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FILE - In this Thursday Jan. 19, 2017 filer, Senegal Soccer Coach, Aliou Cisse, is pictured before their African Cup of Nations Group B soccer match between Senegal and Zimbabwe at, Stade de Franceville Stadium, in Franceville, Gabon. (AP Photo/Sunday Alamba, File)

Hat Grosses vor: Senegals Trainer Aliou Cissé. Bild: AP/AP

Senegals Nationaltrainer will Afrikas Fussball revolutionieren

Er ist das Aushängeschild der neuen afrikanischen Trainergeneration: Aliou Cissé, Coach der senegalesischen Nationalmannschaft, Träger einer Hipsterbrille und wirrer Dreadlocks. Nun will der 42-Jährige – 16 Jahre nach Senegals grösstem WM-Erfolg – wiederholen, was er damals als Captain vorgemacht hat.

Mai 2002. Senegal steht zum ersten Mal überhaupt an einer WM-Endrunde. Zum Auftakt wartet auf den Exoten gleich Titelverteidiger Frankreich. Es folgt eine der grössten Überraschungen des Fussballs.

«Die Löwen von Teranga», wie man Senegals Fussballnati nennt, bezwingen den haushohen Favoriten mit 1:0 und stossen danach bis in den Viertelfinal vor. Trainer Bruno Metsu wird gefeiert. Sein Captain beim WM-Auftakt: Der 26-jährige Aliou Cissé.

FILE - In this June 11, 2002 file photo Senegal's players celebrate after scoring their third goal in the first half of their 2002 World Cup Group A soccer match against Uruguay at the Suwon World Cup stadium in Suwon, South Korea. From left are Aliou Cisse, Alassane Ndour, Henri Camara, Khalilou Fadiga, Papa Bouba Diop (hidden) and El Hadji Diouf. The other teams in Group A are France and Denmark. (AP Photo/Lawrence Jackson, file)

Senegal kommt 2002 aus dem Feiern nicht heraus. Ganz links auf dem Bild lächelt der 26-jährige Aliou Cissé. Bild: AP/AP



Juni 2018. 16 Jahre nach dem Coup an der WM in Japan und Südkorea steht Senegal wieder an einer WM-Endrunde. Im letzten Spiel der ersten Runde treffen die Senegalesen auf Gruppenfavorit Polen. Dank eines mutigen Auftritts besiegen die Afrikaner Polen mit 2:1. Bekanntester Name der Equipe: Liverpool-Star und Nati-Captain Sadio Mané. Sein Trainer: der 42-jährige Aliou Cissé.

Senegal's head coach Aliou Cisse listens the national anthem ahead the group H match between Poland and Senegal at the 2018 soccer World Cup in the Spartak Stadium in Moscow, Russia, Tuesday, June 19, 2018. (AP Photo/Andrew Medichini)

Stolzer Nationaltrainer Senegals: Aliou Cissé. Bild: AP/AP

Harte Schicksalschläge

Bis Aliou Cissé jedoch als Nationaltrainer Senegals seine Hand stolz auf seine Brust drücken und derart erfolgreich in die WM starten kann, muss der Mann aus Ziguinchor im Südosten Senegals einiges durchmachen.

Kurz nach der WM 2002 verliert der Spieler von Birmingham City mehr als ein Dutzend engster Familienmitglieder. Bei der Joola-Katastrophe vor der Küste Gambias geht eine Fähre mit rund 1200 Menschen unter – darunter Cissés Liebsten. Der Mittelfeldspieler lässt sich jedoch nicht unterkriegen, Cissé lernt, sich auch unter harten Bedingungen durchzusetzen, was seinen aggressiven Spielstil bis zum Schluss seiner Karriere als Spieler in Europas Topligen prägt.

