Was Del Curto schon alles mitmachen musste, kann man teilweise kaum glauben. Aber in über 20 Jahren als Trainer läppert sich da einiges zusammen. So auch diese Anekdote:
Del Curto kam im Sommer 1996 als Cheftrainer zum HC Davos. In der neunten Runde empfängt sein Team an diesem Oktobertag den SC Bern. Der HCD hat mit einem Sieg die Chance, erstmals seit elf Jahren wieder die Tabellenspitze der Nationalliga A zu übernehmen.
Doch Del Curto muss seine Spieler dabei in ungewöhnlichen Dingen coachen. So auch irgendwann während der Partie, als er sich nach einer kurzen Diskussion mit dem Unparteiischen zur Spielerbank dreht und erklärt:
Er dreht sich kurz zum Kanadier Ken Yaremchuk, der an der Bande steht und den es wohl besonders angeht:
Dann dreht er sich zurück zur Spielerbank, läuft an den Schweizer Spielern vorbei und wiederholt auf Deutsch:
Ob die Botschaft wirklich ankam, ist zumindest in der englischen Version unklar. 16 Jahre später kann Del Curto am Spengler Cup im Interview mit TSN mit seinem Englisch jedenfalls nicht wirklich überzeugen:
Doch zurück zu 1996: Davos verliert die umstrittene Partie mit 3:4 nach Verlängerung. Erst zwei Sekunden vor Schluss trifft Régis Fuchs für die Gäste. Die Offiziellen am Zeitnehmertisch lassen die Matchuhr allerdings noch sieben Sekunden weiterlaufen und auf der Resultattafel steht es noch immer 3:3.
Im Stadion herrscht Verwirrung, Del Curto hat vor dem Treffer ein Foul von Gates Orlando an Yaremchuk gesehen und will eine Annullierung des Treffers. Der Stadionspeaker kündet derweil das «definitive Resultat für später» an. Zehn Minuten dauert die Ungewissheit, dann gibt Headschiedsrichter Moreno den Siegtreffer endgültig. Davos' Warten auf die erste Leaderposition dauert noch über die ganze Spielzeit an.
Was Profitrainer heutzutage alles können müssen ... Es reicht längst nicht mehr, nur Technik und Taktik zu vermitteln. Psychologe sollte man sein, Pädagoge natürlich, ein guter Redner und Motivator. Dazu muss man einen väterlichen Rat geben können, sich in den Medien gut schlagen, einen breiten Rücken haben, Spieler trösten können und die sensiblen Jungs nach Niederlagen wieder aufmuntern.
Dazu vielleicht zwischendurch der Kumpel sein und die Spieler auf Gefahren und Nutzen von Social Media aufmerksam machen. Die Liste ist fast endlos. Einer, der dies alles am besten beherrscht, ist Arno Del Curto. Der Davos-Trainer steht in seiner 19. Saison und ist erfolgreich wie eh und je. Seine Sprüche sind längst legendär, seine Einstellung vorbildlich.
Kein Wunder widmet das Schweizer Fernsehen dem Bünder 2011 eine kurze Serie «Wie Arno Del Curto tickt» und bei Radio Grischa muss er sich «Rolf – dem Reporter ohni Grenza» stellen, wo es unter anderem über das Flirtverhalten von Steinböcken geht. Beides sind nur zwei der unzähligen grossartigen Anekdoten über den Kulttrainer.