Unvergessen
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Spanish goalkeeper Luis Arconada is unable to stop a goal kicked by France's Michel Platini, not seen, during the France-Spain final match of the European Soccer Championship in Paris, June 27, 1984.  Spain's Salvador Garcia holds his head at right.  (AP Photo)

Das Tor zum Titel: Spaniens Luis Arconada lässt den (harmlosen) Freistoss von Michel Platini passieren.
Bild: AP NY

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27.06.1984: Platini ballert Frankreich mit neun (!) Toren zum EM-Titel – bis heute Rekord

27. Juni 1984: Michel Platini, heute verpönter ehemaliger UEFA-Chef, ist der beste Fussballer Europas und orchestriert Frankreich als genialer Mittelfeldstratege zum ersten Titel bei einer Europameisterschaft – und ganz nebenbei schiesst der damals 29-Jährige auch noch neun Tore in fünf Spielen.



Dieser Tage messen sich praktisch alle die besten Teams Europas an der EM in Frankreich. Der wohl grösste gesellschaftliche Anlass der «Grande Nation» seit Nicolas Sarkozys Vermählung mit Carla Bruni. Einen der legendärsten französischen Fussballern sucht man auf den zahlreichen Tribünen allerdings vergebens: Der gesperrte und mittlerweile zurückgetretene UEFA-Präsident Michel Platini ist aus den Stadien verbannt worden.

UEFA President Michel Platini addresses a news conference after a UEFA meeting in Zurich, Switzerland, May 28, 2015.   REUTERS/Ruben Sprich/File Photo.     TPX IMAGES OF THE DAY

Für Michel Platini gibt es keine Stadion-Besuche an der Heim-EM. Bild: RUBEN SPRICH/REUTERS

Was heute vor allem für jüngere Fussballfans kaum zu glauben ist: Platini ist vor 32 Jahren tatsächlich einer der begnadetsten Fussballern auf dem Planeten – und schiesst Frankreich als Rekord-Torschützenkönig praktisch im Alleingang zum Europameistertitel.

Alle neun Tore des «Platoche»

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YouTube/UEFA.tv

Pokalflut für den Strategen

1984 ist generell das Jahr des Platini: Mit Juventus holt sich das Kind italienischer Einwanderer nach dem Meistertitel auch den Europapokal der Pokalsieger. Persönlich räumt Platini die Trophäen für – Achtung, festhalten! – Frankreichs und Europas Sportler des Jahres, Italiens und Europas Fussballer des Jahres sowie die Torschützenkronen der Serie A und eben der Europameisterschaft ab. Als Mittelfeldspieler, wohlgemerkt. Eine fast schon «federereske» Dominanz.

Beim lockeren EM-Aufgalopp in den Gruppenspielen erzielt Platini erst das goldene Tor gegen Dänemark und haut den Belgiern dann gleich drei Kisten rein. Mit zwei Siegen im Rücken wartet anschliessend im Duell um den Gruppensieg das starke Jugoslawien.

In der vom Schweizer Schiedsrichter André Daina geleiteten Partie gegen Jugoslawien läuft es für die «Bleus» zunächst nicht nach Wunsch: Zur Pause führen die Osteuropäer verdientermassen mit 1:0 und scheinen die Partie im Griff zu haben.

Dann folgt der (nächste) grosse Auftritt von «Platoche»: Mit einem lupenreinen Hattrick dreht der Mittelfeldstratege die Partie. Vor allem sein Freistosstor zum zwischenzeitlichen 2:1 ist allererste Sahne: Nur gerade 61 km/h schnell, dafür mit mehr Gefühl als zehn Rosamunde-Pilcher-Folgen zusammen.

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Platinis Freistoss gegen Jugoslawien YouTube/Berurier8623

Dank Freistoss-Wettbewerben zum Zauberfüsschen

Standards sind zu dieser Zeit Platinis Spezialität, und das kommt nicht von ungefähr: Mit Torhüter Jean-Michel Moutier legt er jeweils Sonderschichten ein. «Wir haben uns zwei- oder dreimal in der Woche nach dem Training getroffen, wenn das Wetter gut war. Es gab diese Freistoss-Wettbewerbe. Wir haben das 30 bis 60 Minuten lang gemacht», bestätigt Moutier später in der Dokumentation «Football's Greatest: Michel Platini».

«Geh beiseite, Henry, ich mache ihn!»

Platini erkämpft sich das Freistoss-Recht.

Bereits früh in seiner Nati-Karriere hat Platini gezeigt, wer der Chef für die ruhenden Bälle ist: Bei seinem Debüt schickt der 20-jährige Jungspund ohne viel Federlesen den eigentlichen Freistossschützen Henry Michel weg («Geh beiseite, Henry, ich mache ihn!») und hämmert die Kugel ins Netz.

Die «grosse Veränderung im französischen Fussball»

Als souveräner Gruppensieger trifft die «Tricolore» im Halbfinale auf Portugal. Nach der bitteren Halbfinal-Pleite zwei Jahre zuvor an der WM in Spanien wollen es die Franzosen nun besser machen. Nach einem intensiven Schlagabtausch mit vier Toren muss eine Verlängerung her. Eine Minute vor deren Ende erzwingen die Franzosen doch noch die Entscheidung. Torschütze ist – natürlich – Platini.

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Das Fünf-Tore-Spektakel zwischen Frankreich und Portugal.
YouTube/Stanisław Leszczyński

Das Finalspiel gegen Spanien verläuft dann vergleichsweise unspektakulär: Nach einer Stunde markiert Platini mit seinem neunten Turniertreffer das 1:0. Bei seinem eigentlich harmlosen Freistoss leistet Keeper Luis Arconada allerdings mächtig Beihilfe. Sekunden vor Schluss macht Stürmer Bruno Bellone den Sack zu.

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Glück des Tüchtigen: Platinis Game-winning-Tor im Final. streamable

Platinis Torrekord ist bis heute unerreicht – auch wenn die Anzahl Spiele sich kontinuierlich steigerte. Doch neben den Rekordbüchern fast noch stärker beeinflusst hat der damalige Captain seine Nationalmannschaft. Sein ehemaliger Teamkollege Luis Fernandéz beschreibt es so: «Es war Frankreichs erste Team-Trophäe. Am Ende waren wir angekommen und konnten gewinnen. Wir wussten von da an, dass wir rausgehen und gewinnen konnten. Und das war eine grosse Veränderung im französischen Fussball

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In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei. Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

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