Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa03339795 Nicola Spirig of Switzerland (R) crosses the finish line just ahead of Lisa Norden of Sweden in a sprint finish in the women's Triathlon held at Serpentine Lake in Hyde Park, in the London 2012 Olympic Games in London, Britain, 04 August 2012.  EPA/BARBARA WALTON

Nicola Spirig setzt sich im Schlussspurt hauchdünn durch. Bild: EPA

Unvergessen

Nicola Spirig wird in unglaublichem Fotofinish Olympiasiegerin

4. August 2012: Nach knapp zwei Stunden gewinnt Nicola Spirig mit einem Wimpernschlag Vorsprung Olympiagold. Der verdiente Lohn für harte Arbeit. Doch die Triathletin realisiert den grössten Erfolg ihrer Karriere erst gar nicht.



Auf der Webseite von Nicola Spirig ist einige Monate vor ihrem grössten Triumph im Sportlerleben das Ziel klar und deutlich zu lesen: «Olympische Spiele 2012 in London».

abspielen

Der legendäre Schlussspurt in London. Video: streamja

Die seit Kindesbeinen äusserst ehrgeizige Spirig, die als Tochter eines Turnlehrer-Ehepaars in der Stadt Bülach in einer sportbegeisterten Familie aufwächst, beweist spätestens mit dem Olympia-Triumph, dass sie ihre Ziele so hartnäckig verfolgt wie wohl nur wenige Menschen.

Das Multi-Talent

Eben dieser Ehrgeiz hat sie bis dahin auch schon weit gebracht: Vizeweltmeisterin 2010, Europameisterin 2009, 2010 und 2012 und ein 6. Rang bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking stehen bereits auf ihrer sportlichen Visitenkarte.

Die Triathletin Nicola Spirig freut sich, nachdem sie am Samstag, 8. Dezember 2001, in Bern bei den Sports Awards 2001 zur Newcomerin des Jahres 2001 gewaehlt worden ist. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Nicola Spirig erhält viele Pokale: Hier wird sie bei den Sports Awards zur Newcomerin des Jahres 2001 ausgezeichnet. Bild: KEYSTONE

Ausserdem hat die Frohnatur trotz grossem Trainingsaufwand nebenbei ein Jura-Studium absolviert – und mit «magna cum laude» abgeschlossen. Bemerkenswert ist, dass die bescheidene Spirig von Natur aus eine Zweiflerin ist, wie sie in einem Porträt der «NZZ» bekennt. «Wenn es zwei Grundeinstellungen gegenüber dem Leben gibt, eine positive, eine negative – dann ist meine negativ.» In ihrem Sportleralltag denkt Spirig beispielsweise häufig, dass andere Athletinnen eigentlich besser als sie sind.

«Handwerklich bin ich nicht gerade begabt.»

Nicola Spirig hat auch Schwächen Schweizer Familie

Akribische Planung im perfekten Umfeld

Deshalb macht Spirig in der Vorbereitung umso mehr. So ist sie schon 2009 nach London gereist, um sich mit der Strecke vertraut zu machen. «Ich habe mich zu 100 Prozent vorbereitet. Meine Tage bestanden aus trainieren, essen, schlafen», wie sie in einem Interview mit der «Schweizer Familie» erklärt. Dabei konnte sie auf ein «unglaubliches Team zurückgreifen».

Triathlon

Bei der Olympischen Distanz sind es 1500 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren sowie am Schluss noch ein 10 Kilometer-Lauf, welche es zu absolvieren gilt.

Ihr Trainer Brett Sutton, der früher Profiboxer und Tiertrainer war und als harter Hund in der Triathlonszene gilt, gestaltet die Vorbereitung perfekt. Ausserdem zieht die ganze Familie, darunter auch ihr heutiger Ehemann Reto Hug, der als aktiver Profi-Triathlet selber Erfahrungen mitbringt, vorbildlich mit.

Die Schweizer Triathlon Olympiasiegerin Nicola Spirig, hinten, und ihr Verlobter Reto Hug posieren fuer ein Foto, nach einer Medienkonferenz, an welcher Spirig ihre Schwangerschaft bekannt gab und Hug seinen Ruecktritt vom Spitzensport, am Dienstag, 30. Oktober 2012 in Glattfelden. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Ein sportliches Paar: Reto Hug und Nicola Spirig. Bild: KEYSTONE

Das Olympia-Rennen in London selbst verläuft wie am Schnürchen. Im Schwimmen bleibt sie in Tuchfühlung mit den Mitfavoriten. Beim Velofahren verspürt sie zwar leichte Krampferscheinungen, hält aber die Pace unbeirrt weiter hoch. Im Laufen, ihrer Lieblingsdisziplin, bleibt die 1,66 Meter grosse Spirig stets in der Spitzengruppe präsent.

