Unvergessen
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Sweden's Zlatan Ibrahimovic tries to stop the ball during the Euro 2012 soccer championship Group D match between Sweden and England in Kiev, Ukraine, Friday, June 15, 2012. (AP Photo/Martin Meissner)

Hoch das Bein: Kein Fussballspieler kann den Ball in der Luft so annehmen wie Zlatan Ibrahimovic.  Bild: AP

Der heimliche König von Schweden

14.11.2012: Zlatan Ibrahimovic schiesst gegen England nicht nur vier Tore, er trifft vor allem per Fallrückzieher aus 25 Metern

14. November 2012: Im 915. Länderspiel erleidet die stolze englische Fussball-Nation eine herbe Niederlage, für die einzig und allein ein Mann zuständig ist: Zlatan Ibrahimovic. Der schwedische Stürmer erzielt beim 4:2 Erfolg gleich alle vier Treffer. Ein Tor geht dabei in die Geschichte ein.

«Als der lange Ball kam, sah ich den Torhüter rauskommen. Ich dachte mir ‹Soll ich ins Duell gehen oder soll ich warten, dass er den Ball klärt?› 
Als er den Ball wegköpfte, wusste ich, dass ich treffe oder es zumindest versuchen würde.»

Zlatan Ibrahimovic über das Tor des Jahres 2013

Der logische Gewinner des Tor des Jahres

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Video: YouTube/FIFATV

Der Sohn eines bosnischen Hausmeisters und einer kroatischen Putzfrau, welche sich kurz nach seiner Geburt scheiden lassen, wächst in Malmö auf, der drittgrössten Stadt Schwedens. Die Gegend Rosenborg ist berühmt-berüchtigt für eine hohe Arbeitslosenquote und einen Ausländeranteil von 84 Prozent. Zlatan Ibrahimovic und seine fünf Geschwister erleben also nicht die Erziehung, wie sie der schwedische «Normalbürger» erlebt, wie er einmal dem «Guardian» erzählt: «Keiner fragte: Wie war dein Tag, kleiner Zlatan?» 

Seine frühere Schulleiterin sagte einst dem «Kicker»: «Er war der Prototyp eines Jungen, mit dem es böse endet. Während meiner 33 Jahre in der Schule war er einer der fünf unruhigsten Schüler, die ich je hatte, einfach ein Krawallbruder.»

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Ein Zitat von Zlatan Ibrahimovic verziert in seinem ehemaligen Stadtteil eine Wand: «Zlatan verlässt vielleicht Rosenborg, aber Rosenborg verlässt Zlatan nie.» Bild: Youtube/Sport News

So erzählt auch ein Freund aus seinem Quartier in der kürzlich erschienenen Dokumentation «From Rosengard With More Than One Goal», dass Zlatan «ein guter Velo-Dieb war». Und er rühmt den Fussballstar: «Er konnte sehr schnell von der Polizei wegrennen!»

Heute ist Zlatan Ibrahimovic Rekordtorschütze seines Landes und ist vielleicht nicht der König Schwedens, aber immerhin deren Captain und 100-facher Nationalspieler.  

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Die Macher der Doku haben intime Momente von Ibrahimovic einfangen können.  Video: youtube/Sport News

«Wie hat es der Junge aus Rosengard so weit gebracht?»

Die Antwort des 1,95 Meter grossen Stürmers: «Niemand glaubte, ich könnte es schaffen. Alle laberten nur Müll. Sie dachten, dass ich weggehe, weil ich eine grosse Klappe habe. Sie dachten, die Träume des Typen sind verrückt. Es wird nicht geschehen. Aber ich hatte diese Träume, wo ich einmal sein werde. Und hier bin ich jetzt.» 

Nach seinen Auslandsstationen bei Ajax Amsterdam (2001-2004), Juventus Turin (2004-2006), Inter Mailand (2006-2009), FC Barcelona (2009-2010) und dem AC Mailand (2010-2012) hat der beidfüssige Techniker aufgrund seiner spektakulären Spielweise längst den passenden Übernamen «Ibrakadabra» verpasst bekommen, als er 2012 schliesslich bei Paris Saint-Germain unterschreibt. 

«Zlatan ist ein aussergewöhnlicher Spieler. Vier Tore in einem Spiel sind mir nie gelungen. Das ist grossartig, besonders der Fallrückzieher.»

