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Warum Fussballer ihr Getränk wieder ausspucken – und warum das Sinn macht

Ronaldo beim «carb rinsing». Bild: AP/AP

Wie Fussballer mit Getränken umgehen, ist bisweilen seltsam und ein bisschen eklig. Aus medizinischer Sicht ergibt es aber Sinn - und kann sogar die Leistung verbessern.

Irene Berres



Ein Artikel von

Spiegel Online

Trinken ist kinderleicht. Von kleinauf lernt der Mensch, dass Flüssigkeit im Mund zum Runterschlucken gedacht ist. Vor allem, wenn sie aus Flaschen kommt. Fussballprofis scheinen dieses Wissen - ähnlich wie Weintester - verdrängt zu haben.

Tut sich während der 90 Minuten eine kurze Pause auf, besprühen sich viele Spieler mit ihrer Trinkflasche, als wären sie Elefanten bei der Rüsseldusche. Landet dabei Flüssigkeit im Mund, wird diese nicht etwa gierig verschluckt, sondern nach kurzem Gurgeln auf den Rasen gespien.

Dass Fussballer gern spucken, ist erst mal nichts Neues. Auch ohne Trinken landen immer wieder Auswürfe auf dem Rasen, Psychologen sehen darin vor allem ein Revierverhalten. Was aber die Mundspülung angeht, könnte das Spucken durchaus eine medizinische Berechtigung haben - und den Sportlern sogar zu einem kleinen Leistungskick verhelfen.

Wie soll das funktionieren?

Die Methode heisst «Carb rinsing» oder «Mouth rinsing» (deutsch: Mundspülung), einen richtigen deutschen Namen gibt es noch nicht. Voraussetzung ist, dass nicht pures Wasser, sondern eine gezuckerte Brühe in der Flasche steckt. Bei welchen Fussballern das der Fall ist, zählt zu den Geheimnissen der Mannschaftstaktik.

All diese Sportler wissen, wie man richtig Spuckt:

Um das «Carb rinsing» richtig anzuwenden, sollte der Kohlenhydratgehalt aber bei rund sechs Prozent liegen. Diese Mixtur müssen die Sportler in den Mund nehmen, dort zwischen fünf und zehn Sekunden belassen und dann wieder ausspucken.

«Es gibt Studien, die gezeigt haben, dass die Methode bei intensiven Belastungen von circa einer Stunde ausreicht, um die Leistungsfähigkeit zu steigern», erklärt Stephanie Mosler von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd. Demnach steigt die Leistung gleich stark an, egal ob Sportler die Flüssigkeit trinken oder wieder ausspucken.

Wie kommt man auf so eine Idee?

Muskeln brauchen Kohlenhydrate, um Energie zu gewinnen. Geht der Treibstoff aus, lässt die Kraft nach. Aus diesem Grund ist schon lange klar, dass Ausdauersportler ihre Reserven während Wettkämpfen auffüllen sollten - etwa mit Bananen, Gels oder eben gezuckerten Getränken. Diese Regel gilt allerdings nur für Sporteinheiten, die mindestens zwei Stunden dauern.

Wer kürzer Sport treibt, hat eigentlich genug Vorräte in den Muskeln. Ausserdem benötigen die Kohlenhydrate Zeit, um aus der Nahrung in den Muskel zu gelangen. Bei einer kurzen Trainingseinheit dauert das oft länger als der Sport. Trotzdem beobachteten Wissenschaftler bei Fahrradfahrern eine positive Wirkung kohlenhydrathaltiger Getränke, obwohl diese nur rund eine Stunde trainierten. Bei einer Strecke von 40 Kilometern kamen sie nach dem Trinken rund eine Minute schneller ins Ziel, sie waren damit rund zwei Prozent schneller.

Früher erklärte man sich das Spucken anders:

Die Frage war nun, wie sich das erklären lässt, wo doch der Kohlenhydrat-Nachschub keine Rolle spielen dürfte? Um das zu überprüfen, starteten die Forscher eine weitere Studie: Wieder liessen sie Fahrradfahrer über 40 Kilometer antreten, diesmal aber spuckten die Sportler die Getränke wieder aus. Tatsächlich fuhren sie mit Kohlenhydraten schneller - der Effekt war ähnlich wie beim Trinken der Flüssigkeit. Das Ergebnis wurde inzwischen in weiteren Studien bestätigt, aber nicht alle Versuche wiesen den Effekt nach.

Wie erklären sich die Forscher die Wirkung?

Bis ins Detail ist das noch nicht ergründet. «Als mögliche Mechanismen sehen Forscher eine Aktivierung von bisher unbekannten Kohlenhydrat-Rezeptoren im Mund, die wiederum höhere Gehirnareale unter anderem im Belohnungs- und Bewegungszentrum aktivieren», schreibt Mosler, die Ernährung im Leistungssport erforscht. «Mouth rinse hat also eher einen psychologischen Effekt.»

