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Carlos Valderrama of Colombia during the Round of 16 match against the Cameroon at the 1990 FIFA World Cup on 23 June 1990 at the San Paolo Stadium in Naples, Italy. The match resulted in an 2-1 extra time victory for the Camaroon   .(Photo by David Cannon/Getty Images)

Bild: Getty Images Europe

Geheimtipps noch nie erfolgreich

Belgien, Kolumbien, Nigeria und Co. – die Geh-heim-Favoriten

Auch bei dieser WM gibt es Top-Favoriten, Mit-Favoriten und Geheim-Favoriten. Nur sind Letztere manchmal alles andere als geheim und schon gar nicht erfolgreich. Eine Übersicht über die heissen Tipps der Vergangenheit - und was aus ihnen wurde.

Lukas Rilke / Spiegel online

Ein Artikel von

Spiegel Online

Diesmal ist es Belgien. Jede Fussball-WM hatte ihn, den Geheim-Favoriten. Mindestens einen. Meist zwei oder drei. Vor dem Turnier in Brasilien scheint sich die Fussballwelt auf die von Marc Wilmots trainierten «Roten Teufel» geeinigt zu haben. Welchen Nationaltrainer man auch nach einem heissen Tipp für die WM fragt, Belgien wird immer genannt. Was zu der Frage führt: Wie lange ist geheim eigentlich geheim?

epa04227213 Belgian national socer team players (front row, L-R) Kevin Mirallas, Toby Alderweireld, Kevin De Bruyne, Eden Hazard, and Thomas Vermaelen; (back row, L-R) goalkeeper Sammy Bossut, Romelu Lukaku, Marouane Fellaini, Axel Witsel, Vincent Kompany and Jan Vertonghen pose for photographers before an international friendly soccer match between Belgium and Luxembourg at the Crystal Arena Stadium in Genk, Belgium, 26 May 2014.  EPA/JULIEN WARNAND

Belgien – wer denn sonst? – wird Weltmeister. Bild: KEYSTONE

Heutzutage wären ohnehin die Begriffe «Mit-Favorit» oder «Aussenseiter» passender. Auch Spieler von Teams wie Costa Rica oder Iran tauchen längst in den Datenbanken auf. Der Fussball ist weltweit durchleuchtet. «Geheim» gibt es nicht mehr, nur Abstufungen von «bekannt».

Das war mal ganz anders. Uruguay hatte 1924 und 1928 das olympische Fussballturnier gewonnen, die zwischen 1911 und 1951 in Deutschland erschienene Zeitschrift «Fussball» schrieb vor der ersten Weltmeisterschaft 1930 in Uruguay dennoch in völliger Verkennung der wahren Stärke, dass die «europäische erste Klasse stärker einzuschätzen sei, als die panamerikanische». Das Finale gewann Uruguay 4:2 gegen Argentinien. Geheimnisvoll war daran rückblickend einzig die Arroganz der Europäer.

Ungarn völlig überraschend geschlagen

Bis in die Fünfzigerjahre hinein war der Favoritenstatus auch von den zu bewältigenden Reisestrapazen abhängig. Die Anreise auf einen fremden Kontinent fand per Schiff statt und dauerte mitunter bis zu zwei Wochen – Italien brauchte mit Zwischenstopp auf den Azoren 15 Tage bis nach Brasilien.

Hungarian team captain Fernenc Puskas (R) congratulates German team captain Fritz Walter (C) after the World Cup 1954 finals in Bern, Switzerland, 04 July 1954. Soccer legend Puskas died on Friday, 17 November aged 79. (KEYSTONE/EPA/DPA/Richard Kroll)

Vor dem WM-Final 1954 in Bern rechnet alles mit einem Sieg der Ungaren. Bild: EPA DPA

Legendäre Triumphe schafften Mannschaften aber auf ihrem Heimatkontinent. 1950 gelang den inzwischen nicht mehr so dominanten Uruguayern der entscheidende Sieg in der Finalrunde gegen Gastgeber Brasilien. Beim «Wunder von Bern» war Deutschland gegen die Zauberer aus Ungarn keine Chance eingeräumt worden. Im Land der Unterlegenen machten anschliessend gar Gerüchte die Runde, die Partie sei an Mercedes, Volkswagen oder Hersteller von Erntemaschinen verkauft worden.

Dass kleine Fussball-Nationen fast automatisch zu Geheim-Favoriten werden, wenn sie WM-Gastgeber sind, bewahrheitete sich einmal mehr 1962. Chile wurde im eigenen Land Dritter, 1958 hatte es Schweden bis in den Final geschafft, 1986 kam Mexiko in den Viertelfinal, die USA 1994 immerhin in den Achtelfinal und Südkorea scheiterte 2002 gegen Deutschland erst im Halbfinal.

