Unvergessen
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Die Geschichte vom Bauernsohn, der im vorletzten Jahrhundert zum Olympiahelden wurde

10. April 1896: Willst du jemals in einer Quizshow viel Geld gewinnen, dann merke dir den Namen Spyridon Louis. Der Grieche ist als erster Marathon-Olympiasieger bis heute ein Begriff.

10.04.18, 00:01 10.04.18, 06:49

Den Begriff des Wasserträgers kennen wir in erster Linie aus dem Radsport. Er beschreibt den Helfer eines Teamcaptains und eine seiner Tätigkeiten, nämlich diesem aus dem Begleitauto einen vollen Bidon zu holen.

Auch Spyridon Louis ist Wasserträger von Beruf. Sein Geld verdient der Grieche kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert nicht auf einem Velo, sondern zu Fuss. Der Bauernsohn aus dem Athener Vorort Marousi versorgt die Hauptstadt mit Frischwasser. So kommt er täglich zu Training. Als er bei einem Vorbereitungsrennen für die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit, 1896 in Athen, stark auftritt, qualifiziert er sich für das griechische Olympia-Team.

Spyridon Louis 1896

Der Held in seiner Festtagstracht. Bild: Wikipedia



Ausländer unterschätzten Hitze

Zu den Favoriten im Rennen von Marathon nach Athen gehört Louis jedoch nicht. Die vier ausländischen Starter trotzen der Übermacht ihrer dreizehn griechischen Gegner und schlagen vom Start weg ein horrendes Tempo an. Doch diesem und der Nachmittagshitze des 10. April 1896 zollen sie einer nach dem anderen Tribut.

Albin Lermusiaux (Frankreich) und Arthur Blake (USA) geben nach etwa 30 Kilometern in Führung liegend auf. Nun läuft der Australier Edwin Flack an der Spitze. Doch in der Athener Sonne erleidet er einen Schwächeanfall, auch für ihn ist das Rennen gelaufen. So ist der Weg frei für Spyridon Louis. Er läuft solo ins Stadion ein, bewältigt die 40 Kilometer lange Strecke in 2 Stunden, 58 Minuten und 50 Sekunden.

Spyridon Louis 1896

Riesige Begeisterung, als Louis ins Ziel läuft. Bild: Wikipedia

«Dieser Moment war unvorstellbar», erinnerte er sich vier Jahrzehnte später daran. «In meinen Erinnerungen fühlt es sich immer noch wie ein Traum an. Jeder rief meinen Namen, warf seinen Hut vor Freude in die Luft, ich ertrank beinahe in einem Blumenmeer.» Auf der letzten Runde wird er von zwei Prinzen begleitet, die begeistert mitlaufen.

42,195 Kilometer

Die bis heute gültige Streckenlänge wurde erst 1908 bei den Olympischen Spielen in London festgelegt. Die damals übliche Marathon-Distanz von 40 Kilometern wurde künstlich verlängert, damit die Athleten die königliche Loge im Schloss Windsor passieren konnten.

«Ich bin nur ein Bauernsohn, Eure Majestät!»

Seit seinem Olympiasieg geht auch die Legende um, dass er während des Rennens ein Glas Wein getrunken hat. Das stimme nicht, sagte sein gleichnamiger Enkel Spyridon Louis vor den Sommerspielen 2004, die ebenfalls in Athen stattfanden. «Seine Freundin gab ihm eine halbe Orange und sein Schwiegervater in spe einen Cognac.»

Louis geht als bescheidener Olympiasieger in die Sportgeschichte ein. Als ihm der griechische König anbietet, ihm einen Wunsch zu erfüllen, verlangt er kein Haus oder viel Land. «Ich bin nur ein Bauernsohn, Eure Majestät», soll er demütig gesagt haben. Louis wünscht sich einzig ein Pferd und einen Wagen, um sein Wasser-Transportgeschäft auszubauen. Für seine Landsleute ist der 23-Jährige ein Held, er wird reich beschenkt.

Spyridon Louis läuft nach dem Olympiasieg nie wieder ein Rennen. Er stirbt 1940 im Alter von 67 Jahren nach einem Herzinfarkt. Heute trägt das Athener Olympiastadion seinen Namen.

