Sport
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Karl Meli wird nach seinem Sieg am Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest am 16. August 1964 in Aarau von seinen Kollegen auf den Schultern getragen. (KEYSTONE/Str)

Karl Meli kann sich trotz einem frühen Knockout feiern lassen. Bild: KEYSTONE

Bei Sieg k.o. gegangen

Unvergessen

12.08.1961: So etwas wäre heute nicht mehr möglich – Karl Meli wird nur Schwingerkönig, weil die Jury Gnade vor Recht walten lässt

12. August 1961: Beim Eidgenössischen Schwingfest wird das Reglement nicht immer eingehalten. In Zug passiert ein Skandal – nur gibt es das Wort damals im Schwingen noch nicht.



Die Schwingerkönige der Neuzeit nehmen wir alle als Titanen wahr. Auch durch die Beschreibungen und Abbildungen in den Medien: Ernst Schläpfer, Jörg Abderhalden, Kilian Wenger und Matthias Sempach erscheinen zu Recht als Giganten.

Doch einer war noch eine Nummer grösser. Der erste Titan, der das Schwingen 22 Jahre lang geprägt hat: Karl Meli. Von seinem ersten Eidgenössischen 1956 bis zu seinem Rücktritt 1978 im Alter von 40 Jahren hat er bei 125 Kranzfesten nur einmal den Kranz verpasst – weil er verbotenerweise den Kampfrichtern über die Schultern aufs Notenblatt guckt und dafür mit einem Punkteabzug bestraft wird.

Karl Meli aus Winterthur, links, und der Solothurner Kurt Schild, rechts, in Aktion am Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest in Aarau, aufgenommen am 16. August 1964. Den Gang gewann Karl Meli. (KEYSTONE/Str)

Karl Meli in Aktion im Sägemehl. Bild: KEYSTONE

1956 betritt Meli die Bühne beim Eidgenössischen in Thun mit einem Paukenschlag. Er gewinnt mit 18 Jahren den ersten von neun Eidgenössischen Kränzen. Bei neun Eidgenössischen steigt er 72 Mal ins Sägemehl. Er gewinnt 51 Gänge, verliert nur sechs, 15 enden gestellt. 1961 in Zug und 1964 in Aarau wird er König. 1966 verliert er den Schlussgang gegen Rudolf Hunsperger.

Der Liebling des Publikums und der Funktionäre

Karl Meli hat zu seiner besten Zeit die Statur eines Titanen. 120 bis 130 Kilo ideal verteiltes Gewicht. Diese mächtige Postur hält er über mehrere Schwingergenerationen hinweg in Topform. 22 Jahre lang heisst es für seine Gegner: Ein Gestellter ist ein Achtungserfolg, an einen Sieg ist nicht zu denken, gegen keinen anderen Schwinger werden Gestellte so gefeiert wie gegen Karl Meli.

Da ist noch etwas: Er ist, weil immer sportlich, immer korrekt, immer fair, auch der Liebling der Funktionäre, ein Gralshüter des Schwingens. Er geniesst viel politischen Rückhalt. Auch deshalb ist kein Böser unter so dramatischen Umständen König geworden wie der Winterthurer 1961 in Zug. Er wird nämlich nur König, weil das Reglement nicht eingehalten wird.

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Karl Meli präsentiert den etwas mürrischen Siegermuni. Bild: SRF

Und so ist das gekommen: Im dritten Gang am Samstag setzt er gegen den zähen Muotathaler Josef Schelbert seine gewaltige Kraft in einem Kurzzug frei. Der Wurf gelingt zu gut: Karl Meli bleibt zwar oben. Doch er schlägt mit dem Kopf heftig auf dem Boden auf und bleibt – nach klarem Sieg – benommen liegen.

Der kurze K.o. und die Milde der Jury

Helfer eilen herbei, das Schlimmste befürchtend. Sie heben den Titanen, der soeben einen Kampf gewonnen hat, auf eine Bahre und tragen ihn aus der Arena. Wenig später wird gemeldet, dass Karl Meli zum vierten Gang am Samstag nicht mehr antreten kann. Streng genommen bedeutete dies das Aus. Denn das Reglement schreibt klar vor, dass jeder Schwinger am Samstag vier Gänge zu absolvieren hat. Es gibt keine Ausnahme.

