Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Riesenfrust bei der «Swiss Miss» im Final gegen Jennifer Capriati. Bild: AP

Der Traum von Martina Hingis schmilzt bei 50 Grad in Melbourne weg

26. Januar 2002: Martina Hingis bestreitet den letzten Grand-Slam-Final ihrer Karriere. Bei bis zu 50 Grad auf dem Court erleben die Fans eines der grössten Comebacks der Tennisgeschichte – und eine entnervte und entkräftete Hingis.



«Ich hatte Schüttelfrost und Gänsehaut. Ich konnte mich nicht mehr richtig bewegen und habe nicht mehr dran geglaubt, noch zu gewinnen.» Am liebsten wäre Martina Hingis zum dritten Satz gar nicht mehr angetreten. Bis zu 50 Grad werden auf dem Court in der Rod Laver Arena beim Australian-Open-Final 2002 gemessen. Zwei Stunden und zehn Minuten mühen sich Hingis und ihre Gegnerin Jennifer Capriati ab. Dann steht die Amerikanerin mit 4:6, 7:6 (9:7), 6:2 als Siegerin fest – und das in einem Spiel, das sie eigentlich längst verloren hatte.

Play Icon

Die Highlights des Australian-Open-Finals 2002 zwischen Martina Hingis und Jennifer Capriati. Video: YouTube/Australian Open TV

Hingis legt nämlich los wie die Feuerwehr. 2001 unterlag sie Capriati im Endspiel an gleicher Stelle schon, nachdem die «Swiss Miss» zuvor im Viertel- (Serena) und Halbfinal (Venus) erstmals an einem Turnier beide Williams-Schwestern bezwang. Das sollte nicht mehr passieren. 5:1 führt die Schweizerin schnell, den Satz gewinnt sie am Ende mit 6:4. Auch im zweiten Durchgang sieht es lange spielerisch leicht aus. Capriati legt sich mit dem Schiedsrichter an und schreit ins Publikum: «Shut the hell up!» Ihre Nerven liegen blank. 

Die extreme Hitze bringt beide Spielerinnen während den 2:10 Stunden an die körperlichen Grenzen. Bild: AP

Vier Matchbälle vergeben – dann fliegt das Racket

Hingis dagegen führt bald 4:0 und man kann das Gefühl haben, dass sie mit ihrer Gegnerin macht, was sie will. Sie zelebriert die Ballwechsel, antizipiert hervorragend, zeigt herrliche Variationen, ist einfach besser. Endlich, nach drei Jahren Durststrecke, will die Ostschweizerin ihren sechsten Grand-Slam-Titel gewinnen. In den letzten sechs Jahren stand sie hier im Endspiel. Die ersten drei hatte sie für sich entschieden, die nächsten beiden verloren und jetzt fehlt nur noch ein Schritt für die erneute Thronbesteigung.

Hitze und Enttäuschung: Martina Hingis am Ende ihrer Kräfte. Bild: AP

Doch Capriati kämpft sich zurück. Beim Stand von 5:4 vergibt Hingis ihren ersten Matchball, bei 6:5 den zweiten. Das Tiebreak muss entscheiden. Auch hier fehlt der Schweizerin zweimal nur ein Punkt zum Sieg – sie vergibt beide Möglichkeiten. Kritiker sagen, der Mut hätte sie bei den Matchbällen verlassen, sie spielte zu defensiv. Als Capriati ihren Satzball zum 9:7 nutzt, schleudert Hingis entnervt das Racket weg.

«Ich weiss nicht, wie ich das gewonnen habe»

Ein dritter Satz muss her. Doch erst erhalten die beiden Kontrahentinnen eine Hitzepause von 15 Minuten. Nie zuvor hatte eine Spielerin in einem Grand-Slam-Finale vier Matchbälle abgewehrt und danach gar noch gewonnen. Obwohl Hingis ein schnelles Break im Entscheidungssatz gelingt, ist schnell klar: Die 21-Jährige ist am Ende ihrer Kräfte. Das Break ist schnell weg und den Punkt zum Servicedurchbruch zum 4:2 schenkt die Schweizerin ihrer Gegnerin mit zwei Fussfehlern – und damit dem Doppelfehler – in Serie. 

