Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
chile 1962

Gähnende Leere hinter dem Tor im WM-Halbfinal. Screenshot: Youtube/sp1873

Stell dir vor, es ist WM-Halbfinal und niemand fährt hin

13. Juni 1962: Im WM-Halbfinal kommt es wegen einer Spielverschiebung zu einem Zuschauer-Debakel. Nur 5890 Fans wollen die Partie CSSR gegen Jugoslawien sehen (3:1).

13.05.18, 00:05 30.05.18, 15:00


Schon Tage vor diesem Halbfinal gibt es grosse Aufregung in Vina del Mar, Chile. Der Beschluss der FIFA, das Spiel CSSR gegen Jugoslawien, das eigentlich für Santiago vorgesehen ist, in Vina del Mar auszutragen und die ursprünglich für Vina del Mar angesetzte Partie Chile gegen Brasilien nach Santiago zu verlegen, beunruhigt die Stadtverwaltung des Badeortes am Meer. Denn die Fans haben längst die Tickets gekauft. Man kann doch jetzt nicht den Zuschauern zumuten, CSSR gegen Jugoslawien zu sehen wenn sie ein Ticket für Chile gegen Brasilien gekauft hatten.

Vina del Mar wird zur Geisterstadt

Die Stadtverwaltung droht gar, das Stadion nicht freizugeben. Schliesslich beruhigen sich die Menschen. Die FIFA gestattet den Umtausch der Tickets. Wer ein Ticket für das Halbfinal-Spiel in Vina del Mar gekauft hat, darf es in eine Karte für die Partie Chile gegen Brasilien in Santiago umtauschen.

Czechoslovakian forward Vaclav Masek, right, shoots to score the fastest goal of the Football World Cup, after 40 seconds play, during the match against Mexico, in Vina Del Mar, on June 7, 1962. Czechoslovakia won the match 3-1. (AP Photo)

Auch das Gruppenspiel zwischen Mexiko und der Tschechoslowakei in Vina del Mar war nur spärlich besetzt. Bild: AP NY

Und so kommt es, dass Vina del Mar am Spieltag zu einer Geisterstadt wird. Jeder, der ein Auto hat oder jemanden kennt, der ein Auto hat, ist in das nur 120 Kilometer weiter im Landesinneren gelegenen Santiago gefahren. Um den Halbfinal Chile gegen Brasilien im Stadion zu sehen oder ihn in den Kneipen oder auf der Strasse der Hauptstadt mitzuerleben. Nur die Fussgänger, die Armen und die Fussball-Ignoranten bleiben in Vina del Mar. So lässt sich die Arena nicht füllen.

Die CSSR und Jugoslawien waren zuvor schon dreimal in der Stadt aufgetreten und vermochten die Fans nie zu begeistern. Und so wird es ein historisches Spiel: Nur 5890 Zuschauer kommen ins «Estadio Sausalito» mit einem Fassungsvermögen von 18'000 Zuschauern. Absoluter WM-Minusrekord für ein WM-Halbfinalspiel. Die Tschechen gewinnen 3:1 (0:0) und werden dann den Final gegen Brasilien 1:3 verlieren.

Die Zusammenfassung des WM-Halbfinals. Video: YouTube/Soccer Legends Show

«Chi-chi-chi! Le-le-le!»

Am gleichen Tag aber ist das Stadion in Santiago zum ersten Mal ausverkauft. 76'594 Menschen, die grösste Zuschauerzahl bei dieser WM, wollen den Halbfinal zwischen Chile und Brasilien miterleben. Im Final (Brasilien gegen die CSSR) werden es «nur» 68 679 sein.

Die Luftaufnahme zeigt das Hauptstadion

Luftaufnahme des ausverkauften «Estado Nacional de Santiago de Chile». Bild: KEYSTONE

Vor dem Stadion warten die Händler. Auf dem Schwarzmarkt wird das Fünffache des Ticketpreises geboten. Die 76'594 Zuschauer bieten einen eindrucksvollen Rahmen. Auf der Andentribune formen sie aus Tausenden roten Tüchern den Schriftzug «Chile». Die Fähnchen, die Zeitungsverlage noch in der Nacht gedruckt und am Morgen verteilt haben, flattern im Wind. Und schon lange vor dem Anpfiff donnert das bekannte «Chi-chi-chi! Le-le-le!» durch die Arena.

Brasilien gewinnt 4:2 (2:1). Als versöhnliche Geste tragen die Brasilianer auf der Ehrenrunde die chilenische Flagge durchs Stadion. Die Partie war in der Schlussphase mit zwei Platzverweisen ruppig geworden. Brasilien gewinnt die WM mit einem 3:1 im Finale gegen die Tschechen. Chile holt mit einem 1:0 gegen Jugoslawien den 3. Platz.

