Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Image

John Lowe trifft zum Schluss die Doppel-18 und darf sich feiern lassen. bild: bully180

13.10.1984: John Lowe schafft den ersten «Nine Darter» vor laufenden TV-Kameras und kassiert dafür eine unverschämt hohe Prämie

13. Oktober 1984: «Ein denkwürdiger Moment der Darts-Geschichte», schreit TV-Kommentator Dave Lanning begeistert ins Mikrofon, als John Lowe den ersten TV-Nine-Darter überhaupt wirft. Dass er dafür mehr kassiert als der bestverdienende Spieler von Manchester United in einem ganzen Jahr, schmeckt aber nicht allen.



«The perfect game», das perfekte Spiel. Es existiert in vielen Sportarten. Im Golf ist es das «Hole-in-one», im Snooker das «Maximum Break», beim Bowling sind es 12 Strikes und 300 Punkte. Beim Darts ist es der sogenannte «Nine Darter». Ein Spieler muss mit nur neun Pfeilen die 501 Punkte, die es zum Gewinn eines Legs braucht, exakt auswerfen.

71 verschiedene Möglichkeiten gibt es für einen «Nine Darter», trotzdem ist es eine äusserst knifflige Aufgabe. Im Training immer wieder geschafft, gelingt es lange keinem Darts-Spieler, das Kunststück vor laufender Kamera zu zeigen. Bis John Lowe, damals der beste Darts-Spieler der Welt, beim World Matchplay 1984 – zwar nicht im Live-TV, sondern zeitversetzt – den Bann durchbricht.

102'000 Pfund für neun Pfeile

Im Viertelfinal gegen Keith Deller wirft Lowe im zweiten Leg die erste 180, also drei Pfeile ins Triple-Feld der 20. TV-Kommentator Dave Lanning sagt noch ganz cool: «Das Maximum mit den ersten drei Darts.» Als Lowe die nächste 180 wirft, steigen der Lärmpegel im Publikum und die Nervosität bei Lanning. «Wir sind auf Kurs für einen Nine-Dart-Checkout. Noch keinem Spieler ist dies im Fernsehen gelungen. Er braucht noch 141 Punkte», rechnet der Reporter flink vor.

Play Icon

John Lowes Nine-Dart-Finish gegen Keith Deller. video: bully180

Lowe, neben Phil «The Power» Taylor der einzige Darts-Spieler, der in drei verschiedenen Jahrzehnten Weltmeister wird, tritt mit versteinerter Miene zur Abwurflinie. «Es scheint, als geht er über die dreifache 17», sagt Lanning. Tatsächlich – und der Pfeil sitzt. «Yes. Die dreifache 18 ist sein nächstes Ziel.» Lowe trifft wieder, aus der Kommentatoren-Box hören wir das nächste «Yes». 

Lannings Anspannung ist nun nicht mehr zu überhören: «Er braucht zweimal die 18 für 100'000 Pfund.» So hoch ist die Prämie für den ersten TV-Nine-Darter. Lowe behält die Nerven und trifft erneut. «Er hat es geschafft. Ein denkwürdiger Moment der Darts-Geschichte!», schreit Lanning begeistert ins Mikrofon.

Image

John Lowes legendäre Siegespose. bild: bully180

«In der Zeit eines Wimpernschlags hat John Lowe mehr kassiert als der bestverdienende Fussballer von Manchester United in einer Saison.»

Daily-Express-Reporter Alan Thompson

Lowe dagegen bleibt cool, dreht sich mit ausgestrecktem rechten Arm um und lächelt ins Publikum. Eine ziemlich bescheidene Reaktion für einen Mann, der gerade die Quadratur des Darts-Kreises geschafft hat. Kein Wunder wird er von den Fans danach «Old Stoneface» genannt.

Die Darts-Welt ist nach dem ersten TV-Nine-Darter begeistert, Lowe wird wie ein Held gefeiert. Nur Alan Thompson, Reporter des «Daily Express», findet ein Haar in der Suppe. «In der Zeit eines Wimpernschlags hat John Lowe mehr kassiert als der bestverdienende Fussballer von Manchester United in einer Saison. Hat es ein Mensch wirklich verdient, für so wenig so viel zu verdienen?», gibt er zu bedenken.

