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christoph mörgeli bei anne will

Die «fremdenfeindliche Schweiz» hat in Deutschland nun ein Gesicht

Nach Roger Köppel durfte auch SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli das Abstimmungsresultat im deutschen Fernsehen erklären. Nicht alle Schweizer fühlen sich würdig vertreten.



In der deutschen Talkshow «Anne Will» zum Thema «Die Schweiz macht die Schotten dicht» verteidigte Christoph Mörgeli vergangene Nacht das Ja des Schweizer Stimmvolks zur Masseneinwanderungsinitiative (in der ARD-Mediathek ansehen). Während die Art, wie die Talkshow aufgezogen ist, nicht über alle Zweifel erhaben ist, steht eines fest: Der SVP-Stratege machte nicht die beste Werbung für eine weltoffene Schweiz.

Es geht nicht lange, bis Mörgeli einen Talk-Gast beleidigt: Luxemburgs Aussenminister Jean Asselborn.

«Sie sind ein Funktionär, Sie sind etwas abgehoben und hören nicht gerne Widerspruch.»

Christoph Mörgeli

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Jean Asselborn. Screenshot: ARD

Dabei nimmt er es aber nicht so genau. Moderatorin Will muss Mörgeli darauf hinweisen: «Herr Asselborn ist Minister, kein Funktionär.»

Auch das Gemüt des Luxemburger Ministers erhitzt sich nun, zwischen den beiden entbrennt ein Schlagabtausch. Asselborn fordert Mörgeli dazu auf, sein Land doch konsequenterweise gänzlich abzuschotten:

«Bauen Sie einen Zaun um die Schweiz und leben Sie in Ruhe!»

Jean Asselborn, Aussenminister von Luxemburg

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Moderatorin Anne Will. Screenshot: ARD

Dann erklärt Mörgeli den Deutschen die direkte Demokratie:

«Ein Schweizer kann in einem Jahr öfter abstimmen als ein Deutscher in seinem Leben.»

Christoph Mörgeli

Später greift Mörgeli in die Vergleichskiste, um vor den Gefahren des freien Personenverkehrs zu warnen:

«Wenn wir die Masseneinwanderung zulassen, löst sich die Schweiz auf wie ein Stück Zucker im Tee.»

Christoph Mörgeli

Dieses Argument kommt bei der Politologin Gesine Schwan gar nicht gut an, die sich an nationalistische Sprüche früherer Zeiten erinnert:

«Denken Sie überhaupt mit, wenn Sie so etwas sagen?»

Gesine Schwan, Politologin

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Gesine Schwan. Screenshot: ARD

Dass die SVP ausländerfeindlich sei, wie von der Moderatorin in den Raum gestellt wird, verneint Christoph Mörgeli:

«Wir gehen ja wohl ausserordentlich freundlich mit Ausländern um.»

Christoph Mörgeli

Auch das Computerspiel zur Ausschaffungsinitiative, bei dem man schwarze Schafe per Mausklick aus dem Land tritt, sieht der SVP-Nationalrat als völlig harmlos an. «Das ist ja wohl liebevoll», sagt er. Worauf sein Gegenüber antwortet:

«Sie sind ein liebevoller Aufwiegler!»

Jean Asselborn, Aussenminister von Luxemburg

Der zweite eingeladene Schweizer, NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann, versucht wiederholt, das Bild des Schweizers in Deutschland zu relativieren:

«Es gibt auch eine andere Schweiz, die nicht von Herrn Mörgeli repräsentiert wird.»

Markus Spillmann

Das sagen die deutschen Medien zur Sendung

Die «Welt» schreibt: «Für seine Kritik an der EU-Demokratie erntete ein Schweizer Politiker Applaus – bis er sich als Populist entlarvte.» Und die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» findet, Mörgeli habe wie ein helvetischer Winkelried die rhetorischen Speere auf sich gerichtet und sich gewehrt.

Schweizer distanzieren sich auf Twitter von Mörgeli

Auf Twitter wurde die Sendung rege diskutiert, in erster Linie von Schweizern. Nicht alle waren glücklich über den Auftritt von Christoph Mörgeli:

Viel Zuspruch erntete NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann:

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Markus Spillmann. Screenshot: ARD

Ein weiteres Thema: Mörgelis Dauergrinsen

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Christoph Mörgeli. Screenshot: ARD

Und noch etwas bewegte (vor allem die männliche) Twitteria: Die Beine von Frauke Petry, der Sprecherin der anti-europäischen Partei «Alternative für Deutschland»:

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Doch nicht nur Mörgeli bekam sein Fett weg. Auch andere Gäste und die Moderatorin wurden kritisiert:

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