Der Widerstand ist gebrochen, Capriati nutzt ihren ersten Matchball zum 6:2 nach 2:10 Stunden. «Ich weiss nicht, wie ich das gewonnen habe. Das waren die schwersten Bedingungen, unter denen ich je gespielt habe», sagt die Titelverteidigerin danach. Weder Hingis noch Capriati werden nach diesem denkwürdigen Spiel je wieder einen Grand-Slam-Final im Einzel erreichen.

Jennifer Capriati verteidigt den Titel in Melbourne nach vier abgewehrten Matchbällen. Bild: AP

Martina Hingis gibt dann Anfangs 2003 den Rücktritt bekannt, kommt aber 2006 nochmals für zwei Jahre als Einzelspielerin zurück. Sie schafft es immerhin 2006 in die Viertelfinals am Australian sowie am French Open und 2007 nochmals in Melbourne.

Martina Hingis of Switzerland, left, and with Sania Mirza of India, celebrate their victory in the St. Petersburg Ladies Trophy-2016 tennis tournament doubles final match against Vera Dushevina of Russia and Barbora Krejcikova of Czech Republic in St.Petersburg, Russia, Sunday, Feb. 14, 2016. (AP Photo/Dmitri Lovetsky)

Hingis holt mit Sania Mirza einige grosse Titel im Doppel. Bild: Dmitri Lovetsky/AP/KEYSTONE

Aktuell ist die Schweizerin immer noch als sehr erfolgreiche Doppel-Spielerin auf der Tour dabei. Mit ihrer Ex-Partnerin Sania Mirza aus Indien gewann Hingis im Jahr 2015 die Grand-Slam-Turniere in Wimbledon und New York sowie am Ende des Jahres die WTA Tour Championships.

2016 folgten Titel am Australian Open sowie in St.Petersburg und Rom. In diesem Jahr trat Martina Hingis bisher in Sydney und Melbourne mit Coco Vandeweghe an – beide Male reichte es nicht zu seinem Top-Resultat

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

Natürlich mit Martina Hingis: Die 100 grössten Schweizer Sportler aller Zeiten

Unvergessene Tennis-Geschichten

06.01.1996: Wegen Rossets Dummheit des Jahres bricht Hingis beim Hopman Cup in Tränen aus

Link to Article

Gut gebrüllt: «Niemand schlägt Vitas Gerulaitis ­17 Mal hintereinander!»

Link to Article

20.01.2013: Djokovic fügt Wawrinka die Mutter aller heroischen und bitteren Niederlagen zu

Link to Article

21.01.1999: «Yips» beschert Anna Kurnikowa trotz Sieg einen unglaublichen Negativrekord 

Link to Article

24.01.2001: Hingis macht Kleinholz aus Serena und Venus und stürmt in den Australian-Open-Final

Link to Article

26.01.2002: Martina Hingis' Traum schmilzt bei 50 Grad im Glutofen von Melbourne weg

Link to Article

01.02.2009: Federer verpasst Sampras' Rekord und weint nach Pleite gegen Nadal bittere Tränen

Link to Article

13.02.2000: Roger Federer verliert seinen ersten Final, weint bittere Tränen und jammert, er werde nie mehr in ein Endspiel kommen

Link to Article

30.03.2002: Roger Federer bodigt zum ersten Mal die Weltnummer 1 – und diese ist sich sicher: «Er kann den Durchbruch schaffen»

Link to Article

30.04.1993: Wie ein Messerstich die Tenniswelt veränderte

Link to Article

31.05.2009: Robin Söderling fügt Rafael Nadal die einzige Niederlage an den French Open zu und ebnet Roger Federer den Weg zum Karriere-Grand-Slam

Link to Article

01.06.2009: Gedanklich ist Federer wohl schon ausgeschieden. Dann rettet ihn eine unglaubliche Vorhand auf dem Weg zum Karriere-Slam 