epa06818491 Senegalese national soccer team head coach Aliou Cisse attends a press conference in Moscow, Russia, 18 June 2018. Senegal will face Poland in a group H match of the FIFA World Cup 2018 on 19 June 2018 in Moscow.  EPA/Bartlomiej Zborowski POLAND OUT  EDITORIAL USE ONLY

Cissé musste einiges durchmachen. Bild: EPA/PAP

2013 der nächste Schickssalschlag. Bruno Metsu, Senegals Trainer von 2002, verstirbt an Krebs. Metsu hat grossen Anteil daran, dass 16 Jahre nach seinem Exploit Senegal wieder an einer WM steht. Das weiss auch sein späterer Nachfolger Cissé, der im Vorfeld der WM 2018 sagt: «Heute sind meine Gedanken bei Bruno. Er schaut auf uns, seine Energie wird uns tragen.»

Neue afrikanische Trainergeneration

An der Weltmeisterschaft in Russland steht Cissé nun als einer von zwei Afrikanern an der Seitenlinie. Der Mann mit den langen Dreadlocks ist der Exot unter den WM-Trainern. Ein Exot, der jedoch eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der Fussballszene des westafrikanischen Staates darstellt.

Cissé gilt als Aushängeschild der neuen afrikanischen Trainergeneration, die es vor einigen Jahren noch gar nicht gegeben hat. Dass beim Afrika-Cup 2017 gleich vier von 16 Trainern Einheimische waren, war vor wenigen Jahren noch undenkbar.

epa06810714 Nigeria's head coach Gernot Rohr leads a training session in Kaliningrad, Russia, 15 June 2018. Nigeria will face Croatia in the FIFA World Cup 2018 Group D preliminary round soccer match on 16 June 2018.  EPA/ARMANDO BABANI

Der Deutsche Gernot Rohr trainiert an der WM 2018 die nigerianische Nationalmannschaft. Bild: EPA/EPA

Für Cissé ist jedoch klar, dass europäische Trainer bei afrikanischen Teams – wie beispielsweise Gernot Rohr bei Nigeria – keine Zukunft haben. «Ich weiss ganz genau, was der Senegal benötigt», meint er bei seinem Amtsantritt 2015 –  und holt mit Tony Sylva, Omar Daf und Lamine Diatta gleich drei Teamkollegen von 2002 mit ins Boot. «Wir wissen doch am besten, wie unsere Landsleute ticken.»

«Ich bin mir sicher, dass afrikanische Teams in Zukunft Weltmeister werden.»

Aliou Cissé

Im Vorfeld der WM in Russland unterstreicht der engagierte und ambitionierte Trainer Senegals seine Meinung: «Der afrikanische Fussball hat sich entwickelt. Wir glauben an unseren Fussball, wir haben keine Komplexe und wir haben grossartige Spieler. Was es jetzt noch braucht, um unseren Fussball weiterzubringen, sind afrikanische Coaches.»

Positiv in die Zukunft

Kein Wunder blickt der ehemalige Spieler von Lille, Paris Saint Germain und Birmingham City positiv in die Zukunft. «Der afrikanische Kontinent ist voller Qualität. Mannschaften wie Senegal oder Nigeria werden irgendwann in der Lage sein, Weltmeister zu werden», sagt Cissé noch vor dem WM-Auftakt gegen Polen.

Mit dem Sieg gegen Polen hat Senegals empathischer Trainer den ersten Schritt in diese Richtung gemacht. Wie vor 16 Jahren liegt die Achtelfinalqualifikation im Bereich des Möglichen. Einziger Unterschied: Aliou Cissé gibt sich mit solchen Achtungserfolgen nicht zufrieden. Er will Senegal an die Weltspitze führen. Mit oder ohne Hipsterbrille und langen Dreadlocks.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Barracuda 20.06.2018 12:37
    Highlight Highlight Ich gehe nicht davon aus, dass ich je einen afrikanischen Weltmeister erleben werde. Klar spielen gute Afrikaner in europäischen Topligen. Aber auf Stufe Nationalmannschaft wird das nie was. Mir ist klar, dass Ausnahmen die Regel bestätigen. Aber im grossen Ganzen sind die Afrikaner schlicht und einfach zu undiszipliniert. Ausserdem geht es vielen in erster Linie ums Geld, ums Auffallen und um das eigene Ego. Es wäre nicht das erste, dass eine afrikanische Mannschaft wegen lächerlichen Streitereien wie z.B. Siegprämien, etc. auseinanderbricht. Die katastrophalen Strukturen tun ihr übriges...
  • Bivio 20.06.2018 10:19
    Highlight Highlight Die afrikanischen Teams haben 2 Nachteile:

    1) Das Gefälle innerhalb der Mannschaft ist sehr oft riesig. Man hat absolute Superstars und daneben Spieler, welche in nicht mal in Europa spielen. Dann liegt die Last ganz allein auf den 1-2 Stars, welche gegen starke Gegner nicht alles alleine reissen können.

    2) Jeder Trainer, welcher in Afrika gearbeitet hat, sagt, dass die Disziplin ein grosses Problem ist. Auf und neben dem Platz. Dies muss sich ändern.

    Eine neue afrikanische Trainergeneration, welche in Europa ausgebildet wurde und diese 2 Punkte ändern kann, hat grosses Potential.
  • Tan Long 20.06.2018 10:03
    Highlight Highlight Hihi. Afrika und Fussball. Jede WM werden solch Geschichten aufgewärmt. Gewinnen tun Europäer oder Latinos. Das sind die einzigen die dieses Spiel verstehen.
    • Maracuja 20.06.2018 10:16
      Highlight Highlight Warum geben dann europäische Klubs so viel Geld für afrikanische Spieler aus?
  • Koala91 20.06.2018 09:39
    Highlight Highlight Grandioser beitrag! Er klingt an einen grossen wunsch in mir an: afrika muss aufhören sich von grosskonzernen ausbeuten zu lassen und einen eigenen weg finden, wie es mit den grossen playern mitmischen kann, ohne ihre vielfältige kultur abzustreifen. Ich bin überzeugt, eine fairere welt kann nicht an afrika vorbei und positive züge ihrer kultur könnten uns wirklich gut tun: bunt, fröhlich und locker leben.
  • lilie 20.06.2018 07:48
    Highlight Highlight Danke für diese tolle und inspirierende Geschichte!

    Die Weltspitze des Fussballs ist natürlich sehr von den europäischen und südamerikanischen Teams geprägt. Da ist es nicht leicht, als relativer Newcomer eine Bresche hineinzuschlagen.

    Und leider vergessen wir ja Afrika auch ausserhalb des Fussballs nur allzu leicht vor lauter EU-USA-Russland-China-Gezerre.

    Gerade deshalb ist es wichtig, dass es solche Persönlichkeiten mit einer Vision, viel Selbstvertrauen und Mut, aber auch Talent und Realitätssinn gibt. Ich drücke Senegal die Daumen!
    • Ikarus 20.06.2018 08:50
      Highlight Highlight Weltpolitisch magst du recht haben, aber fussballerisch stehn sie überhaupt nicht weit hinter den europäern und südamerikaner. Es gab wohl an den letzten 3-4 wm kein besseres team, einzespielermässig, als die elfenbeinküste. Ihr problem ist eher das sie noch nie richtige teams waren und lieber jeder für sich schaute. Evtl können da die afrikanischen trainer mal was bewegen
    • Darth Unicorn #Häschtäg 20.06.2018 09:07
      Highlight Highlight letzen 3-4 WM, hast du tatsächlich Ghana vergessen? Viertelfinal
    • Frances Ryder 20.06.2018 09:42
      Highlight Highlight Elfenbeinküste soll die besten Einzelspieler in den letzten 12 Jahren gehabt haben. Guter Witz von dir.
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