Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Oliver Zaugg of Switzerland sprays sparkling wine as he celebrates on the podium after winning the Tour of Lombardy cycling race in in Lecco, Italy, Saturday, Oct.15, 2011. Zaugg of Switzerland claimed his first major road race victory Saturday as he won the Giro Di Lombardia. The Leopard Trek rider finished eight seconds ahead of a tight pack, with Garmin Cervelo's Daniel Martin in second place and Katusha's Joaquin Rodriguez in third. Ivan Basso (Liquigas-Cannondale) was fourth. (AP Photo/Luca Bruno)

Zaugg spritzt mit Champagner: In Lecco feiert er den Sieg seines Lebens. Bild: AP

Unvergessen

2843 Tage ist Radprofi Oliver Zaugg sieglos – dann macht sich der ewige Helfer unsterblich

15. Oktober 2011: Oliver Zaugg gewinnt vorher und nachher kein einziges Profirennen. Doch mit dem Sieg an der Lombardei-Rundfahrt katapultiert er sich zumindest für einen Augenblick in die Reihe der grossen Schweizer Velorennfahrer.



2844 Tage, rechnet die NZZ vor, ist Oliver Zaugg schon Radprofi, als er erstmals ein Rennen gewinnt. 30-jährig ist er da schon und wie er selber zugibt, hat er manchmal selber nicht mehr daran geglaubt, tatsächlich einmal siegen zu können.

Aber an einem sonnigen Samstag im Herbst 2011 ist dieser Tag gekommen. Zaugg spürt, dass er in guter Form ist – wie so oft, wenn sich die Rennsaison ihrem Ende entgegen neigt. Die Spanien-Rundfahrt muss er zwar wegen einer Magenverstimmung aufgeben, doch an drei kleineren Eintagesrennen in Italien fährt er stark. So stark, dass ihn sein Team Leopard-Trek als Co-Leader in die Lombardei-Rundfahrt schickt.

abspielen

Die letzten zehn Kilometer der Lombardei-Rundfahrt 2011. Video: YouTube/plateaudebechini

Die seltene Chance, auf eigene Rechnung fahren zu dürfen

Oliver Zaugg und Jacob Fuglsang sind die Trümpfe der Mannschaft. Der Däne verpufft seine Kräfte, als er bei einer frühen Attacke von Vincenzo Nibali mitgeht. Deshalb muss Zaugg in der Schlussphase auf niemanden Rücksicht nehmen, darf im «Rennen der fallenden Blätter» auf eigene Rechnung fahren. Eine Ausgangslage, die er kaum mehr kennt. Denn Zaugg ist kein Siegfahrer, sondern ein Helfer, der mit seinen bloss 57 Kilogramm besonders am Berg wertvolle Dienste für seine Captains leistet.

Weil er um seine gute Verfassung weiss, hat sich der im Tessin wohnhafte Zürcher Oberländer akribisch auf die 105. Lombardei-Rundfahrt vorbereitet. Nach der Besichtigung des Schlussteils der Strecke am Tag vor dem Rennen nimmt er sich vor, in der letzten Steigung anzugreifen und zwar an der steilsten Passage.

Oliver Zaugg of Switzerland celebrates as he crosses the finish line to win the Tour of Lombardy cycling race in Lecco, Italy, Saturday, Oct.15, 2011. (AP Photo/Luca Bruno)

Zaugg ballt die Faust, während hinten die Gegner um Rang 2 sprinten. Bild: AP

20 Sekunden Vorsprung, aber keinen Funkkontakt mehr

Die Hoffnung erfüllt sich, dass an dieser Stelle, rund zehn Kilometer vor dem Ziel, noch keine Entscheidung gefallen ist. Zaugg nimmt den Aufstieg nach Villa Vergano in einer rund 20 Fahrer umfassenden Spitzengruppe mit fast allen Favoriten in Angriff. Und dort, wo er es sich vor dem Start vorgenommen hat, attackiert er. «Schon während der ganzen Woche hatte ich diesen Angriff im Kopf. Jetzt musste ich ihn nur noch ausführen», schildert er nach dem Sieg.

