Unvergessen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Mit insgesamt neun Gold- sowie je einer Silber- und Bronzemedaille ist Spitz einer der erfolgreichsten Athleten bei olympischen Spielen. In seiner Karriere schwamm er zudem 35 Weltrekorde. Bild: EPA DPA

Der Hai beisst bei Olympia zu

Unvergessen

28.8.1972: Mark Spitz holt sich die ersten zwei von sieben Goldmedaillen und schwimmt in jedem Rennen Weltrekord

28. August 1972: Nachdem der Amerikaner Mark Spitz vier Jahre zuvor bei den Olympischen Spielen in Mexiko-City sich und sein Umfeld enttäuscht hat, nimmt er in München Revanche – und wie!

Mark Spitz ist das älteste von drei Kindern und kommt am 10. Februar 1950 auf die Welt. Seine Eltern, Lenore und Arnold Spitz, bringen ihm das Schwimmen bei, sobald er selbstständig laufen kann. 

Als sein Sohn zwei Jahre alt ist, findet Vater Spitz, ein Geschäftsmann im Stahlbusiness, eine Stelle in Honolulu, der Hauptstadt von Hawaii. Spitz Junior schwimmt jeden Tag seine Längen am berühmten Waikiki-Strand. 

«Sie hätten diesen kleinen Jungen sehen sollen, wie er im Meer herumschwamm. Er kraulte, als ob er Selbstmord begehen würde», so seine Mutter gegenüber einem Reporter.

This May 21, 2014 photo shows Duke Kahanamoku Beach in the Honolulu tourist neighborhood of Waikiki in Hawaii. The destination topped this year's annual ranking of the best public beaches in the United States as chosen by Stephen Leatherman, better known as Dr. Beach. (AP Photo/Sam Eifling)

Waikiki-Beach in Hawaii. Es gibt schlimmere Orte, um schwimmen zu lernen. Bild: Sam Eifling/AP/KEYSTONE

Früh zeigt sich sein Talent

Nach ein paar Jahren zieht die Familie nach Kalifornien zurück. Mark Spitz beginnt im lokalen Schwimmklub zu trainieren. Sein Vater lehrt ihm dabei immer die Wichtigkeit, Erster zu werden. Bevor er zehn Jahre alt ist, hält Spitz 17 nationale Altersrekorde.  

Mit 15 Jahren gewinnt Mark Spitz bei den Maccabiah Games 1965 in Tel Aviv vier Goldmedaillen und wird zum herausragenden Athleten gewählt. Ein bewegender Moment für die Familie Spitz, die jüdischer Abstammung ist.

Dies ist nur der Anfang eines langen Triumphzugs für Spitz. Mit 16 Jahren gewinnt er den ersten (von insgesamt 31) nationalen Meistertiteln über 100 Meter Brustschwimmen. Im folgenden Jahr gelingt Spitz der erste Weltrekord bei einem kleinen Schwimmevent in der Heimat. Er schwimmt die 400 Meter Freistil in 4:10.60 Minuten. 

Die grosse Ernüchterung

Mit neun weiteren Weltrekorden im Gepäck reist Spitz als grosse Medaillenhoffnung zu den Olympischen Sommerspielen 1968 in Mexiko-City. Er prognostiziert sechs Goldmedaillen, doch der Ausflug verkommt zur brutalen Enttäuschung. Nur zweimal Team-Gold in der Staffel sowie je einmal Silber und Bronze springen für Spitz heraus. 

A picture dated 31 July 1972 of US swimmer Mark Spitz at the Olympic Games in Munich, Germany. US swimmer Michael Phelps broke the record for Olympic gold by taking his 10th and 11th gold medal at the Olympic Games in Beijing, China, 13 August 2008. Phelps has now surpassed the nine gold medals won by US swimmer Mark Spitz.  EPA/STR

Die Entfernung von Körperhaaren und die heute übliche Badekappe waren in der Ära von Spitz offensichtlich noch kein Thema. Bild: EPA

Die Schlappe bringt Spitz dazu, die Westküste zu verlassen und für die Indiana University Hoosiers zu schwimmen, wo der legendäre Trainer mit dem passenden Namen Doc Counsilman unterrichtet. «Dies ist die wichtigste und beste Entscheidung, welche ich in meinem Leben getroffen habe», meint Spitz später.

