Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Trainer Ralph Krueger, und die erfolgreiche Schweizer Eishockey Nationalmannschaft werden am Samstag, 13. Mai 2000 auf dem Flughafen Zuerich-Kloten, nach der Rueckkehr von der Eishockey WM in St. Petersburg, von zahlreichen Fans begeistert empfangen . (KEYSTONE//Walter Bieri) === ELECTRONIC IMAGE ===

Die Fans feiern den Erfolgstrainer Ralph Krueger nach seiner Ankunft in Zürich. Bild: Keystone

Ralph Krueger schreibt das wichtigste SMS der Schweizer Hockey-Geschichte 

2. Mai 2000: Die Geburtsstunde der «Hockeymacht Schweiz» und des «Mythos Ralph Krueger». Ein SMS schreibt Hockeygeschichte. 

02.05.18, 00:01 02.05.18, 06:48


Ende der 1990er Jahre kehrt die zweitklassige Hockey-Nation Schweiz am grünen Tisch in die A-WM zurück: Als Gastgeber der WM 1998 in Zürich und Basel sind wir automatisch qualifiziert. Im Herbst übernimmt der deutsch-kanadische Doppelbürger Ralph Krueger als Nachfolger von Simon Schenk unsere Nationalmannschaft.

Auf Anhieb erreicht er auf wundersame Art und Weise mit nur zwei Siegen (gegen Russland und Frankreich) und einem Remis (gegen die Slowakei) bei der Heim-WM das Halbfinale (Niederlagen gegen Schweden und um Bronze gegen Tschechien).

Der Schweizer Eishockey-Trainer Ralph Krueger waehrend dem Match Schweiz-Russland am Donnerstag, 7. Mai 1998, in der Basler Jakobshalle. (KEYSTONE/MICHAEL KUPFERSCHMDT)

Der junge Ralph Krueger an der WM 1998. Bild: KEYSTONE

Die Schweiz beendet diese WM auf dem 4. Platz. Ein Hockey-Wunder. Aber bereits ein Jahr später, 1999 in Norwegen, reicht es nur noch zum 8. Schlussrang. Ralph Krueger ist ein junger, charismatischer Hockeytrainer wie viele andere auch. Noch nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Alles ändert sich bei der WM 2000 in St.Petersburg. Dort erst entsteht der «Mythos Krueger», der Ralph Krueger zum charismatischsten Schweizer Nationaltrainer aller Zeiten, zum Bestsellerautor («Teamlife – über Niederlagen zum Erfolg») macht. Ralph Krueger ist der erste Sporttrainer, der konsequent die neuen Kommunikationsmittel des 21. Jahrhunderts nützt.

Die Schweizer bei der WM 2000

Torhüter: Martin Gerber, Reto Pavoni, Pauli Jaks
Verteidiger: Patrick Sutter, Julien Vauclair, Martin Steinegger, Mathias Seger, Rolf Ziegler, Edgar Salis, Olivier Keller, Mark Streit
Stürmer: Gian-Marco Crameri, Patrick Fischer, Marcel Jenni, Thomas Ziegler, Ivo Rüthemann, Reto von Arx, Michel Riesen, Alain Demuth, Flavien Conne, Claudio Micheli, Patric Della Rossa, Jean-Jacques Aeschlimann, Michel Zeiter.

Russland muss in Russland besiegt werden. Im Normalfall unmöglich

Die WM beginnt mit einem 3:3 gegen die USA recht verheissungsvoll. Aber nach einem blamablen 2:4 gegen Frankreich droht der Schweiz der Sturz in die Relegationsrunde – die Niederlage ist eine grosse Schmach. Nur noch mit einem Sieg gegen Gastgeber Russland ist es im letzten Gruppenspiel möglich, der Abstiegsrunde zu entgehen. Dies scheint absolut unmöglich.

Die Russen haben die nominell beste Mannschaft seit dem Untergang der Sowjetunion zusammengestellt und ein Erfolg an dieser Heim-WM ist heilige vaterländische Pflicht. Selbst die der Polemik abholde, noble NZZ schreibt in ihrer Vorschau auf dieses Spiel, eher kehre der Zar an die Macht zurück als dass die Schweiz Russland besiegen werde.

Ralph Kruegers SMS: «Glaube an das Unmögliche und das Unmögliche wird möglich.» gif: srf

Grösste Schmach Russlands der WM-Geschichte

In der Nacht vor dem Spiel schickte Krueger den Spielern eine SMS: «Glaube an das Unmögliche und das Unmögliche wird möglich.» Er elektrisiert die Spieler. Denn es ist eine Zeit, da noch nicht alle paar Minuten SMS oder WhatsApp-Meldungen oder Push-Nachrichten eintrudeln. Es ist eine neue Kommunikationstechnik.