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Das Plakat zum Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 1961 in Zug. Bild: Keystone

Sensation: Der grosse Favorit auf den Königstitel ist gescheitert. Durch K. o. nach Sieg. Am Samstagabend werden heftige Diskussionen geführt. Nun ist sicher, dass dem Titanen nichts fehlt, dass er nur kurz benommen war. Sollte er wirklich um die Chance geprellt werden wegen des Reglements? Die Sache kommt vors Einteilungskampfgericht, das noch nie über einen solchen Fall hatte befinden müssen und es seither auch nie mehr musste – Vorschrift gegen gesunden Menschenverstand.

Der Entscheid fällt schliesslich zugunsten von Karl Meli. Er darf am Sonntagmorgen den vierten Gang nachholen und weitermachen. Nach Siegen über Theo Inderbitzin, Albert Pollinger, Christian Egli, Otto Häni und Karl Oberholzer wird er schliesslich zum ersten Mal König. Der erste und einzige König, der am Sonntag fünf Gänge bestreitet.

Viel Risiko im Schlussgang

Karl Melis Schlussgang gegen den entfesselten Karl Oberholzer – er hat Titelverteidiger Eugen Holzherr zuvor die erste Niederlage seit fünf Jahren beigebracht – ist als einer der besten in die Geschichte eingegangen. Karl Oberholzer tritt in Hochform gegen Meli an. Von einer verhaltenen Phase des Abtastens will er nichts wissen. Aber Meli pariert die erste Kurz-Gammen-Salve. Frisch in den Griffen geht er zur Attacke über. Ein gewaltiges Risiko. Denn die Gammen-Parade (Konter) Karl Oberholzers sind gefürchtet. Doch in diesem entscheidenden Gang kommt sie zu spät.

Karl Meli, der Schwingerkoenig des Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfestes am 16. August 1964 in Aarau mit dem traditionellen Preis fuer den Sieger des Turniers, einem Muni. (KEYSTONE/Str)

1966 in Aarau verteidigt Meli seinen Königstitel. Bild: KEYSTONE

Karl Melis ungestümer, risikoreicher Angriff führt zum platten Sieg. Ein kurzer Schlussgang von zweieinhalb Minuten. Karl Meli ist König. 1964 verteidigt der Winterthurer seinen Titel im Schlussgang gegen Alois Boog. Nach einem Gestellten zum Auftakt gegen Kurt Schild gewinnt er alle Gänge. Es scheint, als könne er drei, vier Königstitel holen. Aber beim Eidgenössischen 1966 in Aarau erleidet er im Schlussgang die spektakulärste Niederlage seiner Karriere.

Bleibt noch die Frage: Wäre heute, unter den Augen der TV-Kameras und mehr als hundert Chronistinnen und Chronisten, eine Verletzung der Reglemente wie 1961 möglich? Wahrscheinlich nicht. Im Wissen um das immense Medieninteresse und die TV-Direktübertragungen würde wohl nicht mehr voreilig das «Aus» und der Verzicht auf den vierten Gang am Samstag vermeldet.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei. 

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Del Curto klärt auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

19. Oktober 1996: Arno Del Curto hat in seiner Karriere schon die unglaublichsten Szenen erlebt. Doch dass er in seiner ersten Saison in Davos den Spielern gar erklären muss, dass man dem Schiedsrichter nicht mehr «Fuck you» sagen dürfe, übertrifft wohl alles.

Was Arno Del Curto schon alles mitmachen musste, kann man teilweise kaum glauben. Aber in fast 40 Jahren als Trainer läppert sich da einiges zusammen. So auch diese Anekdote:

Del Curto kam im Sommer 1996 als Cheftrainer zum HC Davos. In der neunten Runde empfängt sein Team den SC Bern. Der HCD hat mit einem Sieg die Chance, erstmals seit elf Jahren wieder die Tabellenspitze der Nationalliga A zu übernehmen.

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