Unvergessen
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Schweiss spritzt vom Kopf des Herausforderers Joe Frazier, links, als der Schwergewichts Champion Muhammad Ali beim Titelkampf in Manila am 1. Oktober 1975 seine Rechte landen laesst. Box-Legende Muhammad Ali hat nun, rund 25 Jahre nach dem letzten der drei legendaeren Kaempfe gegen Frazier, seinen damaligen Rivalen um Verzeihung fuer die den Kaempfen vorangegangenen Beleidigungen gebeten.

Es ist Hass: Eine krachende Rechte Alis landet in Fraziers Gesicht, von dem Schweiss spritzt.
Bild: AP

01.10.1975: Der «Thrilla in Manila» zwischen Ali und Frazier wird zum (ewigen?) Höhepunkt der Box-Geschichte

1. Oktober 1975: Sie hassen sich und sie verprügeln sich. Muhammad Ali und Joe Frazier haben sich beide je einmal besiegt, nun kommt es zum dritten und ultimativen Fight: Dem «Thrilla in Manila». Ali gewinnt, aber er erreicht danach nie mehr sein höchstes Niveau.



«Smokin' Joe» Frazier ist Schwergewichts-Weltmeister, als er 1971 im New Yorker Madison Square Garden auf seinen bislang härtesten Gegner trifft: Muhammad Ali. Beide sind in ihrer Karriere noch ungeschlagen, nicht nur die Box-Welt fiebert dem «Fight of the Century» entgegen.

Der bei den Fans populärere Frazier muss zwar einstecken, doch je länger der Kampf dauert, umso stärker wird er. Letztlich kann er Ali zwar nicht auf die Bretter schicken, doch er gewinnt einstimmig nach Punkten und bleibt Weltmeister. Ali verlässt den Ring erstmals in seiner Profikarriere als Verlierer.

In this March 8, 1971 photo,  boxer Joe Frazier is directed to the ropes by referee Arthur Marcante after knocking down Muhammad Ali during the 15th round of the title bout in Madison Square Garden in New York. Frazier won the bout over Ali by decision.  (AP Photo)

Ali am Boden: Frazier gewinnt den «Kampf des Jahrhunderts».
Bild: AP

Es ist der Auftakt zu einer denkwürdigen Fehde. Drei Jahre später kommt es zum Wiedersehen im Ring. Dieses Mal gewinnt Ali nach Punkten und er darf deshalb den nunmehr herrschenden Schwergewichts-Weltmeister George Foreman herausfordern. Im legendären «Rumble in the Jungle» schlägt Ali den Champion K.o. und kehrt selber auf den Thron zurück.

FILE - This is a Oct. 30, 1974  file photo perspiration flies from the head of George Foreman as he takes a right from challenger Muhammad Ali in the seventh round in the match dubbed Rumble in the Jungle in Kinshasa, Zaire.  Foreman was knocked out in the eighth round. It was 40 years ago that two men met just before dawn on Oct. 30, 1974, to earn $5 million in the Rumble in the Jungle. In one of boxing's most memorable moments, Muhammad Ali stopped the fearsome George Foreman to recapture the heavyweight title in the impoverished African nation of Zaire.  (AP Photo/Ed Kolenovsky, File)

Ali schickt Foreman auf die Bretter und gewinnt den «Rumble in the Jungle» in Zaire.
Bild: Ed Kolenovsky/AP/KEYSTONE

Ein Klima wie in der Masoala-Halle des Zürizoos

Aber auch Frazier gehört weiterhin zu den dominierenden Boxern seiner Zeit und mit zwei starken Fights sichert er sich einen dritten Kampf gegen Ali, um noch einmal Weltmeister zu werden. Der stets umstrittene Promoter Don King lässt in den Philippinen boxen, weil dort weniger strengere Auflagen gelten als in den USA. So kommt es zum «Thrilla in Manila».

Die Rivalität zwischen dem 33-jährigen Muhammad Ali und dem 31-jährigen Joe Frazier ist riesig. Die zwei Faustkämpfer machen auch keinen Hehl daraus, ihre Abneigung dem andern gegenüber zu verheimlichen. Don King freut's, durch die aufgeheizte Atmosphäre wird das Publikum richtig «giggerig».

«It's gonna be a thrilla,
and a chilla,
and a killa,
when I get the gorilla,
in Manila.»

Muhammad Ali reimt vor dem Kampf

Im mit 25'000 Fans gefüllten Araneta Coliseum ist es schier unerträglich heiss: Die Rede ist von rund 40 Grad. Dazu ist die Luftfeuchtigkeit in der Halle ohne Klimaanlage sehr hoch. Später wird Frazier sagen, es sei wohl fast 50 Grad heiss gewesen und Ali wird angeben, er habe während des Kampfs durchs Schwitzen rund zweieinhalb Kilogramm abgenommen. Dieser beginnt um 10 Uhr morgens Lokalzeit, damit er im Rest der Welt zur besten Sendezeit ausgestrahlt werden kann.

