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Norway's Therese Johaug celebrates winning the women's cross country 30 km mass start classic race at the Nordic World Ski Championships in Falun February 28, 2015. Norway's Therese Johaug won the race ahead of Marit Bjoergen of Norway on second place and Sweden's Charlotte Kalla on third place.                   REUTERS/Kai Pfaffenbach (SWEDEN  - Tags: SPORT SKIING)

So jubelte Therese Johaug letzten Winter noch im Weltcup – unterdessen wurde sie mit Doping erwischt. Bild: KAI PFAFFENBACH/REUTERS

Liebe Frau Johaug, ich habe Ihre Anabolika-Salbe genauer unter die Lupe genommen 

Dr. Beat Villiger



Therese Johaug ist einer der ganz grossen Stars im Langlaufsport und Aushängeschild des norwegischen Teams, also der Langlaufnation schlechthin. Die 28-Jährige ist Olympiasiegerin, Weltmeisterin und Gesamtweltupsiegerin, aber seit September auch etwas ganz anderes: Dopingsünderin.

FILE - In this Thursday, Oct. 13, 2016 file photo, Norwegian three-time Olympic cross-country skiing medalist Therese Johaug, right, arrives for press conference in Oslo.  Norway’s anti-doping agency  tuesday Nov. 29, 2016, has called for a 14-month doping ban for cross-country star Therese Johaug after she tested positive for a steroid she said she took unknowingly.  (Hakon Mosvold Larsen/ NTB scanpix via AP, File)

Mittlerweile jubelt Therese Johaug nicht mehr. Bild: AP/NTB scanpix

Johaug hat während eines Trainingslagers in Italien eine Lippencreme benutzt, deren Inhaltsstoff Klostebol auf der Dopingliste steht. Nach Auffassung der Anti-Doping-Agentur hat sie aber nicht vorsätzlich gegen die Dopingregeln verstossen. Beantragt wurde eine Sperre für 14 Monate, das endgültige Urteil fällt ein Ausschuss des norwegischen Sportverbandes.

Dr. Beat Villiger, langjähriger Olympiaarzt der Schweizer Delegation und anerkannter Doping-Experte, behagt die Geschichte allerdings nicht. Er hat sich daher in einem offenen Brief an die Norwegerin gewandt:

Liebe Frau Johaug

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich bin ein grosser Fan der Sportnation Norwegen, habe viele Freunde in Norwegen und durfte während über 20 Jahren die norwegischen Langläuferinnen und Langläufer als Sportmediziner während der Höhentrainings und Wettkämpfe in Davos mitbetreuen.

Beat Villiger, links, CEO des Schweizer Paraplegiker Zentrums SPZ in Nottwil zeigt am Freitag, 6. August 2010 dem 400 Meter Lauefer Jeremy Wariner, USA, die medizinische Abteilung des SPZ. Wariner wird am Sonntag, 8. August 2010 am Spitzen Leichtathletik Luzern  auf dem Gelande des SPZ in Nottwil teilnehmen. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Beat Villiger (l.) zusammen mit dem amerikanischen Sprinter Jeremy Wariner im Paraplegikerzentrum Nottwil. Bild: KEYSTONE

Wenn ich Ihnen heute schreibe, ist es meine Sorge um einen halbwegs sauberen Spitzensport. Sie geben an, aus Versehen eine anabolika-haltige Lippensalbe benützt zu haben. Dies hat mich stutzig gemacht, da anabolika-haltige Salben und Gels deshalb in der Dopingszene so beliebt sind, weil die Anabolika wegen der täglich mehrmals applizierten Minidosen nur schwer nachweisbar sind. Ein ähnliches Vorgehen wird ja seit Jahren beim EPO-Doping gewählt, um den Radar der Dopinglabors zu «unterfliegen».

Ich habe nun Ihre Lippensalbe etwas genauer unter die Lupe genommen: Das in der Salbe vorhandene Anabolikum wird in der Bodybuilder-Szene als muskelwachstum-förderndes Präparat eingesetzt. Wie alle Anabolika verbessert es aber nicht nur die Kraft und die Kraftausdauer, sondern unterstützt auch die Regeneration, was ein deutlich höheres Trainingsvolumen erlaubt, ohne ins Übertraining zu rutschen.

Überrascht war ich dann, als ich auf der Schachtel der Lippensalbe gross und unübersehbar das Word «Doping» sah, unterstützt durch ein rotes Verbotszeichen! Dass Sie als erfahrene und weltbekannte Athletin diese Salbe zur Behandlung sonnenbedingter Lippenveränderungen eingesetzt haben, muss doch sehr erstaunen, da Sie wissen müssten, dass Sie letztlich für die Anwendung jedes Medikaments selbst verantwortlich sind. Noch mehr erstaunt, dass ausgerechnet ein erfahrener Teamarzt der anerkanntermassen professionellsten Langlaufnation diese Salbe verordnet haben soll!

