Unvergessen
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Oliver Kahns Tritt gegen Stephane Chapuisat

Kung-Fu-Kahn in Aktion: Beinahe springt er Stéphane Chapuisat über den Haufen.. Bild: imago

Unvergessen

03.04.1999: Titan Kahn tickt komplett aus – erst knabbert er Herrlich an, dann fliegt er in Kung-Fu-Manier auf Chapuisat zu

3. April 1999: Bayern München kann bei Borussia Dortmund den entscheidenden Schritt zum Titel machen. Als die Bayern aber bereits nach 32 Minuten 0:2 im Rückstand liegen, brennen bei Torwart-Titan Oliver Kahn die Sicherungen durch.



Wenn Borussia Dortmund auf Bayern München trifft, ist das immer ein brisantes Spiel – der deutsche «Clásico» sozusagen. Im April 1999 kommen die Bayern als souveräner Leader ins Westfalenstadion, 14 Punkte beträgt der Vorsprung auf den ersten Verfolger Kaiserslautern. Mit einem Sieg ist der Titel so gut wie in der Tasche. Dortmund hingegen kämpft als Vierter um einen Champions-League-Platz.

Die Atmosphäre ist schon vor dem Anpfiff aufgeheizt. Als sich Bayern-Keeper Oliver Kahn auf den Weg in seinen Kasten vor der rappelvollen Südtribüne macht, wird er von den BVB-Fans provoziert, wo es nur geht. Bald fliegen die ersten Bananen.

DORTMUND, GERMANY - APRIL 03:  1. BUNDESLIGA 98/99; BORUSSIA DORTMUND - FC BAYERN MUENCHEN 2:2; Schiedsrichter HEYNEMANN, Andreas MOELLER/Dortmund und Torwart Oliver KAHN/Bayern  (Photo by Mark Sandten/Bongarts/Getty Images)

Nie um eine Diskussion verlegen: Oliver Kahn mit Andres Möller bei Schiedsrichter Bernd Heynemann. Bild: Bongarts

(GERMANY OUT) 15.06.1969Sportler, Fussballtorwart D(FC Bayern München)1. Bundesliga: Borussia Dortmund - BayernMünchen 2:2- Kahn und Thomas Helmer (re) (Photo by contrast/Boris Streubel/ullstein bild via Getty Images)

Thomas Helmer versucht King Kahn nach der Roten Karte gegen Sammy Kuffour zu beruhigen. Bild: ullstein bild

Als die Partie losgeht, herrschen schnell schon klare Verhältnisse. Die Borussia führt durch zwei Treffer von Heiko Herrlich schon 2:0, als Bayerns Sammy Kuffour in der 36. Minute nach einer üblen Attacke gegen Lars Ricken vom Platz fliegt. Zu viel für Kahns Nervenkostüm, der beim zweiten Gegentreffer gar nicht gut ausgesehen hat.

«Gebissen hat Kahn mich nicht, nur geknabbert, jedenfalls hatte ich kein Loch im Hals.»

Heiko Herrlich

Nach einem hohen Ball in seinen Strafraum ist der heransprintende Herrlich das erste Opfer von Kahns Wahn. Die beiden Nationalspieler prallen leicht zusammen. Kahn quittiert den Körperkontakt auf seine Art. In Dracula-Manier kommt er der Halsschlagader des Dortmunders ziemlich nah. «Als er auf mich zu kam und seine Nase an meinen Hals drückte, war ich schon überrascht. Gebissen hat Kahn mich nicht, nur geknabbert, jedenfalls hatte ich kein Loch im Hals», beschreibt Herrlich Jahre später die Szene.

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Kahn Vampir-Biss gegen Herrlich. GIF: Youtube/hupeschmatzn

Kahns Testosteron-Spiegel sinkt dadurch aber nicht. Nur Minuten später folgt die nächste haarsträubende Attacke auf einen BVB-Spieler. Obwohl er einen langen Ball in den Bayern-Strafraum früh abfängt, zieht er mit gestrecktem Bein voll durch. In Kung-Fu-Manier fliegt er auf Stéphane Chapuisat zu, der sich glücklicherweise gerade noch abwenden und einen Volltreffer verhindern kann. Eine Verwarnung gibt es übrigens in beiden Szenen nicht.

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Die Kung-Fu-Attacke gegen Chapuisat. GIF: Youtube/RoloPo

Kahns doppelter Ausraster hat für die Bayern aber Signalwirkung. Nach einer Gelb-Roten Karte gegen Stefan Reuter kommen die Bayern dank Toren von Alexander Zickler und Carsten Jancker noch zum 2:2-Ausgleich.

Das Thema des Tages ist aber natürlich Olli Kahn. Nach der Partie schweigt er, erst später nimmt er Stellung. «Das war der Höhepunkt meiner Aggressionen, die sich je in mir entladen haben. Da war irgendeine innere Kraft, die signalisieren wollte: Ich mag nicht mehr», analysiert Kahn später seinen wohl denkwürdigsten Nachmittag

(GERMANY OUT) 15.06.1969Sportler, Fussballtorwart D(FC Bayern München)1. Bundesliga: Borussia Dortmund - BayernMünchen 2:2- jubelt nach gehaltenem Elfmeter (Photo by contrast/Boris Streubel/ullstein bild via Getty Images)

Kahn nach dem Ausgleich. Bild: ullstein bild

Für die Bayern hat das 2:2 kein Nachspiel. Mit 15 Punkten Vorsprung holen sie am Saisonende den 15. Meistertitel und wenig später auch noch den DFB-Pokal. Weniger Glück haben die Münchner im Champions-League-Final gegen Manchester United. Aber das ist eine andere Geschichte ...

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

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