Unvergessen
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Grosser Sieg gegen kleines Team

Unvergessen

29.09.1971: Statt «allzu augenfällig im Spargang» die Pflicht zu erledigen, sorgt GC für den höchsten Schweizer Europacup-Sieg aller Zeiten

29. September 1971: GC mühte sich im Meistercup-Hinspiel auf dem Sandplatz in Lahti – trotz kurzfristig gekauften Not-Schuhen – mit einem 1:1 ab. Im Rückspiel feiern die Zürcher dann einen überragenden Sieg.



Die Auslosung meint es im Sommer 1971 gut mit den Grasshoppers. Der Schweizer Meister trifft in der ersten Runde des Meistercups (Vorgänger der Champions League) auf das unbekannte Reipas Lahden (später umbenannt in Reipas Lahti). 

Das Hinspiel geht nicht ohne Misstöne über die Bühne. In Lahti angekommen, informieren die Finnen den Schweizer Vertreter, dass die Partie nicht auf Rasen, sondern auf einem Sandplatz stattfinden werde. Dieser habe eine Flutlichtanlage. GC will nur unter Protest spielen und die Spieler müssen sich am Tag vor der Partie noch schnell passendes Schuhwerk kaufen. 

Das Team von GC 1971/1972 Reipas

Die GC-Mannschaft der Saison 1971/1972. Bild: europacup.ch

Das Spiel endet 1:1. GC zeigte eine starke erste Halbzeit, ging im zweiten Durchgang in der 63. Minute durch den deutschen Rainer Ohlhauser 1:0 in Führung, kassierte in der 75. Minute allerdings den Ausgleich und musste sich am Ende bei Goalie René Deck bedanken, dass dieser die Niederlage verhinderte. 7:1 für Reipas lautete das Eckball-Verhältnis.

«Ein desorientiertes finnisches Meisterteam»

Trotzdem ist GC für das Rückspiel im Hardturm grosser Favorit. Es finden sich allerdings nur 5200 Fans im Stadion ein, was die «NZZ» am nächsten Tag als «Zuschauerzahl, die derjenigen eines besseren Erstligatreffens entspricht» beschreibt. Heute wäre GC froh, würden bei jedem Spiel 5000 Seelen Eintritt bezahlen. Aber das ist ein anderes Thema.

Die 5200 Hartgesottenen bereuen ihr Kommen nicht. Schon in der 1. Minute schiebt Kudi Müller einen Querpass von Ruedi Schneeberger über die Linie. Bis zur Pause ist die Partie nach Toren von Alfred Gröbli, erneut Müller und Schneeberger mit 4:0 entschieden. Die «NZZ» sah dabei einen «schwachen Gegner» in den ersten 45 Minuten.

Gröbli trifft für GC Reipas

Alfred Gröbli (l.) auf dem Weg zu einem der acht Tore gegen Reipas. Screenshot: NZZ

Doch es kommt noch besser. Aus den schwachen Gästen wird «in der zweiten Halbzeit ein desorientiertes finnisches Meisterteam». GC schenkt der «unbeweglichen und offensichtlich überforderten Gästedeckung» (die NZZ schreibt dabei «überfordert» gar kursiv) in Halbzeit zwei vier weitere Tore ein. Denn «statt allzu augenfällig im Spargang, zeigt GC gefälligen Angriffsfussball». 

Mit Ausnahme des Penaltytors im Nachschuss von Peter Meier sind alle Tore sauber herausgespielt. Beim 6:0 schliesst Müller eine herrliche Passfolge von Gröbli und Schneeberger per Direktabnahme ab, das 8:0 erzielt Müller gar per Hechtkopfball.

Höchste Schweizer Europacup-Siege

8:0 GC vs. Reipas Lahti (Fi), 1. Runde Meistercup 71/72
8:0 GC vs. Valletta (Mal), 1. Runde Meistercup 78/79
7:0 Basel vs. S.S. Folgore (SanM), 2. Runde Uefa-Cup-Quali 00/01
7:0 FCZ vs. Knattspyrnufelag Akureyrar (Isl), 1. Runde Cupsieger-Cup 70/71
7:0 Xamax vs. Tiligul Tiraspol (Mol), Uefa-Cup 97/98
7:0 GC vs. Hibernians (Mal), 1. Runde Meistercup 77/78
6:0 Lausanne vs. UE Sant Jula (And), 1. Runde UI-Cup 01/02
6:0 St.Gallen vs. B68 Toftir (Fär), 1. Runde UI-Cup 02/03
5:0 YB vs. Slovan Bratislava (Slk), EL-Gruppenphase 14/15
5:0 Xamax vs. Kuusysi Lahti (Fi), 1. Runde Meistercup 87/88
5:0 Servette vs. Hibernians (Mal), 1. Runde Meistercup 61/62
5:0 Lugano vs. Nëman (WRuss), 1. Runde Cupsieger-Cup 93/94

