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«...soooo, meine Damen und Herren»: Warum es gut ist, dass «TV Total» am Ende ist

...das wars. Gestern Abend gab's es die letzte Ausgabe von «TV Total». Am Samstag verabschiedet sich Stefan Raab mit «Schlag den Raab» endgültig vom Bildschirm. Mit ihm tritt einer der innovativsten und umstrittensten TV-Entertainer der letzten 20 Jahre ab. Jetzt ist die Luft draussen.

Philipp Bürkler



Das muss ihm erst mal einer nachmachen. In seiner mehr als 20-jährigen TV-Karriere hat sich Stefan Raab zweimal das Nasenbein gebrochen – einmal hinter, einmal vor der Kamera. 1997 schlägt ihm der deutsche Rapper Moses Pelham hinter den Kulissen der Echoverleihung ins Gesicht. Pelham war verärgert, weil Raab ihn einige Tage zuvor öffentlich als «Möschen» beleidigt hatte.

2001 wurde Raabs Nase nochmals zertrümmert. Die Boxweltmeisterin Regina Halmich versetzte ihm einen Schlag. Mehr als sieben Millionen Zuschauer waren dabei, als Raab im Ring gegen Halmich boxte. Der 1,81 Meter grosse Showmaster hatte keine Chance gegen die 21 Zentimeter kleinere Halmich. 2009 nahm er das Risiko nochmal auf sich und forderte Halmich zu einer Revanche heraus. Erneut blieb der gelernte Metzger chancenlos gegen die hübsche deutsche Profiboxerin. Immerhin blieb beim zweiten Versuch Raabs Nase verschont.

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Raab gegen Halmich: Blutige Nase geholt.
YouTube/MySpassde

Der Fernseh-Rebell

Provokation und Risiko hat Raab noch nie gescheut. Bereits Mitte der 90er Jahre provoziert er in seiner Sendung Vivasion beim Musiksender Viva mit chaotischen und anarchischen Moderationen. Seinen Gästen – die er auf Kinderstühle und Furzkissen setzt – fällt er permanent ins Wort und macht sich über sie lustig. Chaos pur.

(GERMANY OUT) Der Moderator und Sänger Stefan Raab mit Ukulele, auf zwei Fußbällen sitzend, im Fußballstadion. Aufgenommen um 1994. (Photo by Garnitz/ullstein bild via Getty Images)

Raab 1994.
Bild: ullstein bild

Legendär ist die Folge mit dem österreichischen Sänger Falco als Gast. Dieser singt live seinen Hit «Kommissar», während Raab ihn an der Gitarre begleitet. Kurz darauf bricht Falco ab und sagt, «Du spielst jetzt aber ein Lied von Reinhard Fendrich, einem anderen Österreicher, und nicht von mir». Raab antwortet selbstsicher: «Egal».

Eigentlich ein unmöglicher Moderator, dieser Raab. Jeder andere Sender hätte ihn bereits beim Casting nach Hause geschickt.

Durchbruch mit TV total

ProSieben erkannte Raabs Potenzial. Ab März 1999 wurde Raab Hofnarr beim deutschen Privatsender. Er durfte spät abends eine eigene Sendung moderieren. Zuerst einmal, ab 2001 viermal die Woche.

TV Total. Ein simples aber erfolgreiches Sende-Konzept, das sich 16 Jahre bewähren sollte: Trash, unmögliche Interviews, eigenes Orchester, selbstverliebter Moderator und ein Pult mit roten Knöpfen. Diese drückte Raab, um damit Videoschnipsel von anderen Fernsehstationen einzuspielen. Pannen, Versprecher oder missratene Interviews. Hauptsache Schadenfreude.

Ihm selber passieren ja keine Pannen, nein, und falls doch, sind sie Teil der Show. Überhaupt machte Raab bei «TV Total» so ziemlich alles, was andere Sender möglichst zu verhindern versuchen. Er spricht mit der Regie, fragt bei Unsicherheit die Aufnahmeleiterin, gibt Kameraanweisungen und schiebt nach jedem zweiten Wort noch ein «ähh» hinterher. Der Berufs-Kasper liess uns stets im Glauben, er sei unvorbereitet und nicht bei der Sache. War er wahrscheinlich auch nicht.