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Die Highlights des «Thrilla in Manila».
YouTube/ElTerribleProduction

Fraziers Trainer wirft das Handtuch

«Du hast es nicht drauf, Joe!», blafft Ali sein Gegenüber beim Aufeinandertreffen im Ring an. «Ich werde dich aus dem Weg räumen!» Frazier lächelt und antwortet bloss: «Na das werden wir ja sehen.»

Es ist Weltmeister Ali, der die ersten Runden bestimmt. Doch Frazier fängt sich. Nun gelingen ihm immer mehr harte Treffer, beide Kämpfer teilen aus und stecken ein. In der 13. Runde bringt Ali seinen Gegner ernsthaft ins Wanken. Nach schweren Treffern ist Frazier am Rande des Knockouts. Spätestens ab da diktiert nur noch Muhammad Ali das Geschehen. Fraziers rechtes Auge ist so stark zugeschwollen, dass er kaum noch etwas sieht – denn sein linkes Auge ist nach einem Trainingsunfall ohnehin lädiert.

Schliesslich wirft Fraziers Trainer Eddie Futch vor Beginn der 15. Runde das Handtuch, auch wenn sein Kämpfer ihm das noch ausreden will. Ali bleibt also Weltmeister. Aber auch ihm haben der Gegner und die klimatischen Umstände zugesetzt: Er kollabiert unmittelbar nach dem Fight.

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Doku über die bittere Rivalität zwischen Ali und Frazier (englisch).
YouTube/BESTOFWORLDBOXING

Die Töchter sorgen für einen vierten Kampf zwischen Ali und Frazier

Muhammad Ali könnte nun weiter das Grossmaul geben, das er ist. Doch er spricht nach dem «Thrilla in Manila» überraschend respektvoll über Frazier: «Wir kamen als junge Champions nach Manila und gingen als alte Männer.» Frazier gibt die Blumen zurück und lobt seinen Bezwinger in den höchsten Tönen: «Allmächtiger, was für ein Champion! Ich hab ihn mit Schlägen traktiert, die eine Stadtmauer zum Einsturz gebracht hätten, und er hat sie weggesteckt. Was für ein Kämpfer!»

Bis heute gilt der Fight auf den Philippinen als einer der besten Kämpfe in der Geschichte des Boxsports. Er ist aber auch deshalb ein Meilenstein, weil danach weder Ali noch Frazier an das Niveau dieses Kampfs herankommen. Doch auch nach ihren Rücktritten – Ali leidet da schon längst an der Parkinson-Krankheit – ist die Feindschaft zwischen den beiden noch gross. Erst 2001 erklären sie die beiden Boxer offiziell für beendet. Der Anlass dafür ist der vierte Boxkampf Ali gegen Frazier – derjenige zwischen den beiden Töchtern. Laila Ali schlägt Jackie Frazier-Lyde nach Punkten.

Jacqui Frazier-Lyde, left, and Laila Ali exchange punches during their match Friday, June 8, 2001, in Verona, NY. Ali was declared the winner of the fight by majority decision after the full eight rounds. (AP Photo/Beth A. Keiser)

Nochmals Ali vs. Frazier: Alis Tochter Laila gewinnt.
Bild: AP

«Smokin' Joe» Frazier stirbt am 7. November 2011. Im Alter von 67 Jahren verliert er den Kampf gegen den Leberkrebs. Muhammad Ali ist bei der Trauerfeier in Philadelphia dabei und er erhebt sich ein letztes Mal für seinen Gegner. Für Joe Frazier, der ihn im «Thrilla in Manila» gefordert hat wie kein Boxer vor und nach ihm.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Das Leben und die Karriere von Muhammad Ali in Bildern

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    Alle Leser-Kommentare
  • Linus Luchs 02.10.2015 14:08
    Highlight Highlight Elf Monate davor, am 30. Oktober 1974, gab es in Kinshasa den "Rumble in the Jungle" (Filmtipp: When We Were Kings). Der 32-jährige Muhammad Ali traf auf den 25-jährigen George Foreman, der als unschlagbar galt. Ali gewann mit einer sehr gewagten Taktik durch technischen K.o. in der achten Runde. Ich würde diesen Kampf auf die gleiche Stufe stellen wie den "Thrilla in Manila".
    So oder so: Boxkämpfe mit dieser magischen Anziehung, die vor allem von Muhammad Ali ausging, wird es nie mehr geben. Millionen Menschen auf der ganzen Welt sassen vor dem Fernseher. Ali ist und bleibt der Grösste!
  • Bruno Wüthrich 01.10.2015 10:06
    Highlight Highlight Doch, Joe Frazier hat Muhammad Ali 1971 auf die Bretter geschickt. Doch es war eben «nur» ein Knock down, und nicht ein KO. Ali stand sofort wieder auf und beendete den Kampf mit gebrochenem Kiefer. Er dauerte ja danach nur noch eine halbe Runde. Übrigens: Damals gingen Weltmeisterschaftskämpfe noch über 15 Runden. Wenn man berücksichtigt, in welchem Tempo dieser Schwergewichtskampf im Manila geführt wurde, und bei welchen äusserlichen Bedingungen, dann war das, was die beiden Kämpfer leisteten, wirklich schier übermenschlich. Wahrlich zwei der grössten Boxer, die die Welt jemals hatte.

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