Krueger trifft den Nerv der Zeit und der neuen Generation. Heute würde diese SMS-Motivation mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr wirken.

Die Höhepunkte der Partie. Video: YouTube/Bars10000

«Was wir heute getan haben, werde ich mein Leben lang nicht vergessen»

Die Schweizer besiegen am 3. Mai 2000 im ausverkauften Ice Palace (12'500 Fans) Russland 3:2 (1:1, 2:1, 0:0) und schicken die Russen in die grösste WM-Pleite ihrer Geschichte (11. Platz). Reto Pavoni – er steht für Martin Gerber im Tor – spielt die Partie seines Lebens. «Ich liebe jeden Spieler und jeden im Staff. Was wir heute getan haben, werde ich mein Leben lang nicht vergessen», sagt Krueger nach der Partie. «Wir bauen auf Charakter, auf Herz, auf positives Denken. Und das zahlt sich aus!» Bundespräsident Adolf Ogi schreibt Ralph Krueger daraufhin eine SMS und gratuliert.

Die Resultate

Gruppenspiele:
Schweiz – USA 3:3
Schweiz – Frankreich 2:4
Schweiz – Russland 3:2

Zwischenrunde:
Schweiz – Schweden 1:1
Schweiz – Lettland 4:1
Schweiz – Weissrussland 3:5

Viertelfinal:
Schweiz – Kanada 3:5

Im Viertelfinal gegen Kanada braucht's einen neuen Motivationstrick. Der Trainer versucht's mit einem mit guter Musik unterlegten Video. Es scheint lange aufzugehen. Die Schweiz führt gegen Kanada bis ins Schlussdrittel ehe wir 3:5 verlieren. Wir erreichen den 6. Schlussrang.

Jubel nach dem 3:2 fuer die Schweizer, welches durch Thomas Ziegler erzielt wird, am Mittwoch, 4. Mai 2000, im Match  gegen Russland, an der Eishockey Weltmeisterschaft im Peter the Graet Stadion in St. Petersburg, Russland. (KEYSTONE/EDI ENGELER) ====ELECTRONIC IMAGE====

Die Schweizer jubeln nach dem Tor zum 3:2 gegen Russland. Bild: Keystone

Krueger als Grundstein für die Zukunft

Nun ist allen klar: Die Schweiz gehört wieder zu den Grossen. Zum ersten Mal wird der Gewinn einer WM-Medaille ein Thema. Die Euphorie ist so gross, dass Verbandspräsident Werner Kohler Ralph Krueger durch einen von den Zeitgenossen als wahnwitzig bezeichneten Vertrag bis 2006 unentlassbar macht. Dank diesem Vertrag übersteht der Nationaltrainer die Depressionen der WM-Turniere von 2001 (9.), 2002 (10.) und 2003 (8.). Er legt den Grundstein für eine Kontinuität und Entwicklung, die 2013 im WM-Finale von Stockholm gipfeln wird.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende sportliche Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Nummer-1-Drafts der NHL und ihre WM-Einsätze

Kim Jong Uns joggende Bodyguards in Südkorea

Video: watson/nico franzoni

04.03.2011: Northug vernascht die Schweden mit dem frechsten Zieleinlauf aller Zeiten

12.03.2010: Carlo Janka schafft den Hattrick und holt sich nach WM-Gold und dem Olympiasieg auch den Gesamtweltcup

16.02.2002: Der krasse Aussenseiter Steven Bradbury schreibt das schönste Olympia-Märchen überhaupt 

15.01.2012: Biathlon-Göttin Magdalena Neuner verliert komplett den Überblick und ballert vier Schüsse auf die falsche Scheibe

18.11.2006: Biathlet Björndalen, der Kannibale der Loipe, lässt das Gewehr daheim und triumphiert auch im Langlauf-Weltcup

01.02.1997 Nur Schweizer auf dem WM-Podest – aber diese Party endet im Fiasko

13.03.2008: Défago ist zwei Hundertstel zu langsam, Albrecht fährt zu schnell – und Cuche verliert die Super-G-Kugel um einen einzigen Punkt

10.02.2002: Simon Ammann, der voll geile Harry Potter der Lüfte, wird Olympiasieger

06.01.2002: Sven Hannawald knackt in Bischofshofen seinen eigenen Schanzenrekord und holt sich als bisher einziger Springer den Tournee-Grand-Slam

20.03.2005: Nach einer Kiste Bier und mit ganz viel Alkohol im Blut fliegt Janne Ahonen weiter als jemals ein Mensch vor ihm

20.02.2014: Ein Sturz produziert das beste Fotofinish aller Zeiten – zumindest für Profiteur Armin Niederer