Vier Jahre später will Mark Spitz Revanche nehmen. Inzwischen hat er von seinen Teamkollegen den Spitznamen «Mark the Shark» verpasst bekommen. Nun will er bei den Olympischen Spielen in München endlich die (eigene) Messlatte von sechs Goldmedaillen knacken. 

Ein Held wird geboren

Am 28. August 1972 geht er beim 200-Meter-Schmetterling an den Start und holt erstmals Gold mit Weltrekordzeit. In der 4×100 m Freistilstaffel legt er gleichentags nach, wiederum in Weltrekordzeit. In diesem Stil geht es munter weiter: Nach sechs Rennen stehen sechs Goldmedaillen und sechs Weltrekorde auf seinem Konto.

Vor dem letzten Rennen zeigt er nur Minuten vor dem Start erstmals Anzeichen von Nervenflattern: «Ich weiss, ich sage vor jedem Rennen, dass ich nicht schwimmen will. Aber diesmal ist es mir ernst. Wenn ich sechs Rennen schwimme und sechs gewinne, werde ich ein Held sein. Wenn ich sieben schwimme und sechs gewinne, werde ich ein Versager sein», sagt er zu einer ABC-Reporterin.

Bild

Berühmt war Spitz auch für seinen Schnauz. Als er einem russischen Funktionär im Spass erzählt, sein buschiger Gesichts-Balken sei ein aerodynamischer Vorteil, ist das komplette russische Schwimmteam im Jahr darauf ebenfalls mit einem Schnauz unterwegs. Screenshot: markspitzusa.com

Spitz gewinnt das Rennen knapp und holt somit auch im siebten Rennen Gold und Weltrekord. Zugleich sprengt Spitz damit alle damals bekannten Rekorde bei olympischen Spielen. 

abspielen

Das Karriere-Highlight im Video.  video: YouTube/olympics

Auf dem Höhepunkt tritt Mark Spitz im jungen Alter von 22 Jahren ab: «Ich kann aufhören mit dem Gedanken, dass ich es nicht besser machen konnte.»

Das Comeback für eine Million

Danach macht Spitz Abstecher ins Showbusiness und vermarktet seine Erfolge. 18 Jahre später, im biblischen Alter von 41 Jahren, versucht er sich 1992 für die Olympischen Spiele in Barcelona zu qualifizieren, nachdem ihm ein Filmemacher eine Prämie von einer Million Dollar für eine erfolgreiche Qualifikation bietet.

«Gott gab mir einen Schwimmkörper – wieso soll mir nicht ein letzter Effort gelingen?»

Mark Spitz 1992 people.com

Mark Spitz scheitert knapp in der Qualifikation, obwohl seine Zeiten fast so gut sind wie in seiner Aktivkarriere zwanzig Jahre zuvor. Nur zwei Sekunden fehlen Spitz zum Geldregen. Der glückliche Familienvater wird es verschmerzen können.

Unvergessen 

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.



Das könnte dich auch interessieren:

So viel verdient dein Lehrer – der grosse Schweizer Lohnreport 2019

Link zum Artikel

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Link zum Artikel

Schweizer Firmen wollen keine Raucher einstellen – weil sie (angeblich) stinken

Link zum Artikel

Liam und Emma sind die beliebtesten Namen der Schweiz – wie sieht es in deinem Kanton aus?

Link zum Artikel

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Deutschland verpasst die grosse Sensation, weil der Puck auf der Linie kleben bleibt

18. Februar 1992: Deutschland ist im olympischen Eishockeyturnier drauf und dran, das grosse Kanada rauszuwerfen. Doch dann bleibt der Puck beim entscheidenden Penalty von Peter Draisaitl auf der Linie kleben.

Für die Schweiz ist das Eishockeyturnier der Olympischen Spiele 1992 in Albertville keine Erfolgsgeschichte. Sie beendet es auf Rang 10 von 12 Teilnehmern. Wesentlich erfolgreicher ist Erzrivale Deutschland. Weil es die Underdogs Italien und Polen schlägt, steht es in den Viertelfinals. Und dort kommt es im Palais des Glaces in Méribel zu einer Begegnung mit Kanada, deren Ausgang keiner der 5500 Zuschauer in der Halle vergessen sollte.

Hin und her wiegt das Spiel. Joe Juneau bringt Kanada in …

Artikel lesen
Link zum Artikel