Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa01748213 Roger Federer of Switzerland celebrates his victory over Tommy Haas of Germany during their fourth round match for the French Open tennis tournament at Roland Garros in Paris, France, 01 June 2009.  EPA/HORACIO VILLALOBOS

Roger Federer nach seinem vermutlich wichtigsten Punkt bei den French Open. Bild: EPA

Unvergessen

Eine krachende Vorhand rettet Federer auf dem Weg zum Karriere-Slam

1. Juni 2009: Novak Djokovic draussen, Rafael Nadal draussen und Roger Federer ist plötzlich der grosse Favorit auf den French-Open-Titel. Doch dann liegt er im Achtelfinal gegen Tommy Haas 6:7, 5:7 und 3:4 zurück und sieht sich mit einem Breakball zum 3:5 konfrontiert.



Ende 2004 hatte Roger Federer das Australian Open, Wimbledon und das US Open je mindestens einmal gewonnen. In den Jahren 2004, 2006 und 2007 fehlt jeweils nur das French Open zum Grand-Slam, allen grossen Titel in einem Jahr. Doch der Sieg in Paris schien für den Schweizer unerreicht zu bleiben. 2009 trauen ihm den Triumph in der Stadt der Liebe nur noch die wenigsten zu. Nadal – gegen den er seit 2005 viermal verloren hatte (dreimal im Final) – und auch Novak Djokovic scheinen zu stark zu sein.

Mirka Vavrinec, the wife of Switzerland's Roger Federer, yells as she watches her husband play his fourth round match against Germany's Tommy Haas at the French Open tennis tournament at the Roland Garros stadium in Paris, Monday June 1, 2009. (AP Photo/Bernat Armangue)

Lange nutzten alle Zurufe der damals mit Myla und Charlene schwangeren Mirka nichts. Bild: AP

Doch dann scheidet Djokovic am 30. Mai in der dritten Runde gegen Philipp Kohlschreiber aus. Einen Tag später erwischt es sensationell im Achtelfinal auch Rafael Nadal gegen Robin Söderling – es war die erste Niederlage in Roland Garros für den Spanier. Und plötzlich ist Federer vor seinem Achtelfinal am Pfingstmontag gegen Tommy Haas der grosse Turnierfavorit. Gegen keinen der übrig gebliebenen Spieler hat der Baselbieter zuvor auf Sand je verloren. Der Weg zum Karriere-Slam ist frei.

epa01748216 Roger Federer of Switzerland (L) at the net with Tommy Haas of Germany whom he defeated in their fourth round match for the French Open tennis tournament at Roland Garros in Paris, France, 01 June 2009.  EPA/HORACIO VILLALOBOS

Federer und Haas: Vor dem French Open entschied der Schweizer sieben Partien gegen den Deutschen für sich. Bild: EPA

36 von 38 Punkten beim Service gewonnen

Die letzten neun Spiele hat er gegen den Deutschen gewonnen (zwei davon durch Aufgabe). Doch die Weltnummer 63 wehrt sich nach Kräften. Ja, mehr als das: Er ist auf dem Weg zum Sieg. Mit 2:0-Sätzen und 4:3 führt Haas, als er sich bei Service Federer und 30:40 einen Breakball und damit einen «kleinen Matchball» erspielt.

Federers Aufschlag ist zu Beginn der Partie unantastbar. Bis zum 6:6 im ersten Satz gibt er keinen einzigen Punkt bei eigenem Service ab, doch ausgerechnet im Tiebreak reicht Haas ein Minibreak (7:4) zum Satzgwinn. Federer gibt auch in den nächsten drei Servicespielen nur zwei Punkte ab. 36 von 38 möglichen Punkten bringt er ins Trockene.

Doch ausser dem Aufschlag funktioniert beim Schweizer nichts. Das Grundlinienspiel ist eine Katastrophe: «Ich habe zweieinhalb Sätze lang das Grundlinienspiel überhaupt nicht gespürt, es war aber mit dem erneut sehr stark drehenden Wind auch enorm schwierig.»

abspielen

Die Highlights der Partie. Video: YouTube/Ralph Lowe

Fünf Punkte vor der Blamage

Den zweiten Satz verliert Federer mit 5:7 und als er sich im dritten Satz beim Stand von 3:4 und 30:40 mit eben jenem Breakball konfrontiert sieht, ist er wohl nicht der einzige, der sich schon am Koffer packen sieht. Fünf Pünktchen trennen ihn vom Aus. Gewinnt er den Punkt nicht, ist wohl Feierabend.

