Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Zurich defender Hannu Tihinen, right in blue shorts, of Finland, scores a goal during the Champions League, group C, soccer match between AC Milan and FC Zurich at the San Siro stadium in Milan, Italy, Wednesday, Sept. 30, 2009. (AP Photo/Antonio Calanni)

Der Ball zappelt im Netz. FCZ-Captain Hannu Tihinen hat ihn soeben per Hacke versenkt. Bild: AP

Unvergessen

Dank Tihinens Hackentrick schafft der FCZ im San Siro die grosse Sensation

30. September 2009: Der Sieg des FC Zürich bei der grossen AC Milan in der Champions League schreibt Schweizer Fussballgeschichte. Auch der italienische Kult-Moderator Tiziano Crudeli kann es kaum glauben.



Der allererste Champions-League-Auftritt des FC Zürich misslingt gründlich: Zuhause im Letzigrund verliert das Team von Bernard Challandes gegen Cristiano Ronaldos Real Madrid zum Auftakt der Gruppenphase mit 2:5. Vor dem Gastspiel im Mailänder San Siro sind die Erwartungen an den Schweizer Meister auf ein Minimum gesunken.

Doch vor 32'439 Zuschauern im spärlich besetzten Giuseppe-Meazza-Stadion folgt bereits nach zehn Minuten der erste Paukenschlag. Der finnische Abwehrchef Hannu Tihinen, nicht gerade als filigraner Techniker bekannt, steht nach einem Eckball von Milan Gajic goldrichtig und überwindet wunderschön mit der Hacke Milan-Keeper Marco Storari.

abspielen

Tihinen schiesst die AC Milan ab. Video: streamable

Ausgerechnet Tihinen! Der Teamsenior stand in den Tagen zuvor als Sinnbild für die langsame und schwerfällige Defensive der Zürcher. Und jetzt packt er dieses feine Trickli aus.

«Kein schlechtes Tor für einen Senior mit schlechter Technik, oder?»

Hannu Tihinen

Es bleibt der einzige Treffer: Der FCZ schafft die grosse Sensation. «Das ist ein mega Gefühl, eine super Erleichterung nach diesen 90 Minuten Kampf. Das war ein super Erlebnis, eigentlich unbeschreiblich», beschreibt Verteidiger Heinz Barmettler im Bauch des Stadions seine Gefühlslage, während die Milan-Stars wortlos an der Presse vorbeiziehen.

Die «Gazzetta dello Sport» lobt das Husarenstück und glaubt, dass selbst der grosse Hacken- und Kung-Fu-Trick-Spezialist Zlatan Ibrahimovic auf dieses Meisterwerk neidisch wäre.

Beim finnischen Volkstanz abgeschaut

Torschütze Tihinen selbst lacht nach der Partie: «Ja, mein Treffer gegen Milan war ein schönes Tor, ich habe den Trick aus einem finnischen Volkstanz geklaut.» Eigenlob war nie die grosse Stärke des bekennenden Fans des Schweizer ÖVs, der 33-jährige Abwehrchef nimmt sich zurück und erklärt: «Das war nicht so schlecht. Für den FCZ ist dieser Sieg eine grosse Sache.» Immerhin gesteht der kühle Finne, dass er «noch nie ein solches Tor gemacht habe».

epa01881376 Zurigo Hannu Tihinen (C) jubilates after scoring against Ac Milan during the Champions League soccer match, Ac Milan vs FC Zurich, at Meazza stadium in Milan, Italy on 30 September 2009.  EPA/MATTEO BAZZI

Hannu Tihinens Jubel nach dem goldenen Tor. Bild: EPA

Einen Seitenhieb Richtung Medien, welche ihn in den Tagen zuvor kritisiert hatten, landet er ebenfalls noch: «Kein schlechtes Tor für einen Senior mit schlechter Technik, oder?» Der «Blick» schreibt darauf mit einem Augenzwinkern, dass sich der Direktor des Zürcher Ballets um ein Engagement des Ballartisten aus dem hohen Norden bemühe. Doch zurück zum Spiel.

Crudeli am Boden zerstört

TV-Moderator Tiziano Crudeli, seit Geburt fanatischer Anhänger der «Rossoneri», befindet sich natürlich am anderen Ende der Gefühlsskala und schlägt beim Tor des Aussenseiters nur ungläubig die Hände über den Kopf. 

«No, no, no, no!!!»

Milan-Kommentator Tiziano Crudeli beim Tor

«Nein, nein, nein, nein, ein solcher Fehler, nein. Ihr dürft solch einen Fehler nicht machen», schreit der italienische Kultmoderator mit gefühlten 130 Dezibel im Fernsehstudio herum.

Fünf Minuten italienisches Ärgernis ;)

abspielen

Crudeli lässt seiner Unzufriedenheit freien Lauf. Video: YouTube/crozzopizzo

Crudeli mit mehr Leidenschaft als sein Team

Neutralität gibt's bei Crudeli im Gegensatz zu seinen «normalen» Berufskollegen nicht. 1987 kommentiert der Tifoso seinen ersten Milan-Match, damals noch im Radio. 

