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Torhueter Fabio Coltorti, 2. von links, von GC, laesst in der 93. Minute einen Schuss des Luzerners Mario Cantaluppi, nicht im Bild, vorbei an Luzerns Felipe, 3. von links, ins Tor, zum 3:3 Ausgleich beim Fussball Super League Meisterschaftsspiel zwischen dem FC Luzern und den Grasshoppers Zuerich vom Sonntag, 12. August 2007 im Stadion Allmend von Luzern.  (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Die Szene, als Fabio Coltorti die Energie wegging. Das Bild beweist es: Er springt genau 7,5 Zentimeter. Mitspieler Guillermo Vallori (r.) und Boris Smiljanic können es nicht fassen, genauso wenig wie Luzerns Felipe. Bild: KEYSTONE

Weil Coltorti «die Energie» verlässt, kommt es zum grössten Goalieflop der Super League

11. August 2007: Mit 3:0 führt GC bei Luzern nach 62 Minuten. Der Mist scheint geführt. Doch die Innerschweizer kommen bis zur 88. Minute auf 2:3 heran – und in der Nachspielzeit geschieht, was sich niemand vorstellen kann.

11.08.18, 00:05


Man hätte es ahnen müssen. An einem Tag, an dem der Fleisch gewordene Chancentod Demba Touré zwei Tore erzielt, da kann alles passieren. Alles.

Tatsächlich reiben sich die 13'000 Zuschauer auf der ausverkauften Luzerner Allmend verwundert – und die meisten enttäuscht – die Augen. 3:0 steht es nach gut einer Stunde, 3:0 für GC. Raul Bobadilla hatte schon in der 7. Minute getroffen und dann eben Touré zweimal (29. und 62.).

Der Torhueter von GC Fabio Coltorti, rechts, nach dem 3:3 Ausgleich des FC Luzern, beim Fussball Super League Meisterschaftsspiel zwischen dem FC Luzern und den Grasshoppers Zuerich vom Sonntag, 12. August 2007 im Stadion Allmend von Luzern.  (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Ricardo Cabanas: Ob er ein Foul reklamiert? Bild: KEYSTONE

Doch Luzern kämpft sich zurück. Mauro Lustrinelli erzielt in der 68. Minute das 1:3, Mario Cantaluppi profitiert in der 88. Minute von einem stümperhaft verursachten Elfmeter und trifft zum 2:3.

Wird GC tatsächlich auch einen 3:0-Vorsprung verspielen? In der Woche zuvor gaben die Hoppers ein 2:0 gegen Aarau in den Schlusssekunden aus der Hand. Goalie Fabio Coltorti faustete dabei in der Nachspielzeit ins Leere und liess so das 2:2 zu.

«Beim Absprung ging mir die Energie weg»

Der Nati-Goalie steht auch dieses Mal wieder im Mittelpunkt, als die letzten Sekunden anbrechen. Cantaluppi bringt den Ball noch einmal aus dem Mittelfeld in Richtung Gehäuse. Er wird danach seine Verzweiflung so ausdrücken: «Ich wollte einfach noch einmal den Ball in den Strafraum spielen, vielleicht für ein Durcheinander sorgen.»

Der Flop von Fabio Coltorti. Video: streamable

Chaos richtet er mit seiner Verzweiflungstat aber nicht an. Denn Coltorti stürmt aus dem Kasten, um den Ball beim Elfmeterpunkt unbedrängt aus der Luft zu pflücken. Doch der Goalie springt nicht ab, er lässt den Ball über sich ins Tor fliegen. 3:3! Niemand kann glauben, was passiert ist. GC-Trainer Hanspeter Latour sagt erst: «Er ist gestolpert.» Doch gestolpert ist sein Schützling nicht. Torschütze Cantaluppi schildert: «… und plötzlich sehe ich, wie Coltorti am Ball vorbeiläuft und dieser zum 3:3 ins Netz rollt.»

Die Szene aus Sicht von Luzerner Fans auf der Tribüne. Video: YouTube/Adrian Zbinden

Für Aufklärung sorgt der Unglücksrabe selbst – mit einer legendären Aussage: «Es war ein weiter Ball, der eigentlich für mich bestimmt war. Beim Absprung ging mir die Energie weg. Deshalb knickte ich ein, statt aufzuspringen.» GC liegt nach dem Patzer nur auf Rang 8 in der Tabelle. Dabei «würde man in die Spitzengruppe gehören», ereifert sich die lokale Presse.

«Floptorti» und der überraschende Wechsel

Der «Blick» dagegen freut sich über das Malheur und titelt in gewohnt grossen Lettern und lustigem mit dem Wortspiel: «Festhütte dank ‹Floptorti›».

Coltorti Blick

Der «Blick» vom Tag nach dem Coltorti-Flop.

Schadenfreude kennt man auch bei TeleZüri. Oder vielleicht ist es ja wirklich nur eine gut gemeinte Aktion, als der VJ wenige Tage danach dem Keeper einen Isostar-Energieriegel schenkt. Coltorti nimmt's gelassen und bedankt sich artig.

Video: streamable

Ob die Bilder des Flops bis an die spanische Nordküste gekommen sind, ist offen – aber unwahrscheinlich. Denn keine drei Wochen nach dem Fehlgriff zahlt Racing Santander 1,5 Millionen Franken, um den Schweizer Goalie zu verpflichten.

epa01109082 Racing Santander President Francisco Pernia (C) poses for photographers with new Racing Santander soccer players (L-R) Spanish Cesar Navas, Congolese Mohamme Tchite, US midfielder Danny Szetela and Swiss goalkeeper Fabio Coltorti during their presentation in Santander, northern Spain, 04 September 2007.  EPA/ESTEBAN COBO

Fabio Coltorti (r.) bei Santander. Der Start war sehr mühevoll. Bild: EPA

Coltorti hofft auf die Nummer 1, wird aber in seiner ersten Saison nur zu sieben Einsätzen kommen. Bis zum Liga-Debüt vergehen fast vier Monate. Dann darf er zwei Tage vor Weihnachten gegen Sevilla in den Kasten. 15 Gegentore kassierte Santander bis dahin in 16 Partien – mit Fabio Coltorti geht man 1:4 unter. Beim wegweisenden 1:2 lässt er einen harmlosen Freistoss aus 20 Metern passieren.

Über Spanien in die Bundesliga

Vier Jahre lang bleibt Coltorti in Spanien. Dann kommt er für eine Saison zurück in die Schweiz zu Lausanne und führt ab 2012 RB Leipzig als Stammkeeper in die Bundesliga. In der höchsten Liga spielt er in der Debütsaison allerdings nur einmal beim 4:0 gegen Darmstadt im April 2017. Seit dieser Saison ist der heute 37-Jährige vereinslos.

epa05882703 Leipzig goalkeeper Fabio Coltorti (C) in action during the German Bundesliga soccer match between RB Leipzig and SV Darmstadt 98 in Leipzig, Germany, 01 April 2017.  EPA/FILIP SINGER (EMBARGO CONDITIONS - ATTENTION: Due to the accreditation guidelines, the DFL only permits the publication and utilisation of up to 15 pictures per match on the internet and in online media during the match.)

Kein 1.-April-Scherz: Fabio Coltorti gibt am 1. April 2017 mit 36 Jahren sein Bundesliga-Debüt. Bild: EPA/EPA

In der Nati kam der Krienser zu acht Einsätzen, an der WM 2006 war er als dritter Keeper mit dabei. Für die EM 2008 war er als Nummer 2 vorgesehen, er musste aber absagen. Nicht weil ihn die Energie verliess, sondern weil er verletzt war.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei. 
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