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Danny Rose schaut auf eine schwierige Zeit zurück. Bild: AP/PA

England-Spieler Rose bricht kurz vor der WM mit Tabu und redet über seine Depressionen

Stammspieler in der Premier League, im WM-Kader von England und trotzdem erlebte Aussenverteidiger Danny Rose die wohl schwierigste Zeit seines Lebens. In einem überraschend offenen Interview erzählt der 27-Jährige über seine Depression, den Suizid seines Onkels und wieso er seiner Familie sagte, sie solle nicht nach Russland reisen.

07.06.18, 14:17 07.06.18, 14:38


Die WM-Nomination von Englands Danny Rose war wohl eine der grössten Überraschungen im Kader der Three Lions. Der Aussenverteidiger von Tottenham Hotspur spielte in dieser Saison nur sechsmal über die vollen 90 Minuten, den Rest verpasste er wegen eines Innenbandrisses im Knie, den er sich im Januar 2017 zugezogen hatte und von dem er noch länger die Folgen spürte.

Danny Rose und sein Captain, Harry Kane. Bild: EPA/EPA

Beim Termin mit den Medien, an dem es eigentlich um seinen schönsten Moment der Karriere gehen sollte, sprach der 27-Jährige über sein schwieriges Jahr – und offenbarte dabei plötzlich tiefe Einblicke in sein Leben, das von Schicksalsschlägen überhäuft wurde.

Rose erzählt, wie seine Knieverletzung in einer Depression endete. Dazu kam, dass sich sein Onkel während Roses Rehabilitation das Leben nahm, seine Mutter mit Rassismus zu kämpfen hatte und sein Bruder beinahe erschossen wurde – bei Danny zuhause.

Die Geschichte um seine Mutter traf Rose so sehr, dass er seine Familie bat, nicht nach Russland zu reisen. Zu sehr fürchtet er, dass seine Liebsten in Russland mit rassistischen Beschimpfungen und Attacken konfrontiert würden, wie er in einem Interview mit dem Evening Standard erzählt. Er wolle sich keine Sorgen machen müssen um seine Familie, während er sich auf die Spiele vorbereitet.

Wir haben die wichtigsten Aussagen von Danny Rose gesammelt.

Danny Rose über ...

... Rassismus in Russland

«Mein Vater war sichtlich enttäuscht über meine Bitte, zuhause zu bleiben. Ich konnte es auch in seiner Stimme hören. Er sagte, er würde nie mehr die Chance haben, mich an einer WM zu sehen. Es ging mir sehr nah, als ich das hörte. Aber es ist, wie es ist. Irgendwie erhielt Russland das Recht, die WM auszutragen, und damit müssen wir leben.»

... seine Depression

«Jeder weiss, dass ich bei Tottenham Probleme hatte und darum einen Psychologen aufsuchte. Doch dann wurde eine Depression diagnostiziert, von der ich niemandem erzählte, ausser meinem Berater. So musste ich von Tottenham etwas Abstand nehmen. Denn ich wurde schnell wütend, ich wollte keinen Fussball mehr spielen, ich wollte keine Rehabilitation durchgehen, ich wollte nicht mehr mit meinen Freunden ausgehen. Ich ging direkt ins Bett, wenn ich nach Hause kam.» 

Danny Rose hatte keine Lust mehr, Fussball zu spielen.  Bild: AP/AP

... weitere Schicksalsschläge 

«Und dann kam noch dazu, dass sich mein Onkel während meiner Rehabilitation erhängte.» 

«Meine Mutter wurde rassistisch angegriffen und mein Bruder von einer Kugel getroffen. Solche Momente während einer Rehabilitation zu erleben, ist hart. Eine Pistole wurde benutzt. In meinem Haus, und traf dabei beinahe das Gesicht meines Bruders. Es war hart.»

... die Erlösung mit der Nati

«Das Aufgebot für das englische Nationalteam und die Zeit mit der Nati waren wie eine Erlösung. Ich kann dem Trainer und dem Medical Staff nicht genug danken. Ich bin nun glücklich, hier zu sein, und will das Beste daraus machen.»