Früher war der aus der Provinz Emilia-Romagna stammende Sport-Journalist im Tennis heimisch, dann wechselte der frühere Vertreter in den Fussball. Doch Crudeli gibt sich so leicht nicht geschlagen und peitscht seine Jungs an: «Forza Ragazzi! Aufwachen!»

The result on the display after the UEFA Champions League soccer match between AC Milan and FC Zuerich, in the San Siro stadium in Milan, Italy, Wednesday, September 30, 2009. (KEYSTONE/Karl Mathis)

Der Spielstand, den im San Siro niemand erwartet hatte. Bild: KEYSTONE

Doch die grosse AC Milan, welche zwei Jahre zuvor noch Sieger der Königsklasse geworden ist, wirkt trotz des Gegentreffers noch immer nicht wirklich wach. Crudeli muss eingestehen: «Es ist Zürich, welches das Spiel macht. Zürich ist besser als Milan», erzürnt sich Crudeli. «Aufwachen!»

Viele Stars, doch der FCZ wehrt sich tapfer

Das sieht auch Milan-Trainer Leonardo so, der erst vor wenigen Monaten den langjährigen Erfolgscoach Carlo Ancelotti ersetzt hat. Darum bringt er nach der Pause Ronaldinho für den unauffälligen Clarence Seedorf. Dabei stehen beim Heimteam schon berühmte Namen wie Alessandro Nesta, Andrea Pirlo, Pato oder Filippo Inzaghi auf dem Platz.

epa01881459 Brazilian Ronaldinho of Ac Milan reacts during the Champions League soccer match, Ac Milan vs FC Zurich, at Meazza stadium in Milan, Italy on 30 September 2009.  EPA/DANIEL DAL ZENNARO

Ronaldinho bringt ab der zweiten Halbzeit Schwung in die Partie. Bild: EPA

In der zweiten Hälfte erhöht Milan den Rhythmus, kommt zu einigen guten Chancen. Vor allem Stürmer Inzaghi scheitert immer wieder am glänzenden FCZ-Goalie Johnny Leoni. Doch die Zürcher wehren sich tapfer, die Angriffe der Mailänder nehmen wieder ab.

In der Nachspielzeit kommt beim Favoriten auch noch Pech dazu. Crudeli ist noch im Schimpfmodus, als Verteidiger Gianluca Zambrotta seinen Schuss am Pfosten abklatschen sieht. «Pfosten, Pfosten, nein, Pfosten von Zambrotta», jault der enttäuschte Moderator verzweifelt in die Runde.

Zurich players  celebrate after winning the Champions League, group C, soccer match between AC Milan and FC Zurich at the San Siro stadium in Milan, Italy, Wednesday, Sept. 30, 2009. Zurich won 1-0. (AP Photo/Antonio Calanni)

Der FCZ darf sich in Mailand nach dem Husarenstück von seinen Anhängern feiern lassen. Bild: AP

Danach dürfen sich FCZ-Trainer Bernard Challandes und sein Team feiern lassen. Zürich ist für einmal DIE Sportstadt der Schweiz. Nur 24 Stunden zuvor haben nämlich die ZSC Lions mit den Chicago Blackhawks ein NHL-Team im Kampf um den Victoria Cup bezwungen.

Der Hackentrick als Bild

Doch auch die grösste Stadt der Schweiz kann es in Sachen Leidenschaft nicht mit Crudeli aufnehmen. So liefert sich der Milan-Fan hie und da auch handgreifliche Diskussionen mit Erzrivale Elio Corno, der dummerweise Inter-Fan ist.

abspielen

Milans Kultkommentator Tiziano Crudeli gerät auch mal mit Inter-Anhänger Elio Corno in die Haare.  Video: YouTube/crozzopizzo

An diesem Abend siegt jedoch die kühle Mentalität des sympathischen Skandinaviers Tihinen über diejenige der temperamentvollen Südländer. Das Siegestor von Tihinen gegen Milan wird später sogar von FCZ-Präsident Ancillo Canepa in Öl gemalt und dem Finnen als Erinnerung an seinen grossen Abend überreicht

Bild

Tihinen machte FCZ-Präsident Ancillo Canepa mit dem Tor, dieser ihm mit dem Bild eine grosse Freude. Screenshot: youtube/FCZTVChannel

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei. 
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

Die grössten Schweizer Europacup-Erfolge im Fussball

Ex-FCZ-Stürmer Dimitri Oberlin sprintet um sein Leben

abspielen

Video: Angelina Graf

Unvergessene Champions-League-Geschichten

25.09.1996: Murat Yakin sticht mit seinem Freistoss mitten ins Ajax-Herz und bringt Mama Emine zum Weinen

Link zum Artikel

26.09.1995: Luganos Carrasco bringt mit seiner Banane Gianluca Pagliuca und das grosse Inter Mailand zum Weinen

Link zum Artikel

25.05.2005: Liverpool schafft gegen Milan dank «sechs Minuten des Wahnsinns» und Hampelmann Jerzy Dudek die unglaublichste Wende aller Zeiten

