Unvergessen
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A pigs head is seen on the pitch after it was thrown at Real Madrid's Portugues player Luis Figo during a Spanish league match against Barcelona in Barcelona, Spain Saturday Nov. 23, 2002. Figo, a former Barcelona player was subjected to continious abuse from Barcelona fans and the match was halted for 13 minutes after objects were hurled at him from the stands. (KEYSTONE/AP Photo/Courtesy of AS Newspaper)  === SPAIN OUT ===

Ein Schweinekopf auf dem Rasen des Camp Nou. Bild: AP AS

Unvergessen

Luis Figo wird bei seiner Rückkehr nach Barcelona mit einem Schweinekopf empfangen

23. November 2002: Der portugiesische Mittelfeldspieler Luis Figo mausert sich in seinen sechs Jahren beim FC Barcelona zum Fanliebling und wird sogar Captain des Teams. Doch der überraschende Wechsel zum Erzrivalen Real Madrid lässt die Liebe abrupt beenden.



1995 wechselt Luis Figo von Sporting Lissabon zum FC Barcelona. In der katalanischen Metropole dribbelt sich der 1,80 m grosse Portugiese mit seiner Spielart in die Herzen der Fans. Der Mittelfeldspieler führt die «Blaugrana» als Captain zu je zwei Meistertiteln und Cupsiegen.

Figo wird danach wie kein anderer Ausländer in Katalonien – der von der Madrider Zentralregierung vernachlässigten Region – verehrt. Er ist sozusagen einer der ihren. Ein Klubfunktionär meint sogar, Figo bedeute Barcelona mehr als das Eigengewächs Pep Guardiola.

Barcelona's Portuguese player Luis Figo, left, controls the ball in front of Dutch side PSV Eindhovens' Polish midfielder Tomek Iwan during a Champions' League soccer match in Barcelona Wednesday, October 1, 1997. (AP Photo/M.Barriopedro/EFE) -SPAIN OUT-

Ein Ausländer als Captain von Barcelona. Bild: EFE

Wenn aus Liebe Hass wird

Doch nach sechs erfolgreichen Jahren schlägt die grosse Bewunderung in abgrundtiefen Hass um. Nach der Fussball-EM 2000, wo Figo zum besten Spieler des Turniers gewählt wird, wechselt der Portugiese für die damalige Rekordsumme von 60 Millionen Euro zu Erzrivale Real Madrid.

Der Wechsel falle ihm leicht, verrät Figo in einem Interview sogar: «Bei Barça war ich nicht damit zufrieden, wie man mich wertschätzte. Ich bekam also die Möglichkeit und zögerte keine Minute.»

«Ich hatte immer das Gefühl, dass man nicht genug gewürdigt hat, was ich für den Verein getan hatte. Für so einen langen Zeitraum gab ich mein Bestes, aber am Ende wurde mein Wunsch schliesslich Realität.»

Luis Figo goal.com

Noch mehr verärgert die Barça-Fans, dass Figo monatelang die Gerüchte um einen allfälligen Wechsel ins Reich der Fabelwesen verweist.

Portuguese soccer player Luis Figo holds up the Real Madrid shirt he will be wearing next season after being presented to the press at the Bernabeu stadium in Madrid, Spain Monday, July 24, 2000. Figo formerly played in Barcelona. (AP Photo/Zaheeruddin Abdullah)

Figo wechselt die Fronten. Bild: AP

Wie der Spiegel schreibt, beschimpfen die Katalanen ihn fortan als «Judas Figo» und richten sogar die Website antifigo.com ein. Sie sollte zu einem Sammelsurium der Beleidigungen gegen den «meistgehassten Spieler Barcelonas» werden. Mittlerweile ist sie vom Netz verschwunden.

Portuguese soccer player Luis Figo holds up the Real Madrid shirt he will be wearing next season after being presented to the press at the Bernabeu stadium in Madrid, Spain Monday, July 24, 2000. Figo formerly played in Barcelona. (AP Photo/Zaheeruddin Abdullah)

Als «Geldhure» wird Figo bezeichnet. Bild: AP

Für die Rachekampagne organisiert der Verein ausserdem den Service, dass jeder Fan, der eines der 25'000 Trikots mit dem Namenszug des Abgewanderten gekauft hat, sich kostenlos den Aufdruck «Luis Figo» und die Sieben vom Dress der Katalanen entfernen lassen kann. «Das ist das Letzte, was ein Fan haben will: ein Trikot von einem Mann, der nicht mehr für uns spielt», begründet Fanshop-Geschäftsführer Josep Maria Meseguer die Aktion.