Link to Article

05.06.1989: Mondbälle, Krämpfe und ein «Uneufe»-Aufschlag – der 17-jährige Michael Chang treibt Ivan Lendl mit seinem Psychokrieg in den Wahnsinn

Link to Article

05.06.1999: Hingis' schwärzeste Stunde – zwei «Uneufe»-Aufschläge, gellende Pfiffe und bittere Tränen

Link to Article

06.06.2005: Nadals erster erster Streich am French Open – ganz Paris verliebt sich in das «Kind mit der donnernden Linken»

Link to Article

05.07.1997: Martina Hingis ist mit 16 Jahren die jüngste Wimbledon-Siegerin des 20. Jahrhunderts

Link to Article

07.07.1985: Als jüngster Spieler aller Zeiten gewinnt Boris Becker Wimbledon und löst so einen Tennis-Boom in Deutschland aus

Link to Article

08.07.2001: Die Weltnummer 125 triumphiert in Wimbledon: Goran Ivanisevics grosser Traum wird doch noch wahr

Link to Article

08.08.1992: Marc Rosset holt sich an Roger Federers 11. Geburtstag den einzigen grossen Titel, der dem «Maestro» noch fehlt

Link to Article

10.08.2003: Andy Roddick ist einen Sommer lang der beste Tennisspieler des Planeten – dann vergeht ihm das Lachen für lange, lange Zeit

Link to Article

04.09.1977: Bei McEnroes drittem US-Open-Auftritt wird ein Zuschauer mitten im Stadion durch eine Pistolenkugel verletzt

Link to Article

05.09.1996: Sampras kotzt gegen Corretja auf den Court – denkwürdigstes US-Open-Tiebreak aller Zeiten 

Link to Article

20.09.2009: «Who ist the beeest? Better than the reeest?» Federer outet sich nach dem Davis-Cup-Sieg gegen Italien als Party-Tiger

Link to Article

25.10.2002: Nach Roger Federers Gegensmash wirft ihm Andy Roddick frustriert das Racket vor die Füsse

Link to Article

24.11.2009: Das kommt uns Spanisch vor – im Interview mit CNN hat Roger Federer seinen legendären Lachflash

Link to Article
Alle Artikel anzeigen
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

Abonniere unseren Newsletter

3
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Waedliman 28.01.2017 11:01
    Highlight Highlight Es gab wahrscheinlich keine Tennisspielerin, die ich derart unangenehm in Erinnerung habe, wie diese verklemmte Frau, die nicht verlieren konnte und deren Frau Mama wie ein bissiger Hund von der Tribüne aus ihre Kommentare kläffte. Ja, sie ist wirklich unvergessen...
    0 1 Melden
  • Hiroto Inugami 26.01.2017 07:39
    Highlight Highlight Sagt wer? Ich habe das Spiel und vor allem sie schon lange vergessen!
    1 9 Melden
    • MacB 26.01.2017 10:39
      Highlight Highlight Ach, du Miesepeter!
      3 1 Melden

Nach den Olympischen Spielen in Sydney entfacht die grosse Liebe zwischen Roger und Mirka

1. Oktober 2000: Mit der Schlussfeier werden die Olympischen Spiele in Sydney beendet. Die Schweiz freut sich über neun Medaillen und weiss damals noch nicht, dass sich im fernen Australien ein Tennis-Traumpaar gefunden hat.

«Ich rollte mich in einer Ecke zusammen und weinte lange», erinnert sich Roger Federer in der «L'Equipe» an den verlorenen Olympia-Halbfinal 2000 gegen Tommy Haas. Der Final und eine sichere Medaille sind weg – und auch aus Bronze wird nichts. Gegen den Franzosen Arnaud de Pasquale wirft er mehrmals im Frust das Racket auf den Boden, er verliert in drei Sätzen.

Und dennoch ist der Tag der grossen Niederlage einer, den Federer für den Rest seines Lebens nie mehr vergessen und in positiver …

Artikel lesen
Link to Article