Link zum Artikel

28.05.1997: Lars Ricken kommt, schiesst und macht Borussia Dortmund zum Champions-League-Sieger

Link zum Artikel

21.05.2008: John Terrys fataler Ausrutscher: Im ersten rein englischen CL-Final stösst er Chelsea ins Tal der Tränen

Link zum Artikel

18.04.2001: Das berühmteste Mannschaftsfoto der Welt wird geknipst – wie sich ein ehemaliger Boxer als 12. Mann unsterblich macht

Link zum Artikel

12.11.2002: Basel spielt 3:3 gegen Liverpool und Beni Thurnheer schwärmt: «Das müsste man zeigen, wenn ich gestorben bin»

Link zum Artikel

18.03.2003: Der FC Basel schafft gegen Juve nur die «kleine» Sensation – für die grosse fehlen dann doch vier Tore

Link zum Artikel

29.09.1971: Statt «allzu augenfällig im Spargang» die Pflicht zu erledigen, sorgt GC für den höchsten Schweizer Europacup-Sieg aller Zeiten

Link zum Artikel

30.09.2009: Dank Tihinens Hackentrick, «abgeschaut bei einem finnischen Volkstanz», bodigt der FC Zürich das grosse Milan

Link zum Artikel

20.11.1996: Wegen 20 fatalen Minuten landet Champions-League-Überflieger GC in Glasgow auf dem harten Boden der Realität

Link zum Artikel

04.11.1992: Sion träumt von der Champions-League-Gruppenphase, kassiert trotz ansprechender Ausgangslage in Porto jedoch eine 0:4-Klatsche

Link zum Artikel

26.05.1999: Sheringham und Solskjaer – zwei Namen und du weisst sofort, worum es hier geht

Link zum Artikel

01.04.1998: Jauch und Reif lassen beim Torfall von Madrid jeden Aprilscherz alt aussehen

Link zum Artikel

23.05.2001: Oli Kahn hält im CL-Final gegen Valencia drei Elfmeter und wird endgültig zum Titan

Link zum Artikel

07.12.2011: Der FC Basel schmeisst Manchester United aus der Champions League und Steini, der Glatte, schiesst den Ball an die Latte

Link zum Artikel

28.05.1980: Underdog Nottingham überrascht Europa erneut und sorgt für eine kuriose Bestmarke

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Diese 9 Food Trucks aus New York wünschen wir uns in der Schweiz (weil absolut 🤤)

Link zum Artikel

Federer/Nadal necken sich wie ein altes Ehepaar und McEnroe will «ihre Karrieren beenden»

Link zum Artikel

«Kein Brexit ohne Parlament!» John Bercow sagt Johnson in Zürich den Kampf an

Link zum Artikel

St. Galler Polizist schiesst sich aus Versehen in den Oberschenkel

Link zum Artikel

Die lange Reise der Schiedsrichter-Pfeife an die Rugby-WM nach Japan

Link zum Artikel

Eins vor Tod will ich Sex und (eventuell) eine Ohrfeige

Link zum Artikel

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Link zum Artikel

Wo du in dieser Saison Champions League und Europa League sehen kannst

Link zum Artikel

Migros Aare baut rund 300 Arbeitsplätze ab

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Banking-Apps wie Revolut – so gehen die Betrüger vor

Link zum Artikel

YB droht Bickel mit Gericht, nachdem er als Sportchef 40 Mio. verlochte

Link zum Artikel

Warum wir bald wieder über den Schweizer Pass reden werden

Link zum Artikel

«Ich hatte Sex mit dem Ex meiner besten Freundin…»

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Matheproblem um die Zahl 42 geknackt

Link zum Artikel

Wie gut kennst du dich in der Schweiz aus? Diese 11 Rätsel zeigen es dir

Link zum Artikel

«In der Schweiz gibt es zu viel Old Money und zu wenig Smart Money»

Link zum Artikel

So schneiden die Politiker im Franz-Test ab – wärst du besser?

Link zum Artikel

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Wo du in dieser Saison Champions League sehen kannst

Champions League jeden Abend auf SRF – das ist Geschichte. Neu hält der Bezahlsender Teleclub die Rechte an der Königsklasse. Der Quali-Auftakt des FC Basel bei PAOK Saloniki heute Abend wird nicht im Free-TV übertragen, aber die Schweizer Fussball-Fans müssen nicht schwarz sehen. An ihren TV-Gewohnheiten müssen sie vorerst nur wenig ändern.

Heute beginnt aus Schweizer Sicht die neue Champions-League-Saison. Der FC Basel muss im Hinspiel der 2. Qualifikations-Runde beim griechischen Vizemeister PAOK Saloniki ran. Wer am Abend aber SRF einschaltet, kriegt trotzdem kein Fussball zu sehen. Weil die Rechte für Champions und Europa League neu beim Bezahlsender Teleclub liegen, gibt's den FCB-Auftritt in Griechenland (19.30 Uhr, Teleclub) nur im Pay-TV zu sehen.

Überhaupt müssen sich die Europacup-Fans in dieser Saison …

Artikel lesen
Link zum Artikel