Switzerland's Roger Federer reacts after missing a point against Germany's Tommy Haas during their fourth round match of the French Open tennis tournament at the Roland Garros stadium in Paris, Monday June 1, 2009. (AP Photo/Michel Euler)

Trotz grossartigem Service läuft es bei Federer lange nicht. Bild: AP

Haas meint danach erkannt zu haben, dass sich Federer nach dem Ausscheiden von Nadal und Djokovic zu sicher war. Der Schweizer verneint: «Für mich wäre es eine andere Situation, wenn ich im Final wäre und dann nicht Rafa auf der anderen Seite steht. Aber solange ich noch nicht so weit bin, ist es noch nicht wichtig.»

«Mein erster sehr guter Schlag in dieser Partie»

Vielleicht hat Federer beim angesprochenen Breakball auch schon leicht resigniert. Er spielt nämlich nicht so, als ob es hier um alles geht, sondern als ob die Partie im ersten Game wäre. Auf den Cross-Return von Haas umläuft er die Rückhand und ballert seine Vorhand mit vollem Risiko cross über den Court. Und tatsächlich: Der Ball kratzt die Linie, der Breakball abgewehrt.

abspielen

Der entscheidende Punkt. Video: YouTube/Mohamed Nabawy

«Darum ist er Roger Federer.»

Tommy Haas

«Nach dieser Vorhand beim Breakball habe ich an den Sieg geglaubt, das war mein erster sehr guter Schlag in dieser Partie», wird Federer später gestehen. Und Haas? Der ist sich sicher, dass er den Match mit dem Break gewonnen hätte. Doch er muss eingestehen: «Da muss man einfach den Hut ziehen und sagen: ‹Darum ist er Roger Federer.›»

epa01748205 Roger Federer of Switzerland fires home the match point against Tommy Haas of Germany during their fourth round match for the French Open tennis tournament at Roland Garros in Paris, France, 01 June 2009.  EPA/HORACIO VILLALOBOS

Roger Federer bei seinem Matchball nach 3:07 Stunden. Bild: EPA

Nach dem Traumpunkt läuft's

Der Punktgewinn in Extremis stellt sich tatsächlich als Wendepunkt heraus. «Ich wusste, dass ich später auf diesen Ball zurückschauen würde», wird er nach der Partie sagen. Aber erst gewinnt Federer das Game und schafft im nächsten Servicespiel von Haas das entscheidende Break. Er gewinnt den dritten Durchgang 6:4, übernimmt die Kontrolle der Partie und fliegt mit 6:0 und 6:2 in 3:07 Stunden zum Sieg.

Switzerland's Roger Federer gestures after defeating Germany's Tommy Haas  during their fourth round match of the French Open tennis tournament at the Roland Garros stadium in Paris, Monday June 1, 2009. (AP Photo/Lionel Cironneau)

Nach dem Sieg gegen Haas: Der wichtigste Schritt ist gemacht. Bild: AP

Im Viertelfinal wird Federer Gael Monfils in drei Sätzen bezwingen, im Halbfinal Juan Martin Del Potro nach 1:2-Satzrückstand. Im Endspiel gegen Robin Söderling ist der Schweizer nicht mehr zu stoppen. Er siegt 6:1, 7:6 (7:1), 6:4, sichert sich seinen ersten Roland-Garros-Titel und vervollständigt nach Fred Perry (1935), Don Budge (1938), Rod Laver (1962), Roy Emerson (1964) und Andre Agassi (1999) als sechster Spieler den Karriere-Slam. Das French Open hat er seither nicht mehr gewonnen.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote - alles ist dabei.

Alle Grand-Slam-Titel des Schweizer Tennisstars

Unvergessene Tennis-Geschichten

06.01.1996: Wegen Rossets Dummheit des Jahres bricht Hingis beim Hopman Cup in Tränen aus

Link zum Artikel

Gut gebrüllt: «Niemand schlägt Vitas Gerulaitis ­17 Mal hintereinander!»

