Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Image

Wer hat hier wohl mehr Angst? bild: keystone

Muni Maradona stürmt die Letzigrund-Tribüne – zur Belohnung darf er ins Altersheim

28. Februar 1999: Stolz präsentiert der FC Zürich sein neues Maskottchen. Blöd nur, dass der Stier bockt und ausreisst. Im Stadion kommt es zur Corrida – rette sich, wer kann!



Als im Januar 1999 ein junger Muni aus dem Schlachthof nebenan ins Letzigrund-Stadion flüchtet, freut sich der FC Zürich. Vizepräsident Hugo Holenstein sieht im einjährigen Tier einen Glücksbringer. Also kauft er es für 2000 Franken, tauft es Maradona und will es als Klubmaskottchen einsetzen. Was in Köln mit Geissbock Hennes klappt, sollte ja auch in Zürich machbar sein.

Was sie in Zürich vergessen: dass ein Muni kein Geissbock ist. Beim Finalrunden-Auftakt gegen den FC St.Gallen wird Maradona vor dem Spiel stolz dem Publikum präsentiert, mitsamt FCZ-Schal um den Bauch. Die Präsentation misslingt genau so spektakulär wie ein Jahr vorher diejenige von Windows 98, als Bill Gates der Welt sein neues Betriebssystem vorstellt und es abstürzt.

Play Icon

Während Klaus und Klaus noch «Da steht ein Pferd auf dem Flur» schaukeln, spielt der FC Zürich eine Liga höher. Bei ihm stürmt ein Muni die Tribüne. Video: YouTube/mpn75

Die Erinnerungen von FCZ-Präsident Hotz

Kaum ist der Transporter samt Tierarzt im Letzigrund, türmt Maradona. Aufgeschreckt durch die Fotografen sprintet er auf das Spielfeld, wo sich die beiden Mannschaften aufwärmen. FCSG-Eisenfuss Wilco Hellinga gibt zunächst noch mutig den Torero, doch auch er muss schliesslich vor dem wilden Muni wegrennen.

«Ich kam ahnungslos aus den Katakomben, da sprang mir Maradona entgegen», erinnerte sich FCZ-Präsident Sven Hotz einst in der NZZ am Sonntag an den Vorfall. «Er rannte in Richtung Ersatzbank. Drei Fotografen stürzten übereinander. Die Spieler flüchteten hinters Tor. Der Stier drehte auf der Leichtathletik-Bahn ab, warf den Supporter-Präsidenten um und rannte die hintere Treppe hinauf.»

Maradona Ein Stier hat seinen Auftritt im Zuericher Letzigrund Stadion kurz vor Beginn des Spiels FC Zuerich gegen FC St. Gallen am 28. Februar 1999. Der Stier floh vor einigen Tagen aus dem nahgelegenen Schlachthof und wurde von FCZ-Fans gekauft, um sein Leben zu retten und ihn als FCZ-Mascottchen einzusetzen. (KEYSTONE/Christoph Ruckstuhl)

Maradona in Aktion. Da vermeidet ausnahmsweise sogar der knüppelharte Wilco Hellinga einen Zweikampf – der Fotograf hat ihn gerade noch erwischt. Bild: Keystone

Das Telegramm

FC Zürich – FC St.Gallen 0:2
Letzigrund, 5400 Zuschauer.
Tore: 31. Contini 0:1, 58. Jairo 0:2.
Zürich: Trombini; Huber, Castillo, Fischer, Di Jorio (46. Wiederkehr); Tarone, Opango (59. Sant'Anna), Lima, Del Signore (59. Nixon); Barlett, Chassot.
St.Gallen: Stiel; Zellweger (92. Sène), Zwyssig, Tsawa, Eugster; Müller, Hellinga, Jairo, Slavtchev (84. Damasio); Contini, Gil.
Bemerkungen: FCZ ohne Shorunmu und Hodel. FCSG ohne Dal Santo, Meyer, Hakan Yakin, Neri.

«Man wird den Stier nie mehr im Letzigrund sehen»

Es geht auf die Tribüne, nach den Spielern hat Maradona die Zuschauer im Visier. Das Glück seiner Jäger: Maradona verheddert sich in den Schalensitzen. Nach zehn Minuten ist er endlich wieder eingefangen. Das Gute für den FC Zürich ist, dass bei der Aktion niemand verletzt wird.

