Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Dieser Blick verrät, dass hier gleich Geschichte geschrieben wird. Blöd für den Reporter, gut für uns.   Screenshot: youtube/Alexander Geisler

Unvergessen

Greg «fucking» Holst macht sich mit Ausraster-Interview unsterblich

24. Februar 2006: Er trägt gerne Cowboy-Stiefel, hat immer einen Salzstreuer dabei und sein Lieblingswort ist «fucking». Greg Holsts legendäres Interview macht den Austro-Kanadier zur absoluten Hockey-Kultfigur.



Greg Holst erblickt 1954 in Montreal, der wohl eishockeyverrücktesten Stadt überhaupt, das Licht der Welt. Wie bei so vielen Kanadiern fliesst auch bei ihm fremdes Blut: österreichisches in seinem Fall. Holst tingelt zu Beginn seiner Karriere in unteren Ligen umher. 1975 kriegt der nur 1,77 Meter grosse und 78 Kilogramm schwere Stürmer dann doch die Chance, sich in der NHL zu beweisen. Doch in seinen drei Jahren bei den New York Rangers kommt er nur auf elf Spiele und kann sich dabei keinen einzigen Skorerpunkt gutschreiben lassen. 

Bild

Greg Holst: Kein Typ, der am Wochenende auf der Yoga-Matte Atemübungen macht. Screenshot: hockeydb.com

So folgt er 1978 einem lukrativen Angebot des EV Innsbruck, dessen Verantwortliche er bei einem Testspiel trotz gebrochenem Handgelenk völlig von sich überzeugen kann. Seine erste Begegnung mit Holst beschreibt ein Mitspieler später folgendermassen: «Kurz gesagt, er war anders. Als ich ihn zum ersten Mal sah, stand er vor mir mit einem Rock-T-Shirt und einer bunten Hose. Es war ein einmaliges Bild.»

«Er war sicher der beste Spieler seiner Zeit in Österreich. Er brachte den kanadischen Flair und prägte das österreichische Eishockey über Jahrzehnte.»

Sein ehemaliger Mitspieler Günther Hanschitz gerät bei Greg Holst ins Schwärmen

Holst macht sich in Österreich sofort einen Namen und dominiert die Liga als Spieler für stolze 15 Jahre. In 533 Spielen bringt er es auf 921 Skorerpunkte (462 Tore und 459 Assists). Auch nimmt Holst die österreichische Staatsbürgerschaft an und verstärkt das Nationalteam.   

Die Marotten von Greg Holst

Die Österreicher merken schnell, dass Greg Holst kein normaler Zeitgenosse wird, wie ein ehemaliger Mitspieler sich auf der Innsbrucker-Homepage bekennt: «Er war und ist ein hyperaktiver Mensch. Ich glaube, er hat keine vier Stunden pro Nacht geschlafen. Er war einfach ein bisschen verrückt.» Über Holsts Aberglauben erzählt er: «Er kam zum Beispiel immer mit den gleichen Cowboystiefeln zu den Spielen. Hatte er sie mal nicht an, war mit ihm nicht mehr zu spassen.»

Holst nimmt überallhin einen Salzstreuer mit. Der Grund ist laut dem ehemaligen Mitspieler Herbert Hohenberger simpel, aber umso lustiger: Kanadisches Bier schäumt kaum. Deswegen schüttet Holst immer ein bisschen Salz in den Gerstensaft, um den Schaum künstlich zu erzeugen. Obwohl man den Schaum in Österreich bereits mit dem Bier geliefert bekommt, würzt er das Getränk immer wieder mit Salz nach. Hohenberger lachend: «Und jedes Mal lief es am Ende über.» 

«Go Holst, go!»

Der Schlachtruf der Innsbruck-Fans für ihren Lieblings-Coach sportjahr.at

Als Holst nach seinem Karriereende 2002 dann Chef-Trainer wird, wandelt sich der heissblütige Wolf nicht zum braven Lämmchen. Der impulsive Austro-Kanadier steht 2006 beim Villacher SV an der Bande, als sein Team gegen die Vienna Capitals im Penaltyschiessen verliert. Seine Mannschaft hatte zu Beginn noch mit zwei Toren geführt. Als sie für über fünf Minuten in doppelter Unterzahl auskommen muss, kippt die Partie.

