Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
GERMANY - AUGUST 01:  FUSSBALL: 2. BUNDESLIGA 97/98 ST. PAULI - GUETERSLOH 0:0, Klaus THOMFORDE/Torwart 01.08.97  (Photo by Marcus Brandt/Bongarts/Getty Images)

Klaus Thomforde, wie er leibt und lebt, im St.Pauli-Tor Mitte der 90er Jahre. Bild: Bongarts

St.Paulis Tier im Tor «geht einer ab», wenn er in der 1. Liga Bälle halten kann

18. August 1995: Klaus Thomforde liefert eines der berühmtesten Zitate der Bundesliga-Geschichte. Der Goalie des FC St.Pauli strahlt nach dem zweiten Saisonspiel in die Kamera und meint: «Es ist ja auch geil, in der 1. Liga die Bälle zu halten. Da geht mir einer ab!»

18.08.18, 00:05


Ganz neu ist die 1. Bundesliga für den FC St.Pauli nicht, als er im Sommer 1995 aufsteigt. Es ist schon das dritte Gastspiel der Hamburger in der obersten Spielklasse. Auch Klaus Thomforde kennt die Beletage des deutschen Fussballs – aber erst von der Ersatzbank aus, denn lange standen ihm Kontrahenten vor der Sonne.

Das Portrait eines leicht Verrückten. Video: YouTube/MrFCSP1910

1995 jedoch ist er die Nummer 1 am Kiez. Und er wird im deutschsprachigen Raum berühmt, weil er – nun ja – ziemlich durchgeknallt wirkt. Wenn man so will, ist er der Vorgänger von Oliver Kahn. Thomforde ist bekannt für seine ausgelassenen Jubelgesten, wenn er wieder mal einen Schuss abgewehrt hat. Dann ballt der Pauli-Keeper die Fäuste und schreit, als wäre er Hauptdarsteller von «Braveheart».

Dazu ist Thomforde auch nie um ein gutes Zitat verlegen. Sein legendärstes liefert er nach dem zweiten Spieltag der Saison 1995/96. Der FC St.Pauli gewinnt auswärts in Freiburg mit 2:0, als der Goalie vors Mikrofon tritt und freudig strahlt:

«Ist ja auch geil, in der 1. Liga die Bälle zu halten. Ich muss das mal sagen: Da geht mir einer ab!»

Klaus Thomforde

«Wie der Rächer der Enterbten»

Thomforde schuf sich mit seiner Art nicht nur Freunde. So mäkelte der Spiegel einst über den «allenfalls mittelprächtigen Bundesliga-Torhüter, der sich nach jeder Parade gerierte, als habe er gerade seinem Team durch einen gehaltenen Elfmeter den Weltmeistertitel gesichert. Klaus Thomforde hiess der Keeper, der im Strafraum des FC St.Pauli wie der Rächer der Enterbten die Fäuste ballte und kämpferische Grimassen zog. Sein Spitzname: das Tier im Tor.»

Der heutige Torhütertrainer der deutschen U21-Nationalmannschaft nimmt für sich in Anspruch, das Torwartspiel in Deutschland massgeblich beeinflusst zu haben. «Als ich mit St.Pauli einmal auf den blutjungen Frank Rost in einer Partie gegen Werder Bremen traf, hat er sich nach dem Spiel über mein ‹unmögliches Verhalten› beschwert», erinnert sich Thomforde im Gespräch mit dem Magazin 11 Freunde. Jahre später schrie er auf dem Platz genauso herum wie ich zu besten Zeiten. Und da war er nicht der einzige: Auch Oliver Kahn und andere Lautsprecher haben sich von mir inspirieren lassen.»

UNITED KINGDOM - OCTOBER 28:  FUSSBALL: FC ST. PAULI am 28.10.95, Torwart Klaus THOMFORDE jubelt sich zu  (Photo by Lutz Bongarts/Bongarts/Getty Images)

Gestatten: Das «Tier im Tor». Bild: Bongarts

Fluchende Engländer als Vorbilder

Auch er selber brauchte Vorbilder, um zum «Tier im Tor» zu werden. Denn eigentlich war er Finanzbeamter – nicht unbedingt das, was man hinter einem ständig brodelnden Vulkan erwartet. 1988 habe er ein Aha-Erlebnis gehabt, erinnert sich Thomforde, als er die englischen Goalies des FC Southampton im Training beobachtet habe.

«Während die Engländer im Kasten standen, haben sie geflucht wie die Seemänner. Kein Satz ohne ‹fuck› oder ein anderes englisches Schimpfwort! Ich war beeindruckt und merkte, dass ich nicht der einzige war, der sich davon imponieren liess.» Deshalb habe er sich dieses Verhalten auch angeeignet. «Das Verrückte war, dass es funktionierte. Auf einmal standen meine Leistungen in einem ganz anderen Licht. Von diesem Zeitpunkt an habe ich meine Schimpftiraden und Jubelposen als bewusste Showelemente in mein Spiel integriert.»

«Siegermentalität und Selbstvertrauen haben mir den nötigen Halt gegeben»

Thomforde sagt, er sei gerne der «Verrückte» gewesen. «Diese Rolle hat sich positiv auf meine Leistungen ausgewirkt. Ich habe durch diese Art des Spiels weniger über meine Fehler nachgedacht. Im Vergleich zu heutigen Torhütern war ich nicht sonderlich gut ausgebildet – Siegermentalität und Selbstvertrauen haben mir den nötigen Halt gegeben.»