Link zum Artikel

20.01.2013: Djokovic fügt Wawrinka die Mutter aller heroischen und bitteren Niederlagen zu

Link zum Artikel

21.01.1999: «Yips» beschert Anna Kurnikowa trotz Sieg einen unglaublichen Negativrekord 

Link zum Artikel

24.01.2001: Hingis macht Kleinholz aus Serena und Venus und stürmt in den Australian-Open-Final

Link zum Artikel

26.01.2002: Martina Hingis' Traum schmilzt bei 50 Grad im Glutofen von Melbourne weg

Link zum Artikel

01.02.2009: Federer verpasst Sampras' Rekord und weint nach Pleite gegen Nadal bittere Tränen

Link zum Artikel

13.02.2000: Roger Federer verliert seinen ersten Final, weint bittere Tränen und jammert, er werde nie mehr in ein Endspiel kommen

Link zum Artikel

30.03.2002: Roger Federer bodigt zum ersten Mal die Weltnummer 1 – und diese ist sich sicher: «Er kann den Durchbruch schaffen»

Link zum Artikel

30.04.1993: Wie ein Messerstich die Tenniswelt veränderte

Link zum Artikel

31.05.2009: Robin Söderling fügt Rafael Nadal die einzige Niederlage an den French Open zu und ebnet Roger Federer den Weg zum Karriere-Grand-Slam

Link zum Artikel

01.06.2009: Gedanklich ist Federer wohl schon ausgeschieden. Dann rettet ihn eine unglaubliche Vorhand auf dem Weg zum Karriere-Slam 

Link zum Artikel

05.06.1989: Mondbälle, Krämpfe und ein «Uneufe»-Aufschlag – der 17-jährige Michael Chang treibt Ivan Lendl mit seinem Psychokrieg in den Wahnsinn

Link zum Artikel

05.06.1999: Hingis' schwärzeste Stunde – zwei «Uneufe»-Aufschläge, gellende Pfiffe und bittere Tränen

Link zum Artikel

06.06.2005: Nadals erster erster Streich am French Open – ganz Paris verliebt sich in das «Kind mit der donnernden Linken»

Link zum Artikel

05.07.1997: Martina Hingis ist mit 16 Jahren die jüngste Wimbledon-Siegerin des 20. Jahrhunderts

Link zum Artikel

07.07.1985: Als jüngster Spieler aller Zeiten gewinnt Boris Becker Wimbledon und löst so einen Tennis-Boom in Deutschland aus

Link zum Artikel

08.07.2001: Die Weltnummer 125 triumphiert in Wimbledon: Goran Ivanisevics grosser Traum wird doch noch wahr

Link zum Artikel

08.08.1992: Marc Rosset holt sich an Roger Federers 11. Geburtstag den einzigen grossen Titel, der dem «Maestro» noch fehlt

Link zum Artikel

10.08.2003: Andy Roddick ist einen Sommer lang der beste Tennisspieler des Planeten – dann vergeht ihm das Lachen für lange, lange Zeit

Link zum Artikel

04.09.1977: Bei McEnroes drittem US-Open-Auftritt wird ein Zuschauer mitten im Stadion durch eine Pistolenkugel verletzt

Link zum Artikel

05.09.1996: Sampras kotzt gegen Corretja auf den Court – denkwürdigstes US-Open-Tiebreak aller Zeiten 

Link zum Artikel

20.09.2009: «Who ist the beeest? Better than the reeest?» Federer outet sich nach dem Davis-Cup-Sieg gegen Italien als Party-Tiger

Link zum Artikel

25.10.2002: Nach Roger Federers Gegensmash wirft ihm Andy Roddick frustriert das Racket vor die Füsse

Link zum Artikel

24.11.2009: Das kommt uns Spanisch vor – im Interview mit CNN hat Roger Federer seinen legendären Lachflash

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Ein Eishockey-Weltmeister wird als Ägypter in Wimbledon zum Tennis-König

Als Ägypter krönt Jaroslav Drobny seine Karriere als Tennisspieler und gewinnt in Wimbledon. Der Triumph folgt nur wenige Jahre, nachdem er die Tschechoslowakei zur ersten WM-Goldmedaille im Eishockey geführt hat.

Als Jaroslav Drobny 1949 an die Swiss Open in Gstaad reist, weiss er noch nicht, dass er nie mehr in seine Heimat zurückkehren wird. Er hat bloss ein Köfferchen und 50 Dollar bei sich, als er ins Berner Oberland aufbricht. Doch Drobny fällt auf, dass sein Landsmann Vladimir Cernik gleich mit einigen grossen Koffern in die Schweiz reist. Cernik hat vor, nach der Machtübernahme der Kommunisten aus der Tschechoslowakei zu flüchten. Zwar hat auch Drobny sich zu einem Leben im Exil entschlossen, …

Artikel lesen
Link zum Artikel