Unvergessen
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Die «Red Devils» feiern den Champions-League-Triumph und damit das Treble. Bild: EPA

Unvergessen

Sheringham und Solskjaer – zwei Namen und du weisst sofort, worum es hier geht

26. Mai 1999: Im Camp Nou in Barcelona erlebt der Fussball zwei seiner verrücktesten Minuten. In der Nachspielzeit kehrt Manchester United den Final der Champions League gegen Bayern München, holt sich das «Triple» und stürzt den Gegner ins Tal der Tränen.



«Ecke noch, wir sind in der 93. Minute. Warum, weiss nur Collina. Da ist es passiert! Solskjaer!»

RTL-Reporter Marcel Reif

Soeben hat Bayern München die schlimmste aller schlimmen Niederlagen kassiert. Obwohl es lange, so lange, so gut ausgesehen hat.

26 May 1999:  Bayern Munich players devastated after defeat in the UEFA Champions League Final against Manchester United at the Nou Camp in Barcelona, Spain. United scored twice in injury time to win 2-1. \ Mandatory Credit: Gary M Prior/Allsport

Drei Bayern, ein Gedanke: Es. Kann. Nicht. Wahr. Sein. Bild: Getty Images Sport Classic

Wichtige Absenzen bei beiden Teams

Es sind zwei grosse Teams, die sich an diesem Abend vor 98'000 Fans im Camp Nou von Barcelona gegenüberstehen. Beide haben sich im Halbfinal jeweils mit dem Gesamtskore von 4:3 durchgesetzt; Manchester United gegen Juventus Turin, die Bayern gegen Dynamo Kiew.

Bereits in den Gruppenspielen waren sich die beiden Kontrahenten gegenübergestanden, trennten sich jeweils unentschieden. Aber heute muss es einen Sieger geben. Wichtige Spieler fehlen beiden: Captain Roy Keane und Paul Scholes den Engländern, Weltmeister Bixente Lizarazu und Topskorer Giovane Elber dem Gegner.

Die beiden Teams

Bild

Die Wechsel: 71. Scholl für Zickler, 81. Fink für Matthäus, 89. Salihamidzic für Basler.​ 67. Sheringham für Blomqvist, 81. Solskjaer für Cole. Bild: Wikipedia

Führung, Pfosten, Latte – alles spricht für die Bayern

Die Deutschen legen vor. Enfant terrible Mario Basler schlenzt einen Freistoss an der Mauer und Goalie Peter Schmeichel vorbei ins Tor, schon nach sechs Minuten führen die Bayern mit 1:0. Der Vorsprung gibt ihnen Sicherheit, sie kontrollieren die Partie, haben sie im Griff. Und vergeben gar die Siegsicherung, Mehmet Scholl trifft den Pfosten, kurz vor Schluss Carsten Jancker mit einem Fallrückzieher die Latte.

In den Katakomben des riesigen Stadions betritt Bayern-Präsident Franz Beckenbauer um die 90. Minute herum einen Lift, gemeinsam mit UEFA-Präsident Lennart Johansson und Bayern-Fan Boris Becker. Er macht sich auf, um auf dem Rasen zur Siegerehrung zu erscheinen.

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Die Höhepunkte des Finals. Video: YouTube/Adam Smith

Ausgleich!

Manchester United hat aber immer noch die Chance, zumindest die Verlängerung zu erreichen. Doch die Zeit verrinnt, schon läuft die 91. Minute.

David Beckham schlägt einen Corner von der linken Seite, Goalie Schmeichel ist aufgerückt, die Bayern bringen den Ball nicht aus der Gefahrenzone, Ryan Giggs versucht es mit einer Direktabnahme, die ihm misslingt, doch Teddy Sheringham fälscht den Ball noch ins Tor ab. Es steht tatsächlich 1:1!

26th MAY 1999, UEFA Champions League Final, Barcelona, Spain, Manchester United 2 v Bayern Munich 1, Manchester United's Teddy Sheringham celebrates after scoring his late equalising goal  (Photo by Popperfoto/Getty Images)

Teddy im Glück: Sheringham bejubelt seinen Ausgleichstreffer. Bild: Popperfoto

Basler nimmt die Sieger-Dächlikappe wieder ab

Und das Spiel ist noch nicht aus. Die Engländer haben nun Lunte gerochen, denn die Bayern sind völlig von der Rolle. Sie taumeln, wanken wie ein Boxer, der nur noch den Gong abwartet, welcher die Runde beendet, damit sie sich aufrichten und neu sammeln können.

Eigentlich sind sie ja schon zum Feiern bereit gewesen. Der Champagner steht schon bei der Ersatzbank, ebenso eine Kiste mit Dächlikappen. «Champions-League-Sieger 1999 – FC Bayern München» steht drauf. Mario Basler, in der 89. Minute ausgewechselt – Standing Ovation für den Matchwinner! –, trägt sie bereits. Er nimmt sie rasch wieder ab.