«... in der zweiten Halbzeit ein desorientiertes finnisches Meisterteam»

Die «NZZ» über Reipas Lahti.

Der Wunsch von einem stärkeren Gegner

Trainer René Hüssy kann mit der Darbietung mehr als zufrieden sein. Nie zuvor und bisher auch nie mehr danach, siegt ein Schweizer Team auf internationalem Parkett höher. Weil Servette (gegen Liverpool), Basel (gegen Real Madrid) und Lugano (gegen Legia Warschau) in der ersten Runde allesamt scheitern, stehen die Hoppers als einziger Schweizer Vertreter in der 2. Runde (damals Achtelfinals). 

Der «NZZ»-Journalist schreibt nach der Gala gegen Reipas: «Im Achtelfinal ist GC ein zugkräftigerer Gegner zu wünschen, statt dieses etwas hausbacken wirkende, jedoch beispielhaft faire Team.» Der Wunsch wird erfüllt: Arsenal ist die nächste Hürde. GC scheitert mit 0:2 im Heimspiel und 0:3 auswärts deutlich.

Portrait von Rene Huessy, dem Trainer der Grasshoppers, aufgenommen im Jahr 1971. Rene Huessy begann seine Karriere als aktiver Fussballspieler beim Grasshopper-Club Zuerich, spaeter wurde er Trainer derselben Mannschaft, und uebernahm von 1973 bis 1976 die Aufgabe des Schweizer Nationaltrainers. (KEYSTONE/Str)

René Hüssy, von 1973 bis 1976 Schweizer Nationaltrainer, coachte GC zu diesem grossartigen Rekordsieg. Bild: KEYSTONE

Keine Beleuchtung, darum keine Farbfernseh-Übertragung

Ganz ohne Nebengeräusch geht nach dem Hinspiel in Finnland allerdings auch das Rückspiel nicht über die Bühne. Die Zürcher verzichteten auf eine Flutlichtanlage von 1200 Lux, womit die Farbfernseh-Übertragung der Partie nicht möglich war. Schon damals schlugen sich die Blauweissen also mit Stadionproblemen herum. 

GC – Reibas Lahti 8:0 (4:0)

Tore: 1. Müller 1:0. 31. Gröbli 2:0. 39. Müller 3:0. 45. Schneeberger 4:0. 70. Meier (Pen.) 5:0. 71. Müller 6:0. 77. Mayer 7:0. 85. Müller 8:0. 
GC: René Deck; Kurt Rüegg, Hans-Ruedi Staudenmann, Roland Citherlet, Alfred Gröbli, André Meyer, Rainer Ohlhauser, Peter Meier, Christian Winiger, Kudi Müller, Ruedi Schneeberger 

Immerhin reichte GC am Tag vor dem Spiel einen neuen Kostenvoranschlag über 700'000 Franken für die neue Flutlichtanlage ein. Im August 1972 wurde diese damals endlich zeitgemässe Anlage eingeweiht. Wieder war Arsenal zu Gast – und siegte 2:1.

Jari Litmanen, der berühmteste Sohn von Reipas

Ein Wort noch zu Reipas Lahti. Der Verein fusionierte 1996 mit dem FC Kuusysi Lahti – gegen jenen Klub feierte Xamax in der Saison 1987/88 mit dem 5:0 seinen höchsten Europacup-Sieg der Geschichte – zum FC Lahti. Der Klub spielt heute in der höchsten finnischen Liga. Reipas Lahti blieb als Reserve- und Nachwuchsteam erhalten und kickt aktuell in der vierthöchsten finnischen Liga. 

Der berühmteste Fussballer des Vereins übrigens war ein gewisser Jari Litmanen, der als sechsjähriger 1977 zum Klub stiess und diesen 1990 verliess, um seine Weltkarriere so richtig zu lancieren.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote - alles ist dabei. 

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