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screenshot: 20min.ch/blick.ch

Ungewohnte Einigkeit

Soll die Schweiz 100'000 syrische Flüchtlinge aufnehmen? – Grüne und SVP wollen mehr Syrer

Wenn es um Asylpolitik geht, finden sich nur schwer Gemeinsamkeiten bei der SVP und den Grünen. Die Nationalräte Brand und Glättli überraschen nun mit ähnlichen Forderungen: Die Schweiz soll mehr Syrer aufnehmen können.



Das gibt es nicht alle Tage. Just in der Migrationspolitik sind sich der grüne Nationalrat Balthasar Glättli und der Bündner SVP-Nationalrat Heinz Brand einig: Die Schweiz soll mehr syrische Flüchtlinge aufnehmen. Dies berichten Blick.ch sowie 20min.ch am Dienstagmorgen.

«Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es weltweit nie so viele Menschen wie heute, die gewaltsam in die Flucht getrieben wurden», sagt der grüne Fraktionschef Balthasar Glättli gegenüber Blick.ch. Er fordert deshalb zusammen mit Flüchtlingsorganisationen in einem offenen Brief an die beiden Magistraten Didier Burkhalter und Simonetta Sommaruga, die Schweiz solle 100'000 syrische Flüchtlinge aufnehmen.

Angesichts der Lage in Syrien sei es unverständlich, dass die EU und die Schweiz an der Politik der Abschottung festhielten. Eine unbürokratische Aufnahme einer grossen Zahl von syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen wäre zwar eine Herausforderung. Allerdings wäre diese im Vergleich zu jener in Syrien und dessen Nachbarländern ein Klacks. 

Die Forderung sei nicht unrealistisch, betonte Ruedi Tobler, der Präsident des Schweizerischen Friedensrates. Die Schweiz sei eines der reichsten Länder der Welt. Die heutige Abwehrhaltung gegenüber Flüchtlingen sei nicht naturgegeben, sondern das Resultat einer «Gehirnwäsche». 

Vorschlag von SVP-Seite 

Es sei aber auch denkbar, über den Status S zu reden, welcher die vorübergehende Aufnahme von Schutzbedürftigen erlaubt, sagte Glättli. Diesen Status hatte SVP-Nationalrat Heinz Brand (GR) vor einigen Tagen ins Spiel gebracht.

Soll die Schweiz 100'000 syrische Flüchtlinge aufnehmen?

Wie der «Tages-Anzeiger» bereits am Montag berichtete, wurde die Schutzbedürftigen-Klausel im Asylgesetz bisher noch nicht angewendet. Gemäss diesem Gesetzesartikel kann die Schweiz Menschen aus Krisengebieten vorübergehend Schutz gewähren. Kommt diese Klausel zur Anwendung, kann die Schweiz allfällige Reisen der Flüchtlinge in die Schweiz organisieren und auf langwierige Asylverfahren verzichten. Die Syrer müssten jedoch die Schweiz wieder verlassen, wenn sich die Krisensituation beruhigt. 

In vielen Fällen sei dieser Status besser als jener der vorläufigen Aufnahme, da er den Familiennachzug ermögliche, stellte Glättli fest. Während es Brand um jene Flüchtlinge gehe, die mit Hilfe von Schleppern in die Schweiz gelangt seien, stehe für ihn aber die Aufnahme zusätzlicher Flüchtlinge im Vordergrund. 

Unterstützung findet die Forderung von Brand auch bei den Sozialdemokraten. «So kann man die Flüchtlinge davon abhalten, in maroden Frachtern das Mittelmeer zu überqueren und ihr Leben zu riskieren», sagte SP-Fraktionschef Andy Tschümperlin gegenüber dem Tages-Anzeiger. (sda/pma)

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    Alle Leser-Kommentare
  • teab 06.01.2015 14:06
    Highlight Highlight Die Schweiz dürfte sich schon grosszüger zeigen und mehr Flüchtlinge aufnehmen. Die grösse der Anzahl wird aber entscheidend sein ob das Volk mitmacht oder nicht. Aus der Reaktion aus den Medien sehen wir ja immer wie dieses Thema dargestellt wird. - Leider werden die Gründe für die Aufnahme nicht berücksichtigt - viele Personen sehen wohl nur ihre Situation gefährdet und schüren Fremdenfeidlichkeit.
  • zombie1969 06.01.2015 13:46
    Highlight Highlight Aufgrund des anhaltenden Zuzuges von vielen Flüchtlingen in die CH sollten nun auch die Grünen/SP-Wähler solidarisch ihre Häuser und Wohnunen öffnen und Flüchtlinge aufnehmen und versorgen. Jetzt sind Taten notwendig, mit leeren Sprechblasen und guten Absichten ist es nicht mehr getan. Damit könnte auch das sich hartnäkig haltende Vorurteil "Flüchtlinge ja, aber nicht vor meiner Haustüre" endlich beseitigt werden. Geheuchelt wurde genug!
    • TJ Müller 12.01.2015 13:21
      Highlight Highlight Solche Witzbolde (JJ16 und zombie1969) hier. Nur Polimik aber kein Interesse an der Sache. Viele Menschen wollen, entgegen Ihrer Unterstellung, Flüchlinge privat unerbringen. Doch die Behörden lassen dies zur Zeit nicht zu, zB wegen mangelnder Betreuung. Aber Hauptsache anderen Menschen Heuchlerei vorwerfen...
      Dasselbe gilt überigens auch bei der Arbeit für Asylsuchende. Dies ist in der Schweiz illegal, da könnt Ihr noch so lange die Linken und Netten auffordern, der (bürgerliche) Staat verhindert es...
  • JJ17 06.01.2015 13:26
    Highlight Highlight Sollen die beiden doch bei Ihnen zu Hause erst einmal einige aufnehmen, dann schauen wir weiter...
    • TJ Müller 12.01.2015 13:21
      Highlight Highlight Solche Witzbolde (JJ16 und zombie1969) hier. Nur Polimik aber kein Interesse an der Sache. Viele Menschen wollen, entgegen Ihrer Unterstellung, Flüchlinge privat unerbringen. Doch die Behörden lassen dies zur Zeit nicht zu, zB wegen mangelnder Betreuung. Aber Hauptsache anderen Menschen Heuchlerei vorwerfen...
      Dasselbe gilt überigens auch bei der Arbeit für Asylsuchende. Dies ist in der Schweiz illegal, da könnt Ihr noch so lange die Linken und Netten auffordern, der (bürgerliche) Staat verhindert es...
  • Jörg Mäder 06.01.2015 12:51
    Highlight Highlight Sind 100'000 nicht eher zu viel? UNHCR "Die kriegerischen Auseinandersetzungen nach dem Zerfall Jugoslawiens treiben viele Menschen in die Flucht. Im Laufe des Krieges in Bosnien-Herzegowina (1992-1995) sowie des Kosovo-Konfliktes gewährt die Schweiz fast 30'000 bzw. 53'000 Flüchtlingen Schutz."
    http://www.unhcr.ch/unhcr/in-der-schweiz/fluechtlingsland-schweiz.html
  • Androider 06.01.2015 12:23
    Highlight Highlight Und wo sollen die 100'000 Flüchtlinge untergebracht werden? Unsere Asylantenheime sind zum Bersten voll & es werden praktisch keine Einrichtungen gefunden. Es bringt ja den Flüchtlingen kaum was, wenn sie hier auf der Strasse leben müssen...

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