Selbstverständlich besteht für Sie die Unschuldsvermutung, Opfer der eigenen Unachtsamkeit und der Grobfahrlässigkeit eines Arztes geworden zu sein. Dass Sie aber die norwegische Anti-Doping-Behörde (unüblicherweise) nur für 14 Monate sperren will, was ihnen einen Start an den nächsten Olympischen Spielen in Pyeongchang ermöglichen würde, hat mich zusätzlich noch irritiert! Zurück bleibt so oder so ein grosser Imageschaden für den von uns beiden so geliebten Langlaufsport!

Freundliche Grüsse,
Dr. med. Beat Villiger
Langjähriger Langlauf- und Olympiaarzt

(drd/kza/sda)

Prominente Sportler von A bis Z, die mit Doping erwischt wurden

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • elmono 06.12.2016 13:14
    Highlight Highlight Mein Gott die Naivität mancher Kommentare ist echt nur schwer zu ertragen. In jeder Ausdauer und Krafstportart, welche auf Toplevel betrieben wird, ist Doping im Einsatz. Punkt aus Ende. Da gehts um Geld, Prestige und Ansehen. Und dafür ist jedes Mittel recht.
  • Mandeli 05.12.2016 13:38
    Highlight Highlight Um die Gesundheit aller Athleten nicht zu gefährden, empfehle ich dem norwegischen Verband eine Schutzsperre gegenüber dem ganzen Team auszusprechen. Während dieser Zeit kann der gesamte medizinische Apparat dann durchleuchtet werden.
  • kaderschaufel 05.12.2016 12:42
    Highlight Highlight Ich nehme an, der Arzt hatte gerade keine bessere Lippencreme bei sich, und gab der Johaug einfach die mit Doping, so nach dem Motto "das merkt ja eh niemand".
  • Mario le magnifique 05.12.2016 10:54
    Highlight Highlight Ich hatte im januar schon geschrieben:

    http://www.watson.ch/!471764839#comment_233499

    Was entgegnen heute die blitzer von damals?
    • niklausb 05.12.2016 11:10
      Highlight Highlight Las mich raten es habelt blitze:-))
    • Madison Pierce 05.12.2016 11:54
      Highlight Highlight Lerne: Blitze-Verteiler sind Leute, die mit einem Kommentar nicht einverstanden sind, aber darauf keine Antwort schreiben wollen. Entweder weil sie keine Lust oder keine Argumente haben. So wie Buh-Rufer bei Podiumsdiskussionen.
    • Jan. 05.12.2016 12:23
      Highlight Highlight Ich geb dir n Herz für die Mühe den Kommentar vom Januar zu verlinken. Die Blitze von damals müssen dich das ganze Jahr durch gequält haben ;-)
  • Bits_and_More 05.12.2016 10:54
    Highlight Highlight Hier noch ein Bild des besagten "Lippenbalsams" .
    Auch wenn vielleicht nicht ganz klar ist, ob das Zeugs nun "Kein Doping" oder "Achtung, das ist imfall Doping" bedeutet, müsste doch sicherem jedem Sportler die Alarmglocken läuten und nachfragen, ob er / sie das nun nehmen kann oder nicht.
    User Image
    • Deverol 05.12.2016 11:33
      Highlight Highlight Du hast natürlich recht, dass sensibilisierte Spitzensportler bei dem Symbol misstrauisch werden müssen.
      Spontan würde ich bei dem Symbol aber auf "kein Doping enthalten" oder "No Doping" tippen.
    • zwan33 05.12.2016 13:41
      Highlight Highlight Eine Google Bildersuche zeigt, dass zumindest auf einigen Tuben (nicht Schachteln) das Symbol nicht abgebildet ist...
    • exeswiss 05.12.2016 17:37
      Highlight Highlight ist ja nicht so das man als sportler bei unsicherheit kurz google befragen könnte in der heutigen zeit.
  • Dr. Zoidberg 05.12.2016 10:49
    Highlight Highlight da musste ich doch gleich an herrn zauggs aussage vom august denken:

    "Wenn ein olympischer Held durch ausserordentliche Leistungen Geschichte schreibt, taucht sofort das Unwort Doping auf. Das ist die grösste Unsitte des Sports im 21. Jahrhundert."

    mal abwarten, welche entschuldigung herrn zaugg hier noch einfällt. wieder mal einer seiner "helden", der irgendwie doch nicht so sauber ist, wie er in seiner rosaroten welt glaubt.

    auch als sportbegeisterter sollte man wohl so langsam akzeptieren, dass doping in einer welt von asthmakranken spitzensportlern wohl eher nicht die ausnahme ist.
  • Nicolas Steger 05.12.2016 10:31
    Highlight Highlight Die Gute interessiert das sicherlich extrem

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