Das offizielle Poster der WM 2018 – und seine Vorgänger

Unvergessene Fussball-Geschichten aus Grossbritannien

12.02.2011: Wayne Rooneys perfekter Fallrückzieher gegen ManCity lässt sogar Sir Alex schwärmen

09.10.1996: Schottland spielt in Estland gegen sich selber und wird von der «Tartan Army» lautstark gefeiert

25.01.1995: King Cantona flippt aus – er setzt zum legendärsten Kick der Fussball-Geschichte an

14.04.1999: Ryan Giggs schiesst ein Wahnsinns-Tor und entblösst sein Brusthaar. Arsène Wenger hat davon noch immer Alpträume

11.11.2011: Der estnische Ersatzspieler, der hier den Ball weitergereicht hat, ist in Wahrheit ein cleverer irischer Fussballfan

09.11.1997: Der Windarsch kassiert in einem einzigen Fussball-Spiel gleich drei Rote Karten – und ist auch sonst ein liebenswerter Rüpel

15.05.1974: Im Suff stecken schottische Natifussballer ihren Star in ein Boot – das sofort von der Strömung weggetrieben wird

12.05.2013: Der Wahnsinn von Watford: «Ja, Sie haben gerade die dramatischste Schlussminute aller Zeiten gesehen!»

21.10.2013: Pajtim Kasami hämmert «einen der schönsten Volleys überhaupt» ins Crystal-Palace-Tor und verzückt sogar Andy Murray

26.12.1963: 10 Spiele, 66 Tore – ein Hattrick in dreieinhalb Minuten krönt die unfassbare Torflut am Boxing Day

01.03.1980: Everton trauert um Dixie Dean – die Klublegende war so gut, dass ihm ein hässiger Verteidiger einen Hoden zerstörte

02.01.1998: Paul Gascoigne erhält Morddrohungen, weil er einen Flötenspieler imitiert

23.12.2006: Paul Scholes zimmert das Leder mit einer Volley-Rakete unter die Latte – und Ferguson fordert danach eine Entschuldigung von Mourinho

14.10.2006: Petr Cech bangt nach einem üblen Zusammenprall um sein Leben und wird danach nie mehr ohne Helm im Tor stehen

13.05.2012: Zu früh gefreut! City schnappt United den Titel im grössten Herzschlag-Finale der englischen Geschichte weg

23.08.2003: Nach dem Traumtor von Blackpools Neil Danns jubelt der Schiedsrichter kräftig mit – oder etwa doch nicht?

25.11.1964: Dank Bill Shanklys Geistesblitz wird aus dem FC Liverpool ein für alle Mal die Reds

28.04.1923: Ein weisses Pferd (das gar nicht weiss war) rettet die chaotische Wembley-Eröffnung – und ist dann angeblich auch noch Schuld am Resultat

04.02.1997: Goalie Peter Schmeichel erzielt ein Fallrückzieher-Tor – aber es endet im Drama

01.01.2007: Schöner als beim Neujahrsspringen fliegen sie nur noch in der Premier League

05.05.1956: «Traut the Kraut» spielt den FA-Cup-Final trotz Genickbruch zu Ende und wird vom Kriegsgefangenen zum besten City-Torhüter aller Zeiten

28.09.2004: «Der Messias kam nach Manchester» – Wayne Rooney skort in seinem ersten Spiel für die United gleich einen Hattrick

16.03.2002: Ein Knochenbrecher-Foul macht aus einem fast gewöhnlichen Fussballspiel die «Battle of Bramall Lane» 

21.04.2001: Die späte Rache des Roy Keane – «Schitzo» begeht das böswilligste Foul der Fussball-Geschichte

22.04.2006: Newcastle-Legende Alan Shearer muss abtreten – ausgerechnet wegen Erzrivale Sunderland

22.12.2007: Arsenal-Bad-Boy Nicklas Bendtner schiesst 1,8 Sekunden nach seiner Einwechslung das schnellste Joker-Tor aller Zeiten

23.03.2009: José «The Special One» Mourinho wird Doktor – und überrascht mit seiner Dankesrede die Fussballwelt

Das berühmteste Mannschaftsfoto der Welt oder der Tag, an dem die Geschichte des Mannes mit den grössten Eiern beginnt

Singen statt streiten – wie dieses magische Lied ein ganzes Stadion vereinte

Als der «Prinz des Dribblings» den allerersten Cupwettbewerb entschied 

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

2843 Tage ist Radprofi Oliver Zaugg sieglos – dann macht sich der ewige Helfer unsterblich

15. Oktober 2011: Oliver Zaugg gewinnt vorher und nachher kein einziges Profirennen. Doch mit dem Sieg an der Lombardei-Rundfahrt katapultiert er sich zumindest für einen Augenblick in die Reihe der grossen Schweizer Velorennfahrer.

2844 Tage, rechnet die NZZ vor, ist Oliver Zaugg schon Radprofi, als er erstmals ein Rennen gewinnt. 30-jährig ist er da schon und wie er selber zugibt, hat er manchmal selber nicht mehr daran geglaubt, tatsächlich einmal siegen zu können.

Aber an einem sonnigen Samstag im Herbst 2011 ist dieser Tag gekommen. Zaugg spürt, dass er in guter Form ist – wie so oft, wenn sich die Rennsaison ihrem Ende entgegen neigt. Die Spanien-Rundfahrt muss er zwar wegen einer Magenverstimmung …

Artikel lesen