Switzerland's Nicola Spirig rides during the women's triathlon at the 2012 Summer Olympics in London on Saturday, Aug. 4, 2012. (AP Photo/Miguel Medina, Pool)

Bild: AP Pool AFP

«Ich will Gold»

Kurz vor Schluss sieht es dennoch so aus, als ob die damals 30-jährige Zürcherin mit dem zweiten Platz vorlieb nehmen müsste, als die Schwedin Lisa Norden 50 Meter vor dem Ziel die Führung übernimmt. Doch Spirig hat auch diese Situation einkalkuliert: «Wir haben vieles, vor allem den Sprint, tausendmal im Training geübt», meint Spirig im Siegerinterview auf SRF.

Die Gewissheit, Norden in den letzten drei Sprints bezwungen zu haben, verleiht ihr zusätzliches Selbstvertrauen. Spirig gibt später zu Protokoll, welches Ziel sie in der Schlussphase verfolgt hat: «Ich will Gold».

«Mit Willen kann man unglaublich viel erreichen.»

Nicola Spirig zeit.de

In einer Zentimeterentscheidung behält Spirig schliesslich gegen Norden die Oberhand, auch wenn sie ihren Oberkörper auf der Ziellinie nicht nach vorne streckt und die Schwedin so nur hauchdünn besiegt.

Das Zielfoto:

This handout photograph released by Omega, the official timekeeper of the London 2012 Olympic games, shows the finish of the women's triathlon race for The 2012 London Olympic Games in London on August 4, 2012.  Switzerland's Nicola Spirig won the Olympic women's triathlon from Sweden's Lisa Norden after a dramatic photo finish.  Spirig and Norden were neck and neck as they crashed through the finishing tape in 1hr 59min 48sec, with the Swiss runner then awarded gold.   Australia's Erin Densham took bronze.   RESTRICTED TO EDITORIAL USE MANDATORY CREDIT

Das Fotofinish entscheidet zugunsten der Schweizerin. Bild: OMEGA

Spirig weiss in den ersten Minuten nach dem spannenden Rennen nicht einmal, ob sie nun Siegerin ist oder nicht. Sie glaubt es zwar, ist sich aber nicht sicher. Erst als ihr ein Offizieller das erfreuliche Resultat bestätigt, steht der Olympia-Triumph fest. Im Siegerinterview auf SRF gesteht Spirig: «Das Warten war extrem hart. Ich hätte mich so oder so auf eine Medaille gefreut, aber Gold ist natürlich die Krönung.»

Und weiter: «Ich habe es noch nicht realisiert, es ist unglaublich, ich bin sprachlos».

18 fantastisch knappe Fotofinishs

Zwei Jahre später beschreitet die inzwischen Mutter gewordene Spirig neue Wege: Bei der Leichtathletik-Heim-EM in Zürich wird sie im Marathon (Lauf über 42,195 Kilometer) 2014 starke 24. Und das nächste Ziel ist bald ausgemacht. 2016 ist sie von Swiss Olympic als erste Athletin überhaupt bereits für Olympia am Zuckerhut nominiert worden. Den Titel verteidigt sie nicht, aber mit Silber ergänzt sie ihre Medaillensammlung um ein weiteres Stück.

2019 ist Nicola Spirig zum dritten Mal Mutter geworden, dennoch stehen die Olympischen Spiele 2020 in Tokio im Fokus. Doch aus der fünften Olympiateilnahme wird wegen der Corona-Pandemie nichts. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben: In der japanischen Hauptstadt will Nicola Spirig 2021 das letzte Kapitel ihrer glanzvollen Karriere schreiben.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Schweizer Fahnenträger bei Olympia

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Wenn Menschen so nervig wie Insekten wären ...

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Junge mit Früchtekorb 04.08.2020 14:45
    Highlight Highlight Sehr eindrücklich wie sie das immer noch durchzieht, auch mit drei Kindern. Konnte das zu Beginn von nahem mitverfolgen, ihr Vater war damals mein Turnlehrer. Good times.
  • Der müde Joe 04.08.2020 07:13
    Highlight Highlight Juuuu! Was habe ich damals mitgefiebert!😬🙈

Unvergessen

60'000 decken «Kugel-Werni» mit Pfiffen ein – er antwortet mit erstem Schweizer WM-Titel

29. August 1987: Werner Günthör stösst die Kugel in Rom mit Urgewalt auf 22,23 Meter und verteilt anschliessend als erster Schweizer Leichtathletik-Weltmeister Kusshändchen an das aufgebrachte Italo-Publikum.

Er esse alles gerne – «ausser Chinesisch», erklärt der 26-jährige Werner Günthör vor seinem Abflug an die Leichtathletik-WM 1987 in Rom. Wer dem Kugelstoss-Giganten einmal persönlich gegenüberstand, mag diesen Worten gerne Glauben schenken. Zwei Meter gross, 127 Kilogramm Körpergewicht, Schuhgrösse 46 – es sind alles nur Zahlen, die seine imposante Erscheinung nicht einmal ansatzweise erfassen können.

Und dann sind da die blonden Strähnchen, die irgendwie gar nicht ins Bild passen wollen, …

Artikel lesen
Link zum Artikel