«The Power» auch in dieser Statistik weit vor dem Rest

Die nächsten TV-Nine-Darter nach Lowe lassen auf sich warten und die Diskussion über das Preisgeld erledigt sich zunächst von selbst. Erst 1990 schafft Paul Lim das nächste «Perfect Game» und kassiert 52'000 Pfund.

Danach dauert es wieder 12 Jahre, bis Shaun Greatbatch und Phil Taylor zuschlagen. Auch «The Power», als 16-facher Weltmeister die Ikone seines Sports, garniert noch einmal 100'000 Pfund bei seiner Premiere.

Nine-Darter am TV

Image

15 weiteren Spielern gelang bislang einmal in ihrer Karriere ein TV-Nine-Darter.

LONDON, ENGLAND - MAY 22:  Phil Taylor of England reacts during the McCoys Premier League Darts Play-Offs Semi Final match between Raymond van Barneveld and Phil Taylor at O2 Arena on May 22, 2014 in London, England.  (Photo by Ben Hoskins/Getty Images)

Ikone Phil «The Power» Taylor ist der Rekordmann: Schon elf Mal schaffte er einen «TV-Nine-Darter». Bild: Getty Images Europe

Prämien sinken ins Bodenlose

Je professioneller der Darts-Sport im Laufe der Jahre wird, desto mehr häufen sich die TV-Nine-Darter. Mittlerweile sind wir bei 44 angelangt und dementsprechend sehen auch die Prämien aus. 2004 erhält Taylor bei den UK Open 501 Flaschen Budweiser, 2007 einen Opel Tigra und 2008 noch 25'000 Pfund.

Robert Thornton und James Wade, die im Oktober 2014 in ihrem Direktduell beim PDC World Grand Prix je einen Nine-Darter bei Double-In werfen, kommen schlechter weg. Sie kassieren nur nur noch je 2500 Pfund für ihre grandiose Leistung.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Beim Darts fliegen nicht nur Pfeile …

Abonniere unseren Newsletter

Themen
4
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Amboss 13.10.2015 08:11
    Highlight Highlight Habe vor einigen Jahren mal einen Nine-Darter von Barneveld live im TV gesehen. Unglaublich, was da abging.

    Aber vermutlich nimmt die Professionalisierung des Dart-Sports dem Nine-Darter seinen Mythos. Leider
  • DomiNope 13.10.2015 07:33
    Highlight Highlight Ich denke nicht dass auch nur irgendein Spieler der 1. Mannschaft von Manchester United weniger als das doppelte von 100'000 Pfund verdient.
    • Stefan von Siegenthal 13.10.2015 07:58
      Highlight Highlight Der Vergleich ist von 1984 und nicht von heute.
    • Cmo 13.10.2015 08:00
      Highlight Highlight Die Aussage von Alan Thompson ist von 1984.

An den US Open wird mitten im Stadion ein Fan durch eine Pistolenkugel verletzt

4. September 1977: Kurz nach Beginn des US-Open-Spiels zwischen John McEnroe und Eddie Dibbs schreit ein Fan auf der Tribüne laut auf. Eine Kugel hat ihn am Oberschenkel getroffen. Wer sie abgefeuert hat, ist bis heute ungeklärt.

James Reilly ist 33 Jahre alt. Gelber Blazer, Sitzplatz auf der Nordtribüne, Portal 8, im Forest Hills Stadion. Es ist 21.30 Uhr. Reilly ist einer von 6943 Zuschauern, die an diesem Sonntagabend das Drittrundenspiel des aufstrebenden John McEnroe gegen Eddie Dibbs sehen wollen. Er ist derjenige der 6943 Zuschauer, der das Spiel wie kein anderer in Erinnerung behalten wird.

Die Partie hat noch kaum angefangen, da wird sie unterbrochen. Ein Zuschauer schreit laut auf. Er sitzt auf der …

Artikel lesen
Link to Article