Auf der Passhöhe hat er 20 Sekunden Vorsprung auf seine Verfolger – aber keinen Funkkontakt mehr zum Teamfahrzeug. Die Batterien seines Empfängers haben den Geist aufgegeben. Zaugg fehlen Informationen über seinen Vorsprung: «Ich konnte nur Vollgas geben und hoffen, dass mich die anderen nicht einholen.»

Oliver Zaugg of Switzerland is kissed by race hostesses as he celebrates on the podium after winning the Tour of Lombardy cycling race in in Lecco, Italy, Saturday, Oct.15, 2011. Zaugg of Switzerland claimed his first major road race victory Saturday as he won the Giro Di Lombardia. The Leopard Trek rider finished eight seconds ahead of a tight pack, with Garmin Cervelo's Daniel Martin in second place and Katusha's Joaquin Rodriguez in third. Ivan Basso (Liquigas-Cannondale) was fourth. (AP Photo/Luca Bruno)

Die schöne Belohnung nach 241 Kilometern von Mailand nach Lecco. Bild: AP

«Es war mein Tag. Endlich!»

Nach einer Abfahrt und den letzten, flachen Kilometern ist es geschafft. Acht Sekunden seines Vorsprungs rettet Zaugg ins Ziel. Endlich, nach 2844 Tagen als Radprofi, darf er auf der Ziellinie die Arme in die Höhe strecken und einen Sieg bejubeln. «Es war mein Tag. Endlich, nachdem ich schon ein paar Mal nahe dran war und es doch nie klappen wollte», freut er sich.

Die Schweizer Sieger der Lombardei-Rundfahrt

1989 Tony Rominger
1992 Tony Rominger
1993 Pascal Richard
1998 Oscar Camenzind
2011 Oliver Zaugg

Der Triumph bei einem der fünf Monumente des Radsports bleibt der einzige Profierfolg von Oliver Zaugg. Im Herbst 2016 tritt er zurück. Sein letztes Rennen ist die Lombardei-Rundfahrt. Jenes Rennen, das ihm den schönsten Moment seiner Karriere beschert hat.

Oliver Zaugg of Switzerland shows his trophy on the podium after winning the Tour of Lombardy cycling race in Lecco, Italy, Saturday, Oct.15, 2011. (AP Photo/Luca Bruno)

Die Siegertrophäe ist eine Kandidatin für unsere Story zu den kuriosesten Pokalen der Welt. Bild: AP

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

Mark Beaumont fährt mit dem Velo in 80 Tagen um die Welt

Unvergessene Radsport-Geschichten

30.01.2011: «Dummi huere Ruederer» und «Schiiss-Ponys» machen Reporter Hans Jucker zur Legende

Link zum Artikel

14.02.2004: Der Pirat geht von Bord – aber in den Herzen der Fans lebt Marco Pantani ewig

Link zum Artikel

17.06.1981: «Dä Gottfried isch für mich gschtorbe!» – 2 Tage nach dem Zitat seines Lebens fliegt Beat Breu ins Leadertrikot

Link zum Artikel

14.07.2003: Armstrong rettet sich nach dem Horrorsturz von Beloki mit einem Höllenritt querfeldein über das Kornfeld

Link zum Artikel

20.07.2006: Floyd Landis begeistert die Sportwelt mit einer historischen Flucht – und wird kurz nach dem Tour-Sieg als Doper entlarvt

Link zum Artikel

11.10.1998: Ein halbes Jahrhundert nach Ferdy Kübler trägt mit Oscar Camenzind endlich wieder ein Schweizer das Regenbogentrikot

