Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

14 Tage lang Samba-Party am Vierwaldstättersee. Bild: KEYSTONE

Die brasilianischen Weltmeister machen aus Weggis eine kleine Copacabana

22. Mai 2006: Ronaldo, Ronaldinho, Kaká – sie kommen alle! Brasilien bereitet sich in Weggis am Vierwaldstättersee auf die Fussball-WM in Deutschland vor. Der Titelverteidiger zieht – die Begeisterung ist riesig.

22.05.18, 00:05 22.05.18, 06:38


2002 wird Brasilien in Japan und Südkorea Fussball-Weltmeister. Da ist das Ziel für das Turnier vier Jahre später klar: In Deutschland soll der Titel verteidigt werden. Zur Vorbereitung entscheidet sich der Verband, sein Quartier in Weggis aufzuschlagen.

Am Vierwaldstättersee ist die Vorfreude riesig. Der Fussballplatz wird für 1.5 Millionen Franken umgebaut, der Metzger bietet «Brasil-Würstli» an und die total 56'000 Tickets für die Trainings gehen weg wie warme Weggli.

Brasilien in Weggis: Die besten Bilder

Eine Aufregung, die sich die Schweiz nicht gewohnt ist

Der dreifache Weltfussballer Ronaldo und Gilberto Silva sind am 22. Mai die ersten Spieler, die im Park Hotel eintreffen. Danach folgen die Milan-Spieler Dida, Cafu und Kaká, die mit dem Auto anreisen, und später mit einem Sonderflug der Rest der rund 50-köpfigen Delegation.

Impressionen eines Trainings der Seleção. Video: YouTube/SWISSelBURRO

Die Brasilianer sind sich die Dimensionen gewohnt, für die Schweiz ist das gewaltige Interesse eher ungewohnt. 21 Fernsehkameras werden an der ersten Medienkonferenz von Trainer Carlos Alberto Parreira gezählt, rund 50 Fotografen und um die 100 Journalisten sind anwesend. In Weggis will der Coach besonders an der Taktik feilen. «Nur mit spielerischen und technischen Feinheiten kann man nicht Weltmeister werden», betont er.

Ronaldinho zeigt den Fans in Weggis, was er draufhat. Video: YouTube/merturi

Fan umarmt Ronaldinho

Nach einigen Tagen in der Zentralschweiz schwärmt Parreira: «Die Fans hier sind herrlich. Sie massieren mit ihrer Begeisterung das Ego der Spieler, ohne unsere Arbeit zu stören.»

Da weiss er noch nicht, was sich kurze Zeit später ereignet. Ein weiblicher Fan schafft es, an den Sicherheitsleuten vorbei auf den Rasen zu gelangen und dort Ronaldinho zu umarmen.

Wahrscheinlich der schönste Tag in ihrem Leben. Bild: AP

Strahlende Gesichter, wohin man schaut

Der Regisseur selbst nimmt's locker, weniger gelassen ist der brasilianische Verband. Bei den Trainings sind nun mehr Sicherheitskräfte anwesend, sie richten ihren Blick wie bei einem Match auf die Zuschauer. Und die Stehplatztribüne hinter dem Tor, von wo aus Ronaldinhos Verehrerin auf den Platz gelangt, wird gesperrt.

Der Ballzauberer bittet die Fans um Zurückhaltung: «Wir verstehen, dass das Volk begeistert ist. Aber es ist besser, während des Trainings eine gewisse Ordnung einzuhalten, damit wir uns weiterhin gut vorbereiten können.»

Juninho kann's mit jedem Ball

Freistosskönig Juninho verliess Weggis mit einem Titel. Er entschied das interne Ping-Pong-Turnier für sich. Im Final gewann Juninho gegen Goalie Dida. Vermutlich hatte der kleine Ball genau so viel Schnitt wie seine Freistösse …

Insgesamt 120'000 Fans machen aus Weggis eine «Voralpen-Copacabana». 880 akkreditierte Medienvertreter aus aller Welt berichten vom Vierwaldstättersee, alle 14 Trainings sind ausverkauft. Strahlende Gesichter, wohin man auch schaut.

Nach zwei Wochen ist der Spuk vorbei und OK-Präsident Edwin Rudolf zieht die zufriedene Bilanz, dass er «von A bis Z glücklich und zufrieden» sei.

Nach dem letzten Training verabschiedet sich die Mannschaft von den Fans in der Schweiz. Bild: KEYSTONE

Und so ging es weiter

Ob es an der Vorbereitung lag? An der WM in Deutschland kann die Seleção nicht überzeugen. Zwar gewinnt sie alle drei Gruppenspiele und im Achtelfinal mit 3:0 gegen Ghana. Doch im Viertelfinal bedeutet Frankreich (0:1) überraschend früh Endstation.

