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Bild: Screenshot Youtube

«Züngeler» Streller leitet das peinliche Schweizer Penalty-Debakel ein

26. Juni 2006: 120 torlose Minuten sind gespielt, der WM-Achtelfinal zwischen der Schweiz und der Ukraine wird im Penaltyschiessen entschieden. Erst hext Pascal Zuberbühler, doch dann kommt der hypernervöse Marco Streller an die Reihe.

26.06.18, 00:06 26.06.18, 06:45


Die Schweizer Nati steht nach einer tollen Vorrunde an der WM 2006 in Deutschland im Achtelfinal. Keinen einzigen Gegentreffer mussten die Eidgenossen ihren Gegnern bisher zugestehen und qualifizieren sich – nach einem 0:0 gegen Frankreich, einem 2:0 gegen Togo im Hexenkessel von Dortmund und einem 2:0 gegen Südkorea, in dem Philippe Senderos bei seinem 1:0 eine blutige Stirn einfing – sensationell als Gruppenerster für die Runde der besten 16.

«Logo schlömmer Togo»: Fans und Spieler feiern nach dem 1:0. Bild: EPA

Ein Grottenkick mit zwei Lattentreffern

Dort trifft die Elf von Trainer Köbi Kuhn dank der hervorragenden Ausgangslage auf den WM-Neuling aus der Ukraine mit ihrem Starstürmer Andrej Schewtschenko, der nach sieben Jahren bei der AC Milan auf die folgenden Saison zum Premier-League-Verein Chelsea wechseln wird.

Das Spiel nimmt nie richtig Fahrt auf. Beiden Mannschaften unterlaufen viele Fehlpässe, den Schweizern gelingt es nicht, ein gepflegtes Aufbauspiel zu kreieren, was auch mit der unorthodoxen Spielweise der Osteuropäer zusammenhängt.

So entwickelt sich ein richtiger Grottenkick und die Partie wird später als «schlechtestes Spiel der bisherigen WM» betitelt. Einzig in der 20. Minute Schewtschenko per Kopf und zwei Minuten später Alex Frei mit einem Freistoss sorgen mit Lattentreffern für kurze Aufregung – ansonsten fehlt jegliche Spannung.

Der Lattentreffer von Schewtschenko in der 20. Minute.

Freis Lattenkracher kurz nach der Chance der Ukraine.

Penaltydrama mit nervöser Zunge

Die Partie geht, wie das bei Grottenkicks mit zwei starken Torhütern üblich ist, in die Verlängerung. Die Fans im Stadion in Köln kommen so in den «Genuss» von 30 weiteren Minuten – gut, dass sich die Einheimischen von ihrem Verein zu der Zeit nichts Besseres gewohnt sind.

Denn auch in der Verlängerung wollen keine Tore fallen, was Kuhn dazu verleitet, «aus taktischen Gründen» Topstürmer Alex Frei in der 117. Minute durch den Thuner Mauro Lustrinelli zu ersetzen. Für viele der Hauptgrund, dass die nächsten Minuten zum grössten Schweizer Penaltydebakel der Geschichte verkommen.

Dabei beginnt alles nach Plan: Pascal Zuberbühler krönt seine starke WM – bis anhin ohne Gegentreffer – und hält gleich den ersten Elfmeter von Schewtschenko. Die Schweizer Bank jubelt, nur Kuhn bleibt noch emotionslos.

Die nervöseste Zunge der WM-Geschichte? gif: Youtube/Taras Medvid

Für die Schweiz läuft als erster Schütze Marco Streller an. Und schon vor dem Schuss scheint man zu ahnen, was gleich geschehen wird. Der Basler kann seine Anspannung nicht verbergen und fuchtelt nervös mit seiner Zunge herum. Wäre alles kein Problem, wenn darauf nicht ein völlig schwach getretener Elfer folgen würde. Ohne Druck und unplatziert kullert das Leder in die Hände des späteren Helden im Tor der Ukraine, Olexandr Schowkowskyj.

Streller verschiesst seinen Elfmeter. gif: Youtube/Taras Medvid

Ernüchterung bei den vielen Schweizer Fans im Stadion, doch es steht immer noch 0:0. Als nächstes setzt sich der eingewechselte Artem Milewskyj den Ball, welcher dann auch für das erste Tor der Partie verantwortlich ist. Tranquillo Barnetta folgt und soll es ihm gleichtun. Die Zunge bleibt drin und auch der Schuss ist mit wesentlich mehr Schmackes getreten – die Kugel knallt jedoch an die Latte und spickt ins Feld zurück. Immer noch 1:0 für die Ukraine.

Barnetta veschiesst seinen Elfmeter. gif: Youtube/Taras Medvid

Und es kommt noch schlimmer. Nachdem die späteren Gastgeber der EM 2012 ihren dritten Versuch verwerten, ist es Ricardo Cabanas, welcher das Penaltyschiessen zum Debakel ausarten lässt. Schowkowskyj hält und weil der anschliessende Versuch seines Teams im Tor landet, ist das WM-Abenteuer für die Schweiz zu Ende. 