Allen ist klar, dass Maradonas Tage beim FCZ gezählt sind. «Man wird den Stier nie mehr im Letzigrund sehen», verspricht Präsident Hotz. Man habe es gut gemeint, nun sei halt etwas passiert.

Maradona A bull swaggers over the field in the Letzigrund stadium in Zurich, Switzerland, as police and supporters of the FC Zurich try to catch him before the kick-off of the Swiss Premier League soccer game FC Zurich vs. FC St. Gallen Sunday, Febr. 28, 1999. The bull escaped a few days ago from the nearby slaughterhouse, was seen by supporters of the FC Zurich and immediatelly bought to save his life. Sunday afternoon he came to his first game at the stadium as an FC Zurich mascot, but lost his interest in soccer even before the kick-off, climbed from the field to the stand and left the stadium again before the game started. (KEYSTONE/Christoph Ruckstuhl)

Böse Zungen sagen, mit Maradona im Tor hätte der FC Zürich das Spiel damals nicht verloren. Bild: Keystone

Die Liga glaubt dem Klub, dass er künftig auf solche Aktionen verzichtet und schickt ihm nach einer Untersuchung lediglich einen Verweis. Dazu müssen die Zürcher eine Schreibgebühr von 30 Franken bezahlen. Wenig Geld, wenn man bedenkt, dass die PR-Aktion selbst im Ausland beachtet wird – dabei gibt es damals noch gar kein YouTube.

Beim Stier nur dabei, beim Marder mittendrin

Zeuge der Aktion wird der langjährige FCZ-Goalie David Da Costa, damals 12-jähriger Fan des Stadtclubs. «Ich stand noch in der Südkurve», sagte er «20 Minuten Online», nachdem er zum Protagonisten einer anderen tierischen Fussballgeschichte wurde. 2013 stoppte Da Costa den berühmt-berüchtigten Marder von Thun (Video). Heute steht Da Costa im Tor des FC Lugano.

Tod im Altersheim

Maradona wird vom Muni zum Ochsen degradiert, erhält einen Nasenring und wird im Kloster Fahr parkiert. Auch dort ist er zu wild, zu ungestüm. Also geht die Reise weiter, in den Jura. Er erhält einen Platz in der «Stiftung für das Pferd» in Le Roselet, obwohl er unzweifelhaft kein Pferd ist.

Dort fühlt sich Maradona wohl, sein Betreuer lobt ihn 2002 als «guten Ochsen mit einem ausgezeichneten Charakter.» Allerdings müsse man aufpassen, Ochsen seien keine Kühe. «Sie sind wilder und aggressiver.»

Maradona Police and supporters of the FC Zurich try to catch a bull on the stand of the Letzigrund stadium in Zurich, Switzerland, before the kick-off of the Swiss Premier League soccer game FC Zurich vs. FC St. Gallen Sunday, Febr. 28, 1999. The bull escaped a few days ago from the nearby slaughterhouse, was seen by supporters of the FC Zurich and immediatelly bought to save his life. Sunday afternoon he came to his first game at the stadium as an FC Zurich mascot, but lost his interest in soccer even before the kick-off, climbed from the field to the stand and left the stadium again before the game started. (KEYSTONE/Christoph Ruckstuhl)

Es hat sich ausgetobt: Maradona wird nach zehn Minuten eingefangen. Bild: Keystone

Heute lebt Maradona nicht mehr. Im Altersheim in Le Roselet heisst es auf Anfrage von watson, dass er im Jahr 2011 gestorben sei. Mit 13 Jahren sei er «eher alt» geworden für einen Ochsen.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende sportliche Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

Tierische Störenfriede im Sport

Hier passierte mehr: Stier nahm Matador auf die Hörner

Play Icon

Video: watson

20.04.2011: Reals erster Pott seit drei Jahren geht in die Brüche, weil Sergio Ramos zu wenig Muckis hat

Link to Article

22.06.1986: Maradona schiesst das Tor des Jahrhunderts – aber in Erinnerung bleibt die «Hand Gottes»

Link to Article

Als der «entführte» Raffael zum Fall für die Polizei wurde und als Strafe einen Znacht ausgeben musste

Link to Article

09.08.2009: Basel-Goalie Costanzo wird für drei Spiele gesperrt – nach einer Attacke auf den eigenen Mitspieler

Link to Article

17.04.2004: Goalie Butt jubelt nach seinem verwandelten Penalty noch, als es in seinem Kasten klingelt

