Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer DatenschutzerklÀrung.

Platzsturm in Cleveland: Die Zuschauer sind nicht mehr zu halten. bild: saveonbrew.com

Die 10-Cent-Beer-Night in Cleveland endet im totalen Chaos đŸ»

4. Juni 1974: Die Cleveland Indians treffen zuhause auf die Texas Rangers, die sich sechs Tage zuvor mit den Indians eine SchlÀgerei geliefert haben. Deshalb hoffen die Indians-Verantwortlichen auf volle ZuschauerrÀnge beim Baseball-Spiel. Die sie dank einer Bieraktion bzw. Bieridee auch kriegen sollten 


04.06.18, 00:05


Wie viel Alkoholgehalt das Bier an diesem heissen Sommertag wirklich aufweist, darĂŒber gibt es verschiedene Aussagen. Die Angaben schwanken zwischen acht und zwölf Volumenprozent. Gesichert ist hingegen der Preis fĂŒr einen Becher, der etwa 3,5 Deziliter Inhalt fasst: 10 Cent. Der regulĂ€re Preis ist damals 65 Cent.

Eine Erinnerung an die Beer Night. Bild: homage.com

Diesen Spottpreis lÀsst sich die Marketingabteilung der Cleveland Indians, die in der Major Baseball League spielen, einfallen. «Beer Nights» sind zu der Zeit nichts Aussergewöhnliches. Der Trend bei solchen Aktionen geht zu immer grösseren Mengen und tieferen Preisen. Und die Indians treiben es nun auf die Spitze.

Die Vorgeschichte

NatĂŒrlich soll die «Bieridee» der zweitgrössten Stadt im Bundesstaat Ohio einen grossen Zuschaueraufmarsch bescheren. Schliesslich brennen die Indians auf Revanche: Knapp eine Woche zuvor kommt es in Texas gegen die Rangers nĂ€mlich zu heftigen Ausschreitungen zwischen den Spielern, wobei die Ersatzbank der Indians von aufgebrachten Rangers-Fans mit Fast Food und Bierbechern beworfen wird. 

Billy Martin, der General Manager der Rangers, feixt nach der Partie auf die Fragen der Journalisten, ob er sich vor der anstehenden Begegnung in Cleveland nicht vor Reaktionen der dortigen Fans fĂŒrchte: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass genĂŒgend Zuschauer anwesend sein werden, um mir Sorgen machen zu mĂŒssen.»  

Spieler und TÀter berichten von der verhÀngnisvollen Beer Night. Video: YouTube/midnightwriter73

Die FunktionĂ€re der Indians reagieren auf die Provokationen aus Texas und gehen zum Gegenangriff ĂŒber: Den Rangers soll das anstehende Spiel zur Hölle gemacht werden, was die lokalen Zeitungen und Radios gerne aufgreifen und zusĂ€tzlich die Stimmung anheizen.

So bewirkt dies zusammen mit der Bier-Promotion, dass am Abend des Spiels 25'134 Zuschauer den Weg in das Cleveland Municipal Stadium finden – mehr als doppelt so viele wie der ĂŒbliche Zuschauerschnitt in dieser Saison.

Erst das Spiel, dann die SchlÀgerei

Die zahlreichen Fans lassen sich das Sonderangebot schmecken und konsumieren den Gerstensaft in rauen Mengen. Die geplante Ausschankbegrenzung kann nicht eingehalten werden, von Alterskontrollen ganz zu schweigen. 

So sitzen beim Spiel eine grosse Anzahl berauschter Menschen auf der TribĂŒne. Nachdem die Indians frĂŒh mit 1:5 zurĂŒckliegen, zeigt sich nun die (negative) Wirkung des Alkohols. Kurzum: Viele aggressive Unmutsbekundungen und Zuschauer, die den Willen haben ins Spielgeschehen einzugreifen.

«Ich kam mit zwei Dollar in der Tasche. Sie können sich’s ausrechnen.»

Zuschauer Tim Russert The Plain Dealer

Zahlreiche Randalierer mĂŒssen in der Folge von SicherheitskrĂ€ften abgefĂŒhrt werden. Eine Frau macht sich sogar auf dem Spielfeld, zur Freude der anwesenden Herren, obenrum frei 
 Weniger Freude haben die Spieler beider Mannschaften. Diese werden nĂ€mlich mit GegenstĂ€nden eingedeckt und bespuckt. Etliche Feuerwerkskörper, die auf dem Spielfeld landen, runden das Bild ab.

Ausser Rand und Band: Auf dem Spielfeld herrscht das Chaos. Bild: Getty Images

Lyncherei befĂŒrchtet

Als die Indians nach einer Aufholjagd wieder ausgleichen können und das Spiel in die entscheidende Phase geht, fĂŒhlt sich ein Indians-Fan gezwungen, einem Spieler der Rangers die Kappe vom Kopf zu reissen. In dieser unĂŒbersichtlichen Lage fordert der Rangers-Manager seine Ersatzspieler auf, den Platz zu stĂŒrmen, um seinen Spieler zu schĂŒtzen.

Diese Aktion fĂŒhrt wiederum dazu, dass zahlreiche Zuschauer auf den Platz rennen. Einige von ihnen haben sich mit herausgerissenen Sitzschalen und Bierflaschen bewaffnet, andere haben sogar Messer und Eisenketten dabei. In diesem heillosen Durcheinander fordert der Indians-Manager, Ken Aspromonte, seinerseits seine Spieler auf, mit ihren BaseballschlĂ€gern auf den Platz zu gehen und die Gegenspieler vom wĂŒtenden Mob zu schĂŒtzen. Zum GlĂŒck, wie manche Beteiligten spĂ€ter zu Protokoll geben: Manch ein Augenzeuge fĂŒrchtet nĂ€mlich, dass der Mob die Rangers-Spieler lynchen könnte.

