DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Supporters of Conchita Wurst, representing Austria, celebrate after the second semifinal of the Eurovision Song Contest in the B&W Halls in Copenhagen, Denmark, Thursday, May 8, 2014.(AP Photo/Frank Augstein)

Bild: AP

Dinge beim Namen nennen

«Sorry, lieber Leser, ich bin bloss die arme Wurst von watson!»



Bei Tom Neuwirth ist der Gegensatz Programm, und das durchaus gewollt. Oder wie es die Kollegin Simone Meier formuliert hat: Mit der «Frau mit Bart» hält die Philosophie Einzug am ESC. Das manifestiert sich augenscheinlich nicht nur in der Gesichtsbehaarung, sondern auch in der Namenswahl.

Conchita Wurst. Klingt erst nach Kolumbien, trifft dann aber im Kern Kärnten. Österreichs ESC-Hoffnung hätte auch Hans Seniora heissen können. Dieser Künstlername bleibt hängen, lädt zum Hinterfragen ein, polarisiert. Er ist aber auch ein Fettnäpfchen. Für Journalisten.

«Wie, Journalisten? Die Unfehlbaren?»

Wie, Journalisten? Die Unfehlbaren? Beliebt wie sie sind? Ja, selbst diese Gattung ist am Ende nur menschlich, macht Fehler, mitunter gar viele. Hier auch. Mir wird das in jeder Konferenz mit unserem Chefredaktor bewusst, glauben Sie mir.

Manchmal sitzt also so eine arme Wurst wie ich vor dem Computer und muss gute Nachricht von der ESC-Front unters Volk bringen – Österreich und die Schweiz sind ins eurovisionäre Festland vorgedrungen, wobei ein transsexuelles Wesen die Speerspitze bildet.

Und was titelt der Wiener Kurier?

Bild

Immerhin ist der Kurier nicht allein: Spiegel empfahl: «Wählt die Wurst!». Screenshot: Kurier

Gut, dass bei diesem Künstlernamen Schindluder getrieben wird, war klar. Nur hat der Titel einfach kein Fleisch am Knochen – es geht aber auch trivialer, wie ein deutsche Vertreter unter Beweis stellt.

Bild

Aus der Bild: «Die Künstlerin mit Vollbart stand im Fokus des zweiten ESC-Halbfinales, kämpfte für Österreich um den Einzug in das Finale am Samstag. MIT ERFOLG!»

Österreicher, Deutsche – was für Barbaren! Und wozu in die Ferne schweifen, wenn auch der helvetische Berichterstatter frohe Kunde zu vermelden hat? Hier in der Schweiz singt für Sie das Niveau, wie jedermann weiss.

Bild

Ohne weitere Worte hier ein Blick auf den Tages-Anzeiger. Bild: watson/phi

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts! Hier singt nicht das Niveau, hier sinkt es. Tröstlich fast schon der «Blick», der trotzig titelt, wir wären Europa doch nicht Wurst und per Bildmontage den versöhnlichen Schulterschluss mit dem neu gekürten Final-Favoriten aus dem Nachbarland sucht.

Bild

«Super-Daddy Roger»...Moment, hier geht's doch um den ESC!  Bild: watson/phi

Beim Boulevard rechnet allerdings ja auch niemand mit einem Gedicht als Überschrift. Bei der NZZ schon. Manchmal haftet ihr der Geruch einer lebenserfahrenen Studienrätin an, die altväterliche Witze macht. 

Bild

Aber wer das behauptet, ist wohl nur neidisch. Und was weiss ich schon, ich bin doch bloss die arme Wurst von watson. Sie mögen mir Unzulänglichkeiten bitte nachsehen.

Nachtrag: Online setzt der Tagi noch einen drauf. Faszinierend, um es mit Spock zu sagen. Werden wir Samstagmorgen lesen müssen: «Heute geht es um die Wurst?» In irgendeiner deutschsprachigen Publikation bestimmt, vielleicht ja sogar hier.

Bild

Screenshot: Tages-Anzeiger.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Review

20 Frauen wollen nicht nur die Eine! So ist die erste lesbische Datingshow

«Princess Charming» ist die entspannte queere Variante der «Bachelorette». Willkommen in einem nicen Paradies unterm Regenbogen.

Sie ist Rechtsanwältin. Spielt Fussball. Redet, wie man eben so redet, und nicht, wie es ein holperiges Skript vorgibt. Sie gleicht Kristen Stewart an ihrem bestgelaunten Tag. Sie ist hübsch, natürlich, sozial gewandt. Eine Traumfrau. Ihr Makel ist höchstens, dass sie Paulo Coelho liest. Aber vielleicht liest sie den auch gar nicht, sondern hat das Buch bloss in der Bibliothek ihrer Villa gefunden. Sie heisst Irina Schlauch, ist 30, kommt aus Köln und sucht dort nach der grossen Liebe, wo …

Artikel lesen
Link zum Artikel