... den Zeitpunkt der Veröffentlichung

«Niemand wusste bisher von meiner Depression und meiner schwierigen Zeit. Ihr (die Medien, Anm. der Red.) seid nun die Einzigen, die so viel wissen. Ich habe es nicht einmal meinen Eltern erzählt. Die werden wohl ziemlich wütend sein, wenn sie das lesen. Aber ich behielt alles für mich – bis jetzt.»

Danny Rose hat sich überraschend geöffnet. Bild: AP/AP

Die Reaktion von Nati-Trainer Southgate

«Rose hat uns alles erzählt, wir hatten ein Meeting mit dem Team vor ein paar Tagen. Er war nicht der Einzige, der bereits Opfer von Rassismus wurde. Als Teil unserer Familie werden wir ihn natürlich unterstützen, wie es geht. Niemand weiss, was uns in Russland erwarten wird. Viele Spieler haben schlechte Erfahrungen mit Rassismus gesammelt, aber wir hoffen natürlich, dass dies an der WM nicht wieder passieren wird. Es ist traurig, dass er Angst um seine Familie haben muss, falls diese nach Russland käme.

«Falls es zu Vorfällen kommen würde, sind wir vorbereitet.»

 Wir sind ein Team, wir halten zusammen. Auch wenn wir nicht darüber reden wollen, müssen wir darüber reden. So viele verschiedene Kulturen und Religionen spielen bei uns im Team. Aber auf dem Platz sind es einfach nur Teamkollegen.»

Southgate über Rassismus. Video: YouTube/Soccer Tv

(qae)

Gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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17
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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lindaa 07.06.2018 15:39
    Highlight Und immer noch sind Depressionen ein Tabuthema. Wieso eigentlich?
    77 1 Melden
    • Tooto 07.06.2018 16:10
      Highlight Weil man es nicht sieht, weil man es nicht "beweisen" kann.
      So hart es auch klingen mag.
      Ausserdem können Menschen, die nie an psychischen Problemen gelitten haben, kaum nachvollziehen wie das ist.
      Aber das ist ja mit allem so.
      63 0 Melden
    • Hosch 07.06.2018 16:18
      Highlight Ein Problem ist, dass man wenn man Depressionen hat stigmatisiert wird.
      Zuerst muss man ein Problem erkennen um sich helfen zu lassen aber man muss ich dann auch überwinden die Hilfe anzunehmen. Zudem leben wir immer mehr in einer Leistungsgesellschaft, leider wird in so einer Gesellschaft dann oftmals Schwäche, Krankeheit oder Andersartigkeit nicht aktzeptiert.
      Im Sport ist dies noch schlimmer. Depressionen, Homosexualität, Leistungseinbrüche sind immer noch oft Tabuthemen.
      21 0 Melden
    • The Origin Gra 07.06.2018 17:44
      Highlight @tooto: Dann noch so Sprüche wie "Sei doch Fröhlich", "schau doch mal das Positive, schöne um Dich herum"... 😒
      Dabei ist das dann wie ein Stich in die Seele😕
      24 0 Melden
  • LibConTheo 07.06.2018 14:47
    Highlight Bei allem Respekt gegenüber Rose's Geschichte; wieso vermittelt dieser Bericht, dass man erwarten kann, von jedem zweiten Russen rassistisch angegangen zu werden?

    40 81 Melden
    • gecko25 07.06.2018 15:35
      Highlight Weil doch klar ist, dass das Böse nur in Russland zuhause ist. Engländer, Amerikaner und deren Geträuen kämpfen ausschliesslich selbstlos für den Frieden. Zudem gibt es dort erwiesenermassen keine Rassisten
      21 60 Melden
    • Ha! Bermas. 07.06.2018 15:41
      Highlight Der Bericht gibt lediglich die gemachten Aussagen wieder; wenn schon, musst du dich auf Roses Haltung beziehen. Bei ihm litt wahrscheinlich durch seine Erfahrungen und die seiner Mutter diesbezüglich die Nüchternheit zu sehr, um die Situation in Russland zu beurteilen, sowie vielleicht auch die Kenntnis der Verhältnisse im Allgemeinen fehlt. Gutes Beispiel für 'Unwissen + Emotionen = Vorurteile'.
      32 9 Melden
    • LibConTheo 07.06.2018 15:44
      Highlight @gecko25:

      Komplett deiner Meinung. Den Blitzern nach herrscht auf dieser Plattform aber ein anderer Status Quo. ;)
      20 16 Melden
    • NWO Schwanzus Longus 07.06.2018 15:53
      Highlight @Ha! Bermas. Sehr schön beschrieben.
      10 12 Melden
    • heinigers 07.06.2018 15:56
      Highlight Ich denke es finden sich, in Osteuropa allgemein, im Umfeld von Fussballstadien durchaus genug Leute mit "rassistischen Tendenzen" um Rassismus im Stadion vermuten zu können. Was natürlich nicht heisst dass der Durchschnittsrusse Rassistisch ist.
      43 2 Melden
    • Joshuuaa 07.06.2018 16:17
      Highlight Eine russische Freudin meinte beim Kaffe folgendes: Russland habe ein Rassismusproblem - vergleichen mit demjenigen der genannten Ländern könne sie es aber nicht. Schlimmer als in der Schweiz sei es. In der gesellschaftlichen Mitte sei vor allem die "Toleranzgrenze" eine andere: "Schokokopf" würde so von den meisten Russen nicht als rassistisch empfunden. Mit Rassismus mache man sich auch in Russland nicht beliebt, die aus der Sowjetzeit stammende Idee einer "Zusammenarbeit der Völker" sei nach wie vor in den Köpfen. Kreisen in denen diese Ideen en vogue sind, seien aber häufig fussballnah.
      12 2 Melden
    • Johnny Geil 07.06.2018 16:17
      Highlight Rassismus gibt es überall, aber in Russland extrem und wird von "Präsident" Putin mit Slogans wie "Russland den Russen" bewusst geschürt. Aber nein, man zeigt lieber mit dem Finger auf andere, als vor der eigenen Haustüre zu wischen. Rassismus (oder auch Homophobie, keine Pressefreiheit etc) hat in einem fortschrittlichen Staat, den ja Russland so gerne sein möchte, nichts verloren: https://www.focus.de/sport/mehrsport/tid-32802/moskau-vor-der-leichtathletik-wm-rassismus-repressalien-homophobie-die-schlimmsten-russischen-skandale-542-rassistische-morde-russland-den-russen_aid_1066030.html

      23 6 Melden
    • Dong 07.06.2018 16:29
      Highlight Theoriefrage: Ist das Statement "Russland ist rassistisch" eigentlich rassistisch oder antirassistisch?
      Ich persönlich würde sagen 90% ersteres und 10% zweiteres.
      10 8 Melden
    • gecko25 07.06.2018 16:43
      Highlight @heinigers. sorry, in Italien gibt es im Umfeld von Fussballstadien sicherlich auch genügend Menschen mit rassistischen Tendenzen. Von einem Europacup-Spiel in Rom würde Rose seine Familie aber bestimmt nicht fernhalten
      5 8 Melden
    • LibConTheo 07.06.2018 16:56
      Highlight @Dong:

      Genau die Überlegung habe ich mir auch schon gemacht^^
      6 3 Melden
    • heinigers 07.06.2018 18:10
      Highlight @gecko
      Da hast du wohl nicht unrecht, ich denke jedoch momentan ist Russland/Putin bashing ziemlich in.

      Was aber nicht heisst dass dies unbegründet so ist!
      0 1 Melden
    • Factfinder 07.06.2018 19:16
      Highlight Immerhin einem Drittel (gemäss Herz/Bitz-Ratio) fällt diese subtile Beeinflussung vermehrt auf. Gut so.
      1 0 Melden

Herr und Frau Mötzli, können wir uns nicht einfach mal freuen?!

Die Schweiz schlägt Serbien hochdramatisch 2:1. Schlagzeilen machen aber die Doppeladler beim Jubel von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. Die Gesten waren unüberlegt und unnötig. Aber auch verständlich für Spieler, bei denen sich so viel um Identität und Zugehörigkeit dreht.

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Zumindest für ganz viele Schweizer Fans. Die Freude über den Sieg wurde schnell gedämpft. Dürfen sich Schweizer da überhaupt noch freuen? Das war doch Hochverrat!

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