Clevelands Tom Hilgendorf erlitt durch einen Stuhlwurf eine GehirnerschĂŒtterung. bild: didthetribewinlastnight.com

Weitere PrĂŒgeleien folgen. Die traurige Bilanz zum Schluss: Zahlreiche Verletzte, davon die meisten Zuschauer, aber auch Spieler beider Klubs und auch die Schiedsrichter mĂŒssen gepflegt und/oder hospitalisiert werden.

Logischerweise wird das Baseball-Spiel abgebrochen (Texas wird spĂ€ter ein Forfait-Sieg zugesprochen), schwer bewaffnete Polizisten beenden die Krawalle mit Gewalt. 

«Die Randalierer haben sich wie unkontrollierbare Tiere verhalten, Àhnliches habe ich bisher nur im Zoo erlebt.»

Schiedsrichter Nestor Chylak USA Today

Die Aufarbeitung

Nur wenige Randalierer werden von der Polizei festgenommen und danach verurteilt. Bereits gut einen Monat spĂ€ter findet in Cleveland trotz der bitteren Erfahrung zuvor eine weitere «Beer Night» statt, bei der jedoch nur zwei Becher pro Person fĂŒr 10 Cent verkauft werden, was dieses Mal auch kontrolliert wird. Die Zuschauer halten sich brav daran, es kommt zu keinen ZwischenfĂ€llen mehr.

Es ist nicht Amerika, wenn es davon kein T-Shirt gibt. bild: epitomeclothing.com

Unvergessen

In der Serie Â«Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurĂŒck: Ob hervorragende sportliche Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

Springendes Eichhörnchen stiehlt beim Baseball allen die Show

06.02.1988: Der berĂŒhmteste Griff in die Eier 

25.01.1995: King Cantona flippt aus – er setzt zum legendĂ€rsten Kick der Fussball-Geschichte an

22.08.2010: Wenger stĂŒrzt König Abderhalden und darf sich selber krönen lassen

13.12.1997: Stefan Angehrn zermĂŒrbt Torsten May und trĂ€umt vom grossen Geld – stattdessen landet er in der Schuldenfalle

05.11.1994: 20 Jahre nach dem «Rumble in the Jungle» wird George Foreman Àltester Boxweltmeister aller Zeiten

21.06.1969: Boxer Norbert Grupe gibt das lustigste «Interview» der Geschichte, indem er einfach schweigt

01.10.1975: Der «Thrilla in Manila» zwischen Ali und Frazier wird zum (ewigen?) Höhepunkt der Box-Geschichte

20.08.1931: Happy Birthday, Don King! Die schrÀgste und kontroverseste Figur der Sportwelt erblickt das Licht der Welt

13.09.1985: Gabet Chapuisat zertrĂŒmmert Lucien Favres Knie – das schlimmste Foul im Schweizer Fussball lĂ€sst beide bis heute nicht los

04.01.2010: Stucki Christian fliegt nach Japan, um sich mit Sumoringern zu messen – dabei entsteht dieses witzige Bild

03.04.1999: Titan Kahn tickt komplett aus – erst knabbert er Herrlich an, dann fliegt er in Kung-Fu-Manier auf Chapuisat zu

07.03.2007: Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tÀtschen»

04.01.1987: Als nach der grössten PrĂŒgelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt verĂ€nderte

08.03.1971: Der «Kampf des Jahrhunderts» und die Auferstehung eines Champions

24.06.1998: Ein MMA-Fight mit 196 Kilo Gewichtsunterschied – und einem unerwarteten Ende

24.09.1983: Der «SchlĂ€chter von Bilbao» setzt Maradona mit der «brutalsten BlutgrĂ€tsche aller Zeiten» fĂŒr 108 Tage ausser Gefecht

22.01.2010: Beim Einmarsch ist «Uzzy» mindestens Ali oder Tyson – dann fĂ€llt er wie ein Sack

11.02.1990: Gegen 42:1-Aussenseiter James Douglas geht Mike Tyson im 38. Kampf erstmals k.o.

30.10.1974: Die «Biene» Ali sticht «BÀr» Foreman im «Rumble in the Jungle»

28.06.1997: Mike Tyson beisst im legendĂ€rsten Boxkampf aller Zeiten ein StĂŒck von Evander Holyfields Ohr ab

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank fĂŒr dein VerstĂ€ndnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Just Fontaine schiesst im Viertelfinal zwei seiner total 13 Tore an einer WM

19. Juni 1958: So geradlinig, so wichtig, so entschlossen ist weder vorher noch nachher ein StĂŒrmer an einer WM zur Sache gegangen wie der Franzose Just Fontaine. Schon die Statistik zwingt jedem, der sich fĂŒr Fussball interessiert, Respekt ab.

Bei der Fussball-WM 1958 in Schweden lĂ€sst Just Fontaine, damals 24 Jahre alt, kein Spiel vorĂŒbergehen, ohne seinen Beitrag geleistet zu haben. Mindestens ein Tor steuert er in jeder Partie bei. Das hat vor ihm keiner geschafft. Und das wird vermutlich nie mehr einem gelingen.

Fontaine trifft in jedem Vorrundenspiel. Man muss es einmal aufzĂ€hlen, um sich der Dimensionen bewusst zu werden. Dabei ist er erst durch den Ausfall eines Kollegen ĂŒberhaupt ins Team nachgerutscht. 

13 Tore in sechs 


Artikel lesen