So gelingt den Capitals noch der Ausgleich und sie retten sich ins Penaltyschiessen. Zu viel für Greg Holst. Der Austro-Kanadier rastet im Interview komplett aus, weil anscheinend nicht sein nominierter Spieler den entscheidenden Penalty ausgeführt hat. Ganze neun (!) Mal bringt es Holst in knapp einer Minute fertig, das berühmt-berüchtigte F-Wort in seinem deutsch-englischen Kauderwelsch unterzubringen.

«Fucking-Komplettskandal»

abspielen

Video: YouTube/Alexander Geisler

Nach dem Interview kehrt Holst in die Katakomben zurück. Auf dem Weg dahin lässt er noch die Kabinentüre spüren, wie es ist, sich mit ihm anzulegen.

Zum Glück hat sich der «Temperamentsbolzen» auch Jahre nach der Episode weiterhin den «kritischen» Fragen der Reporter gestellt. 

«Auf Wiedersehen»

abspielen

Kurz und knapp: Greg Holst 2010. Video: YouTube/ElbartKAC

Die Wutattacken von Holst animiert auch kreative Köpfe zu Höchstleistungen. Ein lustiger Zeitgenosse hat die Wutrede von Greg Holst im Stile des «300»-Films animiert. 

Berühmte Szene mit Leonidas neu verfilmt

abspielen

Video: YouTube/Robert Hirzinger

Die zwei Söhne Taylor und Michael sorgen nach seinem Rücktritt dafür, dass der Name Holst auch weiterhin im Eishockey zu hören sein wird. Sie sind beide selbst als Profis tätig. Taylor ist stolz auf den berühmten Papa: «Er ist mein Vorbild, auch wegen seiner Ehrlichkeit wie bei dem berühmten Interview.»

Und auch auf den legendären Greg Holst müssen die Fans nicht länger verzichten. Seit Anfang November 2015 ist er nämlich zurück, an der Bande beim Villacher SV. Sein nächstes Ausraster-Interview ist also wohl nur eine Frage der Zeit.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!​

60 Sportfotos, die unter die Haut gehen

Das könnte dich auch interessieren:

Fazit nach Frauenstreik: Hunderttausende Menschen protestierten für Gleichstellung

Link zum Artikel

«Er hat nicht unrecht» – das sagt Christoph Blocher zu SVP-Glarners Handy-Terror

Link zum Artikel

Du willst dein Handy sicherer machen? Dann solltest du diese 10 Regeln kennen

Link zum Artikel

FCB-Sportchef Streller tritt mit emotionalem SMS zurück: «Es bricht mir s’Herz»

Link zum Artikel

Trump hat sich im Persischen Golf verzockt

Link zum Artikel

5 Action-Heldinnen, die die Filmwelt ordentlich gerockt haben

Link zum Artikel

Preisgeld-Vergleich: So viel mehr kassieren Männer im Sport als Frauen

Link zum Artikel

14 Gründe, warum die Frauen heute streiken

Link zum Artikel

«Das stimmt einfach nicht» – Martullo-Blocher wird in der «Arena» vorgeführt

Link zum Artikel

Nach Handy-Terror: Betroffene Mutter rechnet mit SVP-Glarner ab – und wie

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

9 spannende Geisterstädte und ihre Geschichten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen

Die «Alpen-Russen», ein verpasster Weltrekord und ein neues Traumpaar

Ein WM-Start, wie es sich für einen Grossen gehört. Die Schweizer zauberten gegen die Italiener wie die Russen in alten Zeiten und feierten mit 9:0 den höchsten WM-Sieg seit 1952. Aus diesem Partyspiel ergeben sich sieben positive Erkenntnisse für diese WM.

Das Trauma «WM-Start» ist überwunden. Viermal hintereinander hatten die Schweizer im Startspiel gegen den Aufsteiger Punkte abgegeben. Und nun war die Ouvertüre gegen Aufsteiger Italien ein Spektakel sondergleichen. Traum statt Trauma. Wie ist das möglich?

In erster Linie ist es eine Kopfsache. Die Zuversicht war also kein Irrtum. Die Schweizer haben diese Partie nicht nur mit der kontrollierten Arroganz der Grossen hinter sich gebracht. Sie haben sie mit einer erfrischenden Spielfreude geradezu …

Artikel lesen
Link zum Artikel