Das Derby der Schande

Figo geht bei der ersten Rückkehr nach Barcelona mit einer 0:2-Niederlage vom Feld. Historisch wird aber nicht diese Partie, sondern das Aufeinandertreffen von Barcelona und Real Madrid am 23. November 2002. Luis Figo muss sich aufgrund des «lautesten Pfeifkonzerts der Fussballgeschichte des Landes» die Ohren zuhalten.

«Ich muss wohl einer der wenigen Sportler sein, der 120'000 Personen gegen sich hatte. Als ich zum ersten Mal wieder im Camp Nou war, gab es einen Heidenlärm.»

Luis Figo fussballeuropa.com

Vielleicht auch besser so: Die Beleidigungen im Camp Nou fallen gelinde gesagt ziemlich übel aus. So hallt bei jedem Ballkontakt von Figo ein lautes «Pesetero» («Geldhure») von den Rängen.

Real Madrid's Portugues player Luis Figo is protected by police as he takes a corner during a Spanish league soccer match against his old club Barcelona in Barcelona Saturday Nov 23, 2002. Figo was pelted with objects thrown from the crowd and the game was held up for around 10 minutes.  (KEYSTONE/AP Photo/Cesar Rangel)

Figo ist Feindbild Nummer eins. Bild: AP

Der Plan von Real Madrid, die Nummer Zehn die Eckbälle schiessen zu lassen («Ich habe keine Angst und werde wieder die Ecken schiessen»), ist vielleicht nicht die allerklügste Idee in der langen Vereinsgeschichte. In der 72. Minute will Figo einen Corner treten, die Heimfans nehmen den «Verräter» ins Visier.

Sie bewerfen den Abtrünnigen mit zahlreichen Gegenständen: Plastikflaschen, faules Obst, Münzen, Messer, eine Whiskey-Flasche und selbst ein Schweinekopf finden den Weg auf das Feld. Gesehen haben will der damals 30-Jährige das tierische Flugobjekt übrigens nicht. «Wenn ich das Schwein gesehen hätte, hätte ich ein Stück davon gegessen», feixt er.

Real Madrid's Portugues player Luis Figo is protected by police as he takes a corner during a Spanish league soccer match against his old club Barcelona in Barcelona Saturday Nov 23, 2002. Figo was pelted with objects thrown from the crowd and the game was held up for around 10 minutes.  (KEYSTONE/AP Photo/Cesar Rangel)

Eine Ecke in seiner ehemaligen Heimstätte erweist sich als unlösbare Aufgabe. Bild: AP

Der Offensivspieler muss unverrichteter Dinge in die Mitte des Spielfelds in Sicherheit zurückkehren. Die einheimischen Spieler und Betreuer versuchen zwar, die aufgebrachten Randalierer zu beschwichtigen – es ist aber zwecklos. Als der Portugiese sich ein weiteres Mal der Eckfahne nähert, wiederholt sich die Szenerie. Figo gibt später zu: «Ich hatte grosse Sorgen, dass ein Verrückter sich nicht mehr beherrschen kann.»

Der Schiedsrichter muss beide Teams in die Kabinen zurückschicken. Nach einer Viertelstunde kann die Partie mit dem anstehenden Eckball endlich fortgesetzt werden.

«Ich hatte grosse Sorgen, dass ein Verrückter sich nicht mehr beherrschen kann.»

Luis Figo

Das Spiel selbst ist wahrlich kein Leckerbissen und endet torlos. Der FC Barcelona wird für die Vorkommnisse zunächst mit zwei Spielen Platzsperre bestraft. Die Katalanen gehen erfolgreich in Rekurs, am Ende bleibt eine (lächerliche) Summe von 4000 Euro als Strafmass. Das ist nicht viel mehr, als einige Fans für die Tickets auf dem Schwarzmarkt bezahlt haben.

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Der Clásico im November 2002 geht in die Geschichte ein. Video: YouTube/James Power

Der Portugiese bleibt im Gedächtnis der Barça-Anhänger. So flitzt der bekannte Barcelona-Fan Jimmy Jump während des EM-Finals 2004 über den Platz und wirft eine Barcelona-Fahne auf Figo und zeigt so unmissverständlich seine Verachtung.

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Luis Figo trifft Jimmy Jump. Video: YouTube/sergio capel

Nach dem Karriereende 2009 sieht Figo die Geschichte gelassener: «Ich habe überhaupt keine Probleme mit Barcelona». Ganz so geheuer ist es dem Portugiesen aber nicht. So redet Figo nicht mehr mit den Medien aus Barcelona. Und auch seine Ferien hat der dreifache Familienvater wohl kaum einmal in der katalanischen Hauptstadt verbracht.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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