St Gallen
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Beil-Attacke in Flums: Was die Polizei aus den Fehlern von Salez gelernt hat

Beim Amoklauf in Salez vor einem Jahr kommunizierte die Polizei nicht auf Englisch und nicht auf Twitter. Nun hat sie aus den Fehlern gelernt. Dennoch geht die Strategie nicht ganz auf.

Andreas Maurer / Nordwestschweiz



Ein 17-Jähriger attackiert mit einem Beil anscheinend wahllos Menschen. In unseren Köpfen ist die Verknüpfung zum Terrorismus schnell gemacht. Ähnliches gilt auch für die Medien: Vor dem Hintergrund des Terrorismus gehen Meldungen um die Welt, die früher höchstens für nationales Aufsehen gesorgt hätten. 

Für die Polizei stellt sich die Frage, wie sie in solchen Situationen angemessen kommunizieren soll. Die Kapo St.Gallen entschied sich so: Zwei Stunden nach der Tat informierte die Kantonspolizei St. Gallen am späten Sonntagabend auf Twitter:

Wenige Minuten später schaltete sie eine Medienmitteilung online, kurz nach Mitternacht auch in einer englischen und französischen Übersetzung. Am Morgen organisierte die Polizei eine Medienkonferenz.

Pressemitteilungen Flums

Die Kapo St.Gallen kommunizierte mehrsprachig montage: watson

Ein Jahr zuvor war die St. Galler Polizei mit einer ähnlichen Tat konfrontiert: Am 13. August 2016 ging ein 27-Jähriger in einem Regionalzug kurz vor dem Bahnhof Salez-Sennwald mit einem Messer und einer brennenden Flüssigkeit auf Passagiere los.

Auch damals stand bald fest, dass ein terroristischer Hintergrund unwahrscheinlich ist. Die Polizei kommunizierte aber ganz anders. Sie gab hauptsächlich per Telefon Auskunft, doch die Leitung war überlastet. Nicht alle Journalisten schafften es durch zu kommen.

Auf mehrsprachige Mitteilungen verzichtete die Polizei. Einen Twitter-Account hatte sie damals zwar, doch sie setzte keinen einzigen Tweet ab.

Am Samstag (13.08.2016), um etwa 14:20 Uhr, ist es auf der Zugstrecke zwischen Buchs und Sennwald, kurz vor dem Bahnhof Salez zu einem Zwischenfall gekommen. Gemäss jetzigen Informationen hat ein 27-jähriger Schweizer eine brennbare Flüssigkeit ausgeschüttet. Er war zudem mit mindestens einem Messer bewaffnet. Die Flüssigkeit geriet in Brand. Sieben Personen mussten mit unbestimmten Brand- und Stichverletzungen in verschiedene Spitäler eingeliefert werden. Die Rettungskräfte sind mit einem Grossaufgebot vor Ort.  Gemäss jetzigen Erkenntnissen hat ein 27-jähriger Schweizer, welcher mit mindestens einem Messer bewaffnet war, im Zug eine brennbare Flüssigkeit ausgeschüttet. Diese Flüssigkeit geriet in Brand. Dadurch und durch Stiche wurden sieben Personen im Zug teils schwerst verletzt.  Nebst einem Grossaufgebot der Kantonspolizei St.Gallen standen die Feuerwehr, drei Rettungshelikopter, zwei Notärzte, drei Rettungswagen sowie Sachverständige der Bahnbetriebe im Einsatz.  Bei den Verletzten handelt es sich nebst dem 27-jährigen mutmasslichen Täter um einen 17- und einen 50- jährigen Mann, sowie um drei Frauen im Alter von 17, 34 und 43 Jahren und um ein 6-jähriges Kind.  Der Bahnhof Salez ist bis auf weiteres für den Bahnverkehr nur eingeschränkt befahrbar. Es sind Ersatzbusse organisiert. Der Sachschaden am Zug beträgt über 100ë000.- Franken. Der Zug war zum Zeitpunkt des Ereignisses mit mehreren dutzend Fahrgästen besetzt.  Die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen hat eine Strafuntersuchung eröffnet.

Trotz zurückhaltender Kommunikation war die Medienresonanz im Fall Salez riesig.

Polizeisprecher Hanspeter Krüsi geriet 2016 in die Kritik und verteidigte sich. Mit englischen Mitteilungen und Tweets hätte er den Anschein erweckt, es handle sich um ein Ereignis von internationalem Interesse, sagte er. Das habe er verhindern wollen. Auf eine Medienkonferenz verzichtete er, weil er anfangs fälschlicherweise davon ausgegangen sei, dass es nur Leichtverletzte gegeben habe. Hinzu kam, dass Krüsi gemäss eigenen Aussagen zu wenig gut Englisch konnte.