Während die Ukraine an ihrer ersten Teilnahme gleich ins Viertelfinal vorstösst – wo sie gegen den späteren Weltmeister Italien scheitern wird – endet der Traum der Rot-Weissen nach einem Turnier, das so vielversprechend begonnen hatte.

Cabanas verschiesst seinen Elfmeter. gif: Youtube/Taras Medvid

Das Elfmeterschiessen in seiner vollen Länge. Video: YouTube/jelsomino

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Duscholux 26.06.2018 10:30
    Highlight Unvergessen? Also ich habe das schon vergessen. Am 26. Juni 2006 habe ich es schon direkt vergessen.

    Was vergessen? Oh schon wieder vergessen, phu!
    7 3 Melden
  • Asmodeus 26.06.2018 09:51
    Highlight 11 Jahre später leitete er das Basler Debakel ein.

    Ob er dabei züngelte ist nicht überliefert ;-)
    14 8 Melden
  • Kunibert der fiese 26.06.2018 09:49
    Highlight Streller war übrigens derjenige, der den elfmeter zum 2:4 in der türkei getreten hat, und somit erst das ticket für die WM ermöglicht hat. Schade wird in der rückschau immer streller als erster sündenbock dargestellt. Das ein johan vogel zu viel schiss hatte, einen penalty zu treten ( als captain der mannschaft notabene) wird nie erwähnt.
    Und was ein ricci cabanas in der nati verloren hat, bleibt mir bis heute ein rätsel. Ich gebe hier zu einem drittel auch köbi kuhn die schuld. Er wird als nati trainer meiner meinung nach überschätzt.
    10 12 Melden
    • MacB 26.06.2018 13:16
      Highlight Ich denke nicht, dass Streller als Sündenbock gilt, eher als Sinnbild. Da hat ja noch mehr nicht gepasst. Die Zunge ist einfach das Sinnbild für ein blamables Ausscheiden mit 0 Treffern. Switzerland "zero points" auf fussballerisch.
      15 1 Melden
    • Kunibert der fiese 26.06.2018 13:49
      Highlight @macB

      Stimmt, als sinnbild bleibt das züngelen.
      5 1 Melden
  • MacB 26.06.2018 08:15
    Highlight Omg....warum macht ihr das? Das kommt hinter dem Swissair Grounding auf Platz 2 der schlimmsten Momente der letzten 20 Jahre als Schweizer ... ich seh die Zunge heute noch.
    81 0 Melden
    • Nelson Muntz 26.06.2018 10:36
      Highlight Das tut immer noch weh, Italien, Deutschland und danach Frankreich.... wär alles machbar gewesen.
      2 3 Melden
  • Mia_san_mia 26.06.2018 06:38
    Highlight Die Auswechslung von Frei verstehe ich bis heute nicht 🙈 Köbi war ein katastrophaler Trainer... So etwas kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.
    57 66 Melden
    • MacB 26.06.2018 08:17
      Highlight Köbi war ansonsten ein guter Trainer, der die Neuzeit eingeleitet hat. Die Auswechslung ist mir aber auch immer ein Rätsel geblieben. Das war aber ein Fehlwechsel. Ansonsten hat er mit mittelmässigen Spielern einiges erreicht, der gute Köbi. Ich mochte ihn immer :)
      72 6 Melden
    • Amboss 26.06.2018 09:02
      Highlight Verglichen mit heute war der Fussball damals auch Strandfussball. Kein Vergleich zu heute.
      Insofern finde ich diese Kritik etwas unfair. Klar war er fachtechnisch stark limitiert. Aber Köbi war damals definitiv der richtige Mann zur richtigen Zeit. Er hat die Chaos-Nati von damals beruhigt und Erfolg gebracht.
      12 0 Melden
    • Kunibert der fiese 26.06.2018 09:38
      Highlight @macB

      Köbi war ein passabler trainer, höchstens. Seine personal entscheidungen waren immer fragwürdig. Und man munkelt, wäre er nicht trainer gewesen damals, hätte sich raketic für die schweiz entschieden. Und einer der tatsächlich denkt, ricci cabanas sei gut genug für die nati kann ich als trainer nicht ernst nehmen.
      4 12 Melden
    • Mia_san_mia 26.06.2018 11:49
      Highlight Ja symphatisch war er, aber mehr nicht. Er war ein Angsthase.
      6 11 Melden
    • MacB 26.06.2018 13:22
      Highlight @Kunibert und mia_san_mia: Köbi übernahm den Scherbenhaufen von Jorge, Fringer, Gress, Zaugg und am Schluss Trossero. 5 Trainer in 5 Jahren. Nachdem Köbi übernommen hatte, qualifizierte man sich für die EM und WM. Das war damals noch alles andere ls Standard, dass die CH immer dabei ist. Die EM 08 im eigenen Lang gabs ja dann geschenkt.

      Unter ihm gingen nur 25 von 73 Spielen verloren bei 16 Remis und 32 Siegen. Ein grosser Fortschritt zu früher. Drum doch, Köbi war für die CH zu der Zeit (!)ein guter Trainer, der das Team entscheidend geformt hat.
      23 1 Melden

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