Link zum Artikel

15.10.2011: Für einen Tag schlüpft Oliver Zaugg aus der Rolle als Helfer und feiert den grössten Triumph seiner Karriere

Link zum Artikel

22.07.2001: Sven Montgomery erlebt an der Tour den schönsten Moment seiner Karriere – und nur drei Tage später den schlimmsten

Link zum Artikel

24.04.1993: Järmann schlägt im Sprint Weltmeister Bugno und gewinnt das Amstel Gold Race

Link zum Artikel

13.07.1967: Tom Simpson stirbt am Mont Ventoux – und sein Name wird zu einem Mahnmal für alle Radsport-Profis

Link zum Artikel

09.04.2006: Ein Lenkerbruch und ein Albtraumsturz zerstören den grossen Traum von Armstrongs Edelhelfer

Link zum Artikel

22.03.1995: Du kannst im Fitness-Center strampeln wie du willst – an den durchdrehenden Nüscheler kommt keiner ran

Link zum Artikel

17.07.1992: Der Thurgauer Rolf Järmann bodigt Ex-Gesamtsieger Pedro Delgado und gewinnt die längste Tour-Etappe

Link zum Artikel

21.07.2009: Jens Voigt stürzt fürchterlich und gibt drei Tage später ein obercooles Interview

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Diese 9 Food Trucks aus New York wünschen wir uns in der Schweiz (weil absolut 🤤)

Link zum Artikel

Federer/Nadal necken sich wie ein altes Ehepaar und McEnroe will «ihre Karrieren beenden»

Link zum Artikel

«Kein Brexit ohne Parlament!» John Bercow sagt Johnson in Zürich den Kampf an

Link zum Artikel

St. Galler Polizist schiesst sich aus Versehen in den Oberschenkel

Link zum Artikel

Die lange Reise der Schiedsrichter-Pfeife an die Rugby-WM nach Japan

Link zum Artikel

Eins vor Tod will ich Sex und (eventuell) eine Ohrfeige

Link zum Artikel

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Link zum Artikel

Wo du in dieser Saison Champions League und Europa League sehen kannst

Link zum Artikel

Migros Aare baut rund 300 Arbeitsplätze ab

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Banking-Apps wie Revolut – so gehen die Betrüger vor

Link zum Artikel

YB droht Bickel mit Gericht, nachdem er als Sportchef 40 Mio. verlochte

Link zum Artikel

Warum wir bald wieder über den Schweizer Pass reden werden

Link zum Artikel

«Ich hatte Sex mit dem Ex meiner besten Freundin…»

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Matheproblem um die Zahl 42 geknackt

Link zum Artikel

Wie gut kennst du dich in der Schweiz aus? Diese 11 Rätsel zeigen es dir

Link zum Artikel

«In der Schweiz gibt es zu viel Old Money und zu wenig Smart Money»

Link zum Artikel

So schneiden die Politiker im Franz-Test ab – wärst du besser?

Link zum Artikel

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Das schlimmste Foul im Schweizer Fussball: Gabet Chapuisat zertrümmert Lucien Favres Knie

13. September 1985: Gabet Chapuisat hat sich bis zum Herbst seiner Karriere den Namen als Raubein regelrecht ertreten. Doch was er gegen Lucien Favre zeigt, schockt alle.

Unterschiedlicher könnten die beiden kaum sein. Auf der einen Seite Pierre-Alain «Gabet» Chapuisat: überharter Abwehrchef, ein Klopfer, ein Raubein, das «Enfant terrible» im Schweizer Fussball. Auf der anderen Seite Lucien Favre: eleganter Regisseur, gesegnet mit einem linken Zauberfuss, eine Augenweide.

Während Chapuisat – der Vater des späteren BVB- und Nati-Stürmers Stéphane – mit 37 Jahren im Spätherbst seiner Karriere steht und nach 34 Länderspieleinsätzen (letztes Spiel 1979) …

Artikel lesen
Link zum Artikel