Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa04634776 (FILE) A file picture dated 02 December 2010 of FIFA President Joseph Blatter announcing that Qatar will be hosting the 2022 Soccer World Cup during the FIFA 2018 and 2022 World Cup Bid Announcement in Zurich, Switzerland. The 2022 FIFA World Cup in Qatar should be held in November and December, a FIFA task force has recommended on 24 February 2015.  EPA/WALTER BIERI *** Local Caption *** 51661126

Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter zaubert Katar aus dem Couvert. Bild: EPA/KEYSTONE FILE

Die ganze Welt ist entsetzt! Katar und Russland kriegen den Zuschlag für die Fussball-WM

03. Dezember 2010: Die Empörung am Tag nach der WM-Vergabe an Russland und Katar ist gross. Aus allen Rohren schiessen die Medien gegen Sepp Blatter und seine FIFA. Besonders harsch ist die Kritik in England.



Am Freitagmorgen des 3. Dezember 2010 gibt es in England nur ein Thema: die FIFA und Sepp Blatter. Selten wehte einem Schweizer auf der britischen Insel so viel Hass entgegen wie an jenem Dezembertag. Keine Zeitung, kein Pubgespräch, in dem der FIFA-Boss und seine Organisation unbescholten davonkommen. 

Rückblende: Zürich, Donnerstagabend, 2. Dezember 2010, kurz nach 17 Uhr: Die englische Delegation rund um Prinz William, David Cameron und David Beckham traut ihren Augen nicht. Vor ihnen umarmt Sepp Blatter die russischen WM-Botschafter, Sergej Arschawin und Igor Schuwalow, und drückt ihnen den WM-Pokal in die Hand.

Play Icon

«Ladies and Gentlemen: The 2018 World Cup will be organized in Russia.» Video: YouTube/PBS NewsHour

Die Russen haben soeben den Zuschlag für die WM 2018 erhalten. Und das obwohl man England, dem Mutterland des Fussballs, eigentlich die besseren Chancen eingeräumt hatte. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, nach Zürich zu reisen. Cameron und Konsorten kommen sich vor wie im falschen Film. Von 22 möglichen Stimmen haben die Briten nur deren zwei geholt. Ähnlich enttäuscht dürften auch die Portugiesen, Spanier, Belgier und Holländer sein – sie hätten die WM ebenfalls gerne ins eigene Land geholt.

vote wikipedia

So stimmten die FIFA-Exekutivmitglieder. bild: wikipedia.org

Wenig später darf auch noch die katarische Belegschaft ins Rampenlicht treten. Die WM 2022 geht in die Wüste. Australien, Japan und Südkorea gehen leer aus. 

epa04011942 (FILE) A file picture dated 02 December 2010 shows FIFA President Joseph S. Blatter (R) and Sheikh Hamad bin Khalifa Al-Thani (L), Emir of Qatar, with the World Cup trophy after Qatar was announced to host the FIFA soccer World Cup 2022 during the FIFA 2018 and 2022 World Cup Bid Announcement in Zurich, Switzerland. FIFA secretary general Jerome Valcke said 08 January 2014 that the FIFA World Cup 2022 in Qatar will not be held in the summer months June or July.  EPA/WALTER BIERI *** Local Caption *** 00000402476812

Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani und Sepp Blatter freuen sich: Die WM 2022 geht nach Katar. Bild: EPA

England ist «not amused»

«DISGRACE», «DISASTER.»

«Schande», «Desaster»: «The Daily Telegraph»

Dass dieser ungewöhnliche Entscheid Kritik hervorrufen würde, war absehbar. Doch die Heftigkeit, mit welcher die WM-Vergabe ins Kreuzfeuer genommen wird, überrascht wohl auch die kühl kalkulierenden Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees. Das Erdbeben mit Epizentrum in London, welches durch die Medien-Landschaft donnert, spürt man bis ins Oberwallis.

Image

Die englischen Medien schiessen aus allen Lagen auf den FIFA-Entscheid. bild: bbc.com

«FIXED.»

«Schiebung»: «The Sun»

Die Schlagzeile der Printausgabe der «Sun» lautet: «They stink, it's all over – FIFA bungs Russia the World Cup», «Sie stinken, alles ist vorbei – die FIFA stopft Russland die WM zu». Auf dem Online-Portal der «Sun» prangt in fünf grossen Lettern das Wort «FIXED». 

«THEY LIED.»

«Sie haben gelogen»: «The Daily Mail»

Spannend auch der Kommentar der «Daily Mail»: «Sie lächelten, schüttelten sich die Hände und versprachen, für England zu stimmen ... sie haben gelogen.»

«HUMILIATED»

«Gedemütigt»: «The Daily Express»

«SOLD.»

