Unvergessen
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Teamkollege Whelan (rechts) jubelt mit Torschütze Houghton. bild: getty images

Unvergessen

12.06.1988: Irland betritt erstmals die grosse Fussballbühne und schockt gleich England

12. Juni 1988: In Stuttgart bestreitet die irische Nationalmannschaft ihr erstes Spiel an einem grossen Turnier. Und dieses wird gleich zu einem Feiertag. Die «Boys in Green» schlagen England mit 1:0.



Am 11. November 1987 wird nicht nur die Fasnacht eröffnet. In Irland wird an diesem Tag die erstmalige Qualifikation für ein grosses Turnier gefeiert – weil «Bruder» Schottland in Bulgarien siegt und somit Schützenhilfe leistet.

Die EM-Teilnahme möglich gemacht hat ein englischer Weltmeister: Jack Charlton. Als er in Irland die Nationalmannschaft übernimmt, sucht er in ganz Grossbritannien nach möglichen Spielern. Viele in England und Schottland tätige Akteure haben irische Wurzeln und lassen sich dazu bewegen, für das Team von der grünen Insel aufzulaufen. «Jeder dieser Spieler ist ein überzeugter Ire», entgegnet Charlton Kritikern seiner Praxis. «Hätten nicht wirtschaftliche Gründe ihre Eltern oder Grosseltern zum Auswandern gezwungen, dann wären sie in Irland geboren und gross geworden.»

Die irische Elf an der EM 1988: Liverpool, Manchester United und Celtic Glasgow stellten je drei Akteure im Kader.

Das Kopfballtor des kleinen Houghton

Auch dank der vielen Doppelbürger gelingt Irland überraschend die Teilnahme an der EM 1988. In Deutschland treten die Neulinge als klarer Aussenseiter an. Letztlich fehlen dann bloss acht Minuten für den Einzug in die Halbfinals.

Das Turnier beginnt für Irland gegen Erzrivale England. Ausgerechnet, spielen doch acht Iren in der Startelf dort (die anderen drei sind bei Celtic Glasgow unter Vertrag). Im Stuttgarter Neckarstadion sind erst sechs Minuten gespielt, als die «Boys in Green» in Führung gehen. Der nur 1,70 m grosse Ray Houghton köpft den Ball über Peter Shilton ins Tor.

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Houghtons 1:0 gegen England.
YouTube/ClassicEngland

Die Engländer sind geschockt, doch sie kommen ins Spiel zurück. Gary Lineker und Peter Beardsley versieben jedoch gleich reihenweise beste Chancen, dazu hält der irische Goalie Pat Bonner an diesem Tag ausgezeichnet. Die Abwehr Irlands lässt sich nicht bezwingen, Jack Charlton und seinen Jungs gelingt eine faustdicke Überraschung.

Telegramm

England – Irland 0:1
Stuttgart, Neckarstadion, 51'573 Zuschauer, SR: Kirschen (DDR).
Tor: 6. Houghton 0:1.
England: Shilton; Stevens, Wright, Adams, Samson; Waddle, Webb (60. Hoddle), Robson, Barnes; Beardsley (83. Hateley), Lineker.
Irland: Bonner; Morris, McCarthy, Moran, Hughes; Houghton, McGrath, Whelan, Galvin (77. Sheedy); Aldrige, Stapleton (63. Quinn).

Und die Iren knüpfen daran an. Im zweiten Gruppenspiel nehmen sie der Sowjetunion, die als Titelanwärter gilt, beim 1:1 einen Punkt ab. So reicht gegen Holland schon ein Unentschieden für den sensationellen Vorstoss in den EM-Halbfinal. Doch dazu kommt es nicht: In der 82. Minute schiesst der eingewechselte Wim Kieft den 1:0-Siegtreffer für die Oranje.

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Van Bastens Tor im Final und Hollands EM-Titel hätte es beinahe nicht gegeben, denn um ein Haar wäre die Elftal in der Gruppenphase an Irland gescheitert. YouTube/Classic Football

Houghton trifft auch an der WM

Irland ist ausgeschieden, darf aber dennoch stolz auf sein erstes Turnier zurückblicken. Diese goldene Generation der Iren schafft es 1990 und 1994 auch, sich für die WM zu qualifizieren.

In Italien stösst das Team bis in den Viertelfinal gegen den Gastgeber vor. Vier Jahre später gelingt die Revanche: Zum WM-Auftakt in den USA siegt Irland gegen Italien mit 1:0. Torschütze ist wie schon sechs Jahre zuvor Ray Houghton.

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Irland feiert den 1:0-Sieg über Italien an der WM 1994. YouTube/CuChoileain

Jack Charlton bleibt bis im Herbst 1995 Trainer der irischen Nationalmannschaft und wird im Jahr darauf zum Ehrenbürger der Republik Irland ernannt. Bis heute sind die Jahre seiner Regentschaft die erfolgreichsten in der Geschichte des Verbands. Ob die Auswahl 2016 daran etwas ändern kann?

Von Jack Charlton gibt es am Flughafen in Cork eine Statue – die ihn nicht als Trainer, sondern als Fischer zeigt.

Unvergessen

In der Serie Unvergessen blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei. 
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Diese Phrasen werden wir an der EM bestimmt zu hören bekommen – DAS ist wirklich gemeint

12.02.2011: Wayne Rooneys perfekter Fallrückzieher gegen ManCity lässt sogar Sir Alex schwärmen

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09.10.1996: Schottland spielt in Estland gegen sich selber und wird von der «Tartan Army» lautstark gefeiert

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25.01.1995: King Cantona flippt aus – er setzt zum legendärsten Kick der Fussball-Geschichte an

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14.04.1999: Ryan Giggs schiesst ein Wahnsinns-Tor und entblösst sein Brusthaar. Arsène Wenger hat davon noch immer Alpträume

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11.11.2011: Der estnische Ersatzspieler, der hier den Ball weitergereicht hat, ist in Wahrheit ein cleverer irischer Fussballfan

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09.11.1997: Der Windarsch kassiert in einem einzigen Fussball-Spiel gleich drei Rote Karten – und ist auch sonst ein liebenswerter Rüpel

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