Um seine Ausraster ins rechte Licht zu rücken, hilft Thomfordes Frau. Sie habe Interviews gegeben und den Journalisten erzählt, dass sie ihren Mann zuhause schon gemassregelt habe. «Auf diese Weise konnte ich immer sagen, dass ich mein Fett schon weg bekommen hatte. So konnten wir jeden vermeintlichen Skandal umschiffen», verrät das Schlitzohr.

Klaus Thomforde

Klaus Thomforde heute: Seit Hebst 2013 ist er Torhütertrainer der deutschen U21-Nationalmannschaft. Bild: DFB

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

Die hässlichsten Torhüter-Trikots

Unvergessene Bundesliga-Geschichten

31.08.1993: Jay-Jay Okocha demütigt Oliver Kahn und drei KSC-Verteidiger mit einem Wahnsinnstanz in 11 Sekunden für die Ewigkeit

29.03.1970: «Decken, decken, nicht Tischdecken, Mann decken» – so kommentiert der Moderator des «Aktuellen Sportstudio» einen Beitrag über Frauenfussball 

10.03.1998: Trap hat fertig – diese dreieinhalb Minuten Kauderwelsch bleiben für die Ewigkeit

06.04.2002: Bundesliga-Goalie Piplica fällt der Ball von einem Kirchturm auf den Kopf und von dort fliegt er ins Tor

04.04.2009: Nie wurden die Bayern schöner gedemütigt als durch die Hacke von Grafite

13.04.1995: Andy Möller kreiert mit der Schutzschwalbe eine neue Tierart

18.08.1995: St.Paulis Tier im Tor «geht einer ab», wenn er in der 1. Liga Bälle halten kann

09.05.1998: Die grösste Bundesliga-Sensation ist perfekt: Aufsteiger Kaiserslautern darf die Meisterschale in die Höhe stemmen

Kultfigur Walter Frosch spielt mit einem Zigarettenpäckchen im Stutzen

17.04.2004: Goalie Butt jubelt nach seinem verwandelten Penalty noch, als es in seinem Kasten klingelt

10.12.1995: Ciri Sforza sieht im TV, wie er ohne sein Wissen transferiert wird und wie seine Mitspieler bitterböse über ihn schimpfen

08.11.1975: Weil er betrunken ist und sich so gut fühlt, pfeift Schiedsrichter Ahlenfelder schon nach 32 Minuten zur Halbzeit 

16.05.1992: Eintracht Frankfurt verspielt den Meistertitel im letzten Moment, doch «Stepi» bleibt cool: «Lebbe geht weider»

03.04.1999: Titan Kahn tickt komplett aus – erst knabbert er Herrlich an, dann fliegt er in Kung-Fu-Manier auf Chapuisat zu

19.5.2001: Vier Minuten feiert Schalke den Titel, dann trifft Andersson in Hamburg mitten ins königsblaue Herz

20.10.2000: Christoph Daums freiwillige Haarprobe ergibt, dass er doch kein absolut reines Gewissen haben darf

04.05.2002: Der Beweis dafür, dass Leverkusen keinen Titel holen kann – und es kam noch viel schlimmer

07.05.1991: «Mach et, Otze!» Kölns Ordenewitz will sich in den Pokalfinal tricksen – aber der DFB findet den Ordene-Witz nicht komisch

02.04.1974: Ob den Dortmundern bei der Einweihung schon bewusst ist, dass sie einmal das geilste Fussballstadion der Welt haben werden?

23.09.1994: Mario Basler kommt auf die absurde Idee, eine Ecke direkt zu verwandeln und hat damit auch noch Erfolg

19.11.1994: Nach einer kuriosen Rote Karte und dem Last-Second-Ausgleich des KSC flippt Lothar Matthäus im Interview komplett aus

23.04.1994: Helmers Phantomtor, der berühmteste Nichttreffer der Bundesliga

03.01.2006: Der Bergdoktor ist da – Hanspeter Latour soll den 1. FC Köln vor dem Abstieg retten

20.05.2000: «Ihr werdet nie deutscher Meister» – Ballacks Eigentor in Unterhaching macht Bayer endgültig zu «Vizekusen»

18.09.1999: Kuffour knockt Kahn aus und als Ersatzkeeper Dreher sich das Knie verdreht, werden «Tanne» Tarnat und der Kahn-Killer zu den grossen Matchwinnern

19.08.1989: Klaus «Auge» Augenthalers Weitschusstreffer wird Tor des Jahrzehnts

Wolfgang Wolf wird Trainer der Wölfe in Wolfsburg – hihihi!

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

GC verpflichtet Arlind Ajeti +++ Macheda zu Panathinaikos

Keinen wichtigen Wechsel und kein spannendes Gerücht mehr verpassen: Hol dir jetzt den watson-Transfer-Push! So einfach geht's:

Arlind Ajeti wechselt per sofort zum Super-League-Klub Grasshoppers. Der 24-jährige Innenverteidiger erhält einen Einjahresvertrag mit einer Option für zwei weitere Jahre.

Ajeti war zuletzt vom FC Turin an Crotone ausgeliehen, bei welchem er es auf 23 Serie-A-Spiele brachte. Zuletzt war der albanische Internationale vereinslos. Arlind Ajeti entstammt wie sein Bruder …

Artikel lesen