«Verkauft»: «The Daily Mirror»

Für den «Daily Mirror» ist klar, wie das Ganze vonstattengegangen ist: Die ölreichen Nationen Russland und Katar haben sich die WM gekauft. Während der «Daily Express» von einer «Demütigung» spricht, ist die WM-Vergabe für den «Daily Telegraph» eine «Schande» und ein «Desaster». Beim «Daily Star» ist man sich einig: Die Sache war abgekartet.

England ist nicht alleine

Blick: «45 Grad und kein Bier. WM in Katar: So ein Scheich!»

Auch der «Blick» hat seine Bedenken: «45 Grad und kein Bier. WM in Katar: So ein Scheich!» Bild: «blick.ch»

«WHAT A FIX.»

«Was für eine Schiebung»: «The Daily Star»

Der Entscheid des FIFA-Exekutivkomitees wirft auch in der Schweiz hohe Wellen. Das Verdikt des «Blick» ist eindeutig: «Dass die FIFA sich einen Dreck um die Fans schert, braucht sie uns nicht mehr zu beweisen. Was zählte, war die Steuerfreiheit. Das Geld im Überfluss. Und Blatters Eitelkeit, auch den Ostblock und den Nahen Osten mit einer WM zu beglücken.» 

«20 Minuten» macht sich derweil Sorgen um das fussballerische Niveau der WM 2022. Dort wird Katar als Gastgeber nämlich einen Fixplatz haben und ebenfalls teilnehmen. «So gut kickt Katar – aus einem Meter daneben», titelt die Pendlerzeitung und zeigt folgendes Video:

Play Icon

Was für ein Chancentod! Video: streamable

Die Kritik an der WM-Vergabe ist auch acht Jahre nach dem Entscheid nicht abgeflaut. Menschenrechtsorganisationen, welche die Arbeitsbedingungen in Katar bemängeln, die anhaltenden Korruptions-Vorwürfe, ein geplantes Alkoholverbot und die Verlegung in den Winter sorgen bei den FIFA-Funktionären nach wie vor für Kopfzerbrechen, obwohl Sepp Blatter längst abgesetzt ist.

In den edlen Hallen des FIFA-Hauptsitzes am Zürichberg denkt heute wohl manch einer: «Hätten wir damals doch anders entschieden.» An Alternativen hat es an jenem Dezember-Abend im Jahr 2010 jedenfalls nicht gemangelt ... 

Unvergessen

In der Serie Unvergessen blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

Medienschau nach der WM-Vergabe 2018 und 2022

Das ist der moderne Fussball

Die FIFA ist endlich die Korruption losgeworden – aber nicht so wie du denkst

Link to Article

So viele Schweizer Klubs hätte Liverpool statt Shaqiri kaufen können

Link to Article

Fussball im Jahr 2018 ist, wenn statt der Münze eine Kreditkarte geworfen wird

Link to Article

Der Videobeweis kommt auch in der Super League – die Frage ist nur wann und wie

Link to Article

Wer noch immer nicht recht wusste, was Büne mit «Pussy-Fussball» meinte: Genau DAS hier

Link to Article

Alle sagen, moderner Fussball sei super. Ich sage: Im modernen Fussball haben sich Saumoden eingenistet, die mich laufend kotzen lassen

Link to Article

Diese Elf kostet mehr als eine Milliarde, aber kennst du die Top 10 für jede Position?

Link to Article

Der Moment, in dem ich den allerletzten Glauben an den ehrlichen Fussball verlor

Link to Article

Scheichs, Tormusik oder Wappenküsser – 16 Dinge, die schleunigst wieder aus dem Fussball verschwinden sollten

Link to Article

Ausländer-Trios, werbefreie Trikots oder das Nasenpflaster – 16 Dinge, die aus dem Fussball verschwunden sind

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Das beste Fussball-Musikvideo aller Zeiten erscheint auf YouTube – über den FC Aarau

25. November 2009: Der FC Aarau erlebt gerade eine gute Phase, beendet die Super League zwei Mal in Folge auf Rang fünf. Mitten in diesem Hoch wird ein Gute-Laune-Song ins Internet eingespiesen, der in Schweizer Fankreisen längst Kult ist: «Brügglifäld olé! Brügglifäld ola!»

Verschneiter Rasen, rote Plastikstühle, zwei einsame Fans. Mit dieser Einstellung beginnt ein Musikvideo für die Ewigkeit. Die beiden, es wird sich noch herausstellen, sind betätigen sich als Sänger. Plötzlich erspähen sie einen gelben Ball auf dem Platz. Klar, dass sich das magische Zweieck diese Chance nicht nehmen lässt, ein gepflegtes Kurzpass-Spiel auf den Rasen des Brügglifelds zu zaubern!

«Sit ehr bereit für nes Fuessballfäscht?», brüllt plötzlich einer des Duos in die Kamera. …

Artikel lesen
Link to Article