27.02.2010: Alles scheint nach dem Sturz verloren – da schwimmt sie einfach übers Eis und rettet Deutschland in den Final

23.01.1994: Vreni Schneider steht noch nicht für den Kafi am Pistenrand, sondern ist der Evergreen im Stangenwald

02.02.2008: In ihrer ersten Abfahrt stürzt Lara Gut mit dem Sieg vor Augen – und wird Dritte

31.01.1987: So wie in Crans-Montana haben wir die Österreicher nie mehr paniert

17.03.2012: Schiebermütze auf den Kopf, Holzlatten an die Füsse – Didier Cuche verabschiedet sich mit Stil

Der Horrorsturz in Kitzbühel verändert das Leben von Dani Albrecht für immer

18.12.2004: Abfahrer Kristian Ghedina kollidiert auf den letzten Metern beinahe mit einem Reh

17.12.1993: Liechtensteiner gewinnt mit der 66 die verrückteste Abfahrt der Weltcup-Geschichte

18.01.1987: Pirmin Zurbriggen kommt zum billigsten Weltcupsieg – er ist der einzige Starter

17.01.2010: Füdligate in St.Moritz – Bob-Weltmeisterin Gillian Cooke platzt am Start die Hose

Die Geburtsstunde einer Legende: Jamaika hat 'ne Bobmannschaft!

06.03.1994: Heidi Zeller-Bähler stürzt sich aus dem Starthaus, wie vor und nach ihr nie mehr eine Skifahrerin

07.01.2007: Marc Berthod beendet beim Slalom von Adelboden mit Startnummer 60 und mit dem Lauf seines Lebens die grosse Schweizer Ski-Misere

12.02.2006: Die Ösi-Reporter reiben schon gierig die Hände – da klaut ein Franzose doch tatsächlich noch «ihr» Abfahrts-Gold

03.02.2005: Bode Miller fährt die Kombi-Abfahrt auf einem Ski und wird Weltmeister der Herzen

14.02.1988: «Eddie The Eagle» begeistert die Welt: Mithüpfen ist wichtiger als gewinnen

25.02.1994: Am Ende strahlt die Schöne Nancy Kerrigan und das Biest Tonya Harding vergiesst bittere Tränen

09.03.2012: Ambrosi Hoffmann verkündet seinen Abschied und wir erinnern daran mit dem witzigsten Ski-Video der Welt

29.12.2005: «Grüni» fehlen 100 Meter zur Sensation – nach einem Sturz beim Zielsprung rutscht er knapp an seinem ersten Weltcupsieg vorbei

06.02.1989: Eine deutsche Eintagsfliege vereitelt in Vail einen Schweizer Vierfach-Triumph und wird Abfahrts-Weltmeister

17.02.2006: Tanja Frieden freut sich schon über den silbernen «Plämpu», als Lindsey Jacobellis ihr Gold schenkt

21.12.1998: Nie passt der Fan-Song «Immer wieder Österreich» besser als beim Ösi-Neunfachsieg

15.03.2012: Die grosse Kristallkugel liegt für Beat Feuz bereit – doch er stürzt und Marcel Hirscher ist da, um zu erben

29.01.2011: Im allerletzten Wettkampf setzt Sarah Meier ihrer Karriere die Krone auf

09.01.1954: Wie die Lauberhorn-Abfahrt in Wengen zu ihrem Österreicherloch kam

13.02.1998: Trotz seinem Jahrhundert-Sturz wird Hermann Maier noch Doppel-Olympiasieger

10.01.2007: Rainer Schönfelder rast am Lauberhorn die längste Abfahrt der Welt nackt hinunter

14.12.1997: Weil Hermann Maier falsch jubelt, erbt Mike von Grünigen den Sieg des Österreichers

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Warum unser Eishockey international inzwischen besser ist als der Fussball

Das WM-Abenteuer ist bereits in der ersten K.o.-Runde zu Ende. Wie immer. Die Eishockey-Nationalmannschaft ist besser. Weil die Fussballer nach wie vor offensive Hinterbänkler sind. Eine Polemik.

Hinkt ein Vergleich zwischen einer Fussball- und Eishockey-WM? Auf den ersten Blick ja. Weil Fussball ein globaler Sport ist. Im Eishockey ist die Weltklasse hingegen auf weniger als zehn Länder auf der nördlichen Halbkugel beschränkt.

Auf den zweiten Blick macht ein Vergleich hingegen Sinn. Denn am Ende, wenn die Titanen unter sich sind, ist es im Eishockey gleich schwierig wie im Fussball, bei einem Titelturnier weiterzukommen. Ja, die Hierarchie ist im internationalen Eishockey eher noch …

Artikel lesen