Tatsächlich aber überliess der Talkmaster wohl kaum etwas dem Zufall. Schon gar nicht sich selbst, sagt der Berliner Medienexperte Lutz Frühbrodt. «Er war einer der ersten im deutschsprachigen Raum, bei dessen Show weniger die Gäste als vielmehr er selbst der strahlende Star war.» Ausserdem habe es Raab wie keiner vor ihm verstanden, die Gäste und ihre Produkte richtig zu platzieren, sagt Raab-Kenner Frühbrodt. Raab war also auch einer der ersten, die Product-Placement ins Unterhaltungsfernsehen brachten.

1997 sieht man Raab noch mit Zigarette.
Bild: ullstein bild

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 Falco bei Vivasion. YouTube/xo7batista

Raab der Innovator

Raab ist nicht nur ein eloquenter und selten um eine Antwort verlegener Komiker, Entertainer und Musiker, sondern vor allem auch Geschäftsmann. Ein sehr geschickter und innovativer. «Raab ist äusserst geschickt darin, sich selbst zu vermarkten», erklärt Frühbrodt.

Neben der Vermarktung seiner eigenen Person hat die Spasskanone nebenbei auch gleich die gesamte Fernseh-Unterhaltung revolutioniert. Zur Jahrtausendwende sperrten Fernsehsender gerne Kandidaten in Container und liessen sie mit Kameras überwachen. Für Raab war es der ideale Zeitpunkt, um dem «Big Brother»-Überdruss jener Zeit mit neuen, schrägen und innovativen Formaten ein Gegenpol zu setzen.

epa04805537 (FILE) A file picture dated 08 March 2010 shows German TV presenter and entertainer Stefan Raab racing down a hill during the qualifying for the Wok Championships in Oberhof, Germany. According to media reports on 17 June 2015, Raab will end his TV career by the end of 2015.  EPA/MARTIN SCHUTT

Raab auf dem Wok.
Bild: EPA/DPA FILE

«Das Konzept von ‹TV Total› hatte sich eindeutig totgelaufen.»

Lutz Frühbrodt, Medienexperte

Mit seiner 1998 gegründeten Firma Raab TV erfand der Kölner Sprücheklopfer neue Formate am Fliessband. In der WOK-WM liess er Prominente in einer Wok-Pfanne eisige Bobbahnen hinuntersausen und mit dem Turmspringen begeisterte er Millionen Zuschauer für den Wassersport. Es gibt kaum eine Sportart, die Raab nicht fürs Fernsehen adaptiert oder neu erfunden hatte. Raab etablierte sogar Stockcar-Rennen, Autoball-Meisterschaften, lange Poker-Nächte oder Boxkämpfe im Samstagabend-TV.

Stockcar, Poker und Boxen? Eigentlich ganz banale Sportarten, die vor ihm einfach noch niemand so unterhaltsam ins Fernsehen geholt hat. In der Banalität lägen die Qualitäten Raabs, sagt Frühbrodt. «Man muss dies neidlos anerkennen, selbst wenn man kein Fan des Profitfernsehens ist: Er hat es geschafft, auch das Mittelmässige und Bedeutungslose für viele in spannende Unterhaltung umzusetzen.»

Letzte Klappe für Raab

Stefan Raab, Stockholm,

Im Jahr 2000 vertrat Stefan Raab Deutschland beim Eurovision Song Contest in Stockholm.
Bild: Peter Bischoff

Und jetzt? Nach 2243 Folgen «TV Total» ist Schluss. Das sei auch gut so, findet Lutz Frühbrodt. «Das Konzept von ‹TV Total› hatte sich eindeutig totgelaufen.» Tatsächlich war Raab die Lustlosigkeit in den vergangenen Monaten anzusehen. Schnoddrig und eher desinteressiert begrüsste er seine Gäste in letzter Zeit. Auch inhaltlich starke Momente wurden rar. Tatsächlich soll der TV-Gigant in den letzten Monaten seine Gags nur noch von den Karteikarten abgelesen und die Sendung gar nicht mehr geprobt haben.

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Raab vs. Dieter Bohlen.
YouTube/MySpassde

Die Luft ist draussen. Sein Abgang sei deshalb ein richtiger Entscheid, sagt Frühbrodt. Anders als Thomas Gottschalk, Günther Jauch oder Harald Schmitt, habe Raab den richtigen Zeitpunkt gewählt, um aufzuhören. «Ich finde es honorig, dass Raab aufhört und nicht wie andere Stars und solche, die sich dafür halten, so lange weitermachen, bis sie keiner mehr ertragen kann und ihnen der Sender dann den Gnadenstoss geben muss.»

