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Der bäumige «Boumi»

Ein Schweizer als WM-Torschützenkönig

18. März 1993: Die Schweiz spielt die beste Handball-WM ihrer Geschichte. Dank der vielen Tore von Marc Baumgartner bezwingt sie Spanien und spielt um Bronze. «Boumi» ist ein Rebell auf und neben dem Feld – ein untypischer Schweizer, der sein Herz auf der Zunge trägt und deshalb oft aneckt.
18.03.2014, 00:0017.03.2014, 13:57

Mit einer Grösse von 1,98 Meter und einem Kampfgewicht von 105 Kilogramm besass Marc Baumgartner ideales Gardemass für den Handballsport. Bereits als 16-Jähriger gibt Marc «Boumi» Baumgartner sein Debüt in der obersten Schweizer Spielklasse beim BSV Bern-Muri. 

Hier entwickelt sich der Mann mit der Schuhgrösse 47 zu einem der besten Schweizer Handballer aller Zeiten. Keiner traf so zahlreich und wurfgewaltig in die Netze der gegnerischen Teams wie der Hüne, der immer mit einem Zahnschutz im Mund auflief.

Nie ohne sein Markenzeichen auf dem Parkett.
Nie ohne sein Markenzeichen auf dem Parkett.Bild: Keystone

Meist zuoberst in der Torschützenliste

Ein Beweis seiner Skorerqualitäten: der Auszug der Torschützenliste zu Beginn der 1990er-Jahre.
Ein Beweis seiner Skorerqualitäten: der Auszug der Torschützenliste zu Beginn der 1990er-Jahre.handball.ch

Ein neuer Star ist geboren

Bei seiner Prèmiere auf internationalem Parkett ist er 22-Jährig und immer noch in der heimischen Liga tätig. Bei der Weltmeisterschaft 1993 in Schweden zeigt er der versammelten Handball-Elite sein Können.

Mit 47 Toren wird Baumgartner Torschützenkönig des Turniers und wird ins All-Star-Team gewählt. «Das war das Schlüsselerlebnis in meinem Sportlerleben», sagt Baumgartner 20 Jahre später in der «NZZ am Sonntag».

Sein Meisterstück liefert er dabei beim 29:28-Sieg über den haushohen Favoriten über Spanien am 18. März ab. Dank dem Sieg über die Iberer kommt die Schweiz ins Halbfinale, welches sie gegen das Gastgeberland mit 19:26 verliert. Der sensationelle 4. Rang in Schweden ist bis heute das beste Ergebnis in der Geschichte des Schweizer Handballsports.  

Schönes Bild bei der WM 1993.
Schönes Bild bei der WM 1993.Wikipedia

Baumgartner wählt die Herausforderung Bundesliga

Marc Baumgartner kann nach seinen Gala-Vorstellungen aus unzähligen Angeboten auswählen. «Baumi» unterschreibt beim damaligen Bundesliga-Spitzenklub TBV Lemgo. Die deutsche Bundesliga gilt bis heute einheilig als stärkste Handball-Liga der Welt.

«Es machte zum Schluss gar keinen Spass mehr, Tore zu schiessen.»

Baumgartner verabschiedet sich mit markigen Worten: «In der Schweiz gibt es nicht sehr viele Handballer, die geradeaus laufen können – die restlichen sind Statisten. Es machte zum Schluss gar keinen Spass mehr, Tore zu schiessen. Es stellte keine Herausforderung mehr dar.»

Trotz des sanften Blicks hat «Boumi» oft knackige Aussagen abgegeben.
Trotz des sanften Blicks hat «Boumi» oft knackige Aussagen abgegeben.Bild: Keystone

In die Bundesliga wechselt er, «um endlich anständiges und erfolgreiches Handball spielen zu können.» In Lemgo, einem kleinen Hansestädtchen mit gut 40'000 Einwohnern, macht er sich zu Beginn mit seinen kernigen Sprüchen auch keine Freunde. 

Als wahrscheinlich bestbezahlter Spieler der damaligen Zeit – mit 350'000 Mark Jahresgehalt – macht er sich über die Essgewohnheiten der Einheimischen lustig. Nachdem er sich öffentlich bei den Anhängern entschuldigte, nahm er auch in der Bundesliga Fahrt auf.

Neun erfolgreiche Jahre bei der TSV Lemgo

Auch wenn er von 1998 bis 2000 für zwei Jahre in die Schweiz zu Pfadi Winterthur zurückkehrte, stand er insgesamt neun Jahre für den westfälischen Verein TSV Lemgo im Einsatz. Und dies äussert erfolgreich: Zwei deutsche Meistertitel, drei Cup-Siege und der Gewinn des Europacups der Cup-Sieger 1996 stehen am Schluss zu Buche.

Eine erfolgreiche Zeit bei der TSV Lemgo.
Eine erfolgreiche Zeit bei der TSV Lemgo.Bild: EPA

Am Karriereende wieder beim Stammverein

2005 kehrt «Boumi» schliesslich zu seinem Stammverein BSV Bern zurück. Doch nach einer Saison signalisiert ihm der Körper, dass es Zeit ist, zurückzutreten. Am Ende stehen beeindruckende Zahlen in seinem Palmarès: 1544 Tore erzielte der fintenreiche Spieler in 248 Partien in der heimischen Liga, dazu kommen 270 Bundesligaspiele mit 1261 Toren in die persönliche Statistik.

Auch in der Nationalmannschaft hat der hintere linke Rückraumspieler seine Spuren hinterlassen. In 170 Länderspielen traf er 1113 Mal, was ihn zum Rekordtorschützen der Schweiz macht.

Blumen für den Rekordmann.
Blumen für den Rekordmann.Bild: Keystone

Assistenzcoach, Versicherungsberater und Familienvater

Nach seinem Rücktritt konnte sich Baumgartner nicht ganz von seinem Sport lösen. Er wurde 2006 Assistenzcoach in der Nationalmannschaft. Der Verband hatte aber finanzielle Schwierigkeiten, weshalb ein Jahr später die Trennung erfolgte. 

Assistenztrainer Baumgartner mit dem damaligen Chef-Trainer Dragan Djukic.
Assistenztrainer Baumgartner mit dem damaligen Chef-Trainer Dragan Djukic.Bild: freshfocus/Andy müller

Danach verliess Baumgartner die Handballwelt endgültig. Er ist heute im Kanton Bern als Vorsorge- und Versicherungsberater tätig.

Gemeinsam mit Gattin Barbara hat er fast ein ganzes Handball-Team auf die Welt gestellt: Vier Kinder hat der nunmehr sanfte Familienvater. Wobei einzig Tochter Laura dem Handballsport nachgeht. Aber der Name Baumgartner wird in der Handballwelt trotzdem noch für unzählige Schweizer Rekorde stehen.

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