Eusébio allein reicht nicht

Das Bauen auf einen Superstar, der die ganze Mannschaft mitziehen soll, bewies sich jedoch als weniger erfolgreich - selbst wenn der Spieler ein Weltklassemann wie Eusébio war. 1966 war der Portugiese der überragende Stürmer, schoss sein Land mit neun Toren bis in den Halbfinal. Dort scheiterte das Team dann aber am Gastgeber und späteren Weltmeister England.

FILE - In this July 26, 1966 file photo, Portugal's star player Eusebio is led from the pitch in tears after England defeated Portugal 2-1 in the semifinal of the World Cup at Wembley, London. With one week to go before the World Cup starts in Brazil, The Associated Press takes a look at 10 great stars in the tournament's history. Of all the spectacular moments in Eusebio's two-decade career, perhaps the most memorable was the Portuguese comeback he inspired against North Korea in the quarterfinals of the 1966 World Cup in England. After Portugal fell 3-0 behind, Eusebio scored four goals in just over 30 minutes, demonstrating the athletic prowess and sure-eyed finishing that made him one of the world's top scorers during his heyday in the 1960s. Born into poverty in Africa, Eusebio became known as the Black Panther for his agility and hard-charging attacks. He was awarded the Ballon d'Or in 1965 and twice won the Golden Boot - in 1968 and 1973 - for being top scorer in Europe. He died in January.   (AP Photo/Bippa, File)

Bild: AP BIPPA

Der Eiserne Vorhang sorgte dafür, dass es auch in den Siebziger- und Achtzigerjahren noch reichlich Geheimnisse in der Fussballwelt gab. Die wahre Stärke der Teams aus dem Ostblockstaaten bot immer reichlich Stoff für Spekulationen. 1974 trat die polnische Nationalmannschaft als Olympiasieger an und präsentierte sich tatsächlich als echte Herausforderung. Mit Mühe, Not und einem überragenden Sepp Maier im Tor besiegte Deutschland die Polen dann in der legendären «Wasserschlacht von Frankfurt».

Ebenfalls häufig hoch gehandelt wurde Jugoslawien. 1990 galt die Mannschaft um Kapitän Zlatko Vujovic als potenzielle Überraschung. Dann kam das erste Gruppenspiel gegen Deutschland, ein Solo von Lothar Matthäus und eine 1:4-Klatsche. Jugoslawien erholte sich davon jedoch gut, im Viertelfinal kam das Aus gegen Argentinien erst im Elfmeterschiessen.

Valderrama und Co. scheitern in der Schweizer Gruppe

In der gleichen Gruppe wie Jugoslawien und Deutschland spielte damals auch Kolumbien. Dem späteren Weltmeister trotzten die Südamerikaner ein 1:1 ab, vier Jahre später wurde die «Goldene Generation» noch stärker eingeschätzt. Gesicht – oder besser Frisur – des Teams war der blondgelockte Carlos Valderrama.

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Carlos Valerrama beschäftigt 1994 das komplette Schweizer Mittelfeld. Bild: Getty Images

Bei der Weltmeisterschaft 1994 spielte zudem Faustino Asprilla vom AC Parma mit, wer sollte diese Kolumbianer also stoppen? Die Antwort: Rumänien, die Schweiz und die USA. Nach der Vorrunde war Schluss.

Afrikaner noch ohne grossen Exploit

Spätestens seit Roger Millas Auftritten für Kamerun 1990 waren sich die Experten sicher: Über kurz oder lang würde der Weltmeister aus Afrika kommen. 1998 galten die «Super Eagles» aus Nigeria als mehr als nur Geheimfavorit.

Das Team um Sunday Oliseh, Finidi George, Jay-Jay Okocha, Nwankwo Kanu und Victor Ikpeba zeigte tatsächlich tolle Angriffe, aber auch ebenso spektakuläre Abwehrfehler. Dänemark bestrafte diese beim 4:1 im Achtelfinal brutal.

NGR - APRIL 22:  FUSSBALL: NATIONALMANNSCHAFT 1998 NIGERIA 22.04.98, Augustine OKOCHA/NGA  (Photo by Mark Sandten/Bongarts/Getty Images)

Jay-Jay Okocha und seine Supereagles kassierten 1998 gegen Dänemark eine bittere Niederlage.  Bild: Bongarts

Auch bei der ersten WM auf afrikanischem Boden, 2010 in Südafrika, lief es nicht besser. Von sechs afrikanischen Mannschaften schaffte es nur Ghana in die K.-o.-Runde, gewann im Achtelfinal gegen die USA, schied dann aber im Skandalspiel gegen Uruguay aus. In der Nachspielzeit der Verlängerung klärte Stürmer Luis Suarez per Hand auf der Torlinie, Asamoah Gyan verschoss den Strafstoss, im Elfmeterschiessen kamen die Südamerikaner weiter.

Auch 2014 gehört Uruguay zum Kreis der Geheimfavoriten. So wie die Elfenbeinküste, die unberechenbaren Franzosen. Und natürlich Belgien.



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