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Tristan Brenn, neuer Chefredaktor des Fernsehens SRF. Bild: SRF

Fernseh-Chefredaktor Tristan Brenn

Eine Bündner Strahlenziege

Heute ist Tristan Brenn zum Chefredaktor des Fernsehens SRF gewählt worden. Wer ist der neue Mann an der Spitze des Fernsehens?

Vor 21 Jahren hat Tristan Brenn beim Schweizer Fernsehen als Volontär angefangen. Nun ist er Chefredaktor von Fernsehen SRF, steht 427 Angestellten vor und ist verantwortlich für die publizistisch relevantesten Sendungen wie die «Tagesschau», «10vor10», «Rundschau», «Arena» oder «Eco». 

Leute, die Brenn kennen, erstaunt seine Ernennung nicht. «Angenehm im Umgang», «beharrlich zielorientiert» und «unaufgeregt» sind die Attribute, die ehemalige Kolleginnen und Kollegen ihm am häufigsten zuschreiben. Den Ruf des stillen Schaffers hat sich der 49-jährige Churer in den Jahren seines beruflichen Aufstiegs - vom «Tagesschau»-Volontär zum «Arena»-Redaktor, «Rundschau»-Leiter, Nachrichtenchef und stellvertretenden Chefredaktor - hart erarbeitet. 

Kein Infotainment

Brenn, der beim «Bündner Tagblatt» angefangen und das klassische journalistische Handwerk von der Pike auf gelernt hat, war immer mehr Journalist als Künstler, von denen es beim Fernsehen etwa gleich viele gibt. Ehemalige Kollegen beschreiben ihn als akribischen Rechercheur, der nie mit den ganz grossen Scoops geglänzt, aber konstant mit solider Arbeit auf sich aufmerksam gemacht habe. 

«Der Typ ‹charismatischer Führer› ist er eher nicht.»

Heiner Hug, ehemaliger Leiter der «Tagesschau»

Seine Vorgesetzten belohnten ihn mit Beförderungen, die Brenn stets mit Leistung rechtfertigte. «Seine Autorität und seine Karriere gründen auf seiner journalistischen Kompetenz, der Typ ‹charismatischer Führer› ist er eher nicht», sagt der ehemalige «Tagesschau»-Chef Heiner Hug. Brenn nehme seinen Beruf als Nachrichtenjournalist ernst. Gegen zeitgeistbedingte Abstriche an Relevanz in Wirtschafts-, Inlands- und Auslandsberichterstattung habe sich Brenn stets gewehrt, auch wenn es ihm zum Nachteil gereichen konnte, sagt Hug. 1997 probte Brenn zusammen mit Kollegen bei der «Tagesschau» den Aufstand gegen eine Neukonzeption in Richtung Infotainment. Kurz darauf wechselte er zur «Arena». 

Von Genossenschaft Iglu ausgesperrt

Es war vielleicht der einzige Bruch im ansonsten perfekten Lebenslauf des Tristan Brenn: Matura, Germanistikstudium, Politisierung knapp links der Mitte, Lizenziat über Handke, Heirat, drei Kinder, regelmässige Beförderungen und kürzlich Kauf einer Eigentumswohnung an bester Lage beim Zürcher Bahnhof Wipkingen. Nur deren Bau war von leisen Misstönen begleitet, als die Bewohner der linken Wohngenossenschaft Iglu um den «Tagi»-Starjournalisten Constantin Seibt einen Zaun zwischen ihr Grundstück und die neue Upper-Class-Überbauung ziehen liessen, in der Brenn wohnt. Die Genossenschafter wollten verhindern, dass die «arriviert-bourgeoisen Wohneigentums-Bonzen» (Zitat eines unbeteiligten Nachbarn) über Iglu-Boden in die Badi am unteren Letten gelangen können. 

«Er kann auch mal knallhart sein und auf die Hinterbeine stehen.»

Ein Ex-Chef von Brenn

Ausser den Iglu-Leuten hat sich Brenn auf seinem Lebensweg nur wenige Feinde geschaffen. Zwar habe er nie einen Hehl aus seinen beruflichen Ambitionen gemacht, verbissen sei Brenn aber nie gewesen, sagen ehemalige Kollegen. Aus den berüchtigten Office-Wars am Leutschenbach habe er sich stets herausgehalten. Wenn es um die Sache gehe, könne er aber «auch mal knallhart sein und auf die Hinterbeine stehen», sagt einer, der ihn einmal eingestellt hat. 

«Staatsmedienmoloch» will er nicht hören

Diese Eigenschaft zeigte sich gegen aussen nie. Bis vergangenen September. Da verteidigte Brenn in einem doppelseitigen «Weltwoche»-Artikel seine Arbeitgeberin und die Arbeit seiner Mannschaft gegen die andauernde, teils polemische Stimmungsmache der gedruckten Presse über den Leutschenbach als «Gebührenmonster», «Schrottsender» und «Staatsmedienmoloch». In einem publizistischen Furor und akribischer Kleinarbeit widerlegte Brenn die Vorwürfe und Frechheiten jeder noch so kleinen Lokalzeitung über Gebührengelderverschwendung, Fehlprogrammierung und Zuschauerschwund. Sie mussten ihn ehrlich geärgert haben. 

Damit demonstrierte Brenn nicht nur Loyalität zu seiner Arbeitgeberin, sondern in erster Linie seine grosse Wertschätzung für die Arbeit seiner Leute, deren Leistungen er auch in Einzelfällen von berechtigter oder unberechtigter Kritik - journalistisch argumentierend - stets in Schutz nahm. 

Müsste man für den Journalisten und Chef Tristan Brenn eine Allegorie finden, es wäre die Bündner Strahlenziege: Ruhig im Gemüt, treu, trittsicher in schwierigem Gelände und - eine rare Spezies. 

 



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