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Swiss racer Sven Montgomery, 2nd from left and 8th in the overall ranking of the tour, leads an escape pack with Richard Virenque, France, left, Stefano Garzelli, Italy, 2nd from right, who will win the stage, and Tadej Valjavec, Slovenia, on the 8th stage of the bicycle tour race Tour de Suisse, Tuesday, June 20, 2000 in La Punt GR, Switzerland. New Overall leader of the tour is Oscar Camenzind from Switzerland.  (KEYSTONE/Alessandro della Valle)  === ELECTRONIC IMAGE===

Sven Montgomery: Ein Talent, das die Hoffnungen nie erfüllen konnte, die man in ihn gesetzt hatte. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

Ein junger Schweizer erlebt den Höhepunkt seiner Karriere – und stürzt kurz darauf schwer

22. Juli 2001: Ein junger Schweizer fährt an der Tour de France als Erster über den legendären Col de Tourmalet. Was der 25-jährige Sven Montgomery da noch nicht weiss, ist, dass er nur Tage später schwer verunfallt und dass er das Sturzpech in der Folge nie mehr loswerden wird.



Viermal gestartet – Paris nie gesehen. Das ist die traurige Tour-de-France-Bilanz von Sven Montgomery. Der Berner Oberländer gilt als grosses Talent, in die Frankreich-Rundfahrt 2001 geht er als Kapitän der FDJ-Equipe. Montgomery ist gut im Rennen, liegt auf Rang 15 des Gesamtklassements, als er in den Pyrenäen einbricht. Plötzlich sind die Beine schwer wie Blei, hinauf nach Saint-Lary-Soulan geht gar nichts mehr. Mehr als 20 Minuten verliert er auf Etappensieger Lance Armstrong.

Die Passhöhe des Col du Tourmalet in den Pyrenäen.

Kaum einer hält für möglich, was Sven Montgomery keine 24 Stunden später schafft. Er ist das Mitglied einer Fluchtgruppe, die gemeinsam Kurs auf das Ziel in Luz-Ardiden nimmt. «Monty» weiss, dass es auf dem Col du Tourmalet einen Sonderpreis gibt: 5000 Franken für die Mannschaftskasse. Die gibt es, weil der Tourmalet 1910 der erste Hochgebirgspass überhaupt war, der in der Tour de France je befahren wurde. Und diese Prämie sichert sich: Sven Montgomery.

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Montgomery sprintet seinen Fluchtgefährten davon und überquert die Passhöhe des Tourmalet als Erster. gif: funnycycling

Vom Gipfel fast direkt in den Spital

Zu mehr als diesem Erfolg reicht es Montgomery in der 14. Etappe aber nicht. Denn in der Abfahrt vom Tourmalet wird er von seinen Fluchtkollegen abgehängt, da der Berner kein unnötiges Risiko eingehen will. «Vor zwei Jahren, an der Tour de l'Avenir, bin ich in dieser Abfahrt gestürzt. Da fuhr heute schon ein bisschen die Angst mit», gibt er zu Protokoll. So gewinnt der Baske Roberto Laiseka die Etappe.

Montgomery fährt also mit Köpfchen – doch das Schicksal kümmert sich keinen Deut darum. Denn in der übernächsten Etappe stürzt der 25-Jährige fürchterlich. Montgomery knallt bei einem Massensturz im hohen Tempo kopfvoran in eine Mauer, er zieht sich schwere Schädel- und Gesichtsverletzungen zu. Einen Helm habe er «wegen der Hitze» nicht getragen, erklärt sein Sportlicher Leiter. Eine Helmpflicht gibt es damals noch nicht.

«Der Mythos ‹Tourmalet› wurde mir erst später klar»

Gesundheitlich erholt sich Montgomery von den Folgen des schlimmen Sturzes. Doch im Kopf fährt stets die Angst mit – und wer bremst, verliert. 2006 erklärt Sven Montgomery nach neun Saisons seinen Rücktritt. Zwei Rennen konnte er gewinnen, zweimal wurde er Bergkönig von kleinen Rundfahrten. Mit dem Radsport ist er als Co-Kommentator beim SRF weiterhin verbunden.

«Damals war ich eigentlich nur darauf aus, das Preisgeld zu holen», sagt er heute über den vielleicht schönsten Moment seiner Karriere, «welchen Mythos der Col de Tourmalet besitzt, wurde mir erst später klar, weil ich immer wieder auf jenen Tag angesprochen wurde und noch immer werde.»

Sven Montgomery SRF

Montgomery hat das Renndress mit dem Hemd eingetauscht. Bild: SRF

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Der Teufel jagte sie alle! «El Diablo» ist der berühmteste Fan der Tour de France

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    Alle Leser-Kommentare
  • Glenn Quagmire 22.07.2019 10:24
    Highlight Highlight Ich mochte Sven sehr. Nach den Stürzen war er leider einfach nicht mehr der Selbe (verständlicherweise).

    Leider muss ich ihm auf SRF einen Korb geben. Am Kulttrio von Eurosport kommt niemand ran.
  • Nelson Muntz 22.07.2019 07:42
    Highlight Highlight Ist ein potenzieller Tourgewinner vorhanden aus CH Sicht? Seit Rominger/Zülle ging ja nichts mehr
    • Dan Rifter 22.07.2019 08:13
      Highlight Highlight Tour-Sieger wohl nicht gerade (bzw. schwierig vorherzusehen), aber mit Hirschi, Mäder, Bissegger kommen 3 Leute nach, die Etappen an der Tour gewinnen können.
    • Ehringer 22.07.2019 09:37
      Highlight Highlight Sébastien Reichenbach nicht zu vergessen. Klar, er ist schon dreissig Jahre alt, viele Chancen kriegt er nicht mehr. Ich traue ihm aber zu, aus einer Fluchtgruppe raus einen Etappensieg einzufahren. Natürlich immer unter der Voraussetzung, dass er freie Fahrt kriegt und nicht nur für den Teamleader arbeiten muss.
    • Dan Rifter 22.07.2019 09:57
      Highlight Highlight Von der jetzigen Garde um Reichenbach, Frank, Dillier, Küng und Schär haben eigentlich auch alle die grundsätzliche Klasse.. aber nicht das Standing oder nicht den Killerinstinkt.

      Es besteht aber die Hoffnung, dass in 4-5 Jahren wieder 6-7 Schweizer an der Tour mitfahren und diese auch mitgestalten können

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