Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Triumph in der Champions Hockey League

Zürcher Löwen die Könige von Europa

28. Januar 2009: Welch ein Spiel! Welch ein Drama! Welch ein Triumph! Die ZSC Lions besiegen Magnitogorsk sensationell 5:0 – und sind die Nummer eins in Europa.

Magnitogorsk hat sich verspekuliert. Der Versuch, mit dem Einsatz von nur drei Linien die ZSC Lions diesmal von allem Anfang an in die Schranken zu weisen, mündete in eine logische Niederlage. Im Schlussdrittel blieb eine der wuchtigsten Offensivmaschinen des internationalen Hockeys mit leeren Tanks stehen. Der Schweizer Meister, der die Belastung auf vier Linien verteilt hatte, war am Schluss frischer und besser.

Es war eine Partie, in der die ZSC Lions in den Bereichen Intensität, Disziplin, Tempo und Effizienz Weltklasseniveau erreichten. Aus den vier ersten Powerplays machten sie zwei Tore, eine Quote von 50 Prozent. Bereits 30 Prozent gelten als erstklassig.

ZSC Lions fans and supportes and a banner saying 'Huet werdemer zaeme gschicht schriibe' (in English: 'Today we will write history together') during the ice hockey Champions League second leg final game between ZSC Lions of Switzerland and Metallurg Magnitogorsk of Russia held at the Diners Club Arena in Rapperswil, Switzerland, Wednesday, January 28, 2009. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Die Fans der ZSC Lions waren schon vor dem Spiel vom Triumph überzeugt. Bild: Keystone

Sie wankten, aber sie fielen nicht

Es war ein Drama. Denn die Zürcher standen lange Zeit immer wieder knapp am Abgrund. Wie im Hinspiel wankten sie. Aber sie fielen nicht. Sie hielten Ende des zweiten und Anfang des dritten Drittels beim Stande von 2:0 sogar während 72 Sekunden mit fünf gegen drei Feldspieler der russischen Offensiv-Dampfwalze stand.

Im Rückblick zeigt sich, dass die Champions League in diesen Sekunden entschieden wurde. Die Angriffskraft der Russen erschöpfte sich in dieser Powerplay-Situation.

Blaine Down, right, of Swiss team ZSC Lions scores the first goal for ZSC Lions during the ice hockey Champions League second leg final match between ZSC Lions and Metallurg Magnitogorsk in Rapperswil, Switzerland, Wednesday, January 28, 2009. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Blaine Down trifft zum 1:0. Bild: Keystone

Hexenkessel in Rapperswil

Dass es diesmal gelang, anders als im Hinspiel (2:2), den 2:0-Vorsprung zu halten und schliesslich komfortabel auszubauen, hat auch etwas mit den Fans zu tun. Es hat in den letzten 25 Jahren im internationalen Eishockey nicht manche so stimmungsvolle Partie gegeben wie das Rückspiel in Rapperswil – weil das Hallenstadion besetzt war, musste dorthin ausgewichen werden. Die Arena (6200 Fans, unter ihnen Sportminister Ueli Maurer) war von der ersten Sekunde an im guten Sinne ein Hexenkessel.

Das Drehbuch der Partie ähnelte durchaus jenem im Hinspiel. Die ZSC Lions kontrollierten die erste Hälfte des Spiels und gerieten dann erst im Laufe des zweiten Drittels immer stärker unter Druck gegen eine der offensiv stärksten Mannschaften der Welt. Aber diesmal befreiten sie sich in der Schlussphase wieder, und die letzten zehn Minuten wurden zum triumphalen Schaulaufen.

ZSC Lions defensman Mathias Seger poses with the 'Silver Stone' trophy in the locker room after ZSC's victory in the ice hockey Champions League second leg final game between ZSC Lions of Switzerland and Metallurg Magnitogorsk of Russia held at the Diners Club Arena in Rapperswil, Switzerland, Wednesday, January 28, 2009. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Pokal und Zahnlücke kennzeichnen Matthias Seger als erfolgreichen Eishockeyspieler. Bild: Keystone

Ari Sulander of Swiss team ZSC Lions lifts the trophy after winning the Ice Hockey Champions League final match against Metallurg Magnitogorsk in Rapperswil, Switzerland, pictured on January 28, 2009. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Torhueter Ari Sulander vom schweizerischen ZSC Lions Team hebt den

Goalie Ari Sulander, auch in der Champions League «The Rock». Bild: Keystone

Taktik schlägt Talent

Damit ist auch angedeutet: Der Erfolg der ZSC Lions ist mehr ein Triumph der taktischen Intelligenz und der Disziplin als ein Triumph des reinen Talentes. Hinter vorgehaltener Hand hatten die russischen Spieler schon nach dem Hinspiel gemurrt, dass sie vom Coach nicht auf die Eigenheiten des Schweizer Meisters vorbereitet worden waren.

In ihrer eigenen Meisterschaft treffen sie nicht auf so gut organisierte, aggressive Gegner. Sich nicht um den Gegner zu kümmern und das eigene Spiel durchzusetzen, kann ein Zeichen des Selbstvertrauens sein, aber auch der Arroganz. Die besser vorbereitete, besser gecoachte Mannschaft gewann die Champions Hockey League. Dieser europäische Feldzug, den die ZSC Lions ohne Niederlagen in Schweden, Tschechien, Finnland und Russland überstanden haben (nur eine Niederlage nach Penaltys im Heimspiel gegen Prag), ist auch das Meisterstück des Coaching- Duos Sean Simpson/Colin Muller.

ZSC Lions head coach Sean Simpson, left, hugs forward Ryan Gardner after ZSC's victory in the ice hockey Champions League second leg final game between ZSC Lions of Switzerland and Metallurg Magnitogorsk of Russia held at the Diners Club Arena in Rapperswil, Switzerland, Wednesday, January 28, 2009. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Trainer Sean Simpson und Stürmer Ryan Gardner feiern den Triumph. Bild: Keystone

Die Highlights des Finalrückspiels zwischen den ZSC Lions und Metallurg Magnitogorsk. Video: Youtube/DruidCraft

Bis zum WM-Silber der grösste Schweizer Triumph

Der Gewinn der Champions League, an der sich 14 europäische Spitzenteams beteiligt hatten, ist der grösste Erfolg des Schweizer Mannschaftssportes und übertrifft alle Leistungen unserer Fussballteams in europäischen Wettbewerben. Es ist zugleich der grösste Erfolg unseres Eishockeys seit dem Gewinn der Europameisterschaft 1950 in London (und sollte erst 2013 mit WM-Silber übertroffen werden).

Die Zürcher besiegten auf ihrem Weg zum Triumph den Qualifikations-Zweiten aus Schweden (Linköpings) auswärts 7:2 und zu Hause 4:3, verloren zu Hause gegen den Tschechischen Meister Slavia Prag nach Penaltys 4:5 und sicherten sich das Weiterkommen mit einem 5:1 gegen den gleichen Gegner in Prag. Damit standen die ZSC Lions direkt im Halbfinale und qualifizierten sich mit einem 6:3 und 4:1 gegen Finnlands Vize-Meister Espoo Blues fürs Finale.



Die ZSC-Helden der Champions League 2009

Goalie: Ari Sulander, Lukas Flüeler.

Verteidiger: Severin Blindenbacher, Claudio Cadonau, Beat Forster, Patrick Geering, Kevin Gloor, Philippe Schelling, Daniel Schnyder, Steven Schoop, Mathias Seger, Radoslav Suchý.

Stürmer: Jan Alston, Mark Bastl, Cyrill Bühler, Blaine Down, Ryan Gardner, Lukas Grauwiler, Oliver Kamber, Alexei Krutow, Aurelio Lemm, Thibaut Monnet, Domenico Pittis, Peter Sejna, Jean-Guy Trudel, Adrian Wichser.

Cheftrainer: Sean Simpson. Assistent: Colin Muller

Nach Magnitogorsk die Chicago Blackhaws

Die ZSC Lions erklommen im Herbst 2009 auch noch den Mount Everest des Klubhockeys: Sie besiegten am 29. September 2009 im Zürcher Hallenstadion die Chicago Black Hawks 2:1 und gewannen den Victoria Cup. Es war der erste Sieg einer Schweizer Mannschaft über ein NHL-Team.

Dieser Sieg in der Champions Hockey League sollte einmalig bleiben: Nach nur einem Jahr gab es die europäische Klubmeisterschaft bereits nicht mehr. Die IIHF war auch nicht fähig, den Victoria Cup zu einer Erfolgsgeschichte zu machen. Die ZSC Lions sind bis heute die letzten Sieger dieses Wettbewerbes geblieben, der nur zweimal ausgetragen worden ist (2008/ Sieger New York Rangers/2009/Sieger ZSC Lions).

ZSC Lions Captain Mathias Seger, center, and his teammates celebrate with the Victoria Cup trophy after defeating the NHL team Chicago Blackhawks 2-1 in their Victoria Cup game at the Hallenstadion in Zurich, Switzerland, Tuesday, September 29, 2009. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Noch ein Pokal: Matthias Seger stemmt den Victoria Cup in die Höhe. Bild: Keystone

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

Abonniere unseren Newsletter

Abonniere unseren Newsletter

6
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • peperoth 28.01.2014 15:55
    Highlight Highlight Ein Detail: Beat Forster war am Schluss nicht mehr dabei. Er wurde während der Champions League entlassen.
    0 0 Melden
  • Wahrheit 28.01.2014 11:44
    Highlight Highlight ...ich habe fast Tränen in den Augen. Danke für den wunderbaren Rückblick. Die Zusammensetzung, der Einsatz, der Teamgeist und die Umsetzung machte das wohl beste Schweizer Team "ever" aus.
    3 1 Melden
    • tösstaler 28.01.2014 19:23
      Highlight Highlight joa, mehr Tränchen gabs nur damals, als der Zett unter AdC mit Fritten-Krutow die Luganesi rausgepfeffert hatten ;-)
      0 0 Melden
    • Clark Kent 30.01.2014 15:16
      Highlight Highlight zu glück war dieses turnier für die gegner nur ein gschpass-turnierli.
      0 1 Melden
  • Clark Kent 28.01.2014 01:53
    Highlight Highlight und was soll diese alte geschichte? ich glaube, ich muss die watson-seite wieder aus den favoriten löschen. der herr zaugg ist jetzt zsc-fan geworden, nachdem seine langnauer abgestiegen sind..
    0 3 Melden
    • EvaWohlgemuth 28.01.2014 09:47
      Highlight Highlight "In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei." - deshalb die alte Geschichte ;-)
      2 1 Melden

Langnau wie ein grosser SC Bern, aber viel besser

Langnaus Heinz Ehlers vollbringt mit seinem «Hockey-Sozialismus» wahre Wunder. 4:1 gegen die ZSC Lions, Platz zwei in der Tabelle. Was wäre, wenn er ein Spitzenteam coachen würde?

Ein grosser Auftritt eines grossen Trainers. Langnaus Heinz Ehlers wird nach dem 4:1 gegen die mächtigen ZSC Lions gefragt, ob er zufrieden sei. «Nein», sagt er. «Wir haben zu viele Fehler gemacht. Es war das zweitschlechteste dieser Saison». Er sei schon stolz auf sein Team. Aber mit der Leistung, nein, da könne er nicht zufrieden sein.

Donnerwetter. Das ist wahrlich gelebte Bescheidenheit, echte Demut, vornehme Zurückhaltung. Er wird nun gefragt, warum er denn nicht zufrieden sei. Und er sagt, …

Artikel lesen
Link to Article