Beckenbauer: «Wir haben uns angekuckt und konnten es nicht glauben»

«Durchschnaufen» lautet die Parole der Bayern, dann halt in die Verlängerung. Aber Manchester United gibt ihnen keine Gelegenheit zum Durchschnaufen. Noch einmal tritt Beckham einen Corner, es läuft bereits die 93. Minute, wieder kommt der Ball von der linken Seite hoch vors Bayern-Tor von Oliver Kahn. Sheringham, eben noch Torschütze, kommt zum Kopfball, doch der ist weder wuchtig noch platziert. Dafür die perfekte Vorlage für Ole-Gunnar Solskjaer. Der Norweger hält den Fuss hin, lenkt den Ball ins Netz. 2:1! Päng! Ein gewaltiger Hammerschlag lähmt die Bayern, während Spieler und Fans der «Red Devils» ausser sich vor Freude sind.

Im Lift hören Beckenbauer und seine Begleiter Jubel. «Wir dachten: ‹Okay, der Abpfiff›», erinnert sich der «Kaiser». «Als wir kurze Zeit später durch die Katakomben in Richtung Rasen gingen, sahen wir die ManU-Spieler jubeln, die Bayern lagen am Boden. Ich dachte: ‹Mist, doch der Ausgleich›. Kurz darauf blinkt es an der Anzeigetafel: 1:2! Wir haben uns angeguckt und konnten es nicht glauben.»

26th MAY 1999, UEFA Champions League Final, Barcelona, Spain, Manchester United 2 v Bayern Munich 1, Manchester United's Ole Gunnar Solkskjaer ecstatic after scoring the winning goal deep into injury time  (Photo by Popperfoto/Getty Images)

«Supersub» Ole-Gunnar Solskjaer feiert mit den Teamkollegen Dwight Yorke und Ronny Johnsen (unten) den Siegtreffer. Bild: Popperfoto

Kuffour: «Es tut immer noch weh!»

«Steht auf, wenn ihr Männer seid», ruft Schiedsrichter Pier-Luigi Collina den Bayern-Spielern angeblich zu. Einige von ihnen sind erstarrt, liegen nach dem zweiten Gegentreffer regungslos auf dem Rasen, weinen hemmungslos.

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Ein Haufen Elend: Sammy Kuffour. GIF: Youtube/Mystrinho

Sammy Kuffour, der immer fröhliche Verteidiger aus Ghana, schluchzt, als gäbe es kein Morgen und haut vor Wut mit der Faust auf den Boden. «Wenn du so niedergeschlagen bist, hast du dich nicht mehr unter Kontrolle», sagt er im März 2014. «Wenn ich irgendwo auf der Welt erkannt werde, erinnern mich die Leute immer an diese Szenen.» Das Spiel habe er nie gesehen, er wolle das nicht. «Es tut mir immer noch weh!»

Die Emotionen nach dem Schlusspfiff im Camp Nou. Video: Youtube/CaleMecze

Aus Alex Ferguson wird Sir Alex

Zwei Jahre später dürfen die Bayern doch noch den Champions-League-Pokal in die Höhe stemmen. Dank Kahns Paraden im Penaltyschiessen schlagen sie Valencia.

Alex Ferguson, die Managerlegende von Manchester United, ist zu diesem Zeitpunkt bereits ein Sir. Die Queen adelt den Kaugummi-Dauerkauer, der nicht nur im Final mit der Einwechslung von Sheringham und Solskjaer alles richtig gemacht hat. Zuvor hat Ferguson Manchester United auch zum englischen Meistertitel und zum Cupsieg geführt. Das «Treble» wie die Engländer sagen, drei Titel in einer Saison, das gab es noch nie.

«Manchester United have reached the promised land.»

ITV-Reporter Clive Tylsdsley

26 May 1999:  Alex Ferguson celebrates with Manchester United players and the European Cup after winning the European Champions League Final against Bayern Munich in the Nou Camp Stadium, Barcelona, Spain. Manchester United won 2 - 1 with both United goals scored during injury time, to secure the treble of League, FA Cup and European Cup. \ Mandatory Credit: Shaun Botterill /Allsport

Die Spieler lassen ihren Manager Alex Ferguson hoch leben. Bild: Getty Images Sport Classic

Unvergessen

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    Alle Leser-Kommentare
  • Mia_san_mia 26.05.2019 18:29
    Highlight Highlight 😭😭😭
  • LifeIsAPitch 26.05.2019 13:34
    Highlight Highlight Der Final an sich war nicht so prickelnd, die Nachspielzeit jedoch fussballerischer Wahnsinn für die Ewigkeit. Dass es davor noch nie drei Titel in einer Saison gab, stimmt allerdings nicht: 1984 gewann Liverpool den Meistercup, die Meisterschaft und den League Cup.
  • Nelson Muntz 26.05.2019 13:06
    Highlight Highlight
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  • Volksschützer 26.05.2019 10:38
    Highlight Highlight Krass, dass das 20 Jahre her ist! Phrasendrescher würde sagen: „Da merkt man mal wieder, wie alt man ist...“
  • leu84 26.05.2019 10:05
    Highlight Highlight Mir reichen oft nur die Minuten der erzielten Tore in der Nachspielzeit (91. Und 93.) Da man die Bayern von damals schon Dusel-Bayern nannte, dachte kaum mehr an eine Verlängerung und dachte schon ans bettfertig machen.
    Aber dann Eckball!! ...
  • LarsBoom 26.05.2019 09:32
    Highlight Highlight Nur schon beim lesen des Titels hab ich wieder Hühnerhaut bekommen 😝

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