Tatort
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ARD/rbb TATORT: ÃTZEND, am Sonntag (15.11.15) um 20:15 Uhr im ERSTEN.Robert Karow (Mark Waschke) auf dem Balkon seiner Wohnung© rbb/Volker Roloff, honorarfrei - Verwendung gemÀà der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter rbb-Sendung bei Nennung

Blick auf Berlin: Karow (Mark Waschke) schaut auf die Stadt des Verbrechens.
bild: RBB/ Volker Roloff 

Berlin-«Tatort»: Säuremord, faulige Leichen und das Schicksal einer iranischen Flüchtlingsfamilie

Die Leichen müffeln vor sich hin, die Handlung stinkt zum Himmel: Der Berlin-«Tatort» um einen Säuremord gibt sich hart und modern – und ist leider doch nicht mehr als deutscher Fernsehstandard.

Christian Buss



Ein Artikel von

Spiegel Online

Cops und ihre Autos: Für Film- und Fernsehermittler sind ihre Dienstwagen ja meist mehr als Fahrzeuge; sie fungieren als Rückzugsraum und Wartezimmer, manchmal auch als Küche und Schlafzimmer. Im neuen Berliner «Tatort» gibt es eine Schnittsequenz, die das sehr schön auf den Punkt bringt: Wir sehen Kommissar Karow (Mark Waschke), wie er die ganze Nacht aus der Karre heraus Gangster observiert, die in einen Fall involviert sind, der sehr persönlich für ihn ist. Und wir sehen gegengeschnitten, wie sich die Kollegin Rubin (Meret Becker) hinter beschlagenen Wagenfenstern auf dem Rücksitz beim Sex mit ihrem Ex versöhnt. Mein Auto, mein Zuhause.

Diese kleine, schnelle, nachtdunkle Schnittfolge knüpft im Stil an die erste Folge des runderneuerten Berliner «Tatort» an, den die Macher betont als modernstes Fernsehrevier des Landes angelegt haben, das heisst: mit der höchsten Schnittzahl im «Tatort» überhaupt und mit den grausamsten Leichenfunden, die man sich vorstellen kann.

ARD/rbb TATORT: ÃTZEND, am Sonntag (15.11.15) um 20:15 Uhr im ERSTEN.Die Kriminalhauptkommissare Nina Rubin (Meret Becker, 2. v. li.) und Robert Karow (Mark Waschke,  3. v. li) bei der Spurensicherung© rbb/Volker Roloff, honorarfrei - Verwendung gemÀà der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter rbb-Sendung bei Nennung

Leichenfund auf der Baustelle: Die Ermittler finden Grausames.
bild: rbb/ volker roloff 

Auch die Handlung aus der Anfangsepisode wird weitergesponnen: Karow versucht immer noch, die Mörder seines Kollegen zu stellen, und verstrickt sich dabei immer tiefer in die Machenschaften der libanesischen Mafia, Rubin legt ein weiteres Mal ein erratisches Lust- und Liebesverhalten an den Tag. Umfassender noch als der «Polizeiruf» aus Rostock oder der Dortmunder «Tatort» wird hier versucht, das horizontale Erzählprinzip gefeierter US-Serien einzuhalten. Cliffhanger inklusive.

Hardboiled-Hülle, watteweicher Inhalt

Und doch: Der zweite Rubin/Karow-«Tatort» ist nicht mehr als deutscher Fernsehstandard. Hardboiled-Hülle, watteweicher Inhalt. In «Ätzend» (Regie: Dror Zahavi, Buch: Stephan Wagner und Mark Monheim) wird ein Säuremord mit dem Schicksal einer iranischer Flüchtlingsfamilie verknüpft, die in Berlin unter falscher Identität lebt. Hier wird sich an den Bildern von nässenden und modernden menschlichen Überresten geweidet, während der Zuschauer mit der ziemlich abstrusen biografischen Tricksergeschichte der Flüchtlinge konfrontiert wird.

ARD/rbb TATORT: ÃTZEND, am Sonntag (15.11.15) um 20:15 Uhr im ERSTEN.Arash (Tan Julius Ipekkaya, re.) macht sich Sorgen um seine schwangere Mutter Layla Merizardi (Elmira Rafizade), bei der die Wehen eingesetzt haben.© rbb/Volker Roloff, honorarfrei - Verwendung gemÀà der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter rbb-Sendung bei Nennung

Auf der Flucht: der Iraner Arash (Tan Julius Ipekkaya) mit seiner schwangeren Mutter Layla Merizardi (Elmira Rafizade).
bild: RBB/ Volker Roloff 

Doch das Schicksal der Familie – die Frau ist hochschwanger, muss sich unter Wehen durch die U-Bahn-Schächte schlagen – berührt sonderbarerweise nicht. Und der faulige Atem der Hauptstadt, der hier durch den Bildschirm dringt, ist dann irgendwann doch nur abstossend. Das Melodram verpufft ebenso wie der Schockeffekt.

In einer Szene erklärt die angesichts der halbverwesten Leiche auf ihrem Obduktionstisch überforderte Gerichtsmedizinerin:

«Das war mal ein Mensch. Mehr kann ich dazu nicht sagen.»

Kurz darauf zieht Kommissar Karow einen Herzschrittmacher aus diesem undefinierbaren Haufen Schleim, der eben mal ein Mensch gewesen ist. Der Plot wird durch solche eigenwilligen forensischen Appetithäppchen leider nicht stimmig vorangetrieben.

ARD/rbb TATORT: ÃTZEND, am Sonntag (15.11.15) um 20:15 Uhr im ERSTEN.Robert Karow (Mark Waschke, li.) entdeckt bei der noch nicht identifizierten Leiche im Beisein von Nina Rubin (Meret Becker, re.) und Pathologin Nasrin Reza (Maryam Zaree) einen Herzschrittmacher.© rbb/Volker Roloff, honorarfrei - Verwendung gemÀà der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter rbb-Sendung bei Nennung

Da helfen nicht mal Taschentücher vor dem Mund: Karow mit der Kollegin Rubin (Meret Becker) in der Gerichtsmedizin.
bild: RBB/ Volker Roloff 

Wer kann es Karow da verdenken, dass er irgendwann auf dem Balkon seines Plattenbaus in die Morgenröte starrt. Endlich raus aus dem stickigen Auto, endlich raus aus der stinkenden Handlung.

Tatort – Ätzend

Spiegelbewertung: 5 von 10 
Wann: Sonntag, 20.05 Uhr, SRF1

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    Alle Leser-Kommentare
  • Pano 15.11.2015 22:29
    Highlight Highlight Auch wenn es einer der besseren Tatorte war, sie können's einfach nicht (-lassen); jede Episode wird bis zum geht-nicht-mehr mit völlig irrelevanten Nebenstories vollbepackt. Zerfahren, langwierig, schwer zu folgen; weniger wäre mehr!
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