Bei längeren sportlichen Herausforderungen stösst die Methode an ihre Grenzen: Im Muskel kommen die ausgespuckten Kohlenhydrate schliesslich nie an. Wenn ein Sportler mehr als zwei Stunden lang Gas geben muss, braucht er Nachschub an Kohlenhydraten - sonst verliert er an Leistung.

Jetzt wissen wir also, wie's richtig geht:

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Geht ein Spiel also - wie bei dieser WM fast typisch - auf die Verlängerung zu, sollten die Fussballer auf jeden Fall Kohlenhydrate zu sich nehmen und ihrem Körper die Chance geben, die Energiereserven in ihren Muskeln wieder aufzufüllen. Dass sie das tun, ist häufig auf dem Platz zu beobachten, wenn sich die Spieler den Inhalt einer Gelpackung in den Mund drücken. So lassen sich die Reserven auffüllen - ohne Wasserbauch. Manchmal, das soll es auch geben, schlucken sie sogar ihr Getränk runter.

Also ist Ausspucken grundsätzlich eine gute Idee für Fussballer?

«Im Fussball mit 90 Minuten ist ‹Mouth rinse› eine Methode, die man ausprobieren kann - vor allem, wenn die Spieler den Magen-Darm-Trakt nicht zu sehr belasten möchten», schreibt Mosler. «Ich empfehle dennoch, in der Halbzeitpause ein isotonisches Getränk beziehungsweise eine Apfelschorle (wenn sie vertragen wird) zur Flüssigkeits- und Energiezufuhr.»

Isotonische Getränke, zu denen Saftschorlen (Verhältnis Wasser zu Saft 1:2) zählen, eignen sich bei allen Ausdauerleistungen. Ihre Konzentration an gelösten Teilchen ähnelt der im Blut. Wichtig ist, bei extremen Ausdauerleistungen darauf zu achten, dass das Wasser natriumreich ist. So wirkt es einem Mangel entgegen, da der Körper viel Natrium ausschwitzt.

Die jährlich teuersten Spucker höchsten Transfersummen im Fussball seit 1980

Wieso Fussball in der Schweiz besser gefeiert wird als in Kanada:

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Video: watson/Emily Engkent

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    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 15.07.2018 01:05
    Highlight Highlight In unserer Zeit ist es so,
    dass die Dümmsten die Reichsten sind.

    (Siehe die Fussballer)
  • Gubbe 14.07.2018 20:43
    Highlight Highlight Naja, wenn ich schnarche, habe ich auch einen trockenen Mund. Kann jetzt davon abgeleitet werden, dass Fussballer auf dem Spielfeld schlafen - schnarchen? Dieses Mundspülen ist ok. Aber wenn gerannt und geschwitzt wird, muss Flüssigkeit getrunken werden. Im Idealfall nur leicht mehr als man schwitzt. Wer das nicht tut, erleidet Muskelkrämpfe.
  • salamandre 14.07.2018 19:13
    Highlight Highlight Fussballer spucken auch sonst dauernd rum...aber sie legen sich ja dann später auch wieder da hin😣
  • Zeit_Genosse 14.07.2018 17:32
    Highlight Highlight Wer bei Leistungabgabe Wasser in den Mund nimmt, löst im Körper das Signal aus, dass genügend Flüssigkeit zugeführt wird und es werden Leistungsreserven freigegeben (anstatt zu sparen). Diese Rezeptoren sind im Mund, sodass man nicht trinken muss für diesen Trick, den man natürlich nicht ständig wiederholen kann, weil dann die Flüssigkeit tatsächlich fehlt. Einfach ausprobieren. Kinesiologen nutzen das um verblüffende Wirkungen aufzuzeigen. Auf der anderen Seite weiss jeder, der intensiv Sport macht eine höhere Speichelproduktion hat, von der man sich dann gerne befreit und ausspühlt/-spuckt.
  • thzw 14.07.2018 15:13
    Highlight Highlight Ich habe auch schon beobachtet, dass sie die ersten zwei, drei Schlucke ausspucken und dann nur einen tatsächlich zu sich nehmen. Habe mir das auch damit erklärt, dass sie das trockene Gefühl im Mund loswerden wollen, ohne zu viel Gewicht in Form von geschluckter Flüssigkeit zu sich zu nehmen.
  • Barracuda 14.07.2018 14:53
    Highlight Highlight Das ist ja ein netter Erklärungsversuch, jedoch ist das für mich viel zu weit her geholt. Schliesslich können doch die meisten von uns selbst beurteilen, warum sie das machen. Das hat doch in erster Linie einen eher psychologischen Grund. Ich finde jedenfalls, dass das eine erfrischende und reinigende Wirkung hat, wenn ich den Mund spüle und den Mundraum vom klebrigen Speichel befreien kann. Danach gönne ich mir dann natürlich schon noch einen Schluck.
    • phreko 14.07.2018 16:33
      Highlight Highlight Chliesslich gibt es ja nur bewusste Entscheide. Immer schön ans atmen denken...
    • Barracuda 14.07.2018 17:02
      Highlight Highlight @phreko
      Und was willst du mir genau damit sagen? Werd doch konkret und rede nicht um den Brei rum. Ich glaube es behauptet hier niemand, dass es keine unbewussten Entscheidungen oder so etwas wie ein Unterbewusstsein gibt. Wenn für dich der Akt einer (aus meiner Sicht bewussten) Mundspülung und gewollten Erfrischung in diese Kategorie gehört, dann sei es so :D Und immer schön atmen... Ohmmmm.
    • lilie 14.07.2018 19:05
      Highlight Highlight @Barracuda: Ich seh das genauso wie du. Allerdings gehts hier ja nicht nur um Wasser, sondern um eine zuckerhaltige Lösung. Ich hab das so verstanden, dass das besser wirkt als reines Wasser.