Kaká und Ronaldo schleichen vom Platz – die WM ist für Brasilien vorbei. Bild: EPA

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Die grössten WM-Sensationen

25.11.2009: Das beste Fussball-Musikvideo aller Zeiten erscheint auf Youtube – über den FC Aarau

15.11.2009: Die Schweiz ist Fussball-Weltmeister! Die U17-Nati setzt ihrem Höhenflug die Krone auf

22.02.2004: St.Gallens Kultfigur «Zelli» muss in der Not ins Tor und kratzt den Ball in «seiner» Ecke

30.09.2009: Dank Tihinens Hackentrick, «abgeschaut bei einem finnischen Volkstanz», bodigt der FC Zürich das grosse Milan

07.12.2011: Der FC Basel schmeisst Manchester United aus der Champions League und Steini, der Glatte, schiesst den Ball an die Latte

05.12.2004: Paulo Diogo gewinnt mit Servette wichtige Punkte im Abstiegskampf – und verliert dabei einen Finger

12.11.2002: Basel holt gegen Liverpool ein 3:3 und Beni Thurnheer schwärmt: «Dieses Spiel müsste man zeigen, wenn ich gestorben bin»

01.11.1989: Nur durch einen Witz-Penalty zwingt Diego Maradonas Napoli die tapferen Wettinger in die Knie

21.10.2013: Pajtim Kasami hämmert «einen der schönsten Volleys überhaupt» ins Crystal-Palace-Tor und verzückt sogar Andy Murray

08.10.2010: Vucinic lässt der Schweiz die Hosen runter und trägt sie als Kopfschmuck

07.10.1989: Der «Fall Klötzli» – vier Wettinger gehen auf den Schiri los, weil dieser Sekunden vor dem Ausgleich abpfeift

20.11.1996: Wegen 20 fatalen Minuten landet Champions-League-Überflieger GC in Glasgow auf dem harten Boden der Realität

25.9.1996: Murat Yakin sticht mit seinem Freistoss mitten ins Ajax-Herz und bringt Mama Emine zum Weinen

10.09. 2008: Luxemburgerli vernaschen? Denkste! – Die Schweizer Nati kassiert die bitterste Niederlage ihrer Geschichte

07.09.2005: Nati-Goalie Zuberbühler kassiert auf Zypern ein Riesen-Ei und schiebt die Schuld dafür dem «Blick» in die Schuhe

29.09.1971: Statt «allzu augenfällig im Spargang» die Pflicht zu erledigen, sorgt GC für den höchsten Schweizer Europacup-Sieg aller Zeiten

01.09.2007: Mit dem letzten Spiel im Hardturm-Stadion gehen 78 Jahre Geschichte zu Ende

11.08.2010: Moreno Costanzo schiesst mit seiner ersten Ballberührung als Natispieler gleich den Siegtreffer

09.08.2009: Basel-Goalie Costanzo wird für drei Spiele gesperrt – nach einer Attacke auf den eigenen Mitspieler

26.06.1954: Die Schweiz kassiert gegen Österreich in der «Hitzeschlacht von Lausanne» eine ihrer bittersten Niederlagen

26.06.2006: «Züngeler» Streller leitet das peinliche Schweizer Penalty-Debakel ein

30.07.2000: Nur GC-Milchbubi Peter Jehle steht noch zwischen FCB-Legende Massimo Ceccaroni und seinem allerersten Tor

03.05.1994: Mit dem Sonderflug zur spontanen Aufstiegsfeier auf den Barfi

01.05.1993: Marc Hottigers Knallertor versenkt Italien – und er verärgert die Azzurri danach mit einer frechen Leibchentausch-Bitte 

30.04.2011: Cabanas fordert vom Basler Schiri Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

26.04.2003: Colombas Goalie-Goal lässt Razzetti alt aussehen und den FC Aarau unabsteigbar bleiben

13.11.1991: Weil die Schweizer Nati in der «Hölle von Bukarest» auf 0:0 spielt, vergeigt sie die EM-Qualifikation im letzten Moment doch noch

16.11.2005: Die Nacht der Tritte und Schläge – einer der grössten Nati-Erfolge verkommt zur «Schande von Istanbul»

26.09.1995: Luganos Carrasco bringt mit seiner Banane Gianluca Pagliuca und das grosse Inter Mailand zum Weinen

24.04.1996: Das Ende von Nati-Trainer Artur Jorge nimmt ausgerechnet mit dem einzigen Sieg seiner kurzen Ära den Anfang 

12.04.2004: Der grosse Robbie Williams führt den kleinen FC Wil zum Cupsieg gegen GC

16.04.2009: «Jawoll, jawoll, jawoll, jawoll … YB isch im Göppfinau!»

30.05.1981: Der Wolf und seine «Abbruch GmbH» entfachen mit dem 2:1-Sieg gegen England eine neue Fussball-Euphorie

18.06.1994: Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

07.03.2007: Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Erbinho 22.05.2018 07:59
    Highlight Immer wieder eine Freude auf diesem Platz zu trainieren ;-)
    1 0 Melden

Just Fontaine schiesst im Viertelfinal zwei seiner total 13 Tore an einer WM

19. Juni 1958: So geradlinig, so wichtig, so entschlossen ist weder vorher noch nachher ein Stürmer an einer WM zur Sache gegangen wie der Franzose Just Fontaine. Schon die Statistik zwingt jedem, der sich für Fussball interessiert, Respekt ab.

Bei der Fussball-WM 1958 in Schweden lässt Just Fontaine, damals 24 Jahre alt, kein Spiel vorübergehen, ohne seinen Beitrag geleistet zu haben. Mindestens ein Tor steuert er in jeder Partie bei. Das hat vor ihm keiner geschafft. Und das wird vermutlich nie mehr einem gelingen.

Fontaine trifft in jedem Vorrundenspiel. Man muss es einmal aufzählen, um sich der Dimensionen bewusst zu werden. Dabei ist er erst durch den Ausfall eines Kollegen überhaupt ins Team nachgerutscht. 

13 Tore in sechs …

Artikel lesen