Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Rot-blaue Glückseligkeit: Spieler und Fans bejubeln den Treffer zum 3:0. Bild: KEYSTONE

12.11.2002: Basel spielt 3:3 gegen Liverpool und Beni Thurnheer schwärmt: «Das müsste man zeigen, wenn ich gestorben bin»

12. November 2002: Gleich bei seiner ersten Champions-League-Teilnahme schafft der FC Basel den Sprung in die Zwischenrunde – dank einem spektakulären 3:3 am letzten Spieltag zuhause gegen Liverpool. Es ist eines der mitreissendsten Fussballspiele, die je auf Schweizer Boden stattgefunden haben.

12.11.15, 00:01 12.11.15, 09:37


«Dies ist kein Videospiel, dies ist die Realität!», ruft Beni Thurnheer begeistert ins Mikrofon. Keine halbe Stunde ist im St.Jakob-Park gespielt, da führt das kleine Basel gegen den Riesen Liverpool mit 3:0. Unfassbar!

Als Fussball-, aber bestimmt nicht FCB-Freund, bin ich an diesem Abend im Stadion und lasse mich wie die 29'533 anderen Zuschauer von meinem Sitz reissen. Von Zauberfuss Hakan Yakin, vom stürmischen Aussenverteidiger Thimotée Atouba, von den argentinischen Tormaschinen Julio Hernan Rossi und Christian Gimenez.

Alle Tore beim 3:3 zwischen Basel und Liverpool mit dem Live-Kommentar von Beni Thurnheer. Video: Youtube/D4Parkett

«A Night To Remember»

Schon ein Unentschieden bringt die Basler in die Zwischenrunde der Champions League, aber sie suchen von Beginn an den Sieg. «A Night To Remember» solle es werden, hatte Trainer Christian Gross vor der Partie ausgerufen, eine Nacht, an die man sich lange erinnern würde. Das Vorhaben gelang, wie sich herausstellen sollte.

Denn die Fans im Stadion und vor dem TV sehen, wie der FCB schon in der 2. Minute in Führung geht. Rossi schiebt den Ball nach einer feinen Kombination und einem Querpass von Hakan Yakin ins Liverpooler Tor. Der Sturmlauf geht weiter, Gimenez (22.) nach einem Steilpass Yakins und Atouba im Anschluss an einen abgewehrten Yakin-Freistoss sorgen nach 29 Minuten dafür, dass das Joggeli kocht.

Die drei Basler Tore

Rossi mit dem 1:0. Bild: SRF

Gimenez trifft zum 2:0. Bild: SRF

Atouba besorgt das 3:0. Bild: SRF

Sicheres 3:0 beinahe noch verspielt

«Im Gegensatz zu Liverpool waren wir von der ersten Minute mit Herz und Seele beim Spiel dabei», sagte Goalgetter Gimenez nach der Partie. Nach dem 3:0 habe er gedacht, dass Basel das Spiel nun über die Zeit bringen müsse.

Aber die Reds haben noch nicht aufgesteckt. Nur mit einem Sieg können sie noch weiterkommen und so treten die Engländer nach der Pause auf. Ein Doppelschlag durch Danny Murphy und Vladimir Smicer – plötzlich führt Basel nur noch 3:2 und es bleibt noch eine halbe Stunde zu spielen. «Leider haben wir uns in der zweiten Halbzeit selbst in Schwierigkeiten gebracht. Aber das ist Fussball», analysierte Verteidiger Bernt Haas. «Am Schluss ist mir fast das Herz stehen geblieben.»

Freude nach dem Schlusspfiff bei Basel Stuermer Christian Gimenez, hinten, und Basel Verteidiger Bernt Haas, vorne, aufgenommen am Dienstag, 12. November 2002, im Stadion St. Jakob Park beim Champions-League Spiel zwischen dem FC Basel und dem FC Liverpool.  (KEYSTONE/Eddy Risch)

Freude und Erleichterung: Gimenez nimmt Haas in den Arm. Bild: KEYSTONE

Owen sorgt für nervenaufreibende Schlussminuten

Denn fünf Minuten vor dem Ende gleicht Liverpool das Spiel tatsächlich noch aus. Michael Owen holt einen Handspenalty heraus, schiesst ihn selber und trifft im Nachschuss, nachdem Pascal Zuberbühler den ersten Versuch noch parieren kann.

FC Basel's Goalie Pascal Zuberbuehler taucht nach dem von Liverpools Stuermer Michael Owen geschossenen Penalty, am Dienstag, 12. November 2002 im Champions League Spiel zwischen dem FC Basel und Liverpool in Basel. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Zuberbühler hält Owens Penalty, doch dessen Nachschuss geht ins Tor. Bild: KEYSTONE

«Ich war schon froh, als der Abpfiff kam», sagte ein erleichterter Trainer Gross, als der französische Schiedsrichter Claude Colombo die Partie nach vier Nachspielminuten endlich beendet hat.

«An diese Nacht werde ich mich immer erinnern», wusste Bernt Haas schon nach dem Schlusspfiff. Es wurde, was Trainer Christian Gross sich erhofft hatte: «A Night To Remember».

