November 2015
Wie soll das jetzt verstanden werden, wenn eine Frau nicht im üblichen "kurzen Röckchen" spielt, respektiert sie das Spiel nich? Aha...
Und das mit den Shirt drehen ist eh lächerlich... Man sah ja nicht mehr als auf jedem handelsüblichen Damen-Beachvolleyballfeld.
16410
Melden
Zum Kommentar
leu84
29.08.2018 22:38registriert January 2014
Ich verstehe diese Regel nicht. Zudem trug Cornet immer noch einen Sport-BH. So hätten die Zuschauer nichts "ansehen" müssen, was man sonst schon zu sehen gewusst hätte. Am Strand oder auf dem Beachvolley-Feld sieht man auch nicht mehr...
1545
Melden
Zum Kommentar
LeChef
29.08.2018 22:37registriert January 2016
Soweit ich weiss (korrigiert mich bitte, falls das falsch sein sollte), dürfen sich auch die Männer nur jeweils am Ende eines Satzes umziehen - genau so, wie die Frauen. Sprich Djokovic erhielte dieselbe Verwarnung, würde er sein Shirt während des Satzes drehen.
Das mag eine blöde Regel sein, aber den Sexismus erkenne ich beim besten Willen nicht.
12246
Melden
Zum Kommentar
30

«Unterbezahlt und unterbewertet» – Serena Williams über Rassismus und Ungerechtigkeit

Nur wenige Akteure haben in der Geschichte des Tennis so viel erreicht wie Serena Williams. Die Gewinnerin von 23 Grand-Slam-Turnieren gehört seit über zwei Jahrzehnten zur absoluten Weltklasse. Und doch fühlte sich die US-Amerikanerin im Traditionssport nicht immer willkommen.

«Unterbezahlt und unterbewertet» sei sie oft gewesen, sagte Serena Williams der «British Vogue». Weil sie schwarz ist, weil sie eine Frau ist. Im Magazin erzählt sie von ihrem Einsatz gegen Rassismus. Die Bewegung …

Artikel lesen
Link zum Artikel