      Kann aber auch ein reiner Placeboeffekt sein, weil der Körper "denkt", er hätte Zucker zugeführt bekommen und deshalb mehr leistet oder sowas.
  • gugus1209 14.07.2018 14:46
    Highlight Highlight
    Play Icon

    Sieht trotzdem eklig aus.
  • lilie 14.07.2018 14:01
    Highlight Highlight Danke für den Artikel! Hab mich tatsächlich gefragt, was die Jungs da immer für eine Schweinerei veranstalten beim Trinken. 🤣😊
    • Ueli der Knecht 14.07.2018 15:33
      Highlight Highlight Spuckende Jungs: "Psychologen sehen darin vor allem ein Revierverhalten."

      Im Stil, mir gehört die Welt, darum spucke ich auf sie.

      Demgegenüber (Kiffer- gegen Killer-Logik):
      "Fick nicht die Welt, sondern schwänger sie!
      Verteil positive und nicht negative Energie!
      Teil mit den Leuten, schenk ihnen Liebe und veränder sie.
      Und bekämpfe so immerzu ihre falsche Philosophie!"
      http://www.songtexte.com/songtext/raggabund/ganjatherapie-7bdb4a14.html
      Play Icon

    • lilie 14.07.2018 17:28
      Highlight Highlight @Ueli: Also, über diese "Revierverhalten"-Aussage habe ich mich auch eher gewundert. Denn welches Revier soll denn da verteidigt werden? Komm mir nicht zu nahe, sonst spuck ich dich an? 😂

      Das ist wohl eher ein bisschen Badass-Attitüde raushängen lassen.

      Dass man aber vom Kiffen schwanger werden kann, wär mir jetzt neu. 🤔🤣
    • Ueli der Knecht 15.07.2018 02:01
      Highlight Highlight Du sagst es, lilie: eine Badass-Attitüde mit der Idee, der König dürfe sich alles erlauben, weil er schliesslich König sei. Unter Gangstas ist daher das grösste Badass der Boss.

      Wer auf die Welt spuckt, der will der Welt zeigen, dass er Boss ist. Damit verteidigt er seine Hoheit, und letztlich sein Revier, seine (kleine) Welt.

      Kiffer spucken nicht, weil Kiffen die Schleimhäute austrocknet. Aber in den geschwängerten Kifferhirnen wachsen neue Ideen, neue Philosophien, wie zB: Teile positive und nicht negative Energie, schenke Liebe und verändere sie", die Menschen, die Welt. Schwängere sie.
  • DerSimu 14.07.2018 13:55
    Highlight Highlight Naja.. könnte das Spucken nicht auch etwas mit Plazebo zu tun haben? Wenn ich über längere Strecken renne, habe ich dieses seltsame, verklebte gefühl im Mund. Wenn ich das dann mal ausspucke, fühle ich mich stets frischer. Ob das aber was mit "wahrer" Wissenschaft zu tun hat, oder rein psychologisch ist, weiss ich nicht.
    • beaetel 14.07.2018 14:51
      Highlight Highlight Psychologie und Wissenschaft schliessen sich nicht aus. Man könnte ja sonst auch sagen: „Ist nur körperlich ...“
    • Ueli der Knecht 14.07.2018 15:22
      Highlight Highlight Der Psychologe Daniel Kahneman hat 2002 sogar den Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaft erhalten.

      «Wir studieren die menschliche Dummheit anstelle der künstlichen Intelligenz.»
      -Amos Tversky.

      "Die Unvernunft hat Methode"
      https://www.watson.ch/!776448931
    • DerSimu 14.07.2018 15:41
      Highlight Highlight @beaetel deshalb ja die Anführungszeichen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • W wie Wambo 14.07.2018 13:50
    Highlight Highlight Also aus meiner Erfahrung ist es einfach angenehm den Mund auszuspülen bei längeren Ausdauerbelastungen, da sich der Speichel durch das Atmen verdickt und klebrig wird. Darum spucken auch so viele Fussballer dachte ich immer.

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