Zinedine Zidane

Sweden's Zlatan Ibrahimovic jumps for a volley during the Euro 2012 soccer championship Group D match between Sweden and England in Kiev, Ukraine, Friday, June 15, 2012. (AP Photo/Martin Meissner)

Ein schwedischer Junge hebt ab. Bild: AP



Trotz seines Rufes als einer der besten Angreifer der Welt scheint ihn die englische Presse nicht wirklich zu würdigen. «Wenn du keine Tore gegen englische Teams erzielst, bist du nicht gut genug», so Ibrahimovic. «Es war immer so. Immer wenn ich gegen englische Mannschaften gespielt hatte, skorte ich nicht. Also sagten sie, ich sei nicht gut genug. Nächstes Spiel, gleiche Sache. ‹Oh, seht her, er ist nicht gut genug.›» 

Der Stürmerstar weiter: «Aber dies motiviert mich. Das gibt mir Adrenalin. Die Leute denken, sie könnten mich vielleicht brechen, aber das Gegenteil ist der Fall. Ich kriege mehr Wut, um zu zeigen, wer ich bin. Ich nehme bei meiner Spielweise Risiko auf mich, also sieht es nicht immer nach Spektakel aus.» 

«Es ist ein wunderschönes Tor. Ich hätte es zwar lieber gegen ein anderes Team gesehen anstatt unseres, aber es war ein fantastischer Treffer.»

Der englische Nationaltrainer Roy Hodgson

«Aber dann kam England. Sie sagten die gleichen Sachen über mich, aber ich sagte nur: ‹Es wird fantastisch – das erste Spiel in unserem neuen Stadion.› Das erste Tor kam und ich war glücklich. Als das zweite Tor fiel, war ich ausser mir. Als ich den dritten Treffer erzielte, schaute ich mich um: ‹Ok, was willst du jetzt sagen?› Beim vierten Treffer, dem Fallrückzieher, dachte ich: ‹Das ist es. Ich weiss nicht mehr, was ich mehr tun kann.› Ich muss gestehen, es gab mir ein ultra-spezielles Gefühl.»

Die Highlights der Partie Schweden – England

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Video: YouTube/England Football Offiicial

Zlatan zlatanisierte – ein offiziell in die schwedische Sprache aufgenommener Begriff für «stark dominieren» – die «Three Lions» derart, dass sich an diesem Tag auf Facebook eine Gruppe mit dem Namen: «Ich war am Leben, als Zlatan Ibrahimovic England vergewaltigte» bildet.

«Es ist das beste Tor, welches ich je in meinem Leben gesehen habe. Ein Fallrückzieher über dem Kopf aus 25 Metern, wenn der Ball zwei Meter hoch in der Luft ist – nur spezielle Spieler können das. Und er ist ein spezieller Spieler.»

Steven Gerrard

Zurücklehnen gibt's nicht bei Ibrahimovic

Paul Clement, der (englische) Assistenztrainer von PSG-Coach Carlo Ancelotti, beschreibt Ibrahimovics erstes Training im Klub nach seiner Vier-Tore-Gala als konzentrierteste Einheit, die er je gesehen habe. Ibrahimovic bestätigt dies: «Ich arbeitete so hart wie nie zuvor an diesem Tag» und enthüllt:« Ich habe den gleichen Seitfallzieher im Training gemacht. Es regnete und ich machte den Rückwärtssalto nochmals und ich traf in eines dieser kleinen Trainingstore. Niemand konnte es glauben. Sie sagten, es sei noch schöner als der Treffer gegen England gewesen.»

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Leider gibt es kein Beweisvideo des Treffers im ersten Training nach dem Tor des Jahres. Dafür hat Ibrahimovic vor ein paar Monaten bewiesen, dass er seine Taekwando-Kenntnisse immer noch anwenden kann. Video: YouTube/Soccer HD

«Manchmal denkt man, du siehst einem Video-Game zu, wo man all diese verrückten Dinge machen kann ... Das vierte Tor ist nicht möglich. »

Der schwedische Nationaltrainer Erik Hamren

«Ich sagte: ‹Nein, ich bevorzuge das England-Tor. Wir können auf Youtube gehen und es uns anschauen.› Aber das ist die Art, wie ich trainiere. Ich will immer besser werden. Wenn es ein Problem ist, nie zufrieden zu sein, dann habe ich es. Wenigstens ist es ein gutes Problem.»

epa04142694 Swedish stamps feature the Swedish football player Zlatan Ibrahimovic, released in Stockholm, Sweden, 27 March 2014. Sweden captain Zlatan Ibrahimovic's stunning performance in a 2012 friendly against England where he scored four goals, features strongly in a set of stamps that went on sale Thursday. Three of the five stamps in the set were from the inaugural match at the new national stadium in Solna, just north of the capital, Stockholm, where Sweden hosted England. One of the stamps shows Ibrahimovic's soaring acrobatic move when he scored his fourth goal in the 4-2 win with a gravity-defying overhead kick. Five million stamps have been pre-ordered.  EPA/ANDERS WIKLUND / TT

Die schwedische Post ehrte 2014 Zlatan Ibrahimovic mit fünf Briefmarken. Eine davon zeigt einen Ausschnitt seines vierten Treffers gegen England. Bild: EPA

Ein anderes (grosses) Problem dürfte den inzwischen 33-Jährigen zweifachen Familienvater aber dafür heute beschäftigen. Wie toppt Zlatan das?

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

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