Syrien
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Smoke rises after what activists said were barrel bombs dropped by forces loyal to Syria's President Bashar al-Assad in the northern town of Atareb, in Aleppo province May 14, 2014. Picture taken May 14, 2014. REUTERS/Abdalghne Karoof (SYRIA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST CONFLICT)

Rauchsäule nach dem Einschlag eines Geschosses, bei dem es sich laut Oppositionskräften um eine Fassbombe handelt.  Bild: Reuters

Schweiz gefordert

Pro Minute flieht in Syrien eine Familie

Deutschland und Österreich nehmen mehr Flüchtlinge auf. Bern zögert. 

Ein Artikel der Aargauer Zeitung

Stefan Schmid / Aargauer Zeitung

Die Situation in Syrien ist katastrophal. «Assads Schergen fliegen mit Helikoptern über die Stadt und werfen gezielt Fassbomben auf bewohnte Quartiere ab», sagt Alexander Bühler in der ARD-Talksendung «Beckmann». Diese Bombe besteht aus einem mit Sprengmitteln und Metallteilen gefüllten Fass. 

Die Wirkung ist fatal. Ganze Häuserzeilen stürzen ein, die Menschen sind den Splittern schutzlos ausgeliefert. «Die Helikopter flogen genau so hoch, dass sie von den Rebellen nicht getroffen werden können», berichtet der Journalist und Filmemacher, der seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor drei Jahren mehrfach nach Aleppo gereist ist.

Das Säbelrasseln in der Ukraine hat den Bürgerkrieg im Nahen Osten etwas aus den Schlagzeilen gedrängt. Dabei nimmt die humanitäre Tragödie immer dramatischere Züge an. Laut dem UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) sind mittlerweile neun Millionen Menschen auf der Flucht.

Rund die Hälfte davon sind Kinder. Pro Minute flieht eine Familie. Oft leben sie in improvisierten Zeltlagern ohne ausreichende Wasser- und Medikamentenversorgung. Zu Hunderttausenden hat die UNO gar keinen Zugang. Assads Schergen versperren den Hilfswerken den Weg. 2,5 Millionen sind in ein Nachbarland geflüchtet.

In der Türkei, im Libanon oder in Jordanien sind sie wenigstens vor Fassbomben geschützt. «Die Bereitschaft, den Syrern zu helfen, ist riesig», sagt Bühler. Er habe mausarme jordanische Familien gesehen, die den eigenen Geissenstall geräumt haben, um einer syrischen Familie Obdach zu gewähren. «Doch lange geht es nicht mehr gut», sagt Bühler. 

Die armen Anrainerstaaten Syriens seien mit der Situation finanziell und gesellschaftlich zunehmend überfordert – ein Befund, den auch die UNO teilt. Sie hat die Weltgemeinschaft daher aufgerufen, viel mehr syrischen Flüchtlingen Asyl zu gewähren und die Hilfe vor Ort auszubauen.

10'000 Kontingentsflüchtlinge

Der Appell wurde teilweise erhört. Deutschland etwa will weitere 10'000 Kontingentsflüchtlinge im Rahmen der humanitären Hilfe aufnehmen. Das sind Flüchtlinge, die nicht zuerst ein Asylgesuch stellen müssen, sondern direkt und vor Ort «ausgewählt» werden – hauptsächlich Familien mit Kindern.

Entwicklungsminister Gerd Müller fordert zudem ein grösseres Engagement der EU. Auch Österreich stockt sein Kontingent von 500 auf 1500 auf. Die Schweiz hat sich im vergangenen September verpflichtet, innert dreier Jahre 500 Kontingentsflüchtlinge aufzunehmen. Die Zuteilung erfolgt durch die UNO. Bisher sind laut Bundesamt für Migration erst 54 Personen hier eingetroffen. Eine Aufstockung ist vorerst – zum Ärger der Hilfswerke – nicht geplant.

Damaged houses hit by what activists said were barrel bombs dropped by forces loyal to Syria's President Bashar al-Assad, are seen in the Handarat district of Aleppo May 8, 2014. The majority of this area's inhabitants were Palestinian refugees who fled the shelling to Turkey. Picture taken May 8, 2014.     REUTERS/Abdalrhman Ismail (SYRIA - Tags: CIVIL UNREST CONFLICT)

Fassbomben können ganze Häuserzeilen verwüsten. Bild: Reuters

2'177 Syrer leben als vorläufig Aufgenommene in der Schweiz, 851 sind anerkannte Flüchtlinge. Im April haben 411 Syrer um Asyl ersucht. Das ist eine Zunahme von elf Prozent gegenüber dem Vormonat. Insgesamt hat die Schweiz seit Ausbruch des Krieges gemäss dem Departement für auswärtige Angelegenheiten 85 Millionen Franken in die Syrien-Hilfe investiert.

Damit werden etwa Gastfamilien in Jordanien und im Libanon unterstützt, die syrische Flüchtlinge aufnehmen. Die Schweizer Hilfswerke fordern den Bund auf, dringend weitere 70 Millionen für die Hilfe vor Ort bereitzustellen.



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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 16.05.2014 11:13
    Highlight Highlight An der Quadratur des Kreises konnte der Sondergesandte Brahimi in Syrien nur scheitern. Die Waffenorgien, getrieben von irren Religionsfanatikern, kann man nur mit einem absoluten Waffenembargo beenden. Das wird es aber nie geben. Also wird gewürfelt, welcher Kriegspartei das Siegesglück zukommen wird. Das Land und die Menschen werden verlieren und die Hintermänner reiben sich die Hände. Das ist die Fratze eines fehlgesteuerten Gesellschaftssystems.

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