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Michael Owen auf dem Weg zu seinem Wundertor gegen Argentinien. bild: keystone

Mit einem Wundersolo geht Michael Owens Stern auf, der nur allzu schnell wieder verglüht

30. Juni 1998: Im WM-Achtelfinal gegen Argentinien trifft Michael Owen nach einem Traumsolo herrlich ins lange Eck. Sofort wird der 18-Jährige zum Hoffnungsträger einer ganzen Nation. Doch wie David Beckham kann auch er sie nicht erfüllen.



Mehr schlecht als recht hat sich England bei der WM 1998 in Frankreich durch die Gruppenphase gemogelt: Ein 2:0-Sieg gegen Tunesien, eine 1:2-Pleite gegen Rumänien und schliesslich der erlösende 2:0-Sieg im Alles-oder-nichts-Spiel gegen Kolumbien. Im Achtelfinal wartet nun aber Argentinien. Seit dem Falkland-Krieg und dem WM-Viertelfinal von 1986 mit Diego Maradonas Hand Gottes längst kein gewöhnliches Fussballspiel mehr.

Die Hoffnungen der «Three Lions» liegen auf den Schultern von David Beckham, Paul Ince und Alan Shearer. Und ein bisschen auch auf Michael Owen. Der 18-jährige Stürmer, der erst im Februar in der WM-Vorbereitung gegen Chile zu seinem Länderspiel-Debüt gekommen ist, hat sich mit seinem Joker-Tor gegen die Rumänen in den Fokus geschossen.

15 Jun 1998:  Teddy Sheringham of England makes way for substitute Michael Owen (right) during the World Cup group G game against Tunisia at the Stade Velodrome in Marseille, France. England won 2-0. \ Mandatory Credit: Ben Radford /Allsport

Michael Owen kommt gegen Rumänien für Teddy Sheringham. Bald wird der Teenager unverzichtbar. Bild: Getty Images Europe

Wie schon gegen Kolumbien bringt England-Trainer Glenn Hoddle seinen Hoffnungsträger auch gegen die «Gauchos» von Beginn an. Und der Wunderknabe rechtfertigt das Vertrauen. Erfrischend dynamisch, unbekümmert, kaum zu bändigen: Owen legt los wie die Feuerwehr. 

Owen wird zu «Saint Michael»

In der 10. Minute holt der Liverpool-Stürmer nach einer filmreifen Flugshow im Strafraum einen Penalty heraus, den Routinier Alan Shearer souverän zum 1:1 verwandelt. Sechs Minuten später folgt der Auftritt, der ihn endgültig zu «Saint Michael», zum «heiligen Michael», macht

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Das Traumtor von Michael Owen gegen Argentinien. Video: streamable

Nach einem Steilpass von David Beckham sprintet Owen los, über den halben Platz. Das etwas zu grosse Trikot beginnt zu flattern. Owen lässt José Antonio Chamot aussehen wie einen Schulbuben, an Roberto Ayala fliegt er förmlich vorbei, dann schlenzt er den Ball vorbei am chancenlosen Argentinien-Keeper Carlos Roa ins lange Eck.

«Ganz sicher ein Treffer, der mein Leben verändert hat.»

Michael Owen uefa.com

England scheitert im Elfmeterschiessen

Einen Augenblick lang herrscht absolute Stille im Stade Geoffroy Guichard von St.Etienne, dann brandet bei den Engländern grenzenloser Jubel aus. «What a goal», schreit der englische TV-Reporter begeistert ins Mikrofon. 

30 Jun 1998:  Michael Owen of England shrugs off Jose Chamot of Argentina on his way to goal during the World Cup second round match at the Stade Geoffroy Guichard in St Etienne, France. England lost 4-3 on penalties after a 2-2 draw. \ Mandatory Credit:Ross Kinnaird /Allsport

Michael Owen lässt Jose Chamot stehen. Bild: Getty Images Europe

Trotz der 2:1-Führung verliert England diesen Achtelfinal noch. Nach einer Roten Karte gegen David Beckham und einem genialen Freistosstrick der Argentinier natürlich im Elfmeterschiessen.

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Der geniale Freistosstrick Argentiniens mit Javier Zanettis Tor. Video: streamable

Owen trifft dort zwar im Stile eines Routiniers souverän zum 3:3, doch dann verschiesst der fünfte Schütze David Batty und England versinkt – wieder einmal – im Land der Tränen.

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Das Elfmeterschiessen zwischen England und Argentinien. Video: streamable

Doch der Stern des Michael Owen ist definitiv aufgegangen. 1998 und 1999 wird er Torschützenkönig der Premier League und es flattern die ersten hochdotierten Angebote bei Liverpool rein. Doch noch bleibt Owen und er entwickelt sich zu einem der torgefährlichsten Stürmer Europas. Wären da nicht immer wieder diese Verletzungen. 

Platz 4 in Englands ewiger Torschützenliste

Bei der WM in Japan und Südkorea 2002 gehört Owen wieder zu den besten seines Teams, das Viertelfinal-Aus gegen Brasilien kann er aber nicht verhindern. Owen wechselt 2004 mit 24 Jahren zu Real Madrid, seinen Zenit hat er da bereits überschritten.

Liverpool gewinnt ausgerechnet im ersten Jahr nach seinem Abgang zum fünften Mal die Champions League, während Owen in Madrid nie glücklich wird. Spätestens mit dem Kreuzbandriss bei der WM 2006 gegen Schweden ist sein Stern komplett verglüht. 

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Weil's so schön ist: Owens Tor immer und immer wieder. Gif: SRF

Erst 2013 tritt Owen nach längeren Gastspielen bei Newcastle United, Manchester United und Stoke City zurück. In insgesamt 89 Länderspielen für England schiesst der Stürmer 40 Tore. Damit ist er in der ewigen Torschützenliste der englischen Nationalmannschaft auf dem fünften Platz. Seine Landsleute erinnern sich vor allem an eines; ans Wundertor gegen Argentinien. 

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Die erfolgreichsten Torschützen Englands. bild: wikipedia

«Es war ein grossartiges Turnier für mich», erinnert sich Owen später. «Ich war 18 Jahre alt und habe gedacht, dass ich eine kleine Rolle spielen könnte. Erwartet habe ich nur ein oder zwei Einwechselungen. Jetzt ist das Tor schon so oft im Fernsehen wiederholt worden. Es war ganz sicher ein Treffer, der mein Leben und die Sichtweise über mich verändert hat.»

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei. 
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