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Mit «Maschendrahtzaun» landete Raab auch in den Charts.
YouTube/MySpassde

Auf seiner braunen Ledercouch nahmen in den vergangenen 16 Jahren Stars wie Justin Timberlake, Kylie Minogue, Lenny Kravitz, Shakira, Eminem, 50Cent oder – gefühlte hundert Mal – Helge Schneider Platz. In der letzten Ausgabe soll allerdings kein Weltstar auf der Couch sitzen, sondern Elton, Raabs langjähriger «Praktikant».

«Ich finde es honorig, dass Raab aufhört und nicht wie andere Stars und solche, die sich dafür halten, so lange weitermachen, bis sie keiner mehr ertragen kann und ihnen der Sender dann den Gnadenstoss geben muss.»

Lutz Frühbrodt, deutscher Medienexperte

Endgültiges Lichterlöschen ist am Samstag. Dann verabschiedet sich der 49-jährige Powertalker mit «Schlag den Raab» vom TV-Business. Noch einmal will er allen zeigen, wer der wahre Held des Fernsehens ist.

Raab im freien Fall.
Bild: Getty Images Europe

Frühbrodt ist sich aber sicher: Raab kommt irgendwann zurück auf den Bildschirm. «Ich halte sein Ego für so gross, dass wir sein Gesicht irgendwann wieder auf der Mattscheibe sehen werden - in welcher Form auch immer.»

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • blueberry muffin 17.12.2015 18:35
    Highlight Highlight Dieses Jahr ging in der USA der Comedy Gigant John Stewart ... und unser Äquivalent scheint Raab zu sein. Armes Deutschland.
  • SVARTGARD 16.12.2015 22:47
    Highlight Highlight Wurde Zeit,Danke.Irgendwann muss jeder gehen.Es wurde langweilig.
  • Sasch von Ti 16.12.2015 21:29
    Highlight Highlight Ich habe so viel gelacht, vom Rabigram bis Wade hade Du de da? Tv Total ist sicher ausgelutscht, aber Schlag den Raab hätte er noch machen können .
    • Manuel Geissmann 16.12.2015 23:24
      Highlight Highlight jan böhmermann!
  • Amboss 16.12.2015 20:15
    Highlight Highlight Es ist richtig, dass er jetzt aufhört. Leider hinterlässt er eine Lücke, die niemand füllt.

    Oder findet irgendwer diese Joko und Klaas lustig?
    • Amboss 16.12.2015 23:05
      Highlight Highlight Echt jetzt? Was ist an denen witzig? Habe es mir ein paar mal angeschaut und finde es einfach nur plump und nicht lustig
  • chilli37 16.12.2015 18:50
    Highlight Highlight Raab hat den richtigen Moment für den Rückzug mit TV Total wohl um ein paar Jahre verpasst.
    Dennoch ist es faszinierend, mit welch abstrusen Formaten (Wok-WM, WTF!?) er über Jahrzehnte (!) Millionen von Zuschauern vor den Fernseher holte.
    (Faszinierend übrigens auch, wie oft Falco im TV den Leuten seinen Kokainkonsum ("Hihi, Behindertentoilette) unter die Nase rieb).
  • Humbolt 16.12.2015 18:48
    Highlight Highlight Über Geschmack läst sich ja bekanntlich streiten. Aber Raab verstand es, wie kein Zweiter im deutschsprachigen Raum, aus Scheisse Gold zu machen! Das verdient Hochachtung.
  • mein Lieber 16.12.2015 17:52
    Highlight Highlight Kein Verlust, daher einen herzlichen Dank an Herrn Raab für den Rücktritt.
  • c_meier 16.12.2015 17:42
    Highlight Highlight gewisse Raab-Momente sind bereits legendär, wie Raab in Gefahr (beim Flugzeug-Kunstflug, Springreiten, im Zoo usw), bei McDonald (...ein Bigmac-Menu mit ner Cola) oder die Musik... :)

    Warum nicht 2x pro Jahr ein Schlag den Raab?
  • EMkaEL 16.12.2015 17:31
    Highlight Highlight das zieh ich mir rein...
  • UncleHuwi 16.12.2015 17:00
    Highlight Highlight Letzte Woche kam ein Best Of TV Total...habe mich halb tot gelacht😂😂😂 War eine tolle Sendung, aber irgenwann ist schluss.

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