Sport
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FILE - In this June 28, 1950 file photo, United States soccer player Joe Gaetjens is carried off by cheering fans after the USA team beat England 1-0 in a World Cup soccer match in Belo Horizonte, Brazil. Gaetjens scored the winning goal in the shock result of the tournament. Sixty years after the Americans beat England in what is still considered one of soccer's greatest upsets, the United States and England will meet in their group opener at the World Cup in South Africa in June 2010. (AP Photo, File)

Bild: AP

Das tragische Ende des Fussballers Gaetjens und was «Papa Doc» Duvalier damit zu tun hatte

10. Juli 1964: Joseph Nicolas Gaetjens' Leben endet mit mutmasslichem Totschlag. Seine Geschichte ist diejenige eines Nobodys, der mit seinem Tor für eine der grössten WM-Sensationen sorgt und nachher wieder in der Anonymität verschwindet. 

An diesem 29. Juni 1950 ist er der König der Fussball-Welt. Es gibt alte Fotos, die zeigen, wie Joseph Nicolas Gaetjens, meist nur Joe oder Larry gerufen, auf Händen aus dem Stadion von Belo Horizonte getragen wird. Er hatte mit seinem 1:0-Siegestreffer für die USA gegen England vor 15'000 Fans für eine der grössten Sensationen der WM-Geschichte gesorgt.

Der Legende nach glaubten englische Journalisten, welche die Meldung noch per Telefax erhielten, dass es sich um einen Vertipper handelte und England nicht 0:1 verlor, sondern 10:1 oder 10:0 gewann. Diese Geschichte sei allerdings ein Mythos.

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Der Held von Belo Horizonte: Fans und Funktionäre lassen «Joe» Gaetjens hochleben. Bild: AP

Es sollte Gaetjens einziger WM-Treffer bleiben. England, das Mutterland des Fussballs, scheiterte durch diese Niederlage bei seiner ersten WM-Teilnahme bereits in der Vorrunde. Auch die Amerikaner kamen nach Niederlagen gegen Spanien (1:3) und Chile (2:5) auch nicht über die Vorrunde hinaus.



Alles nur Zufall?

Manch einer monierte zwar, eigentlich sei Joe zu diesem historischen Treffer gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. Er sei von einem Flankenball am Ohr getroffen worden und der Ball sei sozusagen ohne sein Zutun im Netz gelandet. Doch Flankengeber Walter Bahr, der später zugab, dass seine Flanke eigentlich als Schuss gedacht war, beharrte stets darauf, es sei ein typisches Tor gewesen. Gaetjens habe in Liga-Spielen oft mit solchen Kopfballwischern getroffen.

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Wer war «Joe» Gaetjens? Zeitdokumente und Nachkommen geben Auskunft. Video: YouTube/haitianhistory

Warum auch nicht? Der gebürtige Haitianer war am 19. März 1924 in Port-au-Prince als Sohn eines belgischen Vaters und einer haitianischen Mutter zur Welt gekommen. Er emigrierte in die USA und dort wurde er in der Saison 1949/50 Torschützenkönig der heimischen Liga. Deshalb wurde er vor der WM rasch eingebürgert. Zum Fussball war er in New York als Student gekommen. Er arbeitete zwischendurch als Tellerwäscher in einem Restaurant, dessen Besitzer auch ein Fussball-Team gehörte.

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Posthume Ehre für besondere Verdienste: Die NSCAA (National Soccer Coaches Association of America) verleiht Joe Gaetjens 2011 den «Honorary All-America Award». Video: YouTube/United Soccer Coaches

Doch der amerikanische Traum sollte sich für ihn nicht erfüllen. Er flog nach Europa und machte eine mässige Karriere in Frankreich. 1954 kehrte er nach Haiti zurück und arbeitete erfolgreich als Trainer.

Die Machtübernahme, die Gaetjens zum Verhängnis wird

1957 kam in Haiti Francois «Papa Doc» Duvalier an die Macht. Während seiner 14-jährigen Herrschaft sind schätzungsweise 30 000 Menschen ums Leben gekommen. Joe war politisch nicht aktiv. Aber zwei seiner Brüder, Jean und Freddie, gehörten möglicherweise zum Widerstand gegen den brutalen Diktator. Joseph Nicolas Gaetjens wusste nichts davon und erkannte die Gefahr zu spät. 

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«Joe» Gaetjens wurde von den «Tontons Macoutes» verschleppt, einer Geheimpolizei des Diktators Duvalier.

Am 8. Juli 1964 wurde er von der Geheimpolizei des Diktators Duvalier ins berüchtigte Foltergefängnis Fort Dimanche verschleppt und am 10. Juli im Alter von erst 40 Jahren mit ziemlicher Sicherheit ermordet. Möglicherweise sogar vom Präsidenten persönlich. Seiner Frau Liliane gelang 1966 gemeinsam mit den Kindern die Flucht nach Puerto Rico. Erst 1972, ein Jahr nach dem Tod von Diktator Duvalier, bekam sie die Bestätigung, dass ihr Mann nicht mehr lebte.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Rheinpfeil 10.07.2018 22:58
    Highlight Highlight Telefax, 1950. Mensch Eismeister, den Test hast Du clever eingebaut, aber dein Redaktor hat zuviel Halbfinale geschaut oder war sonstwie verschnarcht. +++ Telex könnte ganz gut passen ins Jahr 1950, oder Telegramm. +++ Aber Telefax, das kam erst ein Vierteljahrhundert später. +++ENDE
    2 0 Melden
    • elmono 12.07.2018 21:12
      Highlight Highlight 😂😂😂😂
      0 0 Melden

«Wir verspüren keinen negativen Druck» – YB muss in Valencia punkten

Mut und Solidarität verlangt Gerardo Seoane von seinen Spielern für den Match in Valencia. Sie sollen die Zweikämpfe suchen, sich unterstützen und, wenn sich die Möglichkeit bietet, ohne Umschweife nach vorne spielen.

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