Der Soundtrack zum legendären Spiel: Bryan Adams mit «Let's Make A Night To Remember». Video: Youtube/BryanAdamsVevo

Das Telegramm

2. Rossi 1:0. 22. Gimenez 2:0. 29. Atouba 3:0. 61. Murphy 3:1. 64. Smicer 3:2. 85. Owen 3:3.

Basel: Zuberbühler; Atouba, Haas, Zwyssig, Murat Yakin; Cantaluppi, Ergic, Esposito, Hakan Yakin (90. Koumantarakis);
Gimenez (66. Barberis), Rossi (76. Tum).

Liverpool: Dudek; Carragher (80. Diouf), Hyypiä, Riise, Traoré; Gerrard (46. Diao), Hamann, Murphy, Smicer; Heskey (61. Baros), Owen.

Bundesrat Schmid: «Basel ist super»

Ein rauschendes 3:3 – die Fussballschweiz ist begeistert. «Neunzig Minuten für die Ewigkeit», jubelt die «Basler Zeitung» und schreibt vom «schönsten Abend der Basler Fussball-Geschichte». Auch der Kommentator vom «Tages-Anzeiger» schwärmt in den höchsten Tönen: «Verrückter, dramatischer, nervenaufreibender kann ein Fussballspiel nicht sein. Und war sicher nie eines in der Schweiz auf diesem Niveau.»

Sportminister Samuel Schmid, nicht gerade für überschäumendes Temperament bekannt, sagt: «Basel ist super. Wir dürfen stolz auf den FCB sein. Es war ein Wahnsinnserlebnis und die Stimmung war einzigartig.» Yakin und Rossi erhalten vom «Blick» die Bestnote 6, alle anderen Basler werden mit einer 5 bewertet.

Basel's Christian Gimenez, left, reacts after he scores the second goal, with his teammates Julio Rossi, center, who scores first at the Champions League, Group B, soccer game Basel vs Liverpool in Basel, Switzerland, Tuesday, November 12, 2002.(KEYSTONE/Eddy Risch)

Torjäger Gimenez feiert gemeinsam mit Rossi und Ergic (verdeckt) sein 2:0. Bild: KEYSTONE

Für «Beni National» ein unvergessenes Highlight

Fernsehreporter Beni Thurnheer kommt sich unmittelbar nach dem Spiel vor «wie auf dem elektrischen Stuhl. Ein Riesengenuss in der ersten Halbzeit und dann das grosse Leiden und Zittern in der zweiten Halbzeit. Ich bin ganz erschöpft.»

Beni Thurnheer, Schweizer Sportkommentator, bereitet sich am 21. August 2002 an einem Kommentatorenpult im St. Jakob Stadion in Basel auf einen Einsatz vor. (KEYSTONE/Gaetan Bally)  === ,  ===

Beni Thurnheer auf einem Bild, das drei Monate vor der legendären Partie in Basel geschossen wurde. Bild: KEYSTONE

Rückblickend bezeichnet «Beni National» seine Kommentarleistung als eine der besten seiner Karriere, derart sei er vom Geschehen auf dem Rasen inspiriert worden. 2008 sagt er in der «Basler Zeitung» über das 3:3 des FCB gegen Liverpool: «Von der Dramatik her war das einmalig. Da war ich richtig gut drauf. Dieses Spiel müsste man zeigen, wenn ich gestorben bin.»

FC Basels Murat Yakin, links, spricht am fruehen Mittwochmorgen, 13. November 2002, in einer Bar am Basler Barfuesserplatz mit Gigi Oeri, der Maezenin des FC Basels, nachdem die Mannschaft von Christian Gross nach einem Unentschieden gegen den FC Liverpool die Qualifikation fuer die naechste Runde in der Champions League geschafft hat. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Abwehrchef Murat Yakin und Mäzenin Gigi Oeri stossen auf das Weiterkommen an. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Die grössten Schweizer Europacup-Erfolge im Fussball

Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • stiberium 12.11.2015 10:55
    Highlight Ich war auch da. :D Das ganze Stadion hüpfte! "Wer nid gumpt dä isch käi Basler!"
    19 4 Melden

Er ist der erste Schweizer «FIFA»-Profi – SFL plant ab Frühling eine eigene eSports-Liga

Der FC Basel verlängert mit allen drei «FIFA»-Gamern auf einmal. Luca Boller wird dadurch gar zum ersten Schweizer «FIFA»-Profi. Dahinter stecken die Pläne der Schweizer Fussball-Liga. Jetzt kann es ganz schnell gehen, auch in Sachen Neuzugänge beim FCB.

eSports – Spaltpilz. So könnte man das auf ein Minimum reduzieren, wenn man vom Verhältnis der FCB-Fans zum Engagement ihres Lieblingsklubs im Bereich eSports schreibt. Die einen sind hellauf begeistert, die anderen sehen das Ende des Fussballs nahen – des Fussballs, wie wir ihn heute kennen. Egal, ob positiv oder negativ gestimmt, vor dem Hintergrund der sportlichen Krise der ersten Mannschaft denken viele Fans: Und warum investiert ihr nicht mehr Geld in die erste Mannschaft?

Roland Heri, …

Artikel lesen