Die Polizei versuchte vor einem Jahr mit zurückhaltender Kommunikation die Medienresonanz klein zu halten. Doch die Medien berichteten weltweit: «BBC», «Time», «Le Figaro», «Bild», «La Repubblica». Alle stellten die Berichterstattung in den Kontext von islamischem Terrorismus und zogen Parallelen zum Amoklauf eines Flüchtlings in einem Regionalzug in Würzburg (D), der mit dem IS sympathisierte. Auf Twitter wurde sogar die Fake News verbreitet, beim Täter in der Schweiz handle es sich ebenfalls um einen Islamisten.

flums Medien ausland

Ausländische Medienberichte zur Attacke in Flums. montage: AZ

Ein Jahr danach hat die Kantonpolizei nun den Schritt ins digitale Kommunikationszeitalter geschafft: Sie twittert und spricht englisch.

Die Strategie geht teilweise auf. Zwar wird auch diesmal international berichtet, vor allem auf den Onlineplattformen britischer Boulevardblätter.

In den internationalen Meldungen wird diesmal aber deutlicher als vor einem Jahr vermerkt, dass kein Zusammenhang zu Terrorismus vorliege. Aber nicht alle: Das indische Onlinemedium «Firstpost» setzte dennoch den Hashtag #Terrorism.

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So berichtet der Mirror

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So der Telegraph

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Und so Firstpost

Der Leitende Jugendstaatsanwalt zum mutmassliche Täter: «Er fiel im Juni 2017 erstmals auf»

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Video: watson/Sarah Serafini

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    Alle Leser-Kommentare
  • Mr.President 23.10.2017 18:53
    Highlight Highlight Ich denke wenn das in USA passierte, würde die Polizei ihn nicht verwunden, sondern gleich mit Kopfschuss ausser Gefecht setzen. Und sich dafür nicht entschuldigen. Es ist ein Verbrecher, der mehrere Menschen angegriffen hat und nur durch Zufall sie nicht umgebracht hat! Kein Täter-Schutz!
  • Crank 23.10.2017 16:02
    Highlight Highlight Der Fehler liegt ja eigentlich nicht bei der Polizei sondern bei der Presse die trotz ungenügender Infos einfach mal etwas schreibt anstatt anständig zu recherchieren oder halt einfach mal nichts zu berichten wenn sie keine Infos haben. Aber der Druck immer alles möglichst schnell zu Berichten scheint zu gross zu sein, lieber Falschmeldungen absetzen als nicht der erste sein. Das ist dem Ruf der Presse aber nicht unbedingt dienlich.
    • John Smith (2) 23.10.2017 16:23
      Highlight Highlight Dem Ruf nicht, aber der Clickrate. Wen kümmert da schon der Ruf? Im Gegenteil: Ist der Ruf mal ruiniert, schreibt sich's frei und ungeniert.
    • Crank 23.10.2017 19:25
      Highlight Highlight Naja, „Lügenpresse“ und „Fake News“ hört die Presse glaub nicht so gern. Ist der Ruf erst ruiniert wird man auch nicht mehr gelesen oder angehört. Das spürt man dann auch im Portemonnaie als Journalist, wenn man keinen Job mehr hat.
  • Yuigo 23.10.2017 14:22
    Highlight Highlight Nur weil er kein IS-Sympathisant ist heisst das noch lange nicht, dass er kein Terrorist ist.

    Definition Terrorismus:
    Unter Terrorismus versteht man Gewaltaktionen gegen Menschen oder Sachen zur Erreichung eines politischen, religiösen oder ideologischen Ziels.

    Definition Ideologie:
    "falsches Bewusstsein" ... zur Rechtfertigung und Bewertung eigener und fremder Handlungen verwenden.

    Somit kann, darf und soll man diesen Jungen als Terrorist bezeichnen bzw. betiteln.
    • bokl 23.10.2017 16:25
      Highlight Highlight @Yuigo
      Und welches ideologisches Ziel wollte er denn erreichen? Auch für mich ist Terrorist ^= IS-Mitglied, aber es ist auch nicht hilfreich, jedem "Amok-Läufer" o.ä. gleich das Ettiket Terrorist anzuhängen.
    • Mr. Winston 23.10.2017 16:31
      Highlight Highlight Es gibt immer noch keinen Beweis für einen terroristischen Hintergrund. Also sollte man ihn eben nicht als Terroristen bezeichnen.
    • BigE 23.10.2017 16:59
      Highlight Highlight Welches Ziel wollte er denn erreichen, wenn Sie ihn als Terrorist bezeichnen?
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