Dokumentation den Marathonlauf von 1896. Video: YouTube/ΓΙΩΡΓΟΣ ΚΑΤΣΙΚΑΡΗΣ

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Der Marathon auf zwei Ski: Der Engadin Skimarathon

19.09.2000: Eric «The Eel» Moussambani säuft über 100 m Freistil fast ab und wird trotzdem zum grossen Star

28.8.1972: Mark Spitz holt sich die ersten zwei von sieben Goldmedaillen und schwimmt in jedem Rennen Weltrekord

26.08.1900: Ein Siebenjähriger wird zum jüngsten Olympiasieger aller Zeiten, aber bis heute kennt niemand seinen Namen

17.09.1988: Zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Seoul gibt es geröstete Tauben

08.05.1984: Die Sowjets boykottieren Olympia. Eine Retourkutsche, die ihre Wirkung komplett verfehlt

18.10.1968: Bob Beamon springt so weit, dass nicht einmal das Massband reicht

08.08.1992: Marc Rosset holt sich an Roger Federers 11. Geburtstag den einzigen grossen Titel, der dem «Maestro» noch fehlt

16.10.1968: Tommie Smith und John Carlos sorgen für die berühmteste Siegerehrung bei Olympia

06.08.1984: Carl Lewis holt sich zum ersten Mal Olympia-Gold in seiner Lieblingsdisziplin

28.07.1984: Gaby Andersen-Schiess torkelt in der Hitze von LA völlig dehydriert über die Zielgerade des Olympia-Marathons

25.07.1908: Wyndham Halswelle wird Olympiasieger über 400 Meter – weil er im Final der einzige Läufer ist

Die Geschichte eines Bauernsohns, der im vorletzten Jahrhundert zum Olympiahelden wurde

17.08.2008: Amor trifft besser als der Sportschütze, der nur deshalb berühmt wurde, weil er auf die falsche Scheibe zielte

04.08.2012: Das knappste Finale in der Olympia-Geschichte im Triathlon gewinnt Nicola Spirig dank einer unglaublichen Willensleistung

06.08.2012: Felix Sanchez schmuggelt Foto von totem Grosi unter die Startnummer und schafft das grösste Comeback der Leichtathletik

26.07.1992: Das beste Team, das jemals Basketball gespielt hat, verzaubert die ganze Welt

01.10.2000: Der Abschluss der Spiele von Sydney ist der Beginn der grossen Liebe zwischen Roger und Mirka

09.06.1924: Die Schweiz verpasst den Olympiasieg – aber wird Europameister!

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Eva_p16 10.04.2018 16:43
    Highlight Die Kleidung ist keine Festtracht. Sie ist zwar traditionell, jedoch liefen alle so herum. Spiridon Louis soll darin sogar gerannt sein...
    0 1 Melden
  • Ehringer 10.04.2018 09:25
    Highlight Kann man noch erwähnen, dass 3h selbst heute für einen Hobbyläufer eine tolle Zeit sind. Gibt immerhin einen Schnitt von 4:16 Minuten pro Kilometer und das ohne Ausrüstung wie heute. Sehr stark!
    9 0 Melden
  • Waldorf 10.04.2018 07:58
    Highlight Das ist eine wirklich beachtliche Leistung. Der Typ war schon nur durch seine tägliche Arbeit um einiges fitter als ein heutiger Hobbyläufer.
    9 0 Melden

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26. Juli 1992: Die Gegner? Statisten. Olympiagold? Ein Spaziergang. Die US-Basketballer um Jordan, Barkley, Johnson und Co. dominieren in Barcelona nach Belieben. Das erste Spiel gegen Angola gewinnen sie mit 68 Punkten Vorsprung.

Sommer 1992. Dänemark ist bei der Fussball-EM in Schweden völlig überraschend Europameister geworden, doch nur einen Monat später interessiert sich auf dem alten Kontinent niemand mehr für Fussball. Plötzlich spricht jeder über Basketball, über das «Dream Team», über Michael Jordan, Magic Johnson, Larry Bird, Charles Barkley und ihre Teamkollegen. Doch nicht nur Europa, die ganze Welt freut sich auf das «Dream Team» aus den USA.

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