Link to Article

14.06.2012: Die Iren haben gegen Spanien nicht den Hauch einer Chance, aber ihre Fans singen sich zum EM-Titel

Link to Article

09.11.1997: Der Windarsch kassiert in einem einzigen Fussball-Spiel gleich drei Rote Karten – und ist auch sonst ein liebenswerter Rüpel

Link to Article

14.11.2012: Zlatan Ibrahimovic schiesst gegen England nicht nur vier Tore, er trifft vor allem per Fallrückzieher aus 25 Metern

Link to Article

26.05.1999: Sheringham und Solskjaer – zwei Namen und alle wissen, um welchen historischen Match es hier geht

Link to Article

15.05.1974: Im Suff stecken schottische Natifussballer ihren Star in ein Boot – das sofort von der Strömung weggetrieben wird

Link to Article

01.04.1998: Diese 76 Minuten TV-Geschichte mit Günther Jauch und Marcel Reif lassen jeden Aprilscherz alt aussehen

Link to Article

08.09.1996: George Weah schnappt sich im eigenen Strafraum den Ball, dribbelt einfach alle aus und schiesst ein Wundertor

Link to Article

23.06.1990: Roger Milla gegen René Higuita – der Alte entzaubert den Irren

Link to Article

18.07.2008: Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

Link to Article

03.03.2010: Fussballikone Maradona erkennt Thomas Müller nicht – und bekommt wenig später dessen Rache zu spüren

Link to Article

06.05.2001: Inter-Fans stehlen den Feinden von Atalanta einen Roller und werfen ihn im San Siro über eine Brüstung

Link to Article

01.03.1980: Everton trauert um Dixie Dean – die Klublegende war so gut, dass ihm ein hässiger Verteidiger einen Hoden zerstörte

Link to Article

11.04.2001: Steht's 31:0 oder 32:0? Australien schiesst so viele Tore, dass man mit Zählen nicht nachkommt

Link to Article

30.07.2000: Nur GC-Milchbubi Peter Jehle steht noch zwischen FCB-Legende Massimo Ceccaroni und seinem allerersten Tor

Link to Article

04.07.1999: Martin Palermo schafft's ins Guinness-Buch der Rekorde – weil er drei Penaltys in einem Spiel verschiesst

Link to Article

29.10.1997: Im dichten Schneetreiben gibt der 19-jährige Gigi Buffon sein Länderspieldebüt

Link to Article

09.11.2014: Der FC Aarau wird weltbekannt – und das alles wegen einer genialen Fallrückzieher-Rettungsaktion 

Link to Article

07.09.2005: Nati-Goalie Zuberbühler kassiert auf Zypern ein Riesen-Ei und schiebt die Schuld dafür dem «Blick» in die Schuhe

Link to Article

17.07.1994: «Eine Wunde, die sich niemals schliesst» – Roberto Baggios Penalty in die Erdumlaufbahn lässt ganz Italien weinen

Link to Article

28.10.1993: «Die Tragödie von Doha» oder wieso an der WM 2022 vielleicht doch alles gut wird

Link to Article

30.06.1998: Mit einem Wundersolo geht Michael Owens Stern auf, der nur allzu schnell wieder verglüht

Link to Article

06.04.2002: Bundesliga-Goalie Piplica fällt der Ball von einem Kirchturm auf den Kopf und von dort fliegt er ins Tor

Link to Article

10.03.1998: Trap hat fertig – diese dreieinhalb Minuten Kauderwelsch bleiben für die Ewigkeit

Link to Article

25.05.2005: Liverpool schafft gegen Milan dank «sechs Minuten des Wahnsinns» und Hampelmann Jerzy Dudek die unglaublichste Wende aller Zeiten

Link to Article

12.09.1990: Der Goalie mit der Pudelmütze sorgt für die vielleicht grösste Sensation der Fussball-Geschichte

Link to Article

03.06.1997: Roberto Carlos scheint mit seinem Freistoss für die Ewigkeit alle Gesetze der Physik auszuhebeln

Link to Article

07.10.1989: Der «Fall Klötzli» – vier Wettinger gehen auf den Schiri los, weil dieser Sekunden vor dem Ausgleich abpfeift

Link to Article

08.01.2004: Kult-Goalie Jorge Campos hängt seine knallbunten Trikots an den Nagel

Link to Article

20.10.2000: Christoph Daums freiwillige Haarprobe ergibt, dass er doch kein absolut reines Gewissen haben darf

Link to Article

23.11.2002: Bei Luis Figos Rückkehr nach Barcelona wird der neue Real-Star mit einem Schweinekopf empfangen

Link to Article

30.04.2011: Cabanas fordert vom Basler Schiri Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

Link to Article

22.02.2004: St.Gallens Kultfigur «Zelli» muss in der Not ins Tor und kratzt den Ball in «seiner» Ecke

Link to Article

28.02.1999: Maradona stürmt im Letzigrund die Tribüne und darf als Belohnung ins Altersheim

Link to Article

11.11.2011: Der estnische Ersatzspieler, der hier den Ball weiterreicht, ist in Wahrheit ein cleverer irischer Fussballfan

Link to Article

29.03.1970: «Decken, decken, nicht Tischdecken, Mann decken» – so kommentiert der Moderator des «Aktuellen Sportstudio» einen Beitrag über Frauenfussball 

Link to Article

15.11.2009: Die Schweiz ist Fussball-Weltmeister! Die U17-Nati setzt ihrem Höhenflug die Krone auf

Link to Article

08.11.1975: Weil er betrunken ist und sich so gut fühlt, pfeift Schiedsrichter Ahlenfelder schon nach 32 Minuten zur Halbzeit 

Link to Article

27.03.2011: Die «Mücke» sticht zum 100. Mal zu – Torhüter Rogerio Ceni wird für sein Jubiläumstor gefeiert wie vor ihm nur Pelé

Link to Article

09.10.1996: Schottland spielt in Estland gegen sich selber und wird von der «Tartan Army» lautstark gefeiert

Link to Article

06.09.2003: Es gibt nur ein' Rudi Völler und der schenkt Weissbier-Waldi nach Deutschlands 0:0 auf Island so richtig ein

Link to Article

27.04.1996: Basler lässt Wut an Torwand aus: «Wenn Sie ein drittes Loch in die Wand reinschiessen, gibt es 1000 Mark von mir» 

Link to Article

03.10.2007: Milan-Goalie Dida zeigt in Glasgow den schönsten sterbenden Schwan der Fussball-Geschichte

Link to Article

27.01.1994: Beim seltsamsten Fussballspiel aller Zeiten muss ein Team plötzlich beide Tore verteidigen

Link to Article

10.05.1930: Der Beginn einer wunderbaren Hassliebe – die 7 denkwürdigsten Länderspiele zwischen Deutschland und England

Link to Article

10.09. 2008: Luxemburgerli vernaschen? Denkste! – Die Schweizer Nati kassiert die bitterste Niederlage ihrer Geschichte

Link to Article

07.03.2007: Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

Link to Article

Kultfigur Walter Frosch spielt mit einem Zigarettenpäckchen im Stutzen

Link to Article

05.12.2004: Paulo Diogo gewinnt mit Servette im Abstiegskampf – und verliert dabei einen Finger

Link to Article

31.08.1993: Jay-Jay Okocha demütigt Oliver Kahn und drei KSC-Verteidiger mit einem Wahnsinnstanz in 11 Sekunden für die Ewigkeit

Link to Article

17.11.1993: Frankreich vergeigt in letzter Sekunde die WM-Quali und Sündenbock Ginola zieht gegen Trainer Houiller vor Gericht

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Das beste Fussball-Musikvideo aller Zeiten erscheint auf YouTube – über den FC Aarau

25. November 2009: Der FC Aarau erlebt gerade eine gute Phase, beendet die Super League zwei Mal in Folge auf Rang fünf. Mitten in diesem Hoch wird ein Gute-Laune-Song ins Internet eingespiesen, der in Schweizer Fankreisen längst Kult ist: «Brügglifäld olé! Brügglifäld ola!»

Verschneiter Rasen, rote Plastikstühle, zwei einsame Fans. Mit dieser Einstellung beginnt ein Musikvideo für die Ewigkeit. Die beiden, es wird sich noch herausstellen, sind betätigen sich als Sänger. Plötzlich erspähen sie einen gelben Ball auf dem Platz. Klar, dass sich das magische Zweieck diese Chance nicht nehmen lässt, ein gepflegtes Kurzpass-Spiel auf den Rasen des Brügglifelds zu zaubern!

«Sit ehr bereit für nes Fuessballfäscht?», brüllt plötzlich